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05 | 2019

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Special Smart Energy

Special Smart Energy Fritz Wengeler zum zehnjährigen Firmenjubiläum von smartOptimo In einer Dekade vom Start-up zum Top-Fünf-Player Können Sie sich an die Anfangszeit erinnern? Was waren für smartOptimo wichtige Meilensteine in der vergangenen Dekade? An meine ersten Arbeitstage kann ich mich noch gut erinnern. Es gab nur mich als Mitarbeiter und ich musste mich um Büromöbel, Laptop, Telefon, Gesellschaftervertrag, Kontenplan usw. selbst kümmern, wie bei einem richtigen Start-up. Zuerst stießen ein kaufmännischer Mitarbeiter und eine Sekretariatskraft hinzu, später jeweils ein Techniker aus Münster und Osnabrück. Dann folgte der Betriebsübergang der Messdienstabteilungen der Stadtwerke Münster und Osnabrück. Im Herbst 2009 haben wir den ersten Vertriebsspezialisten eingestellt. Der Rollout moderner Messeinrichtungen hat bei smartOptimo schon begonnen. INTELLIGENTE MESSSYSTEME | Die smartOptimo GmbH & Co. KG in Osnabrück feiert 2019 ihr zehnjähriges Bestehen. Geschäftsführer Dr. Fritz Wengeler blickt zurück und gibt Auskunft über Konzepte und gegenwärtige Herausforderungen des Rollouts intelligenter Messsysteme (iMSys). Stolz und Freude prägen das Jubiläum: „Der kleine Nukleus smartOptimo ist heute einer der Top-Player für das intelligente Messwesen.“ Herr Dr. Wengeler, hätten Sie sich 2009, als smartOptimo gegründet wurde, vorstellen können, dass es zehn Jahre dauern würde, bis der Rollout intelligenter Messsysteme losgeht? Nein, die gesamte Entwicklung war damals in keiner Weise absehbar. Wobei man fairerweise darauf hinweisen muss, dass zumindest der Rollout moderner Messeinrichtungen schon seit 2017 im Gange ist. Wir haben mittlerweile mehrere Tausend Stück davon verbaut. Das kommt in der Wahrnehmung oft zu kurz. Mir liegt es auch fern, darüber zu klagen, Dr. Fritz Wengeler, Geschäftsführer der smartOptimo GmbH & Co. KG, Osnabrück: „Bei der Preisobergrenze liegt meines Erachtens ein Konstruktionsfehler in der Systematik vor.“ dass es ein langer Weg war. Vielmehr möchte ich betonen, dass wir in dieser Zeitspanne sehr viel geschafft haben. Der kleine Nukleus smartOptimo, den die Stadtwerke Münster und Osnabrück damals gegründet haben, ist heute in Deutschland ein Top-Fünf-Player für das intelligente Messwesen, ein Kernanbieter der gesamten Smart-Metering-Prozesskette. Das erfüllt uns mit Stolz. „Wir haben uns langsam im Markt etabliert“ Bilder (2): smartOptimo Wann gab es erste operative Erfolge? Wir haben uns langsam im Markt etabliert. Als wir die ersten zehn externen Gesellschafter an Bord hatten, war das ein riesiger Durchbruch. Die Verabschiedung des Messstellenbetriebsgesetzes 2016 bedeutete dann den Eintritt in eine neue Phase. Die Stadtwerke begriffen, dass sie für die Bewältigung der Herausforderungen des intelligenten Messwesens und insbesondere der Smart-Meter-Gateway-Administration einen Partner brauchen. Seitdem konnten wir stark expandieren. Ein wichtiger Meilenstein war auch unsere Zertifizierung als Smart-Meter-Gateway- Administrator nach ISO/IEC 27001 und der BSI TR03109-6. Heute sind über 30 Stadtwerke aller Größenordnungen Gesellschafter bei smart- Optimo. Unsere Kooperation repräsentiert über drei Millionen Strommesspunkte. Mittlerweile ist der Markt für das intelligente Messwesen und die Gateway-Administration im Wesentlichen verteilt. Jetzt geht es vorrangig darum, den weiteren Roll out und Einsatz intelligenter Messtechnik effektiv und wirtschaftlich zu steuern. „Intelligentes Messwesen aus Stadtwerkesicht gedacht“ Welcher Leitgedanke liegt dem Konzept von smartOptimo zugrunde? 16 BWK Bd. 71 (2019) Nr. 5

Smart Energy Special Wir haben das Thema intelligentes Messwesen immer aus der Sicht der Stadtwerke und deren Bedürfnisse gedacht. Was braucht ein Stadtwerk, um im Wettbewerb bestehen zu können? In letzter Konsequenz werden Lösungen benötigt, die zwei Vorbedingungen erfüllen: Im Netzbereich muss es kostengünstig und technisch fundiert agieren können. Im Vertrieb kommt es darauf an, margenorientiert Kunden akquirieren und binden zu können. Diesen Prämissen ordnet sich alles unter, auch das intelligente Messgerät. Es ist nur ein technisches Werkzeug, ein Mittel zum Zweck. Entscheidend ist, was man damit abbilden kann und welchen Nutzen es ermöglicht. Diese Logik hat uns geprägt und meines Erachtens entscheidend nach vorn gebracht. Welche Bedeutung hat der Netzwerkgedanke für das starke Interesse der Werke an smartOptimo? Er ist zentraler Bestandteil unserer DNA und ein weiterer elementarer Erfolgsfaktor. Drei Aspekte sind bei dieser horizontalen Kooperation besonders wichtig. Erstens: Stadtwerke können bei uns als Gesellschafter einsteigen, Teil der Familie werden. Geschäfte mit uns basieren nicht auf einem klassischen Lieferanten-Käufer- Verhältnis, sondern Stadtwerke machen ein Geschäft mit einem Unternehmen, das ihnen selbst gehört und das sie steuern können. Zweitens: Stadtwerke interagieren gern mit Partnern auf Augenhöhe. Sie erwarten Fairness und bevorzugen eine offene Kommunikation. Und drittens: Stadtwerke bevorzugen Partner, die ihre Sprache sprechen und ihre Bedürfnisse verstehen. „Ohne Wissensvermittlung hätte es nicht funktioniert“ Die Stadtwerke im Netzwerk von smart- Optimo treffen regelmäßig auf verschiedenen Info-Veranstaltungen zusammen, die Sie organisieren. Welchen Zweck erfüllen diese Zusammenkünfte? Unser Ansatz war und ist – das entspricht auch den Vorstellungen der Stadtwerke –, dass sie im Messwesen auch zukünftig möglichst eigenständig agieren können. Deshalb war klar, dass wir Foren brauchen, auf denen das nötige Wissen vermittelt und zwischen den Stadtwerken ausgetauscht wird. Nur wenn man Bescheid weiß und manchmal auch über den Tellerrand hinausschaut, ist es möglich, in einer Wettbewerbssituation zu bestehen und autonom zu bleiben. Nach dem Motto „Friss oder stirb“ einfach irgendwelche technischen Services bereitzustellen, die Unternehmen aber fachlich und emotional überhaupt nicht mitzunehmen, hätte nicht funktioniert. Durch diese Partner-Netzwerkveranstaltungen hat sich ein auch ein familiärer Geist entwickelt, den viele Partner sehr schätzen. Sie bieten den Stadtwerke-Treffpunkt und das Technische Kooperationsprojekt an? Was unterscheidet die Veranstaltungen? Im Stadtwerke-Treffpunkt geht es vor allen darum, das grundlegende Verständnis für das Thema Smart Metering mit all seinen Facetten zu stärken. Die Vorträge externer und eigener Experten drehen sich um gesetzliche Vorschriften und deren Interpretation, vertriebliche Themen, und Marktentwicklungen beziehungsweise Trends. Im Stadtwerke-Treffpunkt erfährt man im Grunde alles, was man wissen muss, um qualifiziert mitreden zu können. Im Technischen Kooperationsprojekt stehen technische und prozessuale Themen beziehungsweise Entwicklungen, Gerätetests, Prozessaufbau usw. im Vordergrund. Hier werden Wissen und Fähigkeiten vermittelt, Smart Metering operativ umzusetzen. Wie gliedert sich das Leistungsspektrum von smartOptimo? Wir haben drei wesentliche Geschäftsfelder. Dabei handelt es sich einerseits um die Betriebsführung klassischer und intelligenter Messtechnik vor Ort, das heißt Montage, Lagerhaltung, Ablesung, Turnuswechsel, Sperren, Inkasso usw. Der zweite Bereich umfasst Systeme und deren Bedienung. Und das dritte Betätigungsfeld ist Beratung und Netzwerkleistungen. Wobei die drei Bereiche in der Praxis an vielen Stellen ineinandergreifen. Wir stellen die neuen Systeme effizient und mit Skaleneffekten bereit. Zugleich zeigen wir den Stadtwerken in Workshops und durch Beratung, wie man damit umgeht. „An Mehrwertapplikationen wird intensiv gearbeitet“ Welche Trends sehen Sie aktuell im Markt? Auch bei den intelligenten Messsystemen geht es langsam los mit dem Rollout. Ich rechne im Sommer 2019 damit, dass zwei weitere Hersteller von Smart Meter Gateways vom BSI zertifiziert sein werden und der Rollout intelligenter Messsysteme auch bei den Pflichteinbaufällen starten kann. Schon heute wird in der gesamten Branche intensiv an Mehrwertapplikationen hinter oder neben dem Smart Meter Gateway gearbeitet: Schalthandlungen, Lösungen für die Wohnungswirtschaft, Services in Verbindung mit Elektromobilität – da geht die Reise hin. Rechnen Sie damit, dass es zu Verzögerungen beim Rollout kommt, weil die sichere Lieferkette für die Smart Meter Gateways noch standardisiert werden muss? Nein, dieser Prozess ist aufgesetzt und muss nur noch abgebildet und umgesetzt werden, auch wenn dies in der Anfangsphase noch individualisiert der Fall wird. Ich sehe es positiv, dass mit PPC und Theben zwei Hersteller bei der sicheren Lieferkette kooperieren und dass der FNN sich um eine Standardisierung bemüht. Was ich kritisch sehe, ist die Frage, zu welchen Kosten sich dieser Prozess on Top abbilden lässt. Insbesondere im kleinen Maßstab wird das schwer darzustellen sein. Hier liegt meines Erachtens ein Konstruktionsfehler in der Systematik vor: Man hat eine Kosten-Nutzen-Analyse durchgeführt, auf dieser Basis eine Preisobergrenze festgelegt und im Nachgang reihenweise Verpflichtungen oben drauf gepackt. Normalerweise macht man erst die Kostenkalkulation und fixiert dann den Preis. „Fitness-Check ermöglicht reibungslosen Rollout-Start“ Welche Aufgaben stehen aktuell bei smartOptimo ganz oben auf der To-do- Liste? Der Fitnesscheck ist ein wichtiges Thema. Darunter verstehen wir eine systematische Bestandsaufnahme aller Parameter und Prozesse bei unseren Partnern, damit der operative Start intelligenter Messsysteme möglichst reibungslos gelingt. Ferner sprechen wir beispielsweise über die Abbildung der sicheren Lieferkette für die Smart Meter Gateways und über Dienstleistungen für die Wohnungswirtschaft. Getreu dem Motto: Was brauchen Stadtwerke, um das intelligente Messwesen effektiv und smart abbilden und daraus einen möglichst großen Nutzen ziehen zu können. Herr Dr. Wengeler, vielen Dank für das Gespräch. i www.smartoptimo.de BWK Bd. 71 (2019) Nr. 5 17

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