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05 | 2019

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Special Smart Energy

Special Smart Energy Christian Hofmann über den Stand der Vorbereitungen zum Rollout intelligenter Messsysteme „Prozesslandschaft ist ready for rollout“ SMART METERING | Bei den Prozessen rund um die Gateway-Administration und das Mess - datenmanagement ist die Robotron Datenbank- Software GmbH bei vielen namhaften Versorgern als System-Partner gesetzt. BWK sprach mit Dr. Christian Hofmann, beim Dresdner Softwarehaus verantwortlich für Produkte im technischen Netzwesen und im Mess wesen, über den Stand der Vorbereitungen. Sein Resümee: „Von uns aus kann es losgehen.“ Die Elemente des Robotron- Smart-Campus im Überblick. Bilder (2): Robotron Herr Dr. Hofmann, aller Voraussicht nach startet dieses Jahr der Rollout intelligenter Messsysteme für Pflichteinbaufälle und damit auch die Verarbeitung von einschlägigen Massendaten. Ist Robotron und sind Ihre Kunden „ready for rollout“? Unsere Kunden sind alle sehr gut präpariert. Wir haben auf unseren EDM- und MDM-Systemen zahlreiche Schnittstellen ausgeprägt, um die verschiedenen ERP- Systeme anzubinden. Parallel dazu haben wir die Prozesse des Ein- und Ausbaus sowie der Inbetriebnahme der Messgeräte über diese Schnittstellen voll automatisiert. Über Konnektoren werden die Daten an das GWA-System, den Robotron- GWA-Manager, weitergegeben. Der gesamte Meter-to Cash-Prozess ist automatisiert und wurde in umfangreichen Lasttests auf unseren Systemen validiert. Beispielsweise hat letztes Jahr unser Partner Gisa unser GWA-System getestet. Auch dieser Lasttest hat sehr gute Ergebnisse gebracht und unsere Kunden sehr gut aussehen lassen, was die Verarbeitung von Massendaten und die Beherrschung von Massenprozessen betrifft. Insofern gehen wir davon aus, dass unsere Kunden mit der geschaffenen, durchgehenden Prozesslandschaft ready for rollout sind. Von uns aus kann es losgehen. „Mehr Rechtssicherheit im Prozess erwünscht“ Dr. Christian Hofmann, Verantwortlicher für Produkte im technischen Netz- und Messwesen, Robotron Datenbank-Software GmbH, Dresden: „Wir registrieren einen Wandel in der Art, wie Kunden unsere Plattform nutzen.“ Sind Sie mit dem Rechtsrahmen, der den Rollout intelligenter Messsysteme regelt, einverstanden? Wo sehen Sie gegebenenfalls Inkonsistenzen und Nachbesserungsbedarf? Wir begrüßen das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende im Grundsatz. Uns ist natürlich bewusst, dass noch kein Gesetz perfekt vom Himmel gefallen ist und es immer irgendwo Verbesserungs potenziale gibt. Wir würden uns ein bisschen mehr Rechtssicherheit im aktuellen Prozess wünschen. Beispielsweise unterstützen die Smart Meter Gateways in ihrer G1-Funktion noch nicht alle Prozesse, die vom Gesetzgeber gefordert wurden. Das führt dazu, dass die MaKo 2020 versucht hat, diesen Umstand zu heilen. Die MaKo 2020 müsste aber prinzipiell mit dem Messstellenbetriebsgesetz in Einklang gebracht werden. Alle Produkte von Robotron sind Teil der Energiemarkt-Plattform. Welche Idee steckt hinter diesem Plattform - gedanken? Vorteile ergeben sich aus der modularen Nutzung einzelner Bausteine der Energiemarkt-Plattform, sodass individuelle Abbildungen von wertschöpfenden Geschäftsprozessen innerhalb der Systemlandschaft möglich sind. Man muss also nicht immer die ganze Plattform nutzen beziehungsweise nicht alle Module der 10 BWK Bd. 71 (2019) Nr. 5

Smart Energy Special Plattform. Natürlich ist innerhalb der Plattform gewährleistet, dass die Module perfekt miteinander interagieren. Jeder Prozess kann auf dieser Plattform auf die Daten zugreifen, die benötigt werden. „Wachsendes Interesse an SaaS und Cloud-Lösungen“ Der Energiemarkt befindet sich im Wandel. Wie beeinflusst das den Lösungsbedarf der EVU? Wohin geht die Reise? Wir registrieren einen Wandel in der Art, wie Kunden unsere Plattform nutzen. Das Interesse am Software-as-a-Service- Betrieb nimmt zu, der Bedarf an Cloud- Lösungen wächst. Ferner wird dem Aspekt der IT-Sicherheit immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Hier können wir als zertifizierter Rechenzentrumsbetreiber entsprechende Mehrwerte bieten. Grundsätzlich geht der Trend dahin, dass immer mehr Daten bewegt werden, um zum Beispiel die Transparenz im Niederspannungsnetz zu erhöhen, um Aufgaben wie Netzsteuerung, Netzplanung und Netzausbau optimieren zu können. Ein weiteres Thema, das zunehmend an Relevanz gewinnt, sind Mehrwertdienste, die über die CLS-Schnittstelle des Smart Meter Gateways gesteuert werden, etwa Submetering oder Ambient Assisted Living. Außerdem rückt die netzdienliche Integration von Elektromobilität in den Fokus. Da geht es beispielsweise um die Fragestellung, wie wir über unsere Plattform Ladevorgänge netzdienlich gestalten können. Hier wirken wir in mehreren Forschungsprojekten mit. Der Name Robotron … „Inselsysteme ins Energienetz der Zukunft integrieren“ Damit haben Sie die Brücke zum Robotron-Smart-Campus geschlagen. Was sind Inhalte und Ziele des Projektes? Auf einen einfachen Nenner gebracht, geht es um den Aufbau und Betrieb eines intelligenten Energiemanagements zur Einspeise- und Lastoptimierung in einem geschlossenen Energiesystem, nämlich das auf unserem Betriebsgelände. Wir reden also über die Vermeidung von Lastspitzen und die Nutzung von steuerbaren Lasten, beispielsweise Elektromobilität oder entsprechende Verbraucher innerhalb des Hauses. Dazu vernetzen wir eine Photovoltaikanlage, einen Batteriespeicher und eine Netzersatzanlage miteinander. Uns geht es nicht um eine autarke Versorgung, sondern um die Integration eines Inselsystems in das Energienetz der Zukunft. Mit der Optimierung sind natürlich monetäre Ziele verbunden, aber vor allem erwarten wir einen Erkenntnis- und Erfahrungsgewinn darüber, wie wir uns netzähnlich verhalten können. Was ist der aktuelle Stand bei dem Projekt? Die Photovoltaikanlage ist in Betrieb, die Netzersatzanlagen sind integriert. Aktuell sind wir dabei, alte USV-Batterien aus dem Rechenzentrum, die nach fünf Betriebsjahren aus der Gewährleistung gefallen sind, zu einem Batteriespeicher zusammenzubauen. Dieser wird 75 kWh zur Verfügung stellen. Parallel dazu wird gerade eine Ladesäule mit zwei Ladepunkten in Betrieb genommen. … ist vielen noch aus der Zeit der deutsch-deutschen Teilung geläufig. Als zentrales ostdeutsches IT-Unternehmen wurde das Kombinat Robotron am 1. April 1969 mit Sitz in Dresden gegründet. Mit der Wende und der bevorstehenden Abwicklung des Kombinats gründete Dr. Rolf Heinemann im August 1990 mit weiteren acht Gesellschaftern und 26 Mitarbeitern die Robotron Datenbank-Software GmbH. Tätigkeitsfeld des Unternehmens war und ist bis heute die Realisierung von Projekten zur effektiven Verwaltung und Auswertung großer Datenmengen auf Basis von Datenbank-Software für die Branchen Energie, Industrie und öffentliche Verwaltung. Heute steht Robotron für einen internationalen Firmenverbund mit rund 550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Im Geschäftsjahr 2017/18 (1. Juni bis 31. Mai) lag der Umsatz bei 51,6 Mio. €. Das Stammkapital von 2,4 Mio. € liegt bei den acht Gesellschaftern, die alle aktiv im Unternehmen mitarbeiten. Seit 2018 ist das gesamte Unternehmen nach ISO 27001 zertifiziert. i www.robotron.de Mit welcher Software wird das System gesteuert? Vieles können wir mit dem Robotron- SwitchingServer abbilden. Er stellt von Haus aus die technische Funktionalität zur Verfügung, Anlagen miteinander zu vernetzen und bei Regelverletzung eigenständig Schalthandlungen auszulösen. Aktuell sind wir dabei, Optimierungsmodule zu validieren, mit denen wir sowohl Day-Ahead als auch Intra- Day-Optimierung durchführen können, etwa beim Planen der Ladevorgänge bei Elektrofahrzeugen oder der Ladefunktion des Batteriespeichers. Im Bereich der Steuerung haben wir bereits mit unseren Systemen eine Landschaft erstellt, die wir dafür schon heute nutzen können. Die Konnektivität zu den Anlagen ist gewährleistet. Wir haben schon heute die Möglichkeit, diesen Prozess zu leben. Unser Plan ist es, den Batteriespeicher und die Ladesäule bis spätestens Ende des zweiten Quartals 2019 aufgebaut und in den Produktivbetrieb genommen zu haben. „Industriepartner signalisieren Interesse an Energieoptimierung“ Das Smart-Campus-Projekt von Robotron hat sicherlich einen hohen Spaßfaktor. Aber letztlich werden Sie Geld damit verdienen wollen. Wird hier die Basis für ein weiteres Betätigungsfeld gelegt? Der Business Case lässt aktuell sicherlich noch keine wirklich schwarze Zahl erwarten. Uns geht es zunächst einmal darum, Potenziale des Energiesystems der Zukunft zu erkunden. Mehrere unserer Kunden sehen an dieser Stelle genau diesen Bedarf: Inselsysteme zu optimieren und netzdienlich zu koppeln. Wenn wir das erprobt haben und überzeugend beherrschen, wollen wir dieses Know-how selbstverständlich als Service anbieten. Gerade für mittelständische Unternehmen und energieintensive Industrien – im weitesten Sinne – ist dieses Thema sehr interessant, weil sie ihr Energiemanagement optimieren können. Herr Dr. Hofmann, vielen Dank für das Gespräch. BWK Bd. 71 (2019) Nr. 5 11

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