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06 | 2019

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Energiewirtschaftliche

Energiewirtschaftliche Gesamtsituation verkauften Heizungswärmepumpen in 2018 weisen diese ein Plus von 8 % gegenüber dem Vorjahr aus. Gemessen am Gesamtabsatz für Wärmeerzeuger beträgt der Marktanteil von Wärmepumpen unter 10 %. Die Marktanteile zwischen erdgekoppelten Wärmepumpen und Luftwärmepumpen veränderten sich deutlich gegenüber dem Vorjahr. Luftwärmepumpen beherrschten auch 2018 den Absatz mit einem Anteil von 72 % (Vorjahr: 68,9 %). Sie legten um + 9 % von 55 500 Stück in 2017 auf 60 500 in 2018 zu. Erdwärmepumpen nahmen um 21,8 % ab (2017: 20 700 Geräte; 2018: 18 000 Geräte). Der Absatz der Warmwasserwärmepumpen stieg um 1 500 Geräte auf 15 000 an. Insgesamt sind rund 880 000 Heizungswärmepumpen in Deutschland installiert. Im Rahmen des KWKG wurden 2 239 Blockheizkraftwerke mit einer Leistung von 6,15 MW (el.) in Wohngebäuden installiert. Dies entspricht im Heiztechnikmarkt stückzahlbezogen einem Marktanteil von weniger als 1 %. 2018 wurden etwa 71 000 Solarwärme- Anlagen mit einer Kollektorfläche von insgesamt 560 000 m 2 (etwa – 10 % gegenüber 2017) neu installiert. Die installierte Kollektorfläche beträgt nunmehr rund 20,5 Mio. m 2 . Während sich der Heizkörpermarkt mit – 8 % rückläufig entwickelte, erreichten die abgesetzten Rohrmeter für Flächenheiz- und -kühlsysteme in Böden, Wänden oder Decken 2018 in Deutschland mit 207 Mio. m gegenüber dem Vorjahr ein Wachstum von + 15 %. Am 1. Juni 2018 fand die erste Ausschreibungsrunde der neuen Förderkategorie für „innovative KWK-Systeme“ der KWK- Ausschreibungsverordnung (KWKAusV) statt. Unter einem innovativen KWK-System (iKWKS) versteht der Gesetzgeber „besonders energieeffiziente und treibhausgasarme Systeme, in denen KWK-Anlagen in Verbindung mit einem hohen Anteil von Wärme aus erneuerbaren Energien KWK-Strom und Wärme bedarfsgerecht erzeugen oder umwandeln“. Die notwendigen Bestandteile eines solchen Systems, das zwingend an ein Wärmenetz angeschlossen sein muss, sind eine neue oder modernisierte KWK-Anlage (Mindestgröße 1 MW (el.)), ein fabrikneuer regenerativer oder elektrischer Wärmeerzeuger sowie Mess- und Regeltechnik, damit die Komponenten gemeinsam gesteuert werden können. Die Gebotsmenge beginnt bei mindestens 1 MW (el.) und beträgt maximal 10 MW (el.). Der Vorteil dieser speziellen Ausschreibung besteht unter anderem in dem Gebotswert, der maximal bei 12 statt 7 Ct/kWh liegt wie bei den konventionellen KWK-Ausschreibungen. Der Zuschlag wird für maximal 45 000 Vollbenutzungsstunden (Vbh) und 3 500 Vbh/a bezahlt. Der erneuerbare Wärmeerzeuger muss zudem pro Jahr mindestens 30 % der Referenzwärme bereitstellen; er darf nur einer KWK-Anlage zugeordnet sein. Im Falle eines Zuschlags besteht die Pflicht, das Projekt innerhalb von 48 Monaten zu realisieren. Die Zulassungsphase, in der die Mindestanforderungen nachgewiesen werden müssen, beträgt nochmals maximal zwölf Monate. Im Weiteren ist eine Sicherungshinterlegung von 70 €/kW (el.) KWK-Leistung erforderlich. Im Rahmen der ersten Ausschreibungsrunde der innovativen KWK-Anlagen lag das Ausschreibungsvolumen bei je 25 MW (el.). Hierfür wurden sieben Gebote mit einem Gebotsumfang von knapp 23 MW (el.) abgegeben, wobei zwei Gebote ungültig waren, sodass fünf Gebote mit einem Volumen von knapp 21 MW (el.) den Zuschlag bekamen. Der durchschnittliche mengengewichtete Zuschlagswert lag bei 10,27 Ct/kWh, wobei der niedrigste bezuschlagte Gebotswert auf 8,47 Ct/kWh fiel. Der höchste Gebotswert lag bei 10,94 Ct/kWh. Im Rahmen der 2. Ausschreibungsrunde für innovative KWK-Systeme am 1. Dezember 2018 wurden 29 MW (el.) ausgeschrieben. Hierfür wurden lediglich drei Gebote mit einem Volumen von 13 MW(el.) eingereicht, die entsprechend bezuschlagt wurden. Die Gebotswerte der bezuschlagten Gebote reichten dabei von 7,99 Ct/kWh bis zu 11,97 Ct/kWh. Der durchschnittliche mengengewichtete Zuschlagswert beträgt 11,31 Ct/kWh. Damit bewegt sich selbst der Durchschnittswert dicht am maximal zulässigen Zuschlagswert von 12 Ct/kWh entlang. Der Gesetzgeber hatte sich erhofft, dass die mit dem KWKG 2017 eingeführten Ausschreibungen zu einem Wettbewerb führen, der sich – ähnlich wie bei Erneuerbare-Energien-Anlagen – kostensenkend auswirkt. Die Ausschreibungsergebnisse der Bundesnetzagentur für KWK-Anlagen im Segment von 1 bis 50 MW (el.) zeigen nun, dass das nicht der Fall ist. Der nächste Gebotstermin ist der 1. Juni 2019. Parallel zu den Ausschreibungsrunden der innovativen KWK-Anlagen findet jeweils die Ausschreibungsrunde für KWK- Anlagen im Segment 1 bis 50 MW (el.) statt. Die Bundesnetzagentur hat im Rahmen der ersten Ausschreibungsrunde im Jahr 2018 von 15 Geboten mit einem Volumen von 96 MW (el.) 14 Gebote mit einem Gebotsumfang von 91 MW (el.) den Zuschlag erteilt. Ein Gebot entsprach nicht den gesetzlichen Anforderungen und wurde daher ausgeschlossen. Der durchschnittliche mengengewichtete Zuschlagswert lag bei 4,31 Ct/kWh mit einem niedrigsten Gebotswert von 2,99 Ct/kWh und einem höchsten Gebotswert von 5,20 Ct/kWh. Im Rahmen der zweiten Ausschreibungsrunde im Jahr 2018 am 1. Dezember 2018 wurden elf Gebote bezuschlagt mit einem Volumen von 78 MW (el.). Insgesamt war die Ausschreibung mit 17 eingereichten Geboten mit einem Volumen von 104 MW (el.) nur leicht überzeichnet. Von den elf Zuschlägen wurden sieben an kommunale Unternehmen erteilt. Die Gebotswerte der bezuschlagten Gebote reichen von 3,49 Ct/kWh bis zu 5,24 Ct/ kWh. Der durchschnittliche Zuschlagswert liegt mit 4,74 Ct/kWh sogar oberhalb der Vergütung des Segments der neuen KWK-Anlagen bis 1 MW (el.), das mit einem festen Satz gefördert wird. Zudem können mit einem festen Satz geförderte Anlagen Erlöse aus vermiedenen Netznutzungsentgelten generieren. Diese zusätzliche Erlösmöglichkeit haben Anlagen in der Ausschreibung nicht. Die Ausschreibungen haben damit in 2018 nicht zu sinkenden, sondern zum Teil höheren Fördersätzen geführt. Derzeit wird im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie an einem KWK-Evaluierungsbericht gearbeitet. Er soll die Grundlage für die nächste KWKG-Novelle bilden. Im Berichtsentwurf wird vorgeschlagen, dass Ausschreibungen im Bereich der KWK-Anlagen ausgeweitet werden sollen. Im Rahmen des KWKG wurden in 2018 insgesamt 3 052 Anlagen mit einer elektrischen Leistung von 51,45 MW (el.) gefördert. Im Vergleich zu 2017 wurden damit 28 % weniger Anlagen (4 243 in 2017) gefördert beziehungsweise es ging eine um 70 % reduzierte elektrische Leistung (171,26 MW (el.) in 2017) nach KWKG in Betrieb. Am 30. November 2018 wurde das Energiesammelgesetz im Bundestag beschlossen, dem der Bundesrat am 14. Dezember 2018 zugestimmt hat. Damit wurden umfangreiche Änderungen bei der Kraft- Wärme-Kopplung (KWK), dem Ausbau der erneuerbaren Energien und beim Mieterstrom wirksam. Teilweise traten die gesetzlichen Regelungen rückwirkend zum 1. Januar 2018 in Kraft. Im Rahmen des 28 BWK Bd. 71 (2019) Nr. 6

Energiewirtschaftliche Gesamtsituation Steinkohle Braunkohle Mineralöl Erdgas Biomasse / Müll erneuerbar sonstige Gase nicht erneuerbar Sonstige / Müll nicht erneuerbar KWK-Strom insgesamt 2000 27,7 6,2 1,1 13,9 0,7 0,9 1,3 51,8 2005 18,1 5,5 2,0 37,6 2,6 1,4 1,9 69,0 2010 16,2 4,9 1,3 51,7 12,9 1,3 1,8 90,1 2011 2012 [TWh/a] 15,7 13,6 4,8 5,7 1,3 1,3 51,6 57,5 15,0 17,1 1,3 1,3 1,8 1,8 91,5 98,3 2013 14,5 5,7 1,0 61,1 19,3 1,4 2,0 105,0 2014 15,1 5,3 0,9 62,9 17,4 1,4 2,0 104,9 2015 15,5 5,1 0,8 65,4 18,4 1,4 1,9 108,6 2016 13,8 4,5 0,8 75,2 19,2 1,4 1,9 116,9 2017 13,2 4,5 0,8 81,6 20,1 1,5 1,9 123,6 2018 12,7 4,5 0,8 80,4 19,9 1,5 1,9 121,8 Tabelle 5 KWK-Stromerzeugung nach Energieträgern in Deutschland in TWh/a, ermittelt gemäß FW308. Energiesammelgesetzes wurden die Kraft- Wärme-Kopplung betreffend einige Veränderungen und Konkretisierungen bei der Begrifflichkeit (§ 2 KWKG) in der Form vorgenommen, dass in den §§ 6 und 7 Absätze zur gesetzlichen Behandlung von Dampfsammelschienen-KWK-Anlagen eingeführt werden. Im Weiteren wird in § 7 Abs. 6 KWKG klargestellt, dass eine Kumulierung der festen KWK-Zuschläge – also der Förderung der stromerzeugenden Einheit nach dem KWK-Gesetz – mit Investitionszuschüssen nicht zulässig ist. Unter bestimmten Voraussetzungen erhalten Mini-KWK-Anlagen bis 20 kW (el.) auch weiterhin eine Kombination aus KWK-Zuschlägen und Investitionsförderung. Zusätzlich wird bei der Modernisierung von Dampfsammelschienen-KWK- Anlagen mit einer elektrischen Leistung von mehr als 50 MW (el.) eine dritte Stufe eingeführt. In deren Folge wird für Anlagen, deren Modernisierungskosten lediglich 10 % der Kosten einer möglichen Neuerrichtung betragen, und unter der Voraussetzung, dass die Modernisierung frühestens zwei Jahre nach der erstmaligen Aufnahme des Dauerbetriebs beziehungsweise nach der Wiederaufnahme des Dauerbetriebs erfolgt ist, eine Förderung über 6 000 Vbh gewährt. Die Förderung von KWK-Strom aus förderfähigen Bestandsanlagen im Sinne des KWK- Gesetzes wird auf den Leistungsbereich von mehr als 2 MW (el.) bis einschließlich 300 MW (el.) begrenzt. Außerdem werden die Zuschlagssätze von KWK-Anlagen mit einer Leistung über 50 MW (el.) gegenüber der bisherigen Regelung teilweise deutlich reduziert. Die Neuregelungen der Messung und Schätzung aus dem neuen § 62a des EEG ist auch auf die KWK-Umlage anzuwenden. Außerdem existieren zukünftig neue Transparenzpflichten für stromkostenintensive Unternehmen. Diese werden im § 27a Abs. 3 KWKG geregelt. Mit dem Energiesammelgesetz wird die mit der Europäischen Kommission ausgehandelte Neuregelung der EEG-Umlage auf selbstverwendeten KWK-Strom von KWK-Neuanlagen in das EEG übernommen. Hinsichtlich der Förderung neuer Solardächer mit einer Leistung ab 40 kW (peak) sieht die Neuregelungen des Energiesammelgesetzes eine Absenkung vor. Die Vergütung sinkt stufenweise im Frühjahr 2019 auf 8,9 Ct/kWh. Derzeit beträgt die Vergütung noch rund 10 Ct/kWh. Die Neuregelung wird dazu führen, dass der Mieterstromzuschlag für Anlagen ab 40 kW (peak) Leistung ab Herbst 2019 aus der Zusatzförderung fällt. Außerdem wurden Sonderausschreibungen in Höhe von 4 000 MW für die Jahre 2019 bis 2021 für PV-Freiflächenanlagen und Windkraftanlagen an Land (onshore) im Energiesammelgesetz vorgesehen. Das bisherige Ausschreibungsvolumen für Bioenergie-Anlagen wird zukünftig auf zwei Ausschreibungstermine (1. April und 1. November) aufgeteilt. Weiterhin sollen die im Energiesammelgesetz neu eingebrachten Gesetzespassagen des EEG eine Klarstellung des Formaldehyd-Vermeidungs-Bonus bringen. Weiterhin wird eine Veränderung der 75-kW-Leistungsgrenze für güllebetriebene Biogas-Anlagen von der technischen Leistung hin zur Bemessungsleistung eingeführt. Die Förderung für eine Umstellung von Biogas- und Biomethan- Anlagen auf einen flexibleren Anlagenbetrieb wird auf 1 000 MW begrenzt. Im Jahr 2018 haben die Fernwärme-/ -kälteversorger nach ersten Abschätzungen der AGEB 127 Mrd. kWh Nettowärme erzeugt, weitere 8 Mrd. kWh kamen von sonstigen Wärmeerzeugern. Insgesamt wurden 135 Mrd. kWh ins Wärme-/ Kältenetz eingespeist. Verglichen mit dem Jahr 2017 sank witterungsbedingt die Erzeugung um 2,4 %. Mehr als 83 % der Nettowärmeerzeugung wurde hierbei durch KWK-Anlagen bereitgestellt. Der Nettowärmeverbrauch aus den Netzen der Energieversorger betrug nach Abzug von Betriebsverbrauch, Netzverlusten und statistischen Differenzen nach Schätzungen der AGEB 116 Mrd. kWh (2017: 124,2 Mrd. kWh). Aufgrund des Rückgangs der Wärmeerzeugung sank der Brennstoffeinsatz in den Heiz- und Heizkraftwerken der allgemeinen Versorgung insgesamt um rund 1,4 % auf 142 Mrd. kWh/a in 2018 (148 Mrd. kWh in 2017). Insgesamt wurden in 2018 etwa 121,8 TWh KWK-Strom erzeugt (Tabelle 5). Aufgrund des geringen Zubaus von KWK-Anlagen und des witterungsbedingt geringeren Absatzes an Fernwärme war die KWK-Stromerzeugung in 2018 leicht rückläufig. Infolgedessen war auch die KWK-Stromerzeugung auf Basis von Erdgas und die Kohle-KWK-Stromerzeugung leicht geringer. Dahingegen blieb die Stromerzeugung aus Biomassen nahezu unverändert. Energie- und Klimapolitik in Deutschland Die im Juni 2018 von der Bundesregierung eingesetzte Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ hat am 26. Januar 2019 ihre Vorschläge zur Beendigung der Kohleverstromung vorgelegt. Als Abschlussdatum für den Ausstieg empfiehlt sie Ende des Jahres 2038. In den Jahren 2026 und 2029 soll ein unabhängiges Expertengremium dieses Abschlussdatum überprüfen und gegebenenfalls anpassen. Untersucht werden dabei die Auswirkungen auf Erreichung der Klimaziele, Entwicklung der Strompreise und Versorgungssicherheit, BWK Bd. 71 (2019) Nr. 6 29

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