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01-02 | 2019

IT & Management Chancen

IT & Management Chancen durch beschleunigte Informationsübermittlung Mobile Anwendungen bieten dem Verbraucher die Möglichkeit, die am intelligenten Messsystem anfallenden Informationen jederzeit und an jedem Ort auszuwerten und daraus automatisiert oder manuell Aktivitäten abzuleiten, wie zum Beispiel die Steuerung seiner Verbraucher oder Einspeiser, aber auch die Benachrichtigung von Dienstleistern. Die Beschleunigung der Informationsübermittlung bietet Versorgern potenziell die Möglichkeit, Kunden neue Tarife anzubieten – beispielsweise abhängig vom Lastgang – und schneller sowie in kürzerer Taktung zur Abrechnung zu bringen. Der Smart-Meter-Rollout wird nach wie vor dadurch gebremst, dass marktreife Produkte (Hardware, Software, Tarifmodelle usw.) noch nicht konsequent Endto-End anwendbar zur Verfügung stehen. Die Ursachen hierzu sind vielfältig, wie beispielsweise Kosten, Regulierungs- oder Interoperabilitätsanforderungen. Diese Verzögerung können Versorger nutzen, um sich strategisch und prozessual auf die smarte Energiezukunft einzustellen. Tradierte Vermarktungs- und Steuerungskonzepte werden jedoch an Bedeutung verlieren, müssen aber nach wie vor unterstützt werden. So besteht trotz regulatorischer Vorgabe zum Einbau intelligenter Messsysteme immer noch die Notwendigkeit, Messstellen ohne Smart-Meter-Gateway-Anbindung zu betreiben und auszulesen. Innovationen in diesem Bereich als Rückwirkung aus den Anwendungen für intelligente Messsysteme sind aber auch hier möglich. Neue Marktbedingungen, neue Modelle der Zusammenarbeit Die Energiewelt wird vor dem Hintergrund der skizzierten Einflüsse nicht einfacher. Unternehmer und Kunden müssen sich dieser Veränderung aber stellen, wenn sie zu den Gewinnern des Wandels zählen wollen. Um die Marktbedingungen zum eigenen Vorteil nutzen zu können, helfen veränderte Zusammenarbeitsmodelle innerhalb der Unternehmen. Dafür müssen Führungskonzepte angepasst und das Rollenverständnis der einzelnen Mitarbeiter neu entwickelt werden. Es kommt darauf an, die Kreativität aller Köpfe zu mobilisieren und zu nutzen. Die Digitalisierung und der Rollout intelligenter Messsysteme sollten als Chance für Neues verstanden werden und nicht als Regulierungsschikane des Messstellenbetriebsgesetzes. Ein Wandel in der Unternehmenskultur ist bei dieser Änderung der Weltsicht unumgänglich. „New ways of working“ wie flexible, interaktive Arbeitsmodelle, neuartige Arbeitsprozesse sowie Coworking Spaces können eine wichtige Rolle spielen, um tradierte Konzepte der Arbeitsorganisation hinter sich zu lassen. Zudem sollte der Kulturwandel im Unternehmen durch einen agilen Führungsstil begleitet werden. Durch den Abbau von Hierarchien, durch offene Kommunikation und die Förderung eines innovationsfreundlichen Klimas kann dies gelingen. Damit einher geht eine deutlich höhere Eigenverantwortung des einzelnen Mitarbeiters. Workshops helfen dabei, die Weichen neu zu stellen Kreativität und Aufgeschlossenheit gegenüber Innovationen durch fundierte Methoden zu fördern, die Mitarbeiter zu motivieren, den Innovationsprozess zu gestalten und sich nicht als dessen Opfer zu betrachten, sind wesentliche Teilaufgaben des Wandels. Um ein Innovationsklima im Unternehmen zu erzeugen, können spezielle, zielgerichtet vorbereitete Innovations-Workshops als Hilfestellung dienen. Sie unterstützen dabei, Denkanstöße zu vermitteln und neue Produkte zu kreieren. Die Einbindung möglichst vieler Mitarbeiter fördert nicht nur das gegenseitige Verständnis, sondern auch die Identifikation mit Veränderungsmaßnahmen. Das gemeinsame Gestalten von Projekten erlaubt es allen Mitarbeitern, ihr Engagement und Wissen einzubringen. Veränderungs- und Innovationsprozesse laufen selten reibungslos ab. Durch ein begleitendes Konfliktmanagement kann in den Verweigerern schlummerndes Kreativpotenzial dennoch gehoben werden. Konflikte, die durch selbstständigeres (Zusammen-)Arbeiten entstehen, werden ebenfalls professionell moderiert. So lässt sich die freigesetzte Energie frühzeitig in konstruktive Bahnen lenken. Der Smart-Meter-Rollout und die Digitalisierung ebnen allen Marktteilnehmern den Weg zu neuen, innovativen Services und Geschäftsmodellen. Diese Chancen gilt es erkennen und zielgerichtet umzusetzen. Die Anwendung von Verfahren, die bislang nur bei Großkunden mit registrierender Leistungsmessung (RLM) zum Zuge kamen, zum Beispiel im Bereich der Bilanzierung und der Fernauslesung, sind nun auch für Kunden unter 100 000 kWh Jahresverbrauch anwendbar. Dank der Verfügbarkeit neuer Technologie kann mit bestehenden Produkten ein neuer Markt erschlossen werden. Innovation als Schlüssel zu einem erfolgreichen Unternehmen Innovation im Zeitalter der beschleunigten Digitalisierung hat viele Gesichter. Innovation ist der Schlüssel für nachhaltigen Erfolg in sich wandelnden Märkten. Innovation fällt nicht vom Himmel, und man sollte ihr Entstehen nicht dem Zufall überlassen. Innovation kann und muss gezielt gefördert werden. Dies bedarf heute mehr denn je der Einbeziehung aller Mitarbeiterressourcen im Unternehmen, und eines von der Unternehmensleitung aktiv geförderten Innovationsklimas, das motiviert, indem der Einzelne mehr Handlungsfreiheit, aber auch mehr Verantwortung erhält. Intelligente Messsysteme, Steuerboxen sowie kurzzyklische Verbrauchs- und Einspeisemessungen sind neue Basiswerkzeuge, die im Smart-Meter-Kontext nutzbar werden. Auf Grundlage live gewonnener Daten und neuer technischer Steuerungsmöglichkeiten lassen sich vielfältige Innovationen entwickeln. Prozessinnovationen entstehen durch verkürzte Ablesezeiträume und Meter-to- Cash-Zeiten. Produkt- und Ertragsmodell-Innovationen entstehen durch Auswertung von Messwerten etwa zur Verbrauchsoptimierung, Fehlersuche, Tarifmodellierung (zum Beispiel börsenabhängig) und Transparenzgewinnung (beispielsweise durch Visualisierung per Display-Dienst). Die Gründung von Netzwerke unter etablierten Marktteilnehmern, aber auch Kooperationen mit Start-ups oder sogar branchenfremden Partnern bieten neues Innovationspotenzial. Der Rollout intelligenter Messsysteme bietet den Nährboden dafür. i Gunther Hahn und Daniela Schmitz, sbc soptim business consult GmbH, Essen www.soptimbc.de 38 BWK Bd. 71 (2019) Nr. 1/2

IT & Management Ton de Vries über Kooperationen im Energiesektor „Marktdynamik verändert die Rolle der Hersteller“ PlantSight fasst Daten aus mehreren 3-D-Modellen einschließlich Realitätsnetzen in einer Portalansicht zusammen und ermöglicht so einen schnellen Zugriff auf Informationen, die bisher nicht zugänglich waren. Bilder (2): Bentley PARTNERSCHAFTEN | Zusammen kommt man weiter als allein. Diese Erkenntnis machen sich vermehrt auch Global Tech Player zunutze, indem sie Partnerschaften suchen. Bentley Systems beispielsweise, international tätiger Anbieter von Softwarelösungen für Infrastrukturmanagement, kooperiert unter anderem mit Siemens, Microsoft und Topcon. BWK sprach mit Ton de Vries, Senior Director Business Development bei Bentley Systems, über die Gründe. Für den Niederländer sind Kooperationen eine zwangsläufige Folge der veränderten Anforderungen des Energiemarkts. Ton de Vries, Senior Director Business Development bei Bentley Systems, Exton, Pennsylvania, USA: „Durch Kooperationen können bei Kunden schneller positive Projetergebnisse erzielt werden.“ Bentley hat strategische Partnerschaften mit Siemens, Topcon, Microsoft und Atos geschlossen. Was sind die Inhalte dieser Kooperationen? Mit den strategischen Partnerschaften versuchen wir, Lösungsbestandteile verschiedener Unternehmen zusammenzubringen. Jede dieser Partnerschaften hat ihre eigene Bedeutung und erzeugt spezifische Vorteile. Microsoft ist ein großes IT-Unternehmen, dessen Möglichkeiten wir nutzen, um Kunden cloud-basierte Lösungen anbieten zu können. Beispielsweise integrieren wir ProjectWise und Microsoft 365, um den Engineering Workflow von Infrastrukturprojekten durchgängig zu digitalisieren. Mit Topcon adressieren wir die digitale Abbildung der Realität im Kon- struktionsprozess oder im operativen Bereich. Siemens ist für uns als Partner für viele Industrien sehr wichtig – so zum Beispiel auch im Energie bereich. Hier gibt es viele Ebenen der Zusam- menarbeit. Wir bündeln unsere speziellen Kompetenzen, um dem Markt neue und bessere Anwendungen zur Verfügung stellen zu können. Ein typisches Beispiel ist die Integration von Solarsystemen in die Verteilnetze der Energieversorger. Ein weiteres aktuelles Projekt sind neue digitale Services für Umspannwerke. Siemens integriert hier Bentley-Technology, um Prozesse zu digitalisieren und schlanker zu gestalten. Zusammengefasst: Alle Partnerschaften verfolgen das Ziel, die Digitalisierung verschiedener Prozesse zu ermöglichen und zu beschleunigen. „Kombiniertes Know-how für bessere Workflows“ Nach dem Motto, das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile? Das kann man sagen. Bentley verkörpert vor allem die Engineering-Seite. Microsoft fokussiert den IT-Bereich und Siemens den operativ-technischen Part. Die Kombination daraus ermöglicht neue und bessere, weil ganzheitliche Workflows für das Infrastrukturmanagement von Unternehmen in der Energiewirtschaft. BWK Bd. 71 (2019) Nr. 1/2 39

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