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05 | 2018

Energiewirtschaftliche

Energiewirtschaftliche Gesamtsituation im Jahr 2017 bei 4 293 €, ostdeutsche Vollzeitbeschäftigte verdienten im Durchschnitt monatlich 3 247 €. Für Deutschland lag der entsprechende Wert bei 4 149 €. Wie Bild 3 zeigt, war der kräftige Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandsproduktes (+ 2,2 %) mit einem gleichzeitigen deutlichen Anstieg des Primärenergie - verbrauchs (+ 0,9 %) sowie einem geringeren Anstieg des Bruttostromverbrauchs (+ 0,5 %) verbunden. Dies zeigt wiederum den starken witterungs-, energiepreisund konjunkturbedingten Einfluss auf die Höhe des Primärenergie- sowie des Bruttostromverbrauchs. Der Brutto - stromverbrauch in Deutschland ist 2017 auf 599,8 Mrd. kWh gestiegen (2016: 596,9 Mrd. kWh). Wesentliche Gründe sind nach Angaben des BDEW – Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. – vor allem die witterungsbedingten verbrauchssteigernden Einflüsse zu Beginn des Jahres 2017 und die positive konjunkturelle Entwicklung. Gemessen am Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts ist damit auch die gesamtwirtschaftliche Stromintensität (Bruttostromverbrauch pro 1000 € Bruttoinlandsprodukt, BIP) weiter gesunken. Somit konnte in 2017 der seit 2003 mit wenigen Unterbrechungen anhaltende Trend einer sinkenden Stromintensität weiter fortgesetzt werden. Im Vergleich zu 1990 wurden im vergangenen Jahr je Einheit realen Bruttoinlandsproduktes rund 27,6 % weniger Strom verbraucht, dies entspricht einem durchschnittlichen Rückgang um 1,19 %/a. Wurden 1990 in Deutschland 283,9 kWh pro 1000 € BIP (in Preisen von 2010) verbraucht, waren es 2017 nur noch 205,5 kWh. Im Vergleich ist auch die Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Energieintensität (Primärenergieverbrauch (PEV) bezogen auf die wirtschaftliche Leistung, ausgedrückt in GJ je 1 000 € BIP) in Deutschland seit vielen Jahren rückläufig (Bild 1). Legt man der Betrachtung effektive Verbrauchswerte zugrunde, ergibt sich für den Zeitraum 1990 bis 2017 eine Verbesserung dieses Energieverbrauchsindikators um 39,6 %, das heißt im Durchschnitt um 1,85 %/a. Die größten Effizienzverbesserungen wurden in der Periode 1990 bis 1995 erzielt (2,9 %/a). Im Zeitraum 1995 bis 2000 ging diese Kennziffer auf durchschnittlich 1,6 %/a zurück und erreichte von 2000 bis 2017 einen Wert von 1,6 %/a. Die Energieproduktivität ist der Kehrwert dieser Energieintensität. Sie ist eine 1990 = 100 155 150 145 140 135 130 125 120 115 110 105 100 95 90 85 80 75 BIP PEV StV statistische Kennziffer, die die Wirtschaftsleistung (BIP) angibt, die mit einer Einheit des Energieverbrauchs (PEV) erstellt worden ist. Die durchschnittliche Wachstumsrate der Energieproduktivität in Deutschland beträgt für den Zeitraum 1990 bis 2017 1,88 %/a. Während von 1990 bis 1995 ein Wert von 3,0 %/a zu verzeichnen war (Wiedervereinigungseffekt), ergibt sich für den Zeitraum 2000 bis 2017 nur ein Anstieg von 1,62 %/a. Vor diesem Hintergrund ist die Forderung nach einer Verdopplung der Energieproduktivität im Zeitraum von 1990 bis 2020 mehr als ehrgeizig. In den noch verbleibenden drei Jahren müsste dafür die Energieproduktivität um durchschnittlich 6,1 %/a steigen. Ein solches Wachstum war selbst in den Jahren der Wiedervereinigung nicht zu realisieren. Energie und Klimaschutz Die energiebedingten CO 2 -Emissionen konnten in Deutschland seit 1990 bis zum Jahr 2017 um rund 24,5 % oder durchschnittlich um 1,04 %/a vermindert werden (Tabelle 3 und Bild 4), bedingt durch die Entwicklung der klimatischen und demographischen Rahmendaten sowie aufgrund der Konjunkturentwicklung und der Energieeinsparerfolge. Gegenüber 2016 sind die tatsächlichen energiebedingten CO 2 -Emissionen in 2017 um – 0,2 % auf rund 744 Mio. t gesunken. Ursachen für die gegenläufige Entwicklung bei den CO 2 -Emissionen im Vergleich zum Primärenergieverbrauch waren der Zuwachs bei den erneuerbaren Energien sowie die Veränderungen bei der Bedeutung der einzelnen fossilen Energieträger innerhalb der Struktur des Primärenergieverbrauchs. Hier haben das Jahr Bild 3 Bruttoinlandsprodukt (BIP), Primärenergieverbrauch (PEV) und Bruttostromverbrauch (StV) in Deutschland seit 1980. Erdgas um + 6,2 % und die Mineralöle um + 2,7 % zugelegt, und sowohl die Braunkohle (– 0,6 %) als auch insbesondere die Steinkohle (– 11,3 %) haben beim Verbrauch eingebüßt. Damit konnte aber das aus dem Makroplan des Nationalen Allokationsplans (NAP II) abgeleitete Ziel für die energiebedingten CO 2 -Emissionen in der Kyoto-Periode 2008/12 in Höhe von rund 775 Mio. t, mit denen dann das Kyoto-Ziel der Minderung um 21 % für die gesamten Treibhausgasemissionen eventuell erreicht werden könnte, auch in 2017 wiederum unterschritten werden. Ob sich diese Tendenz stabilisieren lässt, bleibt abzuwarten, wobei insbesondere von Bedeutung ist, in welcher Stärke und für wie lange sich die konjunkturelle Erholung bemerkbar machen wird, wie sich die Bevölkerung weiter entwickeln und wie der Ausstieg aus der Kernenergie kompensiert werden wird. Der Trend der letzten 27 Jahre würde zumindest nicht ausreichen, das Ziel der Bundesregierung, einer Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 % gegenüber 1990, zu erreichen. In Bonn fand vom 6. bis 17. November 2017 die 23. Weltklimakonferenz statt, die unter der Präsidentschaft der Fidschi- Inseln stand, aber von Deutschland als „technischem Gastgeber“ organisiert wurde. Laut Bundesumweltministerium war sie „die größte zwischenstaatliche Konferenz, die es je in Deutschland gegeben hat“. Im Gegensatz zum enormen Aufwand blieben die Ergebnisse jedoch wieder recht bescheiden. Zum spektakulärsten Ereignis geriet deshalb eine von 24 BWK Bd. 70 (2018) Nr. 5

62.168 Energiewirtschaftliche Gesamtsituation Steinkohle 1 ) Braunkohle Mineralöl Gase 2 ) Insgesamt 1990 210,3 339,4 319,0 116,9 985,7 1995 201,1 191,1 340,0 145,4 877,6 2000 190,4 170,3 317,2 158,3 836,2 2005 179,1 176,2 287,9 164,9 808,2 2008 181,4 173,3 272,4 171,9 799,1 2009 2010 [Mio. t] 154,4 179,5 167,1 166,5 260,9 259,5 160,1 175,9 742,6 781,4 2011 177,6 172,7 249,4 161,2 761,0 2012 173,6 182,2 250,0 160,6 766,4 2013 183,2 179,5 258,6 163,4 784,8 2014 176,6 173,6 247,4 146,6 744,3 2015 3 ) 172,6 170,5 247,6 151,0 741,8 2016 3 ) 162,7 166,1 250,2 166,9 746,0 2017 3 ) 145,0 164,8 257,1 177,3 744,2 1 ) einschließlich Festbrennstoffe; 2 ) Naturgase sowie Kokerei-/Stadtgas; 3 ) vorläufige Werte. Tabelle 3 Tatsächliche, nicht-temperaturbereinigte energiebedingte CO 2 -Emissionen nach Energie - trägern in Deutschland in Mio. t. zehn europäischen Staaten, Kanada und weiteren Unterzeichnern vereinbarte Allianz für den Ausstieg aus der Kohle, die am 16. November 2017 verkündet wurde. Das Bündnis zielt allerdings nicht unbedingt auf den Ausbau der erneuerbaren Energiequellen. Es kann auch als Plädoyer für die Kernenergie verstanden werden und will die weitere Verstromung von Kohle zulassen, sofern sie mittels des umstrittenen CCS-Verfahrens zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid erfolgt. Die Erklärung gegen die Kohleverstromung kam auf Initiative von Kanada und Großbritannien zustande. Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen – so heißt es darin – müssten die Europäische Union und sonstige OECD- Staaten bis 2030 und der Rest der Welt bis 2050 auf diese Energiequelle verzichten. Die unterzeichnenden Regierungen verpflichten sich, die herkömmliche Kohleverstromung in ihrem Hoheitsbereich auslaufen zu lassen und den Bau neuer Kohlekraftwerke zu verhindern, soweit diese nicht mit dem CCS-Verfahren zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid ausgerüstet sind. In ähnlicher Weise verpflichten sich Organisationen und Unternehmen, die ebenfalls unterzeichnen können, ihren jeweiligen Beitrag zum Ausstieg aus der Kohle zu leisten. Energiebedingte CO 2 -Emissionen in Deutschland [Mio. t CO 2 /a] 1 000 900 800 700 600 500 400 300 200 100 0 986 952 907 897 878 878 900 869 863 837 836 859 844 841 827 808 819 794 799 Steinkohle Braunkohle Mineralöle Gase Jahr 743 781 761 766 785 744 742 746 744 Bild 4 Energiebedingte CO 2 -Emissionen in Deutschland nach Energieträgern. Die Liste der 27 Unterzeichner soll bis zur 24. Weltklimakonferenz, die 2018 in Polen stattfinden wird, verdoppelt werden. Zu den bisherigen Unterstützern gehören die EU-Staaten Österreich, Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien, Luxemburg, Niederlande, Portugal und Großbritannien sowie als weiteres europäisches Land die Schweiz. Wichtigster außereuropäischer Unterzeichner ist Kanada mit den Provinzen Alberta, British Columbia, Ontario, Quebec und dem Regionaldistrikt Vancouver, die zusätzlich einzeln aufgeführt sind. Hinzu kommen Angola, Costa Rica, El Salvador, die Fidschi-Inseln, die Marshall-Inseln, Mexiko, Neuseeland, die Koralleninsel Niue im Pazifik sowie die beiden US-Bundesstaaten Washington und Oregon, die damit offen gegen die Kündigung des Pariser Klimaabkommens durch US-Präsident Trump und dessen Kohlepolitik aufbegehren. Lösung für das intelligente Messwesen Messstellenbetrieb Netz Vertrieb Gateway-Administration Auch als SaaS-Lösung Die modulare, massendatenfähige KISTERS Metering-Lösung bedient die gesamte Prozesskette beim Netz- bzw. Messstellenbetreiber: von der Rollout-Unterstützung über die gesicherte Kommunikationsinfrastruktur, die Gateway-Administration und die Massendatenverarbeitung bis hin zur Datenanzeige im Web. Gesetzeskonform, effizient und zukunftssicher! Profitieren Sie von unserer Erfahrung. energie.kisters.de 180423_AnzeigeEnergie_Metering_01_BWK.indd 1 25.04.2018 09:49:34 Uhr

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