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01-02 | 2019

Aus Springer-VDI-Verlag

Aus Springer-VDI-Verlag wird VDI Fachmedien. Wir sind da, wo wir hingehören: im Top-Fachverlag für Ingenieure, den VDI Fachmedien. In direkter Anbindung an den VDI, dem größten deutschen Ingenieurnetzwerk. Wir – das sind die hochkarätigen Fachzeitschriften von Bauingenieur über BWK, Gefahrstoffe | Reinhaltung der Luft, HLH, Konstruktion, Lärmbekämpfung, Logistik für Unternehmen, Technische Sicherheit, UmweltMagazin und VDI-Z, deren erste Ausgabe bis zur Gründung des VDI zurückreicht. Unsere Autoren berichten über Innovationen und Hintergrundwissen in ihrem jeweiligen Fachgebiet. Und das jederzeit praxisorientiert, ohne den wissenschaftlichen Background aus dem Blick zu verlieren. TECHNIKWISSEN FÜR INGENIEURE. www.vdi-fachmedien.de

Gastkommentar Erneuerbare und Digitalisierung erfordern einen Masterplan Energiewende ENERGIEPOLITIK | Die Energiewende und der damit einhergehende Transformationsprozess zu einer treibhausgasneutraleren und import - unabhängigeren Industrienation ist eine große Chance für Deutschland. Für Investitionsentscheidungen und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle sind klar formulierte Ziele und ein konsistentes Maßnahmenpaket nötig. Doch es fehlt der Masterplan der Energiewende. Bisher bleiben alle Ansätze einer Wärme- und Verkehrswende ergänzend zur Wende im Stromsektor Stückwerk. Und auch im Stromsektor gibt es weiter unzählige Brüche und Widersprüche. Nach wie vor fehlt das überzeugende Gesamtkonzept, das die einzelnen Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammenfügt und die Voraussetzung dafür schafft, dass die Dekarbonisierung im Strom-, Wärme- und Verkehrssektor übergreifend erfolgen kann. Klimafreundliche Technologien werden sich allerdings nur durchsetzen, wenn sie die günstigste Energieform darstellen und wenn erneuerbare Energien ohne Subventionen dauerhaft in den Markt finden. Grundlage dafür ist ein CO 2 -Preis, der einen Sog nach erneuerbaren Energien aus dem Markt erzeugt und so zu einem Preis führt, der sich aus Angebot und Nachfrage generiert und nicht aus staatlich festgelegten Preisen. Er verbindet damit Marktwirtschaft und Klimaschutz, indem er die Investitionssicherheit fördert und den Aufbau nichtfossiler Lösungen berechenbar und lukrativ macht. Dazu gehört außerdem, dass die ungleiche Belastung mit Abgaben und Umlage von Strom und fossilen Energieträgern wie Öl aufgehoben wird. Fast alle Kosten, die bisher durch die Energiewende an - gefallen sind, wurden auf den Strompreis auf - geschlagen. So kommt es, dass Strom mit bis zu 30-mal so hohen Abgaben, Umlagen und Steuern belastet ist wie zum Beispiel Heizöl. Es ist daher eine wichtige Aufgabe der Energiepolitik, den Strompreis zu entfrachten und ein CO 2 -Preis - signal zu entwerfen, das den CO 2 -Gehalt der Energien so deutlich spiegelt, dass der Markt reagiert. So entsteht eine stabile Nachfrage nach erneuerbaren Energien, die in der Lage ist, Investitionen nachhaltig abzusichern. In Summe kann und muss dies aufkommensneutral gestaltet werden, um die Energieversorgung insgesamt nicht zu verteuern. Gelingt dies, wird die Nachfrage nach klimafreundlichen erneuerbaren Energien weiter steigen. Schon heute liegt die Anzahl von Photovoltaikanlagen, Windrädern und weiteren Erzeugungsanlagen für grünen Strom bundesweit bei 1,74 Millionen Anlagen. Geschuldet ist dies der veränderten Rolle des Letztverbrauchers, der durch eigene erneuerbaren Energieerzeugungsanlagen immer mehr zum „Prosumer“ wird. Diese Dimension stellt die Energiebranche vor eine weitere Herausforderung: Sie muss die Digitali - sierung angehen. Sie steht vor der Aufgabe, die beispielsweise in der Energiewirtschaft, der Wohnungswirtschaft oder im Zusammenhang mit Elektromobilität erhobenen Messdaten mit Steuerungs- und Regelungstechnik zu kombinieren. Welche Geschäftsmodelle mit dem Wandel der technischen Dimension „Messwesen“ zum „Smart Metering“ in der Energiewirtschaft möglich werden, zeigt der bne in einem Leitfaden „Geschäftsmodelle und Rechtsrahmen der digitalen Energiewende“ auf. Die Zukunft ist damit ein System, in dem Prosumer Energie aus regenerativen Quellen erzeugen, selbst verbrauchen und an andere abgeben. Zu alldem muss zwingend eine Reform der Netzentgelte treten. Diese müssen so konzipiert werden, dass sie Flexibilisierung nicht behindern und den Netzkostenbeitrag auch der Prosumer sicherstellen. Denkbar ist hier das Modell eines Infrastrukturentgeltes, das verursachungsgerechter ist und Effizienzmaßnahmen und Eigenerzeugung nicht behindert. Nach alldem wird bei kluger Ausgestaltung am Ende die marktwirtschaftliche Integration der erneuer baren Energien in den konventionellen Energiemarkt stehen und mittelfristig die Verschmelzung zu einem einheitlichen Energiemarkt. Robert Busch, Geschäftsführer des Bundesverbandes Neue Energiewirtschaft (bne), Berlin. „Bisher bleiben alle Ansätze einer Wärme- und Verkehrswende ergänzend zur Wende im Stromsektor Stückwerk.“ Bild: bne BWK Bd. 71 (2019) Nr. 1/2 3

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