Aufrufe
vor 1 Jahr

05 | 2018

Energiespeicher zu den

Energiespeicher zu den bei der Bundesnetzagentur laufenden Verfahren nach § 118 Abs. 6 EnWG im Bereich der Freistellung von Pumpspeicherkraftwerken von den Netzentgelten gibt [38]. Die Erweiterung des Unterbeckens des Pumpspeicherkraftwerks Wehr (Wehra - becken) konnte Ende 2016 abgeschlossen werden. Durch die Installation von Wellenumlenkern konnte die Wasserstandshöhe um 90 cm erhöht werden. Das Speicherbecken wurde so um rund 5 % auf 4,35 Mio. m 3 Wasser vergrößert. Das Oberbecken (Hornbergbecken) des Pumpspeicherkraftwerks Wehr musste nicht vergrößert werden, da dieses noch Kapazitäten frei hatte. Im Zuge der Erweiterungsmaßnahme wurden insgesamt rund 2 Mio. € investiert [39]. Die Erweiterung beider Becken des PSW Erzhausen um jeweils 10 % wurde Bild 5 Luftbild des Wasserbatterie-Pilot - projektes „Naturstromspeicher Gaildorf“ mit Windkraftanlagen sowie Aktiv- und Passivbecken des Pumpspeicherkraftwerks. Bild: Max Bögl Wind / Reinhard Mederer im Mai 2016 erfolgreich abgeschlossen. Am Oberbecken wurden zur Erhöhung des Stauziels Wellenumlenker angebracht, beim Unterbecken (Bild 4) wird die bestehende Reserve genutzt, indem die Lehmdichtung und die Steinschüttung im Wellenlaufbereich angepasst wurde [9; 40]. Für das PSW Rönkhausen ist im Zuge der anstehenden Sanierungsarbeiten auch eine Erweiterung der Speicherkapazität geplant [12]. Detaillierte Angaben liegen hierzu noch nicht vor. Für das Pumpspeicherkraftwerk Oberberg wurde eine Erhöhung der Speicherkapazität des Oberbeckens (Parstweiher) durchgeführt, um eine Befreiung von den Netzentgelten zu erreichen. Die Arbeiten zur Erweiterung der Speicherkapazität um etwa 11 % auf rund 0,78 Mio. m 3 sind abgeschlossen [33]. Für die Beckenerweiterung Markersbach wurde die Genehmigung bereits 2015 erteilt, zunächst aber wegen fehlender Wirtschaftlichkeit zurückgestellt. Im Zuge der Erweiterung ist eine Vergrößerung der Arbeitswassermenge um 735 000 m 3 geplant. Für die Erweiterung sind ein Umbau der Dammkrone des Unterbeckens und eine Erhöhung der Dammkrone des Oberbeckens erforderlich. Zusätzlich werden auch Asphaltwasserbauarbeiten (Sanierung der Beckendichtungen) durchgeführt. Die Arbeiten wurden Mitte 2017 ausgeschrieben. Der geplante Zeitraum der Baumaßnahmen ist Februar bis November 2018 [41]. Für das PSW Happurg wurde eine Leistungs- oder Kapazitätserhöhung im Zuge der Sanierung (siehe oben) diskutiert [36; 37]. Aktuelle Informationen hierzu liegen nicht vor. Bild: Statkraft Markets Bild 4 Erfolgreiche Probestauung am Unterbecken des Pumpspeicherkraftwerks Erzhausen im Rahmen der Erweiterung des Fassungsvermögens. Übergangsbetrieb Seit 1. Januar 2016 wird das Pumpspeicherkraftwerk Niederwartha nach Angaben des Betreibers Vattenfall im „Übergangsbetrieb“ gefahren [42]. Das Pumpspeicherkraftwerk Geesthacht soll ebenfalls zeitnah (Ankündigung: Mitte 2017) in diese Betriebsform überführt werden [10]. „Übergangsbetrieb“ bedeutet, dass die Anlage in einem betriebsfähigen Zustand gehalten wird, aber nicht ständig betriebsbereit ist [10]. Pumpspeicherkraftwerke in Bau Der „Naturstromspeicher Gaildorf“ kombiniert einen Windpark mit einem Pumpspeicherkraftwerk. Dabei sind die Oberbecken jeweils im Fundament der Windkraftanlagen integriert beziehungsweise umgeben diese, während das gemeinsame Unterbecken dem regulärer Pumpspeicherkraftwerke ähnelt [5]. Die vier Windkraftanlagen (Gesamt-Nennleistung 13,6 MW) wurden im Dezember 2017 in Betrieb genommen [43]. Ende 2018 soll die „Wasserbatterie“ ans Netz gehen. Dabei bestehen die Oberbecken aus den „Aktivbecken“, die zunächst in dreien der Windradsockeln integriert sind (je knapp 9 000 m 3 Volumen), und den „Passivbecken“ mit je bis zu 40 000 m 3 Volumen, die die Sockel umgeben (Bild 5). Die Aktivbecken dienen unter anderem als Sicherung gegen Wasserdruckspitzen im Leitungssystem [44]. Das Unterbecken liegt 200 m tiefer im Tal und soll eine Größe von 400 m · 150 m haben [45]. Insgesamt soll die Wasserbatterie eine Kapazität von 70 MWh haben [44]. Die Gesamtleistung der drei reversiblen Francisturbinen soll 16 MW betragen [46]. Die sogenannte Wasserbatterie soll die Grid-Code-Anforderungen der Netzbetreiber für das Angebot von Regelleistung erfüllen. Zudem soll die Anlage im 15-Minuten-Handel einsetzbar sein und innerhalb von 30 s zwischen Stromproduktion und Speicherung wechseln können [45; 47; 48]. Das Unterbecken soll zukünftig mit Naturwärmespeichern nachgerüstet werden und so auch als Energiequelle für Nah- und Fernwärmeversorgung dienen [45]. Nach der Inbetriebnahme der gesamten Anlage ist die Einrichtung einer Bürgergenossenschaft geplant [49]. Die Technologie soll zudem vollständig standardisiert werden und so ohne großen Planungsaufwand an vielen Standorten gebaut werden können [50]. Im Monitoringbericht 2017 [51] werden zwei Pumpspeicherkraftwerke als in Bau angegeben. Das Pumpspeicherkraftwerks - projekt „Rellswerk“ mit 12 MW Turbinenund 15 MW Pumpleistung befindet sich in der österreichischen Gemeinde Vandans. Bereits Ende 2016 wurden die Bauarbeiten weitgehend abgeschlossen. Der Probebetrieb sollte im Frühjahr 2017 star- 40 BWK Bd. 70 (2018) Nr. 5

Energiespeicher ten [52]. Laut Kraftwerksliste der Bundesnetzagentur (Stand: 2. Februar 2018) befindet sich das Pumpspeicherkraftwerk bereits seit 2017 in Betrieb [53]. Das Projekt „Obervermuntwerk II“ soll im gesamten Leistungsband im Bereich − 360 MW (Pumpbetrieb) bis + 360 MW (Turbinenbetrieb) betrieben werden. Dies soll durch zwei Maschinensätze mit je 180 MW realisiert werden. Baubeginn war 2014, die Inbetriebnahme ist für 2018 geplant. Das Obervermuntwerk II ergänzt das Speicherwasserkraftwerk Obervermuntwerk I, das nur über Turbinen verfügt, um zwei Pumpturbinen. Damit können die Speicher Silvretta und Vermunt als Pumpspeicherkraftwerk genutzt werden [54]. Obwohl die beiden Kraftwerksstandorte in Österreich liegen, werden die Projekte nach Fertigstellung auch für die deutschen Regelzonen arbeiten. Von der Speicher- und Regelenergie aus den Kraftwerken stehen über einen langfristigen Vertrag 50 % der EnBW zur Verfügung. Geplante Pumpspeicherkraftwerke in Deutschland Derzeit sind in Deutschland fünf Neubauprojekte, ein kombinierter Neubau mit Erweiterung (Forbach plus) und eine Sanierung in Kombination mit einer Erweiterung geplant (PSW Happurg). Eine Übersicht über die Projekte gibt Tabelle 4. Die Gesamtleistung der Projekte summiert sich auf rund 3 GW. Es sind nur Projekte aufgeführt, die sich zumindest in der Vorbereitung auf das Genehmigungsverfahren befinden, also deutlich über Absichtserklärungen hinausgehen. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Im Vergleich zum Planungsstand Anfang 2016 [5] hat sich die Anzahl der Neubauprojekte noch einmal deutlich reduziert. Auch die sich in Planung befindliche Gesamtleistung ist von 5 GW auf 3 GW gesunken. Nur bei einem Projekt ist gegenüber 2016 ein Fortschritt zu verzeichnen: Für das geplante Pumpspeicherkraftwerk Leutenberg-Probstzella wurde das Raumordnungsverfahren (ROV) mit positivem Bescheid abgeschlossen. Die Vorbereitungen für das Planfeststellungsverfahren (PFV) haben begonnen. Für die Planungs-, Bauund die spätere Betriebsphase werden noch Projektpartner gesucht [55]. Die technische Planung wird weiter vorangetrieben, und Flächen wurden bereits über Vorverträge gesichert [56]. Beim Projekt Riedl läuft weiterhin das PFV (Ende 2014 beziehungsweise in 2015 wurden die Antragsunterlagen vervollständigt). Das Verfahren befindet sich in Vorbereitung des Erörterungstermins [57]. Eine Investitionsentscheidung wurde aber bisher nicht getroffen. Aufgrund der bereits beschriebenen ungünstigen energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden beim Projekt PSW Heimbach die Planungen verlangsamt fortgeführt. Bei den Projekten Nethe und Schmalwasser wurden anstehende Investitionsentscheidungen aufgeschoben. Die Projekte befinden sich somit derzeit in Wartestellung. Der aktuelle Planungsstand ist teilweise unklar. Hierbei ist zu beachten, dass nach positivem Abschluss des Planfeststellungsverfahrens die erteilte Genehmigung für fünf Jahre ihre Gültigkeit behält. Wird in diesem Zeitraum nicht mit dem Bau begonnen, ist eine neue Genehmigung erforderlich. Für das Projekt Waldeck 2+ wurde der Planfeststellungsbeschluss bereits Ende 2011 erteilt und ist daher mittlerweile nicht mehr gültig. Es wird daher davon ausgegangen, dass das Projekt nicht weiter verfolgt wird. Trotz des Ausstiegs der EnBW aus dem Neubauprojekt Atdorf (Tabelle 5) hält der Energieversorger am Erweiterungsprojekt Forbach fest [58]. Das Erweiterungspro- Name BL Vorhabenträger Leistung [MW] Fallhöhe [m] Nutzvolumen [Mio. m³] Kapazität [GWh] Status Investition [Mio. €] Atdorf BW Schluchseewerk AG 1 400 600 9 13,4 Projekt aufgegeben 1 600 Blautal BW Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm & Eduard Merkle Einöden BY Pumpspeicherkraftwerk Einöden GmbH Johanneszeche (am Osser) 60 150 1,05 0,37 Projekt aufgegeben 80 bis 100 150 360 1,1 0,9 Planung gestoppt BY Vispiron Group 100 0,593 0,9 ROV Antrag eingereicht, Verfahren eingestellt, Planung gestoppt Jochberg BY Energieallianz Bayern GmbH & Co. KG 700 577 3 4,2 ROV in Vorb., Planung gestoppt Porta Westfalica NW Barbara Erzbergbau GmbH 100 bis 150 200 1 0,45 Planung gestoppt Poschberg BY Max Aicher 450 650 2 3 Planung gestoppt Sorpeberg-Glinge NW Enervie AG & Stadtwerke Düsseldorf 340 264 3,23 2 Planung gestoppt Ellrich TH Strabag AG 640 6 5 Projekt aufgegeben 750 Schweich RP Stadtwerke Trier GmbH 300 200 6 3,4 ROV pos., Planung gestoppt Hainleite TH Hochtief AG 240 bis 500 220 bis 250 2,5 bis 5 1,4 bis 3 Projekt aufgegeben Leinetal NI Hochtief AG 200 ROV pos., Projekt aufgegeben Lippe/Mörth NW Hochtief AG 300 Projekt aufgegeben 300 Rursee NW Trianel GmbH 640 240 7,6 4 ROV-Antrag eingereicht, Verfahren eingestellt, Projekt aufgegeben Zollernalb (Hechingen) BW Hochtief AG 320 Projekt aufgegeben Waldeck 2+ (Leistungs erhöhung) HE E.on SE +300 – – – PFV pos. (abgelaufen), Projekt aufgegeben Status: ROV = Raumordnungsverfahren; pos. = mit positivem Bescheid abgeschlossen Quelle: FZJ Datenbank (Stand: März 2018) Tabelle 5 Gestoppte und aufgegebene Pumpspeicherprojekte in Deutschland (Quelle: FZJ-Datenbank, Stand: 3/2018). 600 600 700 250 BWK Bd. 70 (2018) Nr. 5 41

Ausgabenübersicht