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06 | 2019

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Mineralöl ist mit einem

Mineralöl ist mit einem im Jahre 2018 gesunkenen Anteil auf 34,3 Prozent weiterhin deutlich der wichtigste Primärenergieträger in der deutschen Energie - versorgung, gefolgt vom Erdgas mit 23,7 Prozent. Im Bild die Erdgas-Produktionsplattform F16A in der niederländischen Nordsee. Bild: Wintershall Energiewirtschaftliche Gesamtsituation Der Einfluss der klimatischen, ökonomischen und strukturellen Rahmenbedingungen führte 2018 in Deutschland insgesamt zu einem deutlichen Rückgang der Primärenergienachfrage. Dabei wirkten die einzelnen Rahmenbedingungen gegenläufig. Die konjunkturelle Entwicklung und die – gegenüber den drei Vorjahren allerdings deutlich abgeschwächte – wachsende Bevölkerung beeinflussten die Energienachfrage bei Industrie, Gewerbe und Haushalte im Verlauf des Jahres verbrauchssteigernd. Höhere Energiepreise und Effizienzsteigerungen wirkten besonders beim privaten Konsum sowie in Industrie und Gewerbe verbrauchs - dämpfend. Die deutlich wärmere Witterung im Vergleich zum Vorjahr führte zudem zu einem Absinken der Energienachfrage im Raumwärmesektor. Insgesamt ging damit der Primärenergieverbrauch gegenüber dem Vorjahreswert um deutliche – 3,5 % zurück. Autoren Dr. rer. pol. Ulrich Fahl und PD Dr.-Ing. Markus Blesl, Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energie - anwendung (IER), Universität Stuttgart. Nach den nun endgültig vorliegenden Daten ergab sich beim korrigierten Primärenergieverbrauch für Deutschland für das Jahr 2017, rückwirkend gegenüber 2016, ein Verbrauchsrückgang von – 0,4 % (– 51 PJ), grafisch dargestellt in Bild 1, das die historische Entwicklung der Primärenergienachfrage seit 1990 aufzeigt. Die Primärenergienachfrage bewegte sich demnach im Zeitraum von 1995 bis 2008 in einem Korridor, der nur geringe Schwankungen von maximal +/– 2 % aufweist. Diese Schwankungen lassen sich auf die jeweiligen jahresbezogenen Änderungen der bestimmenden Parameter (konjunkturelle Entwicklung, Außentemperatur und Energieträgerpreise für Endverbraucher) zurückführen. Im Jahr 2009 wurde die Entwicklung der Primärenergienachfrage durch die verhaltene Nachfrage der Industrie infolge der konjunkturellen Einflüsse und die Zurückhaltung im Privatsektor, ausgelöst durch die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, stark nachfragedämpfend beeinflusst. Infolge der dann einsetzenden wirtschaftlichen Erholung erreichte die Energienachfrage 2010 wieder das Niveau vor 2009. In den darauffolgenden Jahren ließen Wirtschaftsentwicklung und Effizienzsteigerungen im Rahmen der angestrebten Energiewende den Primärenergieeinsatz erkennbar sinken, und 2014 ergab sich ein bisheriges Minimum mit 13 180 PJ. Primärenergieverbrauch in Deutschland Nach den vorläufigen Erhebungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) wurde für Deutschland im Jahr 2018 ein Primärenergieverbrauch von insgesamt 12 963 PJ (442,3 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten (Mio. t SKE)) ermittelt (Tabelle 1), ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Vorjahr um – 477 PJ, entsprechend – 3,5 %, sodass der bisherige Minimalwert aus dem Jahr 2014 unterboten wurde. Die AGEB führt diesen Rückgang im Wesentlichen auf Verbesserungen bei der Energieeffizienz, die milde Witterung sowie die gestiegenen Energiepreise zurück. Der Bevölkerungseinfluss spielte dagegen kaum eine Rolle. Gedämpft wurde der Verbrauchsrückgang durch die wirtschaftliche Entwicklung, 20 BWK Bd. 71 (2019) Nr. 6

Energiewirtschaftliche Gesamtsituation Bild 1 Primärenergieverbrauch nach Energieträgern und Energieintensität in Deutschland. wenn diese auch etwas abgeschwächt verlief. Damit liegt die Primärenergienachfrage auf dem niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung. Basierend auf den Abschätzungen der AGEB verschiebt sich jedoch der reale Bilanzwert der Primärenergienachfrage 2018 bei einer rechnerischen Berücksichtigung des Temperatureffektes auf die Energienachfrage des Wärmemarktes wieder leicht nach oben. Legt man für die Ermittlung der Energienachfrage für den Wärmebedarf ein klimatisches Durchschnittsjahr zugrunde, so erhöht sich die Primärenergienachfrage um etwa 1,1 % gegenüber dem statistischen Wert für 2018. Ein besonderer Effekt entsteht durch die bei der Erstellung der Energiebilanz verwendete Wirkungsgradmethode. Erneuerbare Energien, die keinen Heizwert besitzen, und der Stromaußenhandel werden in der Primärenergiebilanz mit einem definierten Wirkungsgrad von 100 % bewertet. Für den Primärenergieeinsatz bei der Kernenergie werden 33 % zugrunde gelegt. Dies bedeutet für die Stromerzeugung auf Kernenergiebasis einen dreimal höheren rechnerischen Primärenergieverbrauch als bei der Stromerzeugung auf Basis erneuerbarer Energien oder durch Stromimporte. Rein statistisch entsteht also ein erheblicher theoretischer Einspareffekt bei der Primärenergiebilanz, wenn die Kernenergienutzung reduziert und mehr Strom mithilfe erneuerbarer Energien erzeugt wird. Eine detaillierte Beschreibung dieses Effektes ist in Nr. 10/2011 des Pressedienstes der AGEB nachzulesen. Die Struktur des Primärenergieaufkommens hinsichtlich der Anteile der einzelnen Energieträger veränderte sich 2018 durchaus beträchtlich. Mineralöl ist mit einem gesunkenen Anteil von 34,3 % (– 0,5 %-Punkte) weiterhin deutlich der wichtigste Primärenergieträger in der deutschen Energieversorgung. An zweiter Stelle stand Erdgas, das mit einem weiteren Anstieg von + 0,5 %-Punkten jetzt 23,7 % der Primärenergienachfrage abdeckt. Der Anteil der Steinkohle ging deutlich um – 0,9 %-Punkte auf 10,0 % zurück. Der Anteil der Braunkohle ist mit 11,3 % leicht um + 0,1 %-Punkte gegenüber dem Vorjahreszeitraum gewachsen. Der Anteil der Kernenergie steigerte sich ebenfalls um + 0,2 %-Punkte auf 6,4 %. Primärenergieverbrauch [EJ/a] 16 14 12 10 8 6 4 2 0 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 Der Anteil von erneuerbaren Energieträgern in der Primärenergiebilanz ist weiterhin der dritthöchste nach den Mineralölen und dem Erdgas. Er konnte wiederum um + 0,7 %-Punkte auf nunmehr 14,0 % gesteigert werden. Die erneuerbaren Energien trugen im Jahr 2018 insgesamt mit 1 809 PJ zum Primärenergieangebot bei. Gegenüber dem Angebot des Jahres 2017 mit 1 790 PJ ist das eine Steigerung um + 19 PJ, was einen Anstieg von + 1,1 % bedeutet. Damit erhöhte sich wiederum der Anteil am Gesamtverbrauch von 13,3 % auf 14,0 %. In diesen aggregierten Daten sind bei der Energiebilanz jedoch eine Vielzahl von verschiedenen erneuerbaren Energieträgern und Verwendungsarten zusammengefasst. Die Beiträge der wesentlichsten erneuerbaren Energieträger werden deshalb hier gesondert aufgeführt. 2004 Jahr 2005 Steinkohle Braunkohle Kernenergie Mineralöle Erdgas Wasser/Wind/PV Sonstige PEV/BIP Tabelle 1 Primärenergieverbrauch der Bundes - republik Deutschland 2017 und 2018, ermittelt nach der Wirkungsgradmethode. 1 ) vorläufig Energieträger Mineralöle Erdgas Steinkohlen Braunkohlen Kernenergie Erneuerbare Energien Sonstige Stromaustauschsaldo Insgesamt 2017 4 675 3 121 1 465 1 508 833 1 790 246 – 198 13 440 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 100 Mit einem Anteil von rund 53,6 % am Angebot der Erneuerbaren (entsprechend 970 PJ) ist die Biomasse der bedeutendste erneuerbare Energieträger, davon wurden etwa 38,8 % zur Strom- und Wärmegewinnung in Kraftwerken und gut 11,7 % zur Kraftstofferzeugung eingesetzt. Insgesamt hat der Einsatz der Biomasse einen leichten Rückgang um 6 PJ aufzuweisen und verharrte damit nahezu auf Vorjahresniveau. Ganz anders verlief das Windjahr. Mit insgesamt 402 PJ verzeichnete der Primärenergieverbrauch der Windenergie an Land und auf See dank in einzelnen Monaten sehr guter Windbedingungen ein weiteres Rekordergebnis und festigte mit 22,2 % am Primärenergieverbrauch der erneuerbaren Energien seinen zweiten Platz hinter der Biomasse. Im Vergleich zu 2017 (381 PJ) bedeutet dies einen Zuwachs von + 5,6 %. Grund dafür waren neben dem weiteren Kapazitätszubau an Land und auf See die weitaus bes- [PJ] 2018 1 ) 4 443 3 071 1 301 1 465 829 1 809 229 – 184 12 963 94 88 82 76 70 64 58 52 Änderung 2018/2017 [%] Entwicklung der Energieintensität [1990 = 100] – 5,0 – 1,6 – 11,2 – 2,9 – 0,4 + 1,1 – 6,9 – – 3,5 BWK Bd. 71 (2019) Nr. 6 21

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