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05 | 2018

Energiewende Robert

Energiewende Robert Busch im Interview „Wir werden als Korrektiv wahrgenommen“ ENERGIEWENDE | Energie politik könnte man bezeichnen als Ergebnis politischen Willens, der durch Einflussnahme von Verbänden modifiziert wird. Zu diesen Beeinflussern gehört seit 15 Jahren der bne Bundesverband neue Energieanbieter e. V. Als junger Verband, der wettbewerblich orientierte Marktteilnehmer vertritt, liegt er oft überkreuz mit den Positionen der etablierten Energiewirtschaft. Dies wird auch im BWK- Interview mit Geschäftsführer Robert Busch deutlich, der erfrischend offen anspricht, was aus Sicht des bne schiefläuft. In den gesetzgebenden Gremien treffen die wettbewerblichen Argumente des bne durchaus auf offene Ohren, wie unter anderem die Inhalte des Koalitionsvertrags der neuen Bundesregierung zeigen. Doch Grund zur Zufriedenheit und zum Aus ruhen sieht Busch nicht. Eine Bestandsaufnahme der kritischen Art. Der bne hat letztes Jahr seinen 15. „Geburtstag“ gefeiert. Warum ist es wichtig, dass es Ihren Verband gibt? Seit unserer Gründung sind wir der Wettbewerbsverband, der Gegenpol zur etablierten, integrierten Energiewirtschaft. Als solcher sind wir heute Sprachrohr für alle Unternehmen, die sich unter dem Begriff „neue Energiewirtschaft“ zusammenfassen lassen. Wir kämpfen dafür, dass unsere Mitgliedsunternehmen die Netze diskriminierungsfrei nutzen können und dass Barrieren bei der Ausübung neuer Geschäftsmodelle fallen. Die Energiewende braucht einen wettbewerbsfreundlichen, technologieoffenen Ordnungsrahmen. „Politik ist interessiert, die Stimme der neuen Energiewirtschaft zu hören“ Bild: Dieter_G / pixabay.com Wie wird der bne im Wettstreit der Verbände um Einfluss in Berlin und Brüssel wahrgenommen? Als gleichrangig und wichtig. In den Gremien in Ministerien oder Behörden, in denen Entscheidungen getroffen werden, sind wir neben BDEW und VKU einer der zentralen energiewirtschaftlichen Verbände, die gefragt werden. Wir werden auch als Korrektiv wahrgenommen, weil die beiden anderen großen Branchenverbände aufgrund ihrer vergleichbaren Mitgliederstruktur oft ähnliche Positionen vertreten. Die Politik ist sehr daran interessiert, im Wettstreit der Meinungen auch die Stimme der neuen Energiewirtschaft zu hören. Welche Erfolge können Sie sich auf die Fahnen schreiben? Welche Veränderungen haben Sie herbeigeführt? Wir haben oft das Schlimmste verhindert (lacht). Es gibt viele Dinge, die wir vorangebracht haben, zum Beispiel beim Thema Umlagereform. Wenn man erneuerbare Energien – also in erster Linie Strom aus Sonne und Wind – verstärkt in den Markt bringen will, muss man sich darum kümmern, dass eine Sektorenkopplung in den Bereichen Wärme und Mobilität möglich wird. Doch Strom ist die teuerste Energieform, weil sie mit vielfältigen Zusatzkosten beaufschlagt wird. Auf der anderen Seite wird aber beispielsweise Heizöl steuerlich begünstigt und der Einbau von Brennwertkesseln gefördert. Somit gibt es keine Anreize für die Verbraucher, auf Alternativen umzusteigen. Wegen dieser Schieflage haben wir gesagt, man müsste die EEG-Umlage CO 2 -basiert gestalten, auf diese Weise würde es attraktiver, Strom aus Erneuerbaren etwa für das Heizen zu nutzen. Wir plädieren dafür, dass in Zukunft die CO 2 -freien Energieformen am günstigsten sind, dann entsteht eine Nachfrage – beim Heizen, beim Autofahren und natürlich auch beim sonstigen Stromverbrauch. Wir haben zur Umlagereform 2016 eine Studie vorgestellt und damit eine Debatte ausgelöst. Ich gehe davon aus, dass die Bundesregierung beim Thema Abgaben- und Umlagesystem etwas tun wird. 6 BWK Bd. 70 (2018) Nr. 5

Energiewende „Netzentgeltstruktur ist Thema im Koalitionsvertrag“ Können Sie ein weiteres Beispiel erfolgreicher Einflussnahme nennen? Die Diskussion um die Netzentgeltstruktur-Reform. Früher wurde das Netz nach der Menge des bezogenen Stroms bezahlt. Jetzt muss man das anders machen, denn was ein Prosumer an Strom selbst erzeugt, bezieht er nicht mehr über das Netz. Trotzdem braucht er das Netz nach wie vor, wenn die Sonne nicht scheint, sein Speicher leer ist oder überschüssiger Strom ins Netz gespeist werden soll. Die – großenteils fixen – Kosten des Netzbetriebs werden folglich verstärkt auf die Marktteilnehmer abgewälzt, die noch keine eigene Erzeugung haben. Das ist ungerecht, und deswegen muss man die Netzentgeltstruktur-Reform neu gestalten. Die Netze sollten ihr Geld so bekommen, dass der Ausbau der dezentralen Erzeugung nicht gestört und nicht allein auf dem Rücken Dritter ausgetragen wird. Auch dieses Thema ist im Koalitionsvertrag angekommen, weil wir die Problematik erklärt haben. Bild: bne Sie sagten, Sie hätten das Schlimmste verhindert. Ein Beispiel bitte. Wir haben mit dazu beigetragen, einen allgemeinen Kapazitätsmarkt zu verhindern. Der war ursprünglich so gedacht, dass er quasi alle Anlagen im Markt einschließt. Das Problem wäre dann gewesen, dass die Braunkohle wegen der niedrigen Preise für CO 2 -Zertifikate sehr schnell davon profitiert hätte. In Zeiten der Energiewende kann man einen Kapazitätsmarkt jedoch nicht als langes, goldenes Ende sterbender Technologien ausgestalten. Man muss dann schon zukunftsfähige Kraftwerke fördern, zum Beispiel Gasturbinen an den richtigen Stellen. Robert Busch, seit 2005 Geschäftsführer des Bundesverbandes neue Energieanbieter e. V., Berlin: „Wir sehen beim Aus gestalten der Marktregeln Inkonsequenz und eine gewisse Angst vor Kontrollverlust. Man sollte die Industrie auch mal machen lassen und neue Ideen zulassen.“ „Kapazitätsmarkt kann man smarter gestalten“ Wächst mit dem Zubau volatiler regenerativer Erzeugung nicht der Bedarf an Kapazitätsmechanismen? Die Frage hängt an der Entwicklung der Speicher und der dezentralen Erzeugung. Wenn jedes Haus ein Kraftwerk, eine Flexibilitätsoption und eine Speicherungsoption darstellt, muss man schauen, was dann noch als Back-up gebraucht wird. Natürlich wird man hier und da eine Gasturbine benötigen – für den Fall der Fälle. Aber so wie der Kapazitätsmarkt einmal gefordert wurde, braucht man ihn jedenfalls nicht. Das geht auch smarter. Aus der Vielzahl der Vorschläge des bne zur Bundestagswahl 2017 lässt sich 17 – 18 July 2018 Exhibition Centre Nuremberg, Germany ES GEHT UMS GANZE. SIND SIE DABEI? Die Integration of Sustainable Energy Expo & Conference eröffnet Ihnen neue Marktpotentiale. Hier treffen Sie auf Vertreter des verarbeitenden Gewerbes sowie auf Ansprechpartner von Kommunen und Energieversorgern. Präsentieren Sie Ihre nachhaltigen Energiekonzepte. Und vernetzen Sie sich mit der Zukunft. SICHERN SIE SICH IHRE TEILNAHME ALS AUSSTELLER: www.isenec.org/anmeldung MOBILITÄT / SPEICHER / KRAFT-WÄRME-KOPPLUNG / SOLAR / GREEN PRODUCTION / STADTENTWICKLUNG / INTEGRATION / REGENERATIVE ERZEUGUNG / SIMULATION & MARKTDESIGN / SMART GRID

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