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05 | 2019

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Special Smart Energy

Special Smart Energy Ingo Schönberg zur Situation auf dem Markt für smartes Messwesen „Im Wind des Wandels sollte man sich den Windmühlen zuwenden“ SMART METER GATEWAYS | Die Power Plus Communications AG hat im Dezember 2018 als erster Hersteller von Smart Meter Gateways die Zertifizierung durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) erhalten. Das Mannheimer Unternehmen kann seine Geräte somit bereits verkaufen – zumindest für den Einsatz im wett bewerblichen Messstellenbetrieb. Bis mindestens zwei weitere Hersteller zertifiziert sein werden und der Rollout für Pflichteinbaufälle starten kann, wird wohl mindestens ein halbes, wenn nicht sogar ein Dreivierteljahr vergehen. Wir geht man bei PPC mit dieser Situation um? BWK sprach mit dem Vorstands - vorsitzenden Ingo Schönberg. In Sieg und Niederlage, in Erfolg und Misserfolg zeigen sich Größe und Charakter des Menschen besonders deutlich. Ingo Schönberg könnte als klarer Sieger im Wettlauf um die BSI-Zertifizierung große Töne spucken. Tut er aber nicht. Selbstbewusst klingen seine Antworten. Klar, dazu besteht auch reichlich Anlass. Abgesehen davon bleibt er nüchtern und analytisch. Schönbergs Statements: BSI-Marktanalyse: „Abgesehen von der fehlenden Zertifizierung weiterer Smart-Meter-Gateway- Hersteller hat das BSI hinter alle anderen Themen einen Haken gemacht. In der Branche gab es ja die Sorge, dass noch irgendwelche neuen Hürden identifiziert werden könnten. Das hat das BSI mit der Marktanalyse klar verneint. Es müssen nur noch zwei weitere Hersteller von Smart Meter Gateways durch die Zertifizierung, dann kann der Rollout auch für die Pflichteinbaufälle losgehen.“ Schnelle Zertifizierung: „Wir haben zwei gute Entscheidungen gefällt, als wir losgelaufen sind. Eine wurde uns schon in die Wiege gelegt, denn wir sind von Haus aus IKT-Spezialist, das heißt Fachleute im Bereich Netzwerke, Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Security. Das sind ja ganz wesentliche Aspekte für das Smart Meter Gateway. Diese Herkunft hat uns sicherlich eine ausgezeichnete Startposition beschert. Zweitens haben wir uns bewusst dafür entschieden, einen Experten aus dem Bereich Zertifizierung mit dazu zu nehmen, die OpenLimit SignCubes GmbH aus Berlin. Das Unternehmen hat solche Verfahren in anderen Branchen schon erfolgreich durchgeführt. Mit diesem Partner an unserer Seite konnten wir Blick in eine Transportbox, mit der PPC die sichere Lieferkette für Smart Meter Gateways physisch umsetzt. die Arbeit beschleunigt und strukturiert angehen. Drittens kommt indirekt hinzu: Wir sind Spezialist für Smart Meter Gateways und Kommunikation, wir haben nie Zähler oder GWA-Systeme selbst machen wollen. Das hat dazu geführt, dass wir von Anfang an Interoperabilität leben mussten. Deshalb war die Lernkurve bei uns besonders intensiv und steil.“ Marktvorsprung: „Wir können etwas differenzierter auf die Bedürfnisse wettbewerblicher und grundzuständiger Messstellenbetreiber eingehen. Die grundzuständigen Messstellenbetreiber haben natürlich mit der Bilder (2): PPC 14 BWK Bd. 71 (2019) Nr. 5

Smart Energy Special Skalierung ein Problem, solange keine positive Marktanalyse vorhanden ist. Praktisch ist es aber so, dass fast alle relevanten Messstellenbetreiber heute zumindest im kleinen Umfang zertifizierte Geräte einbauen, weil sie die ganzen Prozesse einrichten und evaluieren müssen. Von der elektronischen Bestellung bis zur sicheren Lieferkette muss alles aufgebaut sein – egal ob es sich um ein Gerät oder um zehntausend handelt. Diese Hochlaufprozesse haben wir bei den meisten MSB begonnen. Große wettbewerbliche Messdienstleister andererseits starten bereits durch beim Rollout, um sich einen Vorsprung zu erarbeiten und sich auch durch diesen Nachweis als GWA- und EMT-Dienstleister zu profilieren.“ Geräteproduktion: „Dass wir Smart Meter Gateways verkaufen können, bedeutet, dass wir die Produktion schon auf vollen Touren am Laufen haben und die ersten fünfstelligen Mengen an unsere Kunden ausliefern. Auf dieser Basis können wir vorausschauend überprüfen, wie viele Geräte wir zukünftig maximal pro Tag, Woche und Monat herstellen können, wenn der Pflichtrollout intelligenter Messsysteme starten kann. Wir lernen im Moment extrem schnell, Produktion und Prozesse im Realbetrieb hochzufahren.“ Die Kehrseite der Medaille: „Es gibt auch Nachteile, der Erste zu sein: Man hat bei vielen Themen eine Eisbrecherfunktion und ist manchmal auch der Überbringer schlechter Botschaften, wenn es um das notwendige strikte Einhalten von Prozessen, Strukturen und Anforderungen geht. Wir haben daher mitunter auch eine missionarische Aufgabe, die nicht immer so viel Spaß macht. Beispiel sichere Lieferkette: Viele unserer Kunden sagen: Wofür brauchen wir denn sowas Kompliziertes? Das ist doch alles Ingo Schönberg, Vorstandsvorsitzender der Power Plus Communications AG, Mannheim: „Die Geräteproduktion läuft schon auf vollen Touren, und wir haben die ersten fünfstelligen Mengen an unsere Kunden ausgeliefert.“ unnötig. Warum müssen wir das anders machen als bisher? Da sind wir natürlich zunächst mal der Überbringer einer schlechten Botschaft und müssen viel erklären.“ Monteurausbildung: „Wir stellen fest, dass Unternehmen, die offensiv agieren, sich sehr konstruktiv damit auseinandersetzen. Wir haben mittlerweile mehr als 100 Monteure bei unseren Kunden geschult. Monteure müssen bei der sicheren Lieferkette einen Schulungsnachweis erbringen, den wir wiederum gegenüber dem BSI dokumentieren müssen. Das heißt, auch da werden entsprechend qualifizierte Personalressourcen im Rollout benötigt. Wenn wir Anfang 2019 drei zertifizierte Gateways gehabt hätten, wären noch lange nicht deutschlandweit geschulte Monteure in ausreichender Stückzahl verfügbar gewesen.“ Sichere Lieferkette in der Praxis: „Es gibt an allen Stellen mit zertifizierten Geräten neue Themen. Das beginnt beim elektronischen Bestellschein. Wir müssen ja den gesamten Prozess auf einer gesicherten elektronischen Ebene vom Kundensystem bis in die Produktion abbilden. Dann müssen die Geräte physisch aus der Produktion in Zwischenlager und den Keller transportiert werden. Dazu muss man die Geräte in entsprechenden Boxen transportieren. Das kann eine ganze Palette sein oder eine Box mit Platz für bis zu 60 Geräten, die ein Monteur typischerweise mit sich führt. Das Öffnen und Schließen dieser Boxen sind Aktionen, die festgelegten Regeln zu folgen haben. Das ist natürlich ein zusätzlicher Arbeitsschritt, der zwar einfach ist, aber gelernt sein muss. Allerdings ist der Unterschied zu dem, was Monteure beim Zählerwechsel heute tun müssen, gar nicht so groß. Auch heute liegen die Zähler nicht einfach so im Auto herum und müssen aus einer Umverpackung genommen werden.“ Kooperation mit Theben: „Die Kooperation sind wir eingegangen, weil es sinnvoll ist, Prozesse zu vereinheitlichen. Jeder Hersteller muss dokumentieren, wie die Geräte sicher von der Produktion bis in den Keller transportiert werden. Wenn das jeder nach einem eigenen Verfahren macht, müssten unsere Kunden schlimmstenfalls mehrere unterschiedliche Lieferprozesse einhalten. Das ist undenkbar. Vor diesem Hintergrund haben wir Theben vorgeschlagen, unseren Prozess der sicheren Lieferkette zu übernehmen. Das ist ja weder Kerngeschäft für Theben noch für PPC. Alle profitieren so von einheitlichen Standards. Wir beseitigen ein Hemmnis, das am Markt potenziell bestehen könnte.“ SiLKe beim FNN: „Wir wirken dort natürlich mit und versuchen einen konstruktiven Beitrag zu leisten. Wie groß oder nachhaltig der sein wird, bleibt abzuwarten. Im FNN-Arbeitskreis findet zunächst mal ein gemeinsamer Lern- und Evaluierungsprozess statt. Und wenn da am Ende Verbesserungen rauskommen, ist das im Sinne der Sache. Andere Hersteller arbeiten ja mit der gleichen Box wie wir, haben aber vielleicht die Prozesse anders gestaltet. Da werden wir schauen, ob wir noch Verbesserungen finden. Und dann wird man gemeinsam überlegen, was die beste Lösung für den Markt ist. Bisher haben wir noch nichts gesehen, was besser, günstiger oder einfacher wäre.“ Botschaft an den Markt: „Was wir jetzt in der Energiebranche brauchen, ist mehr Mut und die Erkenntnis, dass man nur im Tun lernen kann. Mit dem Smart Meter Gateway erhalten die Versorger einen reguliert verordneten digitalen Zugang zu ihren Kunden. Über die Preisobergrenze bekommen sie ihn sogar bezahlt. Das ist eine einmalige Chance, die es zu ergreifen gilt. In Abwandlung eines chinesischen Sprichwortes lautet mein Rat: Im Wind des Wandels sollte man keine Mauern bauen, sondern sich den Windmühlen zuwenden.“ i www.ppc-ag.de BWK Bd. 71 (2019) Nr. 5 15

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