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05 | 2018

Energiewirtschaftliche

Energiewirtschaftliche Gesamtsituation Bild 2 Rohölpreis seit 1973. Im Bereich der thermischen Nutzung der erneuerbaren Energien ergaben sich 2017 witterungs- und schaltjahrbedingt leichte Rückgänge beim Einsatz. Insgesamt wurden 531 PJ Endenergie zur Wärme- und Kälteerzeugung eingesetzt, dies entspricht einem Rückgang von etwa 0,2 % gegenüber dem Vorjahr. Hierbei dominiert die Biomasse mit 437 PJ. Durch oberflächennahe Geothermie sowie Umweltwärme wurden 50 PJ Endenergie bereitgestellt, eine deutliche Steigerung von 9 % gegenüber 2016. Durch die Solarthermie wurden 29 PJ bereitgestellt (+ 5,0 %). Der Beitrag der erneuerbaren Energien im Verkehrssektor ist im Jahr 2017 nahezu konstant geblieben bei rund 109 PJ. Der Endenergieverbrauch an erneuerbaren Energien für Kraftstoffe ist damit in etwa auf dem Niveau der letzten sieben Jahre. Durch die Beimischung bei den Dieselkraftstoffen leistet Biodiesel den größten Beitrag in diesem Bereich mit etwa 70 %. Ethanol aus erneuerbaren Quellen trägt etwa 28 % zu den erneuerbaren Energien im Verkehr bei, beigemischt zu den Ottokraftstoffen. Methan aus Biomasse und Pflanzenöl haben nur einen geringen Anteil im Energieverbrauch des Verkehrssektors. Die verstärkte Nutzung heimischer erneuerbarer Energieträger konnte nicht die bekannt hohe Importabhängigkeit Deutschlands beim Primärenergieaufkommen deutlich verändern. Da die inländische Energiegewinnung bei allen anderen Energieträgern mehr oder weniger deutlich gesunken ist, ist der Importanteil gegenüber dem Vorjahr leicht von 70,4 auf 70,2 % gesunken. Besonders hoch ist der Importanteil bei Mineralöl mit etwa 97,6 %. Der Inlandsanteil von Naturgasen ging 2017 weiter zurück und beträgt nunmehr etwa 7,1 % (rund 8,3 % Eigenanteil in 2016). Der Importanteil von Steinkohlen ist durch den rückläu - figen Einsatz der Steinkohlen um etwa 0,4 %-Punkte gesunken. Der höchste Inlandsanteil konnte bei den erneuerbaren Energien und bei der Braunkohle verzeichnet werden. Rohölpreis (UK Brent) [US-$/bbl] 140 130 120 110 100 90 80 70 60 50 40 30 20 10 0 1973 1975 1977 1979 1981 1983 1985 1987 1989 1991 Entwicklung der Rahmenbedingungen Aufgrund der Diversifizierung der deutschen Ölimporte mit insgesamt 23 Lieferländern war die Situation für Deutschland bei der Versorgungssicherheit weitgehend entspannt. Die drei Hauptlieferanten Russland, Norwegen und Groß - britannien stellten im Berichtszeitraum 2017 knapp 58 % der deutschen Rohölimporte. 20,8 % der gesamten Rohöleinfuhren stammten im Jahr 2017 aus britischen und norwegischen Nordseeölquellen und 23,7 % wurden aus Mitgliedsländern der Opec geliefert. Die den deutschen Rohölimportpreis bestimmenden internationalen Ölpreise und der Euro/US-Dollar-Devisenkurs entwickelten sich auch 2016/2017 recht wechselhaft, das heißt mit erheblichen kurzfristigen Schwankungen (Bild 2). Die für Europa wichtige Rohölsorte Brent UK, die im Jahresdurchschnitt 2012 mit rund 112 US-$/bbl einen Höchststand erreicht hatte (der monatliche Höchststand lag im Juli 2008 bei rund 133 US-$/bbl), ver - billigte sich im Mittel der Jahre 2013 und 2014 auf 109 beziehungsweise 99 US-$/bbl. Im Jahresverlauf 2015 zeigte sich ebenfalls eine eindeutige Tendenz nach unten: Insbesondere seit Mai 2015, als der Rohölpreis sein Jahreshoch mit rund 64 US-$/bbl hatte, brachen die Preise ein und erreichten im Dezember 2015 nur noch rund 38 US-$/bbl. Diese Entwicklung setzte sich Anfang 2016 zunächst fort, wich dann aber einer von Schwankungen unterbrochenen Aufwärtsbewegung bis zuletzt im Dezember 2016 auf einen Preis von reichlich 53 US-$/bbl. Bis Mitte 2017 sanken die Preise wieder bis auf 46,37 US-$/bbl im Juni, gefolgt von einem erneuten Anstieg bis auf etwas mehr als 64 US-$/bbl im Dezember 2017. Die deutschen Rohölimportpreise entwickelten sich weitgehend parallel zu den internationalen Preisen. Unterschiede werden wesentlich von den Veränderungen der Wechselkurse des Euro (gegen US- 1993 1995 1997 1999 2001 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 Dollar) beeinflusst. Im Ergebnis sanken die deutschen Rohölimportpreise von 555 €/t im Jahresdurchschnitt 2014 um 36 % auf 356 €/t im Jahr 2015. Danach fielen die Importpreise sogar bis auf einen Tiefpunkt von 214 €/t im Februar 2016. Bei anschließend wieder steigenden Preisen bis auf knapp 356 €/t im Dezember 2016 mussten im Jahresdurchschnitt 2016 rund 286 €/t bezahlt werden. Die im Jahr 2017 zunächst wieder fallenden Importpreise bis auf rund 315 €/t im Juni schlugen in der zweiten Jahreshälfte in einen Anstieg bis auf fast 414 €/t im Dezember um. Insgesamt waren die Rohölimportpreise im Jahresdurchschnitt 2017 um ein Viertel höher als 2016. Bei fast gleichbleibenden Rohölimportmengen stiegen die Ausgaben für die Rohölimporte von 26,1 Mrd. € auf 32,5 Mrd. €. Die Einwohnerzahl Deutschlands steigt aufgrund der überdurchschnittlich hohen Wanderungsgewinne seit 2012 wieder an. Das Statistische Bundesamt geht nach einer Schätzung derzeit davon aus, dass Ende 2017 etwa 82,9 Millionen Menschen in Deutschland gelebt haben. Am Jahresende 2016 waren es 82,5 Millionen Menschen gewesen. Die privaten Konsumausgaben stiegen 2017 in jeweiligen Preisen um 3,6 % im Vergleich zum Vorjahr. Dies ist der größte Zuwachs seit 1994. Preisbereinigt nahmen die privaten Konsumausgaben im Vergleich zum Vorjahr um 1,9 % zu. Die privaten Haushalte konsumierten 2017 bei allen Verwendungszwecken mehr als im Vorjahr. Einen Rekordzuwachs in jeweiligen Preisen gab es bei den Ausgaben für Schuhe und Bekleidung mit + 5,9 %. Nicht nur nominal, sondern auch preisbereinigt (+ 4,5 %) war dies der stärkste Zuwachs seit 1992. Dabei gaben 22 BWK Bd. 70 (2018) Nr. 5

Energiewirtschaftliche Gesamtsituation die privaten Haushalte vor allem mehr für Bekleidung (nominal + 6,3 %) aus. Ebenso kauften die privaten Haushalte deutlich mehr Güter für Verkehr und Nachrichtenübermittlung (+ 5,8 % in jeweiligen Preisen). Ursache dafür sind hauptsächlich höhere Ausgaben für Kraftfahrzeuge (+ 8,6 %) und für Kraftstoffe (+ 7,8 %). Bei Nahrungsmitteln, Getränken, Tabakwaren (+ 3,8 %) gaben die Verbraucherinnen und Verbraucher vor allem mehr für Nahrungsmittel aus (+ 4,8 %), bedingt durch einen vergleichsweise hohen Preisanstieg von 3,0 %. Auch die Ausgaben bei Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen (+ 4,9 %) sowie für Freizeit, Unterhaltung und Kultur (+ 4,0 %) nahmen im Vorjahresvergleich deutlich zu. Dagegen stiegen die Ausgaben der privaten Haushalte für Wohnungen und deren Nebenkosten mit + 2,7 % unterdurchschnittlich. Gestützt durch die gute Binnennachfrage war die konjunkturelle Lage in Deutschland im Jahr 2017 durch ein kräftiges Wirtschaftswachstum gekennzeichnet. Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) war nach ersten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im Jahr 2017 um 2,2 % höher als im Vorjahr (Tabelle 2). Die deutsche Wirtschaft ist damit das achte Jahr in Folge gewachsen. Im Vergleich zu den Vorjahren konnte das Tempo nochmals erhöht werden. Im Jahr 2016 war das BIP bereits deutlich um 1,9 % und 2015 um 1,7 % gestiegen. Eine längerfristige Betrachtung zeigt, dass das deutsche Wirtschaftswachstum im Jahr 2017 fast einen Prozentpunkt über dem Durchschnittswert der letzten zehn Jahre von + 1,3 % lag. Die Bruttoanlageinvestitionen legten 2017 im Vorjahresvergleich überdurchschnittlich zu (+ 3,0 %). Die Bauinvestitionen stiegen dabei um 2,6 %. In Ausrüstungen – das sind vor allem Maschinen und Geräte sowie Fahrzeuge – wurde preisbereinigt 3,5 % mehr investiert als im Vorjahr. Die sonstigen Anlagen, zu denen unter anderem die Ausgaben für Forschung und Entwicklung gehören, lagen ebenfalls um 3,5 % über dem Vorjahresniveau. Die Bruttoinvestitionen insgesamt, zu denen neben den Bruttoanlageinvestitionen die Vorratsveränderungen zählen, waren preisbereinigt um 3,6 % höher als 2016. Auch die deutschen Ausfuhren konnten im Jahresdurchschnitt 2017 weiter zulegen: Die preisbereinigten Exporte von Waren und Dienstleistungen waren um 4,7 % höher als im Vorjahr. Die Importe legten im gleichen Zeitraum stärker zu (+ 5,2 %). Der resultierende Außenbeitrag, also die Differenz zwischen Exporten und Importen, trug rein rechnerisch + 0,2 %-Punkte zum BIP-Wachstum bei. Der Staat erzielte im Jahr 2017 einen Überschuss in Höhe von 38,4 Mrd. € und beendete das Jahr nach vorläufigen Berechnungen zum vierten Mal in Folge mit einem Überschuss. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt in jeweiligen Preisen errechnet sich für den Staat im Jahr 2017 eine Überschussquote von 1,2 %. Auf der Entstehungsseite des Bruttoinlandsprodukts konnten nahezu alle Wirtschaftsbereiche positiv zur wirtschaftlichen Entwicklung im Jahr 2017 beitragen. Insgesamt stieg die preisbereinigte Bruttowertschöpfung im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr um 2,2 %. Überdurchschnittlich entwickelten sich die Dienstleistungsbereiche Information und Kommunikation mit + 3,9 % sowie Handel, Verkehr, Gastgewerbe mit + 2,9 %. Ebenfalls kräftig legte das Produzierende Gewerbe mit + 2,5 % zu, das ohne das Baugewerbe gut ein Viertel der gesamten Bruttowertschöpfung erwirtschaftet. Das Baugewerbe nahm im Vergleich zum Vorjahr um + 2,2 % zu. Die Wirtschaftsleistung in Deutschland wurde im Jahresdurchschnitt 2017 von knapp 44,3 Millionen Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Deutschland erbracht. Das ist der höchste Stand seit der deutschen Wiedervereinigung. Nach ersten Berechnungen waren im Jahr 2017 rund 638 000 Personen oder 1,5 % mehr erwerbstätig als ein Jahr zuvor. Das entspricht der höchsten Zunahme seit dem Jahr 2007. Dieser Anstieg resultiert aus einer Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Eine höhere Erwerbsbeteiligung sowie die Zuwanderung von Arbeitskräften aus dem Ausland glichen altersbedingte demografische Effekte aus. Der Reallohnindex in Deutschland ist im Jahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 0,8 % gestiegen. Die Nominallöhne lagen im Jahr 2017 um rund 2,5 % über dem Vorjahreswert. Die Verbraucherpreise erhöhten sich im selben Zeitraum um 1,8 %. Während die Verdienste im früheren Bundesgebiet im Jahr 2017 nominal um 2,5 % stiegen, hatten Beschäftigte in den neuen Ländern einen nominalen Lohnzuwachs von 3,0 %. Der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst einschließlich Sonderzahlungen lag bei vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Westdeutschland Jahr 2017 3 ) 2016 3 ) 2015 3 ) 2014 2013 2012 2011 2010 2009 2008 2005 2000 1995 1990 BIP in Preisen von 2010 1 ) [10 9 €] 2 918,8 2 855,4 2 800,9 2 752,9 2 700,8 2 687,6 2 674,5 2 580,1 2 478,9 2 626,5 2 426,5 2 358,7 2 145,1 1 939,4 Veränderung gegen Vorjahr [%] + 2,2 + 1,9 + 1,7 + 1,9 + 0,5 + 0,5 + 3,7 + 4,1 – 5,6 + 1,1 + 0,7 + 3,0 + 1,7 – Primärenergie - verbrauch 2 ) [PJ] 13 550 13 428 13 258 13 180 13 822 13 447 13 599 14 217 13 531 14 380 14 558 14 401 14 236 14 905 Veränderung gegen Vorjahr [%] + 0,9 + 1,3 + 0,6 1 ) berechnet auf der Grundlage des Kettenindizes (2010 = 100) des Statistischen Bundesamtes; 2 ) ermittelt nach der Wirkungsgradmethode; 3 ) vorläufig. – 4,6 + 2,8 – 1,1 – 4,3 + 5,1 – 5,9 + 1,3 – 0,2 + 0,5 + 0,4 – Bruttostrom - verbrauch [TWh] 599,8 596,9 596,3 592,2 604,9 607,0 606,8 615,4 581,3 618,2 614,1 579,6 541,6 550,7 Veränderung gegen Vorjahr [%] + 0,5 + 0,1 + 0,7 – 2,1 – 0,4 0,0 – 1,4 + 5,9 – 6,0 – 0,5 + 0,6 + 4,0 + 2,0 – Tabelle 2 Das Bruttoinlandsprodukt (BIP), der Primärenergieverbrauch, der Bruttostromverbrauch und ihre Veränderungen in Deutschland. BWK Bd. 70 (2018) Nr. 5 23

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