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05 | 2019

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IT & Management Chancen

IT & Management Chancen der Blockchain-Technologie in der Marktkommunikation Lieferantenwechsel in Sekunden BLOCKCHAIN | Schneller, ein - facher, effizienter und kostengünstiger: So lauten kurz gefasst die Vorteile, würde man die Marktprozesse in der Energiewirtschaft mithilfe der Blockchain-Technologie abbilden. Mit der „MaKoChain“ präsentierte die Blockchain-Initiative Energie (BCI-E) im edna Bundesverband Energiemarkt & Kommunikation bereits einen funktionsfähigen Prototypen, der den Prozess des Lieferantenwechsels live auf der Messe abbildete. Doch wie stehen die Chancen, dass sich diese Technologie dafür durchsetzt, tatsächlich? Bild: Uwe Pagel, Press‘n‘Relations Sitzung der Blockchain-Initiative Energie in Mannheim. Mit 44 Mitgliedern ist die BCI-E die größte Blockchain-Vereinigung in Deutschland. In der Öffentlichkeit war die Blockchain-Technologie zuletzt etwas in Verruf geraten: Die Krise des Bitcoin und der hohe Energiebedarf der öffentlichen Blockchains schienen das Ende dieser Technologie einzuläuten, bevor sie richtig Verbreitung finden konnte. Doch abseits dieser Großanwendungen hat sich diese Technologie weiterentwickelt und wird gerade auch in der Energiewirtschaft in zahlreichen Anwendungsszenarien ausprobiert. Blockchain-Technologie verspricht viele Vorteile Für einen Einsatz in der Marktkommunikation sprechen durchaus viele Gründe: Statt vieler dezentraler Softwaresysteme könnte die gesamte Marktkommunikation über eine zentrale Blockchain abgebildet werden. Bei Änderungen im Prozessablauf müssten dann nicht viele unterschiedliche Anwendungen angepasst und bei hunderten von Unternehmen aktualisiert werden, was den Aufwand für alle Marktteilnehmer deutlich senken würde. Eine dezentrale Datenspeicherung führt zudem aufgrund divergierender Stammdaten teilweise zu instabilen Prozessen, woraus häufig hohe Prozessdurchlaufzeiten resultieren. Die MaKo- Chain sorgt dagegen für kurze Prozessdurchlaufzeiten sowie für eine höhere Prozessstabilität. Zudem kann beispielsweise der Lieferantenwechsel in Sekunden erfolgen. Damit würde die MaKo- Chain die Vorgaben der EU, die ab 2026 die Möglichkeit des untertägigen Lieferantenwechsels vorschreibt, schon heute unterstützen. Die MaKoChain wurde auf Basis des Blockchain-Derivats Ethereum mit sogenannten Smart Contracts umgesetzt. Ethereum ist eine gerade im Energieumfeld oft genutzte Entwicklungsumgebung. Dabei wurde der Prozess in Form einer geschlossenen Blockchain realisiert. Um einen hohen Datenschutz zu gewährleisten, ist sie nur für die Marktrollen Stromlieferant und Verteilnetzbetreiber direkt zugänglich. Den Zugang regelt eine zentrale Instanz. Dies könnte beispielsweise die Bundesnetzagentur sein. Da die Plattform geschlossen und die Teilnehmerzahl überschaubar ist, kann der Prozess auch sehr energieeffizient abgewickelt werden – im Unterschied zu den sogenannten Krypto-Währungen. Sicherer als die derzeitige Abbildung der Marktprozesse Um die Speicherung personenbezogener Daten in der Blockchain zu vermeiden, wird ein ID-Mapping eingesetzt. Damit können die Zeichen-Codes der Blockchain außerhalb der Plattform den Marktpartnern zugeordnet werden. Zur Vereinfachung wurden die Kommunikation mit dem Messstellenbetreiber und die damit verbundenen Austauschprozesse der Zählerstände beziehungsweise Verbrauchswerte beim ersten Prototypen zunächst nicht in der Blockchain abgebildet. Ausgeklammert wurden auch Themen wie Vertragswiderruf, Sonderkündigung/Auszug oder geplanter Anbieterwechsel. Zwar würde mit einer zentralen Blockchain für die Marktprozesse eine neue kritische Infrastruktur geschaffen. Diese ist jedoch um ein Vielfaches sicherer als die derzeitige Abbildung der Marktprozesse über viele dezentral organisierte IT-Lösungen. Diese bieten aufgrund ihres Konstruktionsprinzips deutlich mehr Angriffspunkte. Zudem ist die Blockchain aufgrund ihrer speziellen Beschaffenheit nicht durch Hacker angreifbar. Das System wird – verteilt auf sogenannten Nodes – bei allen Marktteilnehmern betrieben werden, und diese synchronisieren automatisch. Somit ist bei einem Ausfall einzelner Nodes das System weiterhin stabil verfügbar. Natürlich ist nicht damit zu rechnen, dass sich die Bundesnetzagentur kurzfristig von den bestehenden Vorgaben für die Umsetzung der Marktprozesse verabschieden wird. Die Tatsache, dass sich derzeit nicht nur die BCI-E mit dem möglichen Einsatz der Blockchain-Technolo- 22 BWK Bd. 71 (2019) Nr. 5

IT & Management gie für die Abwicklung der Marktprozesse beschäftigt, deutet jedoch darauf hin, dass auf mittlere Sicht ein Umdenken stattfinden könnte. Auch das Projekt ETH@Energie, hinter dem Unternehmen wie Lichtblick, Mainova, Count+Care, N-ergie sowie NBB und MaibornWolff stehen, haben genau zu diesem Thema eine eigene Entwicklung gestartet. Ein Systemwechsel wäre relativ einfach realisierbar Selbstverständlich ist die Blockchain- Technologie nicht die einzige Möglichkeit, die Marktprozesse zu modernisieren und über eine gemeinsame Plattform abzuwickeln. Wie das funktionieren kann, zeigt das Beispiel „eda“ in Österreich: Auf Basis eines standardisierten Formats (ebXML) und Kommunikationsprotokolls (AS4) sowie definierter Prozesse wird hier der gesamte Datenaustausch zwischen allen österreichischen Marktteilnehmern sicher und performant abgewickelt. Die gemeinsame Plattform spart auch Kosten: Nach Berechnungen der Entwicklerfirma liegen diese pro Message bei 4 Ct, ein kompletter Lieferantenwechsel kostet somit nur rund 25 Ct. Ähnliche Effekte ließen sich mit der Blockchain-Technologie ebenso erreichen. Zudem wäre ein Wechsel des Systems relativ einfach: Zum Stichtag könnten alle Marktteilnehmer ihre eigenen Systeme abschalten und auf das neue internetbasierte Verfahren wechseln. Zudem ist durch eine mögliche Governance-Struktur, bei der alle Marktteilnehmer entsprechende Rechte haben, nicht ein zentraler Betreiber der Blockchain-Plattform vorhanden. Wodurch übliche „Login-Effekte“ bei Plattformen vermieden werden können, da die Prozess-Owner auch Owner der Infrastruktur und Software sein können. Zwar wird es sicher noch einige Zeit dauern, bis diese Idee eine realistische Umsetzungschance bekommen könnte. Die BCI-E geht trotzdem davon aus, dass sich Blockchain-Technologien in den kommenden Jahren über alle Wertschöpfungsstufen der Energiewirtschaft hinweg verbreiten werden. Schließlich hat es das Thema im vergangenen Jahr schon bis in den Koalitionsvertrag geschafft. Zuletzt betonten auch das Bundesfinanz- und das Bundeswirtschaftsministerium auf einem gemeinsamen Workshop im März, dass sich die Bundesregierung nun „druckvoll“ bemühen werde, die im Koalitionsvertrag vereinbarte Blockchain-Strategie bis zum Sommer umzusetzen. Positionspapier der BCI-E listet alle Hemmnisse auf Parallel dazu wird in der Energiewirtschaft weiter intensiv an Blockchain-Projekten gearbeitet: Vom Energiehandel über Herkunftsnachweise oder Mieterund Quartiersstromlösungen bis hin zu Regelenergie: Die Palette der Einsatzmöglichkeiten ist ausgesprochen breit. Je nach Einsatzgebiet wirft die praktische Anwendung der Blockchain-Technologie jedoch eine ganze Reihe von rechtlichen und regulatorischen Fragen auf. Die Blockchain- Initiative Energie hat deswegen die rechtlich/regulatorischen Hemmnisse für deren breite Einführung identifiziert und in einem eigenen Positionspapier zusammengefasst. Insofern werden sich der Gesetzgeber und die Regulierungsbehörden ohnehin mit diesen Fragen beschäftigen müssen. Die BCI-E fordert in diesem Zusammenhang dazu auf, dass dafür eine enge Zusammenarbeit zwischen Verbänden, Verordnungsgebern und Energiemarktteilnehmern aufgebaut wird. Am Ende muss auch in Deutschland ein blockchainfreundliches regulatorisches Umfeld geschaffen werden, wie es das in einigen anderen Ländern bereits gibt. i www.blockchain-initiative.de Wir kümmern uns drum. Innovative Technik. Hohe Standards. Regionale Servicestützpunkte. Das ist die Netze BW GmbH, das größte Netzunter nehmen für Strom, Gas und Wasser in Baden-Württemberg. Wir schaffen sichere und effiziente Ver bindungen zwischen Kraftwerken und über drei Millionen Haushalten, Gewerbe- und Industriebetrieben. Jeden Tag. Auch in Zukunft. Dabei setzen wir auf engagierte Inge nieure, Techniker und Meister (w/m/d), die gemeinsam mit uns die Netzlandschaft von morgen ent wickeln: vom intelligenten Ausbau über den effizienten Betrieb bis hin zur Inte gration der erneuerbaren Energien. In einem Arbeits umfeld, in dem Wertschätzung und Entwicklung groß geschrieben werden. Seien Sie dabei. Und entdecken Sie spannende Zukunftsperspektiven bei der Netze BW. www.netze-bw.de/karriere Ein Unternehmen der EnBW

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