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06 | 2019

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Energiewirtschaftliche

Energiewirtschaftliche Gesamtsituation 1990 = 100 155 150 145 140 135 130 125 120 115 110 105 100 95 90 85 80 BIP PEV StV 75 1980 1982 1984 1986 1988 1990 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 Wie Bild 3 zeigt, war der Anstieg des preisbereinigten BIP (+ 1,5 %) mit einem gleichzeitigen deutlichen Rückgang des Primärenergieverbrauchs (– 3,5 %) sowie einem geringeren Rückgang des Brutto - stromverbrauchs (– 0,7 %) verbunden. Dies zeigt wiederum den starken witterungs-, energiepreis- und konjunktur bedingten Einfluss auf die Höhe des Pri märenergiesowie des Bruttostromverbrauchs. Der Bruttostromverbrauch in Deutschland ist 2018 auf 594,9 Mrd. kWh zurückgegangen (2017: 598,8 Mrd. kWh). Wesentliche Gründe sind nach Angaben des Bundesverband der Energie- und Wasser wirtschaft e. V. (BDEW) vor allem die witterungsbedingten verbrauchssenkenden Einflüsse ab März 2018 und die Produktionsrückgänge ab dem 3. Quartal 2018. Gemessen am Wachstum des realen BIPs ist damit auch die gesamtwirtschaftliche Stromintensität (Bruttostromverbrauch pro 1000 € BIP) weiter gesunken. Somit konnte in 2018 der seit 2003 mit wenigen Unterbrechungen anhaltende Trend einer sinkenden Stromintensität weiter fortgesetzt werden. Im Vergleich zu 1990 wurden im vergangenen Jahr je Einheit realen BIP rund 29,6 % weniger Strom verbraucht, was einem durchschnittlichen Rückgang um 1,25 %/a entspricht. Wurden 1990 in Deutschland 283,9 kWh pro 1 000 € BIP (in Preisen von 2010) verbraucht, waren es 2018 nur noch 199,9 kWh. Im Vergleich dazu ist auch die Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Energieintensität (Primärenergieverbrauch (PEV) bezogen auf die wirtschaftliche Leistung, ausgedrückt in GJ je 1000 € BIP) in Deutschland seit vielen Jahren rückläufig (Bild 1). Legt man der Betrachtung effektive Verbrauchswerte zugrunde, ergibt sich für den Zeitraum 1990 bis 2018 eine Verbesserung dieses Energieverbrauchsindikators um 43,3 %, das heißt im Durchschnitt um 2,01 %/a. Die größten Effizienzverbesserungen wurden in der Periode 1990 bis 1995 erzielt (2,9 %/a). Im Zeitraum 1995 bis 2000 ging diese Kennziffer auf durchschnittlich 1,6 %/a zurück und erreichte von 2000 bis 2018 einen Wert von 1,86 %/a. Die Energieproduktivität ist der Kehrwert dieser Energieintensität. Sie ist eine statistische Kennziffer, die die Wirtschaftsleistung (BIP) angibt, die mit einer Einheit des Energieverbrauchs (PEV) erstellt worden ist. Für den Zeitraum 1990 bis 2018 beträgt die durchschnittliche Wachstumsrate der Energieproduktivität in Deutschland 2,05 %/a. Während von 1990 bis 1995 ein Wert von 3,0 %/a zu verzeichnen war (Wiedervereinigungseffekt), ergibt sich für den Zeitraum 2000 bis 2018 nur ein Anstieg von 1,89 %/a. Vor diesem Hintergrund ist die Forderung nach einer Verdopplung der Energieproduktivität im Zeitraum von 1990 bis 2020 wohl nicht mehr realistisch zu erreichen. In den noch verbleibenden zwei Jahren müsste dafür die Energieproduktivität um durchschnittlich 6,1 %/a steigen. Ein solches Wachstum war selbst in den Jahren der Wiedervereinigung und auch nicht im Berichtsjahr 2018 zu realisieren. Energie und Klimaschutz Die energiebedingten CO 2 -Emissionen konnten in Deutschland seit 1990 bis zum Jahr 2018 um rund 28,4 % oder durchschnittlich um 1,19 %/a vermindert werden (Tabelle 3 und Bild 4), bedingt durch die Entwicklung der klimatischen und demografischen Rahmendaten sowie aufgrund der Konjunkturentwicklung und der Energieeinsparerfolge. Gegenüber 2017 sind die tatsächlichen energiebedingten CO 2 -Emissionen in 2018 um – 4,9 % auf rund 705 Mio. t gesunken. Ursachen für die stärkere Reduktion bei den CO 2 -Emissionen im Vergleich zum Primärenergieverbrauch waren der Zuwachs bei den erneuerbaren Energien sowie die Veränderungen bei der Bedeutung der einzelnen fossilen Energieträger innerhalb der Struktur des Primärenergieverbrauchs. Hier hat zum Beispiel das Erdgas mit – 1,6 % deutliche schwächere Verbrauchsrückgänge aufzuweisen als die Steinkohle (– 11,2 %). Damit konnte aber das aus dem Makroplan des Nationalen Allokationsplans (NAP II) abgeleitete Ziel für die energiebedingten CO 2 -Emissionen in der Kyoto-Periode 2008/2012 in Höhe Jahr Bild 3 Bruttoinlandsprodukt (BIP), Primär - energieverbrauch (PEV) und Bruttostrom - verbrauch (StV) in Deutschland seit 1980. von rund 775 Mio. t, mit denen dann das Kyoto-Ziel der Minderung um 21 % für die gesamten Treibhausgas (THG)-Emissionen eventuell erreicht werden könnte, auch in 2018 wiederum unterschritten werden. Ob sich diese Tendenz stabilisieren lässt, bleibt abzuwarten, wobei insbesondere von Bedeutung ist, in welcher Stärke und für wie lange sich die konjunkturelle Erholung bemerkbar machen wird, wie sich die Bevölkerung weiter entwickeln wird, wie der Ausstieg aus der Kernenergie kompensiert werden wird und ob es zu einem schnelleren Ausstieg aus der Kohlestromerzeugung kommen wird. Der Trend der letzten 27 Jahre würde zumindest nicht ausreichen, das Ziel der Bundesregierung, einer Reduktion der THG-Emissionen bis 2020 um 40 % gegenüber 1990, zu erreichen. Auf globaler Ebene hat sich drei Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen die 24. UN-Klimakonferenz (COP 24) am 15. Dezember 2018 in Kattowitz, Polen, auf ein Regelwerk geeinigt, das es ermöglichen soll, die weltweiten THG-Emissionen umfassender und genauer zu dokumentieren. Damit gibt es ab 2024 erstmals gemeinsame verbindliche Mindestanforderungen zur Berichterstattung der Staaten über ihre Emissionen beziehungsweise die von ihnen ergriffenen Maßnahmen zum Klimaschutz. Bislang galten vergleichbare Standards nur für die dem Kyoto-Protokoll unterworfenen Industrieländer, die für weniger als 15 % der weltweiten Emissionen verantwortlich sind. 24 BWK Bd. 71 (2019) Nr. 6

Energiewirtschaftliche Gesamtsituation 1990 1995 2000 2005 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 3 ) 2017 3 ) 2018 3 ) [Mio. t] Steinkohle 1 ) 210,3 201,3 190,5 179,3 179,6 177,0 172,9 182,4 176,1 173,9 164,0 145,5 129,6 Braunkohle 339,4 191,2 170,4 176,3 166,6 172,1 181,5 178,6 173,2 171,8 167,4 166,4 161,5 Mineralöl 319,0 340,3 317,4 288,2 259,6 248,6 249,1 257,4 246,8 249,6 252,1 258,1 245,3 Gase 2 ) 116,9 145,5 158,4 165,1 176,0 160,7 160,1 162,7 146,2 152,2 168,2 171,8 169,0 Insgesamt 985,7 878,3 836,8 808,8 781,9 758,3 763,6 781,1 742,3 747,5 751,7 746,2 705,4 1 ) einschließlich Festbrennstoffe; 2 ) Naturgase sowie Kokerei-/Stadtgas; 3 ) vorläufige Werte. Tabelle 3 Tatsächliche, nicht-temperaturbereinigte energiebedingte CO 2 -Emissionen nach Energie - trägern in Deutschland in Mio. t. Energiebedingte CO 2 -Emissionen in Deutschland [Mio. t CO 2 /a] 1 000 900 800 700 600 500 400 300 200 100 0 986 952 907 897 878 878 900 870 863 838 837 860 845 842 827 809 820 794 799 743 782 758 764 781 742 747 752 742 705 1990 1992 1994 1996 1998 2000 Auf der 21. COP in Paris waren die Vertreter von 195 Staaten übereingekommen, den globalen Temperaturanstieg gegenüber der vorindustriellen Zeit auf unter 2 °C zu begrenzen. Nach Möglichkeit soll er sogar unter 1,5 °C liegen. Allerdings werden den beteiligten Staaten keinerlei konkrete Ziele und Maßnahmen zur Minderung der THG-Emissionen auferlegt. Sanktionen sind sowieso nicht vorgesehen. Es bleibt jedem Land selber überlassen, ob und wieweit es zur Erfüllung dieser Absichtserklärung beiträgt. Daran ändert auch das jetzt beschlossene Regelwerk nichts. Es verbessert aber die Vergleichbarkeit der nationalen THG-Emissionen, die bisher zum großen Teil nur auf groben Schätzungen beruhen, und übt damit zumindest einen moralischen Druck zur Beteiligung an Klimaschutzmaßnahmen aus. Im Pariser Abkommen haben sich die Staaten verpflichtet, spätestens 2020 überprüfte und möglichst verbesserte Klimaschutzbeiträge vorzulegen. Die EU- Staaten werden ihren Klimaschutzbeitrag gemeinsam bei den Vereinten Nationen präsentieren. Danach sollen alle fünf Jahre neue Beiträge folgen, die jeweils besser sein müssen. In Kattowitz wurden nun Mindeststandards festgelegt, welche Informationen diese Beiträge enthalten müssen, um sie vergleichbar zu machen. Für die Messung des Erfolgs von Klimaschutzmaßnahmen und die Berichterstattung darüber gelten künftig ebenfalls einheitliche Regeln. Ab 2022 gelten die neuen Standards für Industrieländer und ab 2024 für Schwellen- und Entwicklungsländer. Ab 2023 wird es alle fünf Jahre eine globale Bestandsaufnahme geben, wo die Welt beim Klimaschutz steht. Die Frage, ob Staaten ihre Klimaschutzmaßnahmen über Marktmechanismen, wie zum Beispiel CO 2 -Handel, auch in anderen Staaten erbringen können, soll bei der nächsten Weltklimakonferenz geklärt werden, die Ende 2019 in Chile statt - finden wird. Aus Sicht der Bundesregierung sind weitere Verhandlungen nötig, um Schlupflöcher auszuschließen, die die Klimaschutzwirkung solcher Marktmechanismen gefährden könnten. Elektrizitätswirtschaft in Deutschland Die Bruttostromerzeugung in Deutschland erreichte 2018 mit 646,1 TWh in etwa das Niveau aus dem Jahr 2015. Gegenüber der Situation im Jahr 2017 bedeutet dies einen Rückgang um – 1,2 %. Die Stromerzeugung aus mit fossilen Brennstoffen betriebenen und aus Kernkraftwerken ist 2018 im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. In den mit Braun- und Steinkohle betriebenen Anlagen wurden 2018 nach vorläufigen Berechnungen 12,6 TWh weniger Strom erzeugt als im Vorjahr. Ihr Anteil am Erzeugungsmix beträgt damit 2018 voraussichtlich rund 35,4 %. Bei der Kernenergie betrug der Rückgang 0,3 TWh (Anteil: 11,8 %). Bei den Gaskraftwerken beträgt das Minus gegenüber dem Vorjahr 3,3 TWh. Erdgas kommt damit noch auf einen Anteil von 12,9 % am Stromerzeugungsmix und liegt damit auf einer Höhe mit der Steinkohle. Während der Zubau von erneuerbaren Energien insbesondere bei Windkraft an Steinkohle Braunkohle Mineralöle Gase 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 Bild 4 Energiebedingte CO 2 -Emissionen in Deutschland nach Energieträgern. 2016 2018 Land mit hohen Ausbauraten weiterging, stieg die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien insbesondere aufgrund des guten Wind- und Sonnenjahrs noch kräftiger an: Der Zuwachs beträgt voraussichtlich + 9,4 TWh. Der Anteil der Erneuerbaren an der gesamten Stromerzeugung liegt damit bei über einem Drittel (Tabelle 4). Dies bedeutet eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 4,3 %. Die erneuerbaren Energien sind damit die mit Abstand größte Beitragsgruppe in der Bruttostromerzeugung Deutschlands. Die Windkraft hatte mit 111,6 TWh einen Anteil von 17,3 % an der Brutto - stromerzeugung und ist damit der mit Abstand größte Beitrag innerhalb der erneuerbaren Energien zur Stromerzeugung (49,4 %). Gegenüber dem Vorjahr ist die Bruttostromerzeugung aus Windkraft im Jahr 2018 aufgrund des zeitweise sehr guten Winddargebots um + 5,6 % gestiegen. Durch Photovoltaik (PV) wurden im Berichtsjahr 2018 etwa 46,2 TWh bereitgestellt. Dies ist ein enormer Anstieg gegenüber dem bisherigen Rekordwert von 39,4 TWh aus dem Vorjahr 2017 mit einem Zuwachs um + 17,2 %. Der Anteil der BWK Bd. 71 (2019) Nr. 6 25

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