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01-02 | 2019

Special E-world energy &

Special E-world energy & water Items Halle 3 / Stand 445 „Stadtwerke sind prädestiniert für IoT“ LoRaWAN-Funkantenne auf einem Dach. Die Technologie überzeugt mit hohen Reichweiten und guter Gebäudedurchdringung. IOT | Das Internet der Dinge (IoT) ist bei Stadtwerken zum Trendthema avanciert. Die items GmbH aus Münster, Full-Service-IT-Dienstleister für die Versorgungsbranche, baut aktuell ein interdisziplinäres IoT-Team auf, um Stadtwerke beim Aufbau und Betrieb von Infrastrukturen im Bereich der Long-Range-Wide-Area-Network (LoRaWAN)-Technologie unterstützen zu können. Im Gespräch mit BWK erläutert Alexander Sommer, Leiter Innovation & Transformation, die Strategie von items. Herr Sommer, seit wann und warum beschäftigt sich items mit LoRaWAN? Im Grunde schon seit mehr als zwei Jahren, als wir ein Projekt gestartet hatten mit dem Ziel, die Instandhaltung der über 4 000 Kabelverteilerschränke bei einem Kunden zu optimieren. Den Prozess der manuellen Verwaltung und zyklischen Wartung wollten wir mithilfe von Sensorik intelligenter machen. Das Projekt ist aber zum Erliegen gekommen, weil sich eine kabel- oder mobilfunkbasierte Datenübertragung als zu kostenintensiv erwies und andere Lösungen nicht verfügbar waren. Das war der Treiber für uns, nach einer Technologie zu suchen, mit der wir Sensordaten aus sehr vielen Endgeräten wesentlich kostengünstiger übertragen können. Bilder (2): items „Anwendungsfelder im Dialog mit Kunden priorisiert“ Die Sie mit der Funktechnologie LoRa- WAN gefunden haben? Ja, das angesprochene Projekt haben wir aber noch nicht umgesetzt, weil zunächst andere Dinge in den Fokus gerückt sind. Wir haben eine Demo-Umgebung aufgebaut und sind mit Kunden in den Dialog getreten, um potenzielle Anwendungsfelder zu priorisieren. Inzwischen gibt es Projekte mit Dutzenden von Use-Cases, darunter auch die Fernüberwachung von Kabelverteilerschränken – allerdings bei einem anderen Kunden. Wie hat sich items organisatorisch beim Thema LoRaWAN aufgestellt? Wir bauen ein neues Geschäftsfeld im Bereich IoT und LoRaWAN auf, weil wir darin eine große Zukunft für Stadtwerke sehen. Ein Innovationsteam kümmert sich um Fragen wie: Welche Trends und Technologien gibt es am Markt? Bei welchen Prozessen haben Stadtwerke Optimierungsbedarf? Welche neuen Geschäftsfelder können Stadtwerke aufbauen? Konkret bei LoRaWAN mussten wir schauen: Welche Kompetenzen werden benötigt, um Projekte durchzuführen? Einige Kompetenzfelder können wir selbst besetzen, andere nicht. Im Technikbereich, also dort, wo wir über Sensorik, Funknetzaufbau, Netzbetrieb, Backend- Systeme, Schnittstellen usw. reden, arbeiten wir mit Technologie-Partnern zusammen. Unsere Aufgaben sehen wir in der strategischen Beratung und der Unterstützung bei der technischen Projektumsetzung durch die Kollegen aus den Fachbereichen. Hierfür bauen wir aktuell ein interdisziplinäres IoT-Team auf. Wir werden aber nicht anfangen, selbst Software zu entwickeln oder Hardware zu bauen, sondern wollen für unsere Kunden ein neutraler Partner beim Aufbau neuer Geschäftsfelder sein. Alexander Sommer, Leiter Innovation & Transformation bei der items GmbH, Münster: „Überall geht unmittelbar die Tür auf, wenn wir uns mit dem Thema LoRaWAN ankündigen.“ „Wertvoller Austausch unter Stadtwerken zum Thema IoT“ Vermutlich fungieren Sie für Ihre Gesellschafter und Kunden auch als Info- Tauschbörse? 24 BWK Bd. 71 (2019) Nr. 1/2

E-world energy & water Special Genau. So wie wir auf unseren anderen Tätigkeitsfeldern eine Kooperationsplattform sind, wollen wir dies auch im IoT- Bereich sein. Es ist immer hilfreich, wenn sich die Experten aus den verschiedenen Fachbereichen treffen und austauschen. Die LoRaWAN-Pioniere Smart City Solu - tions aus Karlsruhe haben vor einiger Zeit die LoRa Interest Group ins Leben gerufen, hier sind wir mittlerweile als Mitorganisatoren aktiv. Weiterhin veranstalten wir regelmäßig kundenübergreifende Veranstaltungen und Workshops. Da IoT ein regionales und kommunales Thema ist, gibt es keinen Wettbewerb unter den Stadtwerken, was den Austausch einfach und werthaltig macht. Warum sollten sich Stadtwerke mit IoT- Anwendungen beschäftigen? Stadtwerke sind Infrastrukturdienstleister für Kommunen. Sie stellen Strom, Gas, Wasser, Wärme, ÖPNV usw. zur Verfügung, damit Städte funktionieren. Das digitale Zeitalter verlangt neue Infrastrukturen, damit Städte weiterhin funktionieren können. Stadtwerke sind prädestiniert dafür, diese Technologien und Infrastrukturen bereitzustellen. Sie können damit viele interne Prozesse optimieren, sie können Know-how und Infrastrukturen aber auch für Aufgaben jenseits klassischer Versorgungsaufgaben zur Verfügung stellen und im Idealfall Geld damit verdienen. „LoRaWAN ist für viele Aufgaben die richtige Technologie“ Welche Rolle spielt LoRaWAN dabei? LoRaWAN löst nicht alle Probleme, aber es hilft bei vielen Aufgaben, die durch andere Techniken nicht oder zumindest nicht wirtschaftlich gelöst werden können. Da es sich um eine Technologie mit freien Funkfrequenzen handelt, sind die Investitionen für den Netzaufbau gering. Der Betrieb ist ebenfalls relativ kostengünstig, da LoRaWAN mit batterie-betriebenen Sensoren arbeitet, die bis zu zehn Jahre halten. Das Risiko, bei einem LoRa- WAN-Projekt etwas Falsches zu tun, ist überschaubar. Nachteilig ist, dass es keine echtzeit-fähige Technologie ist und nur geringe Datenraten übertragen werden können. Wo aber Messdaten und Zustandsinformationen gefragt sind, die nicht unmittelbar für den Wirkbetrieb von Anlagen und Infrastrukturen benötigt werden, ist LoRaWAN die richtige Technologie. Ihr Schwesterunternehmen smart - Optimo ist Spezialist für smartes Messwesen und Gateway-Administration. An der Controllable-Local-Systems (CLS)-Schnittstelle des Smart Meter Gateways (SMGW) kann LoRaWAN andocken, um Daten aus nicht regulierten Anwendungen über das SMGW mit Backend-Systemen auszutauschen. Gibt es an dieser Schnittstelle schon eine Kooperation? Wir arbeiten hier mit smartOptimo eng zusammen und befinden uns in intensiven Diskussionen. Insbesondere im LoRa- WAN basierten Submetering sehen wir eine große Zukunft. Das Thema stößt bei allen Kunden auf starkes Interesse. Aber es wird noch etwas dauern, bis es Fahrt aufnimmt. Zunächst einmal müssen die intelligenten Messsysteme installiert werden. Deshalb liegt unser Hauptfokus zunächst auf dem Netzaufbau und der Umsetzung von Use Cases, die in keiner Weise von Regulierung beeinflusst sind. „Versorger möchten direkt in Projekte einsteigen“ Wie erleben Sie das Echo aus den Stadtwerken auf LoRaWAN? Sind die Unternehmen bereit für IoT-Anwendungen? Das Echo ist überwältigend. Überall geht unmittelbar die Tür auf, wenn wir uns mit dem Thema LoRaWAN ankündigen. Einige Unternehmen möchten direkt in Projekte einsteigen. Welcher Bereich ist Ihr erster Ansprechpartner? Das Netz? Nein, wir adressieren alle Ebenen. Das Netz ist selbstverständlich ein wichtiger Einsatzbereich, weil man dort viele Effizienzen heben kann. Wir empfehlen, das Thema IoT unternehmensweit anzugehen. Man sollte Bereiche wie Strategie, Produktinnovation, Vertrieb und Netze zusammenholen und einen übergeordneten IoT-Fahrplan entwickeln. „Erste Stadtwerke prägen IoT-Aktivitäten als Sparte aus“ Wo steht items aktuell in LoRaWAN- Projekten? Welche praktischen Anwendungen haben Sie realisiert? Wir sind aktuell bei acht Stadtwerken aktiv. Das erste große Projekt bei den Stadtwerken Lübeck startete Ende 2017. Dabei testen wir in der Regel mit einem Piloten die Technologie, damit die Stadtwerke sich selbst ein Bild davon machen können. Die Themen sind vielfältig: wasserwirtschaftliche Anwendungen, Überwachung von Trafostation, Parkraumüberwachung, Zählerauslesung, Submetering, um nur einige Beispiele zu nennen. Bei zwei Stadtwerken sind wir dabei, IoT-Anwendungen als separate Sparte auszuprägen. Eins davon sind die Stadtwerke Lübeck, die innerhalb des Energie- Clusters digitales Lübeck die Hansestadt zur Modellregion einer intelligent vernetzten, nachhaltigen Stadt mit hoher Lebensqualität für die Bürgerinnen und Bürger machen sollen. Auf welchem Backend-System setzen Sie auf? Grundsätzlich arbeiten wir mit unseren Partnern zusammen, was die LoRaWAN spezifischen Softwarekomponenten angeht. Momentan gibt es zahlreiche Hersteller, die sagen, sie hätten eine IoT-Plattform. Da muss sich die Spreu noch vom Weizen trennen. Der Markt ist noch sehr beweglich, und es ist unklar, wohin der Trend technologisch geht. Wir glauben, dass Stadtwerke eine zentrale IoT-Datendrehscheibe benötigen werden, auf der alle Sensor-Daten zusammenlaufen – nicht nur aus dem LoRaWAN-Umfeld, sondern auch aus anderen Quellen, etwa Breitband-Mobilfunk. „Das IoT-Spielfeld nicht den US-Konzernen überlassen“ Welchen Tipp würden Sie Stadtwerken mit Blick auf die IoT-Zukunft unbedingt mit auf den Weg geben? Wie schon gesagt: Jemand muss die smarten Infrastrukturen in den Städten erbauen und betreiben. Das können wir den großen Konzernen aus Amerika überlassen, oder wir können es selbst in die Hand nehmen. Unser Ziel bei items ist es, Stadtwerke zu befähigen, diesen Schritt zu gehen. Und die Unternehmen sollten sofort loslegen. Die großen Player sind träge, aber wenn sie anfangen, entfalten sie enorme Kraft. Stadtwerke sind beweglicher und haben vor allem Zugang zu den Kunden und lokalen Partnern. Die Unternehmen sollten sich einfach trauen. Sie haben nichts zu verlieren, aber viel zu gewinnen. Herr Sommer, vielen Dank für das Gespräch. i www.itemsnet.de BWK Bd. 71 (2019) Nr. 1/2 25

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