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06 | 2019

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Energiewirtschaftliche

Energiewirtschaftliche Gesamtsituation Tabelle 4 Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Deutschland. Photovoltaik an der Bruttostromerzeugung betrug 7,1 %. Der Anstieg bei der Windkraft und bei der Photovoltaik ist jedoch nicht alleine auf die besseren Windverhältnisse und das höhere Solarangebot im Jahr 2018 zurückzuführen. Es gab bei beiden einen Zuwachs hinsichtlich der Erzeugungsleistung, ein Zubau von etwa 3,2 GW installierter Windleistung (+ 2,2 GW onshore; + 1,0 GW offshore) und etwa 2,6 GW (peak) Leistung an PV-Anlagen. Photovoltaik und Windenergie zusammen haben mittlerweile eine maximale Stromerzeugungskapazität von über 104,7 GW. Bei günstigen Bedingungen sind die Windenergiekonverter und PV- Anlagen damit in der Lage, die Stromnachfrage in Deutschland alleine zu decken. In einer windstillen Nacht steht davon dann allerdings nichts zur Verfügung. Im Jahr 2018 wurden 24,4 % der Bruttostromerzeugung durch Photovoltaik und Windenergie abgedeckt. Dies verdeutlicht verstärkt die Herausforderungen im Hinblick auf einen notwendigen Umbau der Elektrizitätswirtschaft hinsichtlich Netzausbau, Netzbetrieb, Ausbau und Integration von Speichern, Anpassung des bestehenden konventionellen Kraftwerksparks, Einbindung der Verbraucherseite (Demand Side Integra - tion) und einer stärkeren Integration in die europäische Elektrizitätsversorgung. Die direkte Stromerzeugung aus Wasserkraft verzeichnete 2018 infolge des trockenen Jahres und des damit verbundenen schlechteren Wasserangebots mit 16,5 TWh ein starkes Minus gegenüber dem Vorjahreszeitraum (– 18,1 %). Durch Wasserkraftwerke wurden damit rund 2,6 % der deutschen Bruttostromerzeugung abgedeckt. Aus der Verstromung von Biomasse (inklusive biogenem Müll) ergab sich eine Erzeugung von 51,3 TWh, ein Anteil von 7,9 % an der Bruttostromerzeugung. Aufgrund der weiterhin hohen Stromproduktion aus erneuerbaren Energien und der stärker rückläufigen Bruttostromerzeugung aus fossilen Quellen einschließlich der Kernenergie hat sich der Außenhandelssaldo Strom im Jahr 2018 gegenüber dem Vorjahr vermindert. In Summe wurden, nach vorläufigen Daten, 51,2 TWh mehr Strom exportiert als importiert. Gegenüber dem Vorjahr erstmals wieder eine Senkung des saldierten Stromaustauschs um – 3,8 TWh (– 6,9 %). Der Gesamtexport im Berichtszeitraum 2018 betrug – 82,7 TWh, importiert wurden insgesamt + 31,5 TWh. Damit wurden etwa 12,8 % des in Deutschland erzeugten Stroms exportiert. Exporte und Importe werden beeinflusst durch die jeweiligen Rahmenbedingungen der nationalen Stromwirtschaften und dienen dazu, regionale, saisonale und zeitliche Unterschiede zwischen Stromnachfrage und -angebot auszugleichen. Die wesentlichen Veränderungen im Stromaußenhandel ergaben sich durch die immer stärker hervortretenden Auswirkungen des starken Anstiegs der nationalen fluktuierenden Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bei gleichzeitig hoher Erzeugung aus fossilen Kraftwerken. Wenn das Stromangebot nicht mehr in den deutschen Markt integriert werden kann, stehen als praktikable Lösungen, aufgrund begrenzter Speicherkapazitäten, derzeit nur die Abschaltung von Erzeugungsanlagen oder der Export zur Verfügung. Nach derzeitigem Stand wurde der meiste Strom weiterhin aus Frankreich (8,4 TWh) importiert, während die Exporte schwerpunktmäßig in die Niederlande (20,2 TWh), nach Österreich (12,3 TWh) und in die Schweiz (12,2 TWh) gingen. Bei der Beurteilung dieser großen Mengen ist zu beachten, dass es sich zu einem großen Teil um Transitmengen und Ringflüsse im Rahmen des europäischen Stromaustausches handelt. In diesem Zusammenhang hat die EU-Kommission am 7. Dezember 2018 den deutschen Übertragungsnetzbetreiber TenneT verpflichtet, die Kapazitäten für Stromimporte aus Dänemark dauerhaft auf 1 300 MW zu erhöhen. Diese Mindestübertragungsleistung muss in den nächsten sechs Monaten sichergestellt sein. Sie darf nur unterschritten werden, wenn die Redispatch-Möglichkeiten oder andere Hilfsmittel zur Vermeidung von Netzüberlastungen nicht ausreichen. Außerdem muss im Zuge von zwei Leitungsprojekten, die bis 2020 beziehungsweise 2022 fertiggestellt sein sollen, die garantierte Kapazität pro Stunde bis 1. Januar 2026 auf 2 625 MW angehoben werden. Die Verpflichtung bedeutet, dass TenneT künftig Stromflüssen aus Dänemark auch dann den Vorrang einräumen muss, 1990 1995 2000 2005 2008 2009 2010 2011 2012 2013 [TWh] Wasserkraft 2 ) 17,4 21,8 21,7 19,6 20,4 19,0 21,0 17,7 21,8 23,0 Windkraft 0,1 1,5 9,7 27,8 41,4 39,4 38,5 49,9 51,7 52,7 Biomasse 3 ) 1,4 2,0 4,7 14,7 28,0 30,9 33,9 36,9 43,2 45,5 Photovoltaik 0,0 0,0 0,1 1,3 4,4 6,6 11,7 19,6 26,4 31,0 Geothermie 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,1 Erneuerbare Energien insgesamt 18,9 25,3 36,2 63,4 94,3 95,9 105,2 124,0 143,0 152,3 Bruttostromverbrauch insgesamt 550,7 541,6 579,6 614,7 619,0 582,2 615,9 606,6 606,6 605,1 Anteil am Bruttostromverbrauch [%] Wasserkraft 2 ) 3,2 4,0 3,7 3,2 3,3 3,3 3,4 2,9 3,6 3,8 Windkraft 0,0 0,3 1,7 4,5 6,7 6,8 6,3 8,2 8,5 8,7 Biomasse 3 ) 0,3 0,4 0,8 2,4 4,5 5,3 5,5 6,1 7,1 7,5 Photovoltaik 0,0 0,0 0,0 0,2 0,7 1,1 1,9 3,2 4,3 5,1 Geothermie 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 Erneuerbare Energien insgesamt 3,4 4,7 6,3 10,3 15,2 16,5 17,1 20,4 23,6 25,2 1 ) vorläufig; 2 ) nur regenerativer Anteil; 3 ) inklusive biogenem Anteil am Abfall. 26 BWK Bd. 71 (2019) Nr. 6

Energiewirtschaftliche Gesamtsituation 2014 19,6 58,5 48,3 36,1 0,1 162,5 592,2 3,3 9,9 8,2 6,1 0,0 27,4 2015 19,0 80,6 50,3 38,7 0,1 188,8 596,3 3,2 13,5 8,4 6,5 0,0 31,7 2016 1 ) 20,5 79,9 50,9 38,1 0,2 189,7 597,0 3,4 13,4 8,5 6,4 0,0 31,8 2017 1 ) 20,2 105,7 50,9 39,4 0,2 216,3 598,8 3,4 17,7 8,5 6,6 0,0 36,1 wenn das Netz im norddeutschen Raum durch starke Windstromeinspeisung voll ausgelastet ist und deshalb keine zusätzlichen Kapazitäten für Stromimporte zur Verfügung stehen. TenneT wird künftig in solchen Situationen erst sämtliche Redispatch-Möglichkeiten ausschöpfen müssen – und dazu gehört das Abregeln von Windkraftanlagen –, bevor die zugesicherte Mindestübertragungsleistung unterschritten werden darf. Praktisch läuft die von der EU-Kommission erzwungene Regelung also auf das vermehrte Abschalten von Windkraftanlagen hinaus. Die dadurch anfallenden Entschädigungen für die Betreiber der EEG-Anlagen werden über die Netzentgelte auf die Stromverbraucher abgewälzt. Eine Erhöhung der grenzüberschreitenden Kapazitäten, wie sie jetzt Dänemark mithilfe der EU-Kommission durchgesetzt hat, verstärkt diese Belastung. Betroffen sind vor allem Haushalte und andere Niederspannungskunden. Die Alternative wäre die Aufteilung Deutschlands in zwei Strompreiszonen. Wie bei der im Jahr 2018 erfolgten Auftrennung der deutsch-österreichischen Stromhandelszone würden dadurch die Redispatch- Kosten sinken und die Netzentgelte entlastet. Nach eigenen Berechnungen sind die energiebedingten CO 2 -Emissionen der Elektrizitätswirtschaft im Jahr 2018 gegenüber dem Vorjahreszeitraum wiederum gesunken. Auf Basis der vorläufigen Daten wurde für die deutsche Stromwirtschaft ein Wert von 279 Mio. t CO 2 berechnet. Das sind 11 Mio. t (– 3,9 %) weniger als im Jahr 2017. Ursache hierfür ist vor allem bei rückläufiger Kohle- und Erdgasverstromung das Wachstum der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, sodass bilanziell ein Emissionsrückgang resultiert. Das aus dem europäischen Emissionshandelssystem resultierende Ziel, die energiebedingten CO 2 - Emissionen bis zum Jahr 2020 auf 263 Mio. t zu reduzieren (entsprechend einem Rückgang von – 21 % gegenüber dem Berichtsjahr 2005) rückt damit näher, ist aber immer noch mit einer Differenz von 16 Mio. t noch nicht erreicht. Um das Ziel noch zu erreichen, wäre demnach in der Elektrizitätswirtschaft in Deutschland in den nächsten zwei Jahren eine durchschnittliche Reduktion von – 2,9 %/a notwendig. Zum Vergleich, der durchschnittliche Rückgang der energiebedingen CO 2 -Emissionen der Stromwirtschaft von 2010 bis 2018 betrug etwa – 1,6 %/a. Wärmemarkt in Deutschland 2018 befanden sich in Deutschland rund 19 Millionen Wohngebäude, von denen 15,4 Millionen, das heißt 80 %, mit einer Zentralheizung beheizt wurden. Die Anteile der übrigen Heizungssysteme (Etagen- oder Einzelheizungen) sind in etwa gleich verteilt. Der Wärmeverbrauch der Wohngebäude sank nach ersten Schätzungen der AGEB um 6,5 % auf 48,5 Mrd. kWh im Jahr 2018. Hierbei nutzen die Einzelheizungen überwiegend Erdgas, Holz oder Strom (im Falle der Einzelheizungen zumeist elektrische Speicherheizungen) als Endenergieträger zur Wärmeerzeugung. In 2018 1 ) den 19,1 Millionen Wohngebäuden in 16,5 Deutschland befinden sich rund 41,8 111,6 Millionen Wohnungen. Die durch- 51,3 46,2 schnittliche Wohnfläche 0,2 je Wohnung 225,7 beträgt rund 91,8 m 2 beziehungsweise die 594,9 Wohnfläche pro Einwohner 46,3 m 2 . Der Anteil der Wohnungen, 2,8 deren Wärme- 18,8 versorgung durch eine 8,6 Zentralheizung er- folgt, betrug etwa 7,8 73 %. Bei Wohngebäuden hatte die 0,0 37,9 Fernwärme einen Anteil von 5,2 %, bei Wohnungen von 13,8 %. Die Erdgas-Zentralheizung war mit einem Anteil von 36,1 % bei den Wohngebäuden sowie 49,3 % bei den Wohnungen das am häufigsten vertretene Heizungssystem in Deutschland. Heizöl wurde in 26 % aller Wohnungen für die Wärmeversorgung eingesetzt. Strom diente in 1,92 Millionen Wohnungen als Heizenergie, das entspricht einem Anteil von 4,6 %. Davon entfielen wiederum 2,5 %-Punkte auf die elektrischen Speicherheizungen und 2,1 %-Punkte auf elektrische Wärmepumpen. Der Anteil der sonstigen Energieträger (darunter Holz/Holzpellets, sonstige Biomasse, Koks/Kohle, sonstige Heizenergien) beträgt 6,1 %. Die leitungsgebundenen Heizungssysteme kamen bei den Wohngebäuden zusammen auf einen Marktanteil von 58,1 % und bei den Wohnungen sogar auf einen Anteil von 67,8 %. Insgesamt wurde 2018 der Bau von 301 482 neu zu errichtenden Wohnungen genehmigt (+ 1,4 % gegenüber dem Vorjahr). Der überwiegende Teil der Bauherren (38,9 %) setzt auf Erdgas als Heizenergie. Danach folgten die Wärmepumpen mit 28,4 % und die Fernwärme mit 25,9 %. Die verbleibenden Anteile entfielen auf Holz- und Pellet-Heizungen (4,4 %) sowie Stromheizungen (0,7 %). In rund 27 % der Wohnungen war neben der primären Heizung noch ein zweiter Wärmeerzeuger genutzt. Bei den Einund Zweifamilienhäusern sind es sogar 34 %. Unter diesen zusätzlichen Heizgeräten stehen, bezogen auf Wohnungen, Kamine mit 44,1 % und Holz-Pellet-Einzelöfen mit 33 % an erster und zweiter Stelle. Mit einem Anteil von nahezu 72 % dominiert in Deutschland die zentrale Warmwasserbereitung in den Wohnungen. In 11 % der Wohnungen wird diese durch Solarthermie unterstützt. Insgesamt wurden 732 000 Wärme - erzeuger (ohne Fernwärme-Hausstationen) in Deutschland im Jahr 2018 abgesetzt. Hiervon entfielen rund 600 000 auf den Ersatz von Bestandsheizungen und 132 000 auf den Neubau. Das sind rund 3 % mehr als im Vorjahr. Davon entfielen rund 492 500 Stück auf Gas-Brennwert- (+ 4% gegenüber 2017) und 72 000 Stück auf Erdgas-NT-Heizungssysteme (nahezu unverändert gegenüber 2017). Auf Basis Heizöl wurden 58 500 Brennwert- (– 3 % gegenüber 2017) und nur noch 2 900 Niedertemperatur-Heizungsanlagen (– 29 % gegenüber 2017) installiert. Insgesamt wurden 24 000 Biomassekessel (Pellets, Hackschnitzel und Scheitelholz) (– 9 % gegenüber 2017) eingebaut. Mit 84 000 BWK Bd. 71 (2019) Nr. 6 27

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