Aufrufe
vor 4 Monaten

06 | 2019

  • Text
  • Deutschland
  • Anlagen
  • Energien
  • Leistung
  • Bild
  • Deutlich
  • Erneuerbaren
  • Entwicklung
  • Beziehungsweise
  • Vergleich

Energiewirtschaftliche

Energiewirtschaftliche Gesamtsituation Bild 2 Rohölpreis seit 1973. seren Windverhältnisse in 2018, die zu einem höheren Ertrag führten. Der Beitrag von Wasserkraft zum Primärenergieaufkommen ging dagegen witterungsbedingt auf 59,4 PJ zurück und weist damit nur noch einen Anteil von etwa 3,3 % in der Primärenergiebilanz der erneuerbaren Energien auf. Im Bereich der thermischen Nutzung der erneuerbaren Energien ergaben sich 2018 trotz der Witterungseffekte keine Veränderungen beim Einsatz. Insgesamt wurden wieder 556 PJ Endenergie zur Wärme- und Kälteerzeugung eingesetzt, was nahezu dem Vorjahreswert entspricht. Hierbei dominiert die Biomasse mit 455 PJ. Durch oberflächennahe Geothermie sowie Umweltwärme wurden 52 PJ Endenergie bereitgestellt, wiederum eine deutliche Steigerung von 8 % gegenüber 2017. Durch die Solarthermie wurden 32 PJ bereitgestellt (+ 13,1 %). Der Beitrag der erneuerbaren Energien im Verkehrssektor ist im Jahr 2018 wieder angewachsen auf nun rund 114 PJ. Durch die Beimischung bei den Dieselkraftstoffen leistet Biodiesel den größten Beitrag in diesem Bereich mit etwa 70 %. Ethanol aus erneuerbaren Quellen trägt etwa 28 % zu den erneuerbaren Energien im Verkehr bei, beigemischt zu den Ottokraftstoffen. Methan aus Biomasse und Pflanzenöl haben nur einen geringen Anteil im Energieverbrauch des Verkehrssektors. Die verstärkte Nutzung heimischer erneuerbarer Energieträger konnte nicht die bekannt hohe Importabhängigkeit Deutschlands beim Primärenergieaufkommen sehr deutlich verändern. Da die inländische Energiegewinnung bei allen anderen Energieträgern mehr oder weniger deutlich gesunken ist, ist der Importanteil gegenüber dem Vorjahr leicht von 70,4 % auf 70,2 % zurückgegangen. Besonders hoch ist der Importanteil bei Mineralöl mit etwa 98,0 %. Der Inlandsanteil von Naturgasen ging 2018 weiter zurück und beträgt nunmehr etwa 6,5 % (etwa 7,3 % Eigenanteil in 2017). Der Importanteil von Steinkohlen ist trotz des rückläufigen Einsatzes der Steinkohlen um etwa 1,5 %-Punkte gestiegen. Hierzu ist noch anzumerken, dass im Jahr 2018 der industrielle Steinkohlenbergbau in Deutschland nach mehr als 150 Jahren endgültig beendet wurde. Der höchste Inlandsanteil konnte bei den erneuerbaren Energien und bei der Braunkohle verzeichnet werden. Rohölpreis (UK Brent) [US-$/bbl] 140 130 120 110 100 90 80 70 60 50 40 30 20 10 0 1973 1976 1979 1982 1985 1988 1991 1994 1997 2000 2003 2006 2009 2012 2015 2018 Entwicklung der Rahmenbedingungen Aufgrund der Diversifizierung der deutschen Ölimporte mit insgesamt 23 Lieferländern war die Situation für Deutschland bei der Versorgungssicherheit weitgehend entspannt. Die drei Hauptlieferanten Russland, Norwegen und Großbritannien stellten im Berichtszeitraum 2018 knapp 56 % der deutschen Rohölimporte. 19,6 % der gesamten Rohöleinfuhren stammten im Jahr 2018 aus britischen und norwegischen Nordsee ölquellen und 22,6 % wurden aus Mitgliedsländern der Organization of the Petroleum Exporting Countries (Opec) geliefert. Die den deutschen Rohölimportpreis bestimmenden internationalen Ölpreise und der Euro/US-Dollar-Devisenkurs entwickelten sich auch 2017/18 recht wechselhaft, das heißt mit erheblichen kurzfristigen Schwankungen (Bild 2). Die für Europa wichtige Rohölsorte Brent UK, die im Jahresdurchschnitt 2012 mit rund 112 US-Dollar je Barrel (US-$/bbl ) einen Höchststand erreicht hatte (der monatliche Höchststand lag im Juli 2008 bei rund 133 US-$/bbl), verbilligte sich im Mittel der Jahre 2013 und 2014 auf 109 beziehungsweise 99 US-$/bbl. Im Jahresverlauf 2015 zeigte sich ebenfalls eine eindeutige Tendenz nach unten: Insbesondere seit Mai, als der Rohölpreis sein Jahreshoch mit rund 64 US-$/bbl hatte, brachen die Preise ein und erreichten im Dezember 2016 nur noch rund 38 US-$/bbl. Diese Entwicklung setzte sich Anfang 2016 zunächst fort, wich dann aber einer von Schwankungen unterbrochenen Aufwärtsbewegung bis zuletzt im Dezember 2016 auf einen Preis von reichlich 53 US-$/bbl. Bis Mitte 2017 sanken die Preise wieder bis auf 46,37 US-$/bbl im Juni, gefolgt von einem erneuten Anstieg bis auf rund 81 US-$/bbl im Oktober 2018. Zum Jahresende 2018 betrugen die Importpreise etwa 65 US-$/bbl. Die deutschen Rohölimportpreise entwickelten sich weitgehend parallel zu den internationalen Preisen. Unterschiede werden wesentlich von den Veränderungen der Wechselkurse des Euro (gegen US- Dollar) beeinflusst. Im Ergebnis sanken die deutschen Rohölimportpreise von 555 €/t im Jahresdurchschnitt 2014 um 36 % auf 356 €/t im Jahr 2015. Danach fielen die Importpreise sogar bis auf einen Tiefpunkt von 214 €/t im Februar 2016. Bei anschließend wieder steigenden Preisen bis auf knapp 356 €/t im Dezember 2016 mussten im Jahresdurchschnitt rund 286 €/t bezahlt werden. Die im Jahr 2017 zunächst wieder fallenden Importpreise bis auf rund 315 €/t im Juni schlugen in der zweiten Jahreshälfte in einen Anstieg bis auf fast 414 €/t im Dezember um. Dieser Anstieg setzte sich zunächst bis Februar 2018 fort, worauf ein kurzzeitiger Rückgang bis Mai folgte. Danach gab es wieder eine Aufwärtsentwicklung, die im Oktober 2018 in einem erneuten Höchststand von 513 €/t mündete. Bis Ende 2018 fielen die Rohölimportpreise aber wieder auf ein Niveau von 382 €/t. Insgesamt waren die Rohölimportpreise im Jahresdurchschnitt 2018 um 26,3 % höher als 2017. Bei um gut 6 % niedrigeren Rohölimportmengen stiegen die Ausgaben für die Rohölimporte um 18,6 % von 32,5 Mrd. € auf 38,5 Mrd. €. In Deutschland leben derzeit nach einer Schätzung des Statistischen Bundesamtes rund 83 Millionen Menschen. Im Vergleich zu Ende 2017 wären dies 200 000 mehr. Die Einwohnerzahl Deutschlands hätte damit zum Jahresende 2018 einen 22 BWK Bd. 71 (2019) Nr. 6

Energiewirtschaftliche Gesamtsituation neuen Höchststand seit der deutschen Vereinigung erreicht. Das Ansteigen wird auf Wanderungsgewinne zurückgeführt, die das Geburtendefizit übersteigen. Sowohl die privaten Konsumausgaben (+ 1,0 %) als auch die staatlichen Konsumausgaben (+ 1,1 %) waren damit höher als im Vorjahr. Die Zuwächse fielen jedoch deutlich niedriger aus als in den letzten drei Jahren. Auf dieser Basis war das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2018 nach ersten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) um + 1,5 % höher als im Vorjahr (Tabelle 2). Die deutsche Wirtschaft ist damit das neunte Jahr in Folge gewachsen, das Wachstum hat aber an Schwung verloren. In den vier vorangegangenen Jahren war das preis - bereinigte BIP jeweils deutlich mehr gestiegen. Eine längerfristige Betrachtung zeigt, dass das deutsche Wirtschaftswachstum im Jahr 2018 über dem Durchschnittswert der letzten zehn Jahre von + 1,2 % liegt. Der Staat erzielte im Jahr 2018 einen Rekordüberschuss in Höhe von 59,2 Mrd. € (2017: 34,0 Mrd. €). Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen beendeten das Jahr nach vorläufigen Berechnungen zum fünften Mal in Folge mit einem Überschuss. Bezogen auf das BIP in jeweiligen Preisen errechnet sich für den Staat im Jahr 2018 eine Überschussquote von 1,7 %. Tabelle 2 Das Bruttoinlandsprodukt (BIP), der Primärenergieverbrauch, der Bruttostromverbrauch und ihre Veränderungen in Deutschland. Die preisbereinigten Bruttoinvestitionen legten insgesamt im Vorjahresvergleich um + 4,8 % zu. In Ausrüstungen wurde + 4,5 % mehr investiert als im Vorjahr. Die Bauinvestitionen stiegen um + 3,0 %; vor allem in den öffentlichen Tiefbau wurde deutlich mehr investiert als ein Jahr zuvor. Die sonstigen Anlagen, zu denen unter anderem die Ausgaben für Forschung und Entwicklung gehören, lagen um + 0,4 % über dem Vorjahresniveau. Darüber hinaus haben sich im Jahr 2018 die Vorratsbestände in der Wirtschaft erhöht, was ebenfalls zum Wachstum beigetragen hat. Die deutschen Ausfuhren stiegen im Jahresdurchschnitt 2018 weiter, aber nicht mehr so stark wie in den Vorjahren: Die preisbereinigten Exporte von Waren und Dienstleistungen waren um + 2,4 % höher als 2017. Die Importe nahmen im gleichen Zeitraum mit + 3,4 % stärker zu. Somit bremste der Außenbeitrag das deutsche BIP-Wachstum rein rechnerisch leicht (– 0,2 %-Punkte). Auf der Entstehungsseite des BIP konnten nahezu alle Wirtschaftsbereiche positiv zur wirtschaftlichen Entwicklung im Jahr 2018 beitragen. Erstmals seit fünf Jahren lag dabei die konjunkturelle Dynamik im Produzierenden Gewerbe unter der im Dienstleistungsbereich. Insgesamt stieg die preisbereinigte Bruttowertschöpfung im Jahr 2018 gegenüber dem Vorjahr auch um + 1,5 %. Überdurchschnittlich stark war der Zuwachs im Bereich Information und Kommunikation mit + 3,7 % und im Baugewerbe mit + 3,6 %. Im Bereich Handel, Verkehr, Gastgewerbe stieg die preisbereinigte Bruttowertschöpfung mit + 2,1 % ebenfalls überdurchschnittlich. Dagegen legte 2018 das Produzierende Gewerbe (ohne Baugewerbe), das gut ein Viertel der Gesamtwirtschaft ausmacht, mit + 1,0 % unterdurchschnittlich zu. Die Wirtschaftsleistung in Deutschland wurde im Jahresdurchschnitt 2018 von 44,8 Millionen Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Deutschland erbracht. Nach ersten Berechnungen waren das rund 562 000 Personen mehr als ein Jahr zuvor. Dieser Anstieg von + 1,3 % resultiert hauptsächlich aus einer Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Wie schon in den Vorjahren glichen eine höhere Erwerbsbeteiligung sowie die Zuwanderung von Arbeitskräften aus dem Ausland altersbedingte demografische Effekte aus. Der Reallohnindex in Deutschland ist im Jahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr um + 1,3 % gestiegen. Die Nominallöhne lagen im Jahr 2018 um rund + 3,1 % über dem Vorjahreswert. Das ist der höchste Anstieg seit 2011. Die Verbraucherpreise erhöhten sich im selben Zeitraum um + 1,8 %. Während die Verdienste im früheren Bundesgebiet im Jahr 2018 nominal um + 3,0 % stiegen, hatten Beschäftigte in den neuen Ländern einen nominalen Lohnzuwachs von + 3,6 %. Der durchschnittliche Bruttojahresverdienst einschließlich Sonderzahlungen lag bei vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im früheren Bundesgebiet im Jahr 2018 bei 53 054 €, Vollzeitbeschäftigte in den neuen Bundesländern verdienten im Durchschnitt 40 334 €. Für Deutschland lag der entsprechende Wert bei 51 331 €. Jahr 2018 3 ) 2017 3 ) 2016 3 ) 2015 2014 2013 2012 2011 2010 2009 2008 2005 2000 1995 1990 BIP in Preisen von 2010 1 ) [10 9 €] 2 975,6 2 932,5 2 855,4 2 800,9 2 752,9 2 700,8 2 687,6 2 674,5 2 580,1 2 478,9 2 626,5 2 426,5 2 358,7 2 145,1 1 939,4 Veränderung gegen Vorjahr [%] + 1,5 + 2,7 + 1,9 + 1,7 + 1,9 + 0,5 + 0,5 + 3,7 + 4,1 1 ) berechnet auf der Grundlage des Kettenindizes (2010 = 100) des Statistischen Bundesamtes; 2 ) ermittelt nach der Wirkungsgradmethode; 3 ) vorläufig. – 5,6 + 1,1 + 0,7 + 3,0 + 1,7 – Primärenergie - verbrauch 2 ) [PJ] 12 963 13 440 13 491 13 262 13 180 13 822 13 447 13 599 14 217 13 531 14 380 14 558 14 402 14 269 14 905 Veränderung gegen Vorjahr [%] – 3,5 – 0,4 + 1,7 + 0,6 – 4,6 + 2,8 – 1,1 – 4,3 + 5,1 – 5,9 + 1,3 – 0,2 + 0,5 + 0,6 – Bruttostrom - verbrauch [TWh] 594,9 598,8 597,0 596,3 592,2 605,1 606,6 606,6 615,9 582,2 619,0 614,7 579,6 541,6 550,7 Veränderung gegen Vorjahr [%] – 0,7 + 0,3 + 0,1 + 0,7 – 2,1 – 0,3 0,0 – 1,5 + 5,8 – 6,0 – 0,5 + 0,7 + 4,0 + 2,0 – BWK Bd. 71 (2019) Nr. 6 23

Ausgabenübersicht