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05 | 2018

Energiewirtschaftliche

Energiewirtschaftliche Gesamtsituation ger als im Jahr 2016. Ursache hierfür ist vor allem bei rückläufiger Kohleverstromung das Wachstum der Stromerzeugung aus Erdgas und aus erneuerbaren Energien, sodass bilanziell ein Emissions - rückgang resultiert. Das aus dem Euro - päischen Emissionshandelssystem resultierende Ziel, die energiebedingten CO 2 -Emissionen bis zum Jahr 2020 auf 263 Mio. t zu reduzieren (entsprechend einem Rückgang von – 21 % gegenüber dem Berichtsjahr 2005) rückt damit näher, ist aber immer noch mit einer Differenz von 29 Mio. t in weiter Ferne. Um das Ziel noch zu erreichen, wäre demnach in der Elektrizitätswirtschaft in Deutschland in den nächsten drei Jahren eine durchschnittliche Reduktion von – 3,4 %/a notwendig. Zum Vergleich, der durchschnittliche Rückgang der energiebedingen CO 2 -Emissionen der Stromwirtschaft von 2010 bis 2017 betrug etwa – 1,1 %/a. Wärmemarkt in Deutschland Am 1. Januar 2017 ist das Änderungsgesetz zum KWKG 2016 in Kraft getreten. Das Gesetz berücksichtigt Anforderungen der EU-Kommission aus dem Beihilferechtsverfahren zum KWKG 2016. Eine wichtige Änderung ist die Einführung von Ausschreibungen für die Förderung von KWK-Anlagen zwischen 1 und 50 MW sowie für innovative KWK-Systeme. Die erste Ausschreibungsrunde für Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen wurde am 6. Oktober 2017 für den Gebotstermin 1. Dezember 2017 durch die Bundesnetzagentur durchgeführt. Das Ausschreibungsvolumen dieses Gebotstermins, das als die Summe der installierten KWK-Leistung zu verstehen ist, für die die finanzielle Förderung zu einem Gebotstermin ausgeschrieben wird, betrug 100 MW für KWK-Anlagen (gem. § 3 Abs. 1 und 2 Nr. 1 KWKAusV). Der Höchstwert betrug für diesen Gebotstermin für KWK-Anlagen 7 Ct/kWh KWK-Strom (gem. § 5 Abs. 1 KWKAusV). Eine Ausschreibung für innovative KWK-Systeme erfolgte zu diesem Gebotstermin nicht. Insgesamt erhielten sieben KWK-Anlagen mit einer Gebotsmenge von 81 981 kW den Zuschlag. Der niedrigste Gebotswert eines Gebotes, das einen Zuschlag erhielt, betrug 3,19 Ct/ kWh. Das Gebot mit dem höchsten Zuschlagswert lag bei 4,99 Ct/kWh. Der durchschnittliche, mengengewichtete Zuschlagswert betrug 4,05 Ct/kWh. Anlagen außerhalb des Ausschreibungssegments werden nach dem KWKG 2017 wie nach dem KWKG 2016 gefördert. Im November 2017 hat das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) die vorläufigen Zulassungszahlen von KWK-Anlagen für das Jahr 2016 veröffentlicht. Dabei konnten Zulassungsanträge für Anlagen mit Inbetriebnahme im Jahr 2016 noch bis zum 31. Dezember 2017 gestellt werden. Die Zulassungszahlen wurden mit Spannung erwartet, da das Inkrafttreten des KWKG 2016 und die in 2017 noch schwebende beihilferechtliche Genehmigung der EU-Kommission zu Unsicherheiten hinsichtlich der Neuinstallation von BHKW geführt hatten. Die Zulassungszahlen des Jahres 2016 waren mit 1 679 MW höher als 2015 mit 1 275 MW. Einen deutlichen Zuwachs gegenüber 2015 konnten vor allem BHKW im elektrischen Leistungsbereich von 250 kW bis 2 MW verzeichnen (318 MW gegenüber 183 MW). Im kleineren Leistungsbereich zwischen 50 und 250 kW (el.) nahmen die Inbetriebnahmen von 63 auf 68 MW ebenfalls leicht zu. Die Zahlen von Mini-BHKW zwischen 1 und 50 kW (el.) sind nahezu unverändert geblieben (58,5 (2016) beziehungsweise 57,7 MW (2015)). Für 2017 wird mit ähnlichen Antragszahlen gerechnet. Mit dem KWKG 2017 wurde auch die Förderung von Wärmenetzen und Wärmespeichern insofern verändert, als diese darlegen müssen, dass die beantragten Zuschlagszahlungen für die Wirtschaftlichkeit nach FW 704 für das Vorhaben erforderlich sind. Im Rahmen des KWKG 2016 wurden insgesamt 526 Projekte mit einer Trassenlänge von 349 km und einem Volumen von 61,9 Mio. € an Wärmeund Kältenetzen zugelassen. Diese Entwicklung war im Vergleich zu 2015 rückläufig. 2015 betrug die zugelassen Trassenlänge noch 608 km beziehungsweise umfasste ein Volumen von 96,2 Mio. €. Mit der Förderung von „Modellvorhaben Wärmenetzsysteme 4.0“ wurde ab dem 1. Juli 2017 eine systemische Förderung im Bereich der Wärmeinfrastruktur eingeführt, mit der nicht nur Einzeltechnologien und -komponenten, sondern auch Gesamtsysteme gefördert werden. Wärmenetze der 4. Generation zeichnen sich durch einen Anteil von mindestens 50 % aus erneuerbaren Energien inklusive der effizienten Nutzung von Abwärme und deutlich niedrigeren Vorlauftemperaturniveaus von 95 °C im Vergleich zu klassischen Wärmenetzen von 120 °C oder mehr aus. Dies minimiert die Verluste, steigert die Effizienz und erleichtert den Umstieg auf erneuerbare Energien in der Nah- und Fernwärmeversorgung. Solche Systeme können durch die Kombination von Wärmepumpen und saisonalen Großwärmespeichern zusätzliche Flexibilität für den Strommarkt bereitstellen und bieten die Chance, nur schwer dämmbare Gebäudebestände mit hohen Anteilen CO 2 -armer Wärme zu versorgen. Gefördert werden im Rahmen der Förderung „Modellvorhaben Wärmenetzsysteme 4.0“ zunächst Machbarkeitsstudien mit bis zu 60 % sowie in einem zweiten Schritt die Realisierung eines Wärmenetzsystems 4.0 mit bis zu 50 % der förderfähigen Vorhabenkosten. 2017 befanden sich in Deutschland rund 19,1 Millionen Wohngebäude, von denen 15,3 Millionen, das heißt 80 %, mit einer Zentralheizung beheizt wurden. Die Anteile der übrigen Heizungssysteme (Etagen- oder Einzelheizungen) sind in etwa gleich verteilt. Hierbei nutzen die Einzelheizungen überwiegend Erdgas, Holz oder Strom (im Falle der Einzelheizungen zumeist eine elektrische Speicherheizung) als Endenergieträger zur Wärmeerzeugung. In den 19,1 Millionen Wohngebäuden in Deutschland befinden sich rund 41,8 Millionen Wohnungen. Die durchschnittliche Wohnfläche je Wohnung beträgt rund 91,8 m2 beziehungsweise die Wohnfläche pro Einwohner 46,3 m2. Der Anteil der Wohnungen, deren Wärmeversorgung durch eine Zentralheizung erfolgt, betrug rund 73 %. Bei Wohngebäuden hatte die Fernwärme einen Anteil von 5,2 %, bei Wohnungen von 13,8 %. Die Erdgas-Zentralheizung war mit einem Anteil von 36,1 % bei den Wohngebäuden sowie 49,4 % bei den Wohnungen das am häufigsten vertretene Heizungssystem in Deutschland. Heizöl wurde in 26,1 % aller Wohnungen für die Wärmeversorgung eingesetzt. Strom diente in 1,92 Millionen Wohnungen als Heizenergie, das entspricht einem Anteil von 4,6 %. Davon entfielen wiederum 2,6 %-Punkte auf die elektrischen Speicherheizungen und 2,0 %-Punkte auf elektrische Wärmepumpen. Der Anteil der sonstigen Heizungssysteme (darunter Holz/Holzpellets, sonstige Biomasse, Koks/Kohle; sonstige Heizenergien) beträgt 6,1 %. Die leitungsgebundenen Heizungssysteme kamen bei den Wohngebäuden zusammen auf einen Marktanteil von 58,1 % und bei den Wohnungen sogar auf einen Anteil von 67,8 %. Insgesamt wurde 2017 der Bau von 302 700 neu zu errichtenden Wohnungen genehmigt (– 6 % gegenüber dem Vorjahr). Der überwiegende Teil der Bauherren setzte auf Erdgas (39,7 %). Danach folgten die Wärmepumpen mit 27,2 % 28 BWK Bd. 70 (2018) Nr. 5

Energiewirtschaftliche Gesamtsituation und die Fernwärme mit 24,8 %. Die verbleibenden Anteile entfielen auf Holzund Pellet-Heizungen (5,4 %) sowie Stromheizungen (0,7 %). In rund 27 % der Wohnungen wurde neben der primären Heizung noch ein zweiter Wärmeerzeuger genutzt. Bei den Einund Zweifamilienhäusern sind es sogar 34 %. Unter diesen zusätzlichen Heizgeräten stehen, bezogen auf Wohnungen, Kamine mit 44,1 % und Holz-Pellet-Einzelöfen mit 33 % an erster und zweiter Stelle. Mit einem Anteil von nahezu 72 % dominiert in Deutschland die zentrale Warmwasserbereitung in den Wohnungen. In 11 % der Wohnungen wird diese durch Solarthermie unterstützt. Insgesamt wurden in Deutschland 712 000 Wärmeerzeuger im Jahr 2017 abgesetzt. Das sind rund 3 % mehr als im Vorjahr. Davon entfielen rund 472 800 Stück auf Gas-Brennwert- (+ 4 % gegenüber 2016) und 72 000 auf Erdgas NT-Heizungssysteme (nahezu unverändert gegenüber 2016). Auf Basis Heizöl wurden 60 000 Brennwert- (– 11 % gegenüber 2016) und nur noch 2 900 Niedertemperatur-Heizungsanlagen (– 29 % gegenüber 2016) installiert. Insgesamt wurden 78 500 Wärmepumpen und 26 500 Biomassekessel (Pellets, Hackschnitzel und Scheitelholz) eingebaut. Mit 78 500 verkauften Heizungswärmepumpen 2017 weisen diese ein Plus von 17 % gegenüber dem Vorjahr aus. Gemessen am Gesamtabsatz für Wärmeerzeuger beträgt der Marktanteil von Wärmepumpen unter 10 %. Die Marktanteile zwischen erdgekoppelten Wärmepumpen und Luftwärmepumpen verändern sich nur leicht gegenüber dem Vorjahr. Luftwärmepumpen beherrschten auch 2017 den Absatz mit 68,9 % (Vorjahr: 70,2 %). Sie legten um + 14,5 % von 46 000 Stück in 2016 auf 55 500 in 2017 zu. Erdwärmepumpen nahmen dagegen um – 21,8 % ab (2016: 20 700 Geräte; 2017: 18 000 Geräte). Der Absatz der Warmwasserwärmepumpen stieg um 1 000 Geräte auf 13 500 Stück an. Insgesamt sind rund 800 000 Heizungswärmepumpen in Deutschland installiert. Blockheizkraftwerke, etwa 6 000 Stück, haben im Heiztechnikmarkt stückzahlbezogen einen Marktanteil von weniger als einem Prozent. 2017 wurden etwa 78 000 Solarwärme- Anlagen mit einer Kollektorfläche von insgesamt 624 500 m 2 (– 16 % gegenüber 2016) neu installiert. Die installierte Kollektorfläche beträgt nunmehr rund 20,4 Mio. m 2 . Jede dritte Heizung in Deutschland ist BWK Bd. 70 (2018) Nr. 5 älter als 20 Jahre. Der Heizungstausch beziehungsweise die Art der Heizungswahl und Zeitpunkt des Heizungstausches ist stark abhängig von den regulatorischen Rahmenbedingungen. Im Jahr 2017 wurden Solaranlagen, Holzheizungen und Wärmepumpen durch das Marktanreizprogramm (MAP) gefördert. Nach Angaben des Bafa wurden 61 747 Anträge im Jahr 2017 gestellt. Hierdurch wurden 18 519 Wärmepumpen, 24 591 Biomasseheizungen sowie 18 519 Solarwärmeanlagen gefördert. Ab Januar 2018 gelten Neuerungen bei der Bafa-Förderung für die Nutzung von erneuerbaren Energien für die Heizung in Ein- und Zweifamilienhäusern insofern, als die Umstellung auf Wärmepumpen sowie Solarthermie- oder Biomasse-Anlagen (zum Beispiel Holzpellets) vor der Umsetzung beim Bafa eingereicht werden müssen. Gefördert wird die Heizungsmodernisierung, wenn die zu ersetzende oder zu ergänzende Anlage mindestens zwei Jahre alt ist. Der Einbau einer Biomasseheizung wird einmalig mit bis zu 8 000 € gefördert, die Wärmepumpe mit maximal The new Digox 602 series DAC Silica Sodium Oxygen hall 11.1 / booth E63 15 000 € und die Nutzung von Solarthermie mit bis zu 20 000 €. Bis September 2018 gelten Übergangsfristen. So können Antragsteller, die ihre Heizungsanlage noch 2017 in Betrieb genommen haben, den Förderantrag innerhalb von neun Monaten nach der Inbetriebnahme stellen. Für Anlagen, für die 2017 der Auftrag erteilt oder der Vertrag abgeschlossen wurde und die erst 2018 den Betrieb aufnehmen, muss der Antrag bis zum 30. September 2018 gestellt sein. Das seit dem 1. August 2016 existierende Technologieeinführungsprogramm zum Einbau von stationären Brennstoffzellen- Heizungen in privaten Wohngebäuden wurde ab dem 3. Juli 2017 auf Nichtwohngebäude ausgeweitet. Kleine und mittlere Unternehmen, Contractoren sowie Kommunen können über das KfW-Programm 433 in dem Programm „Energieeffizient Bauen und Sanieren – Zuschuss Brennstoffzelle“ eine Förderung für Nichtwohngebäude beantragen. Die seither bestehenden Förderkonditionen gelten auch für den erweiterten Antragstellerkreis, das heißt, es gibt eine nach der elek- 75 Years of High Quality & Performance Dr. Thiedig – Analysers at its best info@thiedig.com www.thiedig.com Sampling & Analysing Systems

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