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06 | 2019

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Energietransport und

Energietransport und -verteilung 700 Sonstige Erneuerbare Bild 1 Bruttostromerzeugung in Deutschland im Jahr 2018 [9]. TWh 600 500 400 300 200 100 0 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 Wasser Biomasse Photovoltaik Wind Sonstige nicht Erneuerbare Öl Kernenergie Braunkohle Steinkohle Erdgas 1 ) vorläufig Bild 2 Entwicklung von physikalisch ausgetauschten Stromimport- und -exportmengen [5]. 1 ) Im März 2018 vereinbarten die Energieversorgungsunternehmen E.on sowie RWE ihre Geschäftsfelder gemeinsam neu zu ordnen beziehungsweise zu strukturieren. Demnach wird E.on die RWE-Tochter Innogy mit den Feldern Vertrieb und Netz übernehmen. Im Gegenzug trennt sich E.on von dem Geschäftsfeld regenerative Erzeugung und überlässt diesen Bereich der RWE. Darüber hinaus erhält RWE ein E.on-Aktienpaket von 16,7 %. Der Energieversorger E.on konzentriert sich damit zukünftig auf den Vertrieb sowie den Betrieb von Strom- und Gasnetzen. Die Sparten Energiehandel, erneuerbare Energien sowie die konventionelle Strom- und Wärmeerzeugung bilden zukünftig das Kerngeschäft des RWE-Konzerns. Die Pläne wurden bei der Europäischen Kommission eingereicht, die derzeit eine wettbewerbsrechtliche Prüfung durchführt. Das Unternehmen E.on ist zukünftig nicht mehr an der früheren Kraftwerkstochter Uniper beteiligt. Der Energieversorger E.on verkaufte seine Uniper-Anteile (46,7 %) an den finnischen Energieversorger Fortum. Mit dem Verkauf hat sich E.on somit komplett von der Erzeugung getrennt und konzentriert sich künftig nur noch auf den Betrieb von Energienetzen und das Endkundengeschäft. Die neue Ausrichtung der beiden größten deutschen Energieversorger stellt eine Zäsur in der energiewirtschaftlichen Historie Deutschlands dar. Stromversorgung Nach vorläufigen Angaben der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) betrug die Bruttostromerzeugung im Jahr 2018 etwa 648,9 TWh (Bild 1). Sie lag damit um 0,7 % leicht unter dem Vorjahreswert (2017: 653,6 TWh). Der Stromaustauschsaldo betrug im Jahr 2018 etwa 51,1 TWh und lag gegenüber dem Vorjahr um 5,2 % niedriger (Bild 2) [5]. Hinzuweisen ist auf die signifikante Zunahme der Stromexporte in die Niederlande, die um 38,4 % auf einen Wert von 20,9 TWh stiegen. Nach Einschätzungen der Agora Energiewende [6] lassen sich die erhöhten Importe durch Kernkraftwerksausfälle in Belgien erklären. Da zwischen Belgien und Deutschland noch keine direkte Stromverbindung besteht, erfolgen die Importe über die Niederlande. Mit der Fertigstellung der derzeit in Bau befindlichen „Aachen Lüttich Electricity Grid Overlay (ALEGrO)“-HGÜ-Leitung, die Belgien (Lixhe) mit Deutschland (Oberzier) verbindet, wird 2020 gerechnet. Gegenüber dem Vorjahr sind die Exporte nach Österreich um knapp 16 % zurückgegangen, was im Wesentlichen auf die Teilung der deutschen und österreichischen Marktzonen zurückzuführen ist. Nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) [7] betrug der Nettostromverbrauch im Jahr 2018 etwa 556,5 TWh. Er lag damit nur knapp über dem Vorjahreswert (2017: 555,8 TWh). Die Stromerzeugung auf Basis erneuerbarer Energien betrug im Jahr 2018 rund 228,7 TWh (2017: 216,6 TWh) und liegt somit um etwa 5,6 % höher. Der auf die Bruttostromerzeugung bezogene Anteil erneuerbarer Energien beträgt damit 35,2 % (2017: 33,1 %). Bezogen auf die Nettostrom - erzeugung liegt er nach ersten Schätzungen vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE [8] bei über 40 %. Nach Angaben der AGEB [9] lag der Anteil der Windkraftanlagen (off- und onshore) an der gesamten erneuerbaren Stromerzeugung bei knapp 50 % (113,3 TWh). Die Stromproduktion aus Windkraftanlagen lag insgesamt um etwa 7,7 TWh höher als im Vorjahr, was hauptsächlich auf die höhere Stromproduktion von Onshore-Anlagen zurückzuführen ist. Aufgrund des Rekordsommers erreichte die Stromproduktion aus Photovoltaik (PV)-Anlagen einen Höchstwert von 46,3 TWh (2017: 39,4 TWh). Der PV- Anteil an der gesamten erneuerbaren Stromerzeugung betrug damit 20,2 %. Etwa 59,8 % des erzeugten Stroms stammten aus fossil gefeuerten Kraft - werken sowie Kernkraftwerken. Der Anteil fossil gefeuerter Kraftwerke betrug 312 TWh und lag damit mit 16,3 TWh unter dem Vorjahreswert. Dies entspricht einem Rückgang von knapp 5 %. Nach ersten Schätzungen des BDEW [7] sind damit die CO 2 -Emissionen der Energiewirtschaft um 11 Mio. t gesunken. Die Strommenge, die in Kohlekraftwerken erzeugt wurde, betrug im Jahr 2018 etwa 229 TWh und lag damit um 13 TWh niedriger als im Vorjahr. Dies ist im Wesentlichen durch einen Rückgang der Steinkohleverstromung zu erklären, wäh- 50 BWK Bd. 71 (2019) Nr. 6

Energietransport und -verteilung Bild 3 Netto-Kraftwerksleistung in Deutschland [6; 11]. 250 000 Sonstige Erneuerbare rend der in Braunkohlekraftwerken erzeugte Strom und die Erdgasverstromung nur geringfügig abnahmen. Als Gründe sind der hohe Steinkohlepreis sowie die angestiegenen CO 2 -Zertifikatspreise zu nennen, die zu erhöhten Erzeugungskosten führten. Auch der Rekordsommer dürfte für den Rückgang der Steinkohleverstromung verantwortlich sein, da viele Anlagen aus Gründen mangelnder Kühlungsoptionen nur gedrosselt gefahren werden konnten. Hingegen waren Braunkohlekraftwerke hiervon nicht betroffen, da die Kühlung überwiegend mit abgepumptem Grundwasser aus den Tagebaugebieten erfolgt. Die etwas rückläufige Erdgasverstromung lässt sich durch gestiegene Erdgaspreise erklären. Obwohl im Jahr 2017 das Kernkraftwerk Grundremmingen Block B abgeschaltet wurde, blieb die Stromerzeugung aus Kernkraftwerken nahezu konstant. Der Wegfall der Stromerzeugung dieses Kraftwerks wurde demzufolge durch eine Mehrproduktion der noch in Betrieb befindlichen Kernkraftwerke kompensiert. Die Volllastbenutzungsstundendauer der Kernkraftwerke betrug im Jahr 2018 rund 7 600 Stunden. Nach vorläufigen Schätzungen betrug die installierte Stromerzeugungskapazität in Deutschland zum Ende des Jahres 2018 etwa 223 GW. Sie lag damit um rund 5,8 GW höher als im Vorjahr (Bild 3). Der Zuwachs ist hauptsächlich auf den Zubau erneuerbarer Stromerzeugungskapazität zurückführen. Die Kapazität des kon - ventionellen Kraftwerksparks lag bei 103,5 GW. Der Anteil der Kohlekraft - werkskapazität betrug zum Ende des Jahres etwa 45,3 GW (davon Braunkohle 21,2 GW), was einem Anteil an der gesamten Kraftwerkskapazität von 20,3 % entspricht. Der Anteil der nicht am Markt teilnehmenden Kraftwerke (Sicherheitsbereitschaft, Netzreserve, vorläufig still gelegt) beläuft sich nach Angaben der Bundesnetzagentur (BNetzA) [10] derzeit auf 11 545 MW (Bild 4). Gesetzlich festgelegte Kraftwerksstill - legungen und Sicherheitsbereitschaft Wie im Strommarktgesetz vorgesehen, wurden die beiden braunkohlegefeuerten Kraftwerksblöcke Niederaußem E und F sowie Jänschwalde Block F am 1. Oktober 2018 in die Sicherheitsbereitschaft überführt. Sie nehmen somit nicht mehr am Markt teil. Damit befinden sich von den acht Kraftwerksblöcken, die bis zum 1. Oktober 2019 in die Sicherheits - bereitschaft überführt werden, nur noch MW MW 200 000 150 000 100 000 50 000 0 8 000 7 000 6 000 5 000 4 000 3 000 2 000 1 000 0 2013 2014 2015 2016 2017 2018 1 973 MW 6 852 MW Mineralölprodukte Erdgas Steinkohle Braunkohle 2 731 MW Sicherheitsbereitschaft Netzreserve Vorläufig stillgelegt Bild 4 Kraftwerke außerhalb des Strommarktes (Stand: 7. März 2019) [10]. zwei Anlagen (Neurath C und Jänsch walde E) im Strommarkt. Die insgesamt derzeit in der Sicherheitsbereitschaft befindliche Kraftwerksleistung beträgt etwa 1 973 MW. Angezeigte Kraftwerksstilllegungen gemäß EnWG und endgültig erfolgte Stilllegungen Von den Kraftwerksbetreibern ist derzeit eine Kraftwerkskapazität in Höhe von 6 270 MW (30 Anlagen) zur Stilllegung angezeigt worden. Etwa 3 300 MW wurden zur vorläufigen und 2 970 MW zur endgültigen Stilllegung angezeigt. Im Jahr 2018 wurden nach Angaben der Bundesnetzagentur etwa 1 171 GW Kraftwerksleistung endgültig stillgelegt. Davon waren 879 MW kohlegefeuerte Kraftwerke sowie der Rest gas- und ölgefeuerte Anlagen [10]. 1 ) 1 ) Laufwasser Biomasse Photovoltaik Wind Pumpspeicher Sonstige nicht Erneuerbare 1 ) Systemrelevante Kraftwerke gemäß §13b EnWG Systemrelevante Kraftwerke gemäß § 13 b EnWG (Netzreserve) Derzeit befinden sich 23 Kraftwerks - blöcke mit einer Gesamtleistung von 6 851 MW in der Netzreserve. Hierbei handelt es sich um Anlagen, deren Stilllegung nicht erfolgen durfte, da sie nach Einschätzung der BNetzA systemrelevant sind. Sie werden nur auf Anforderung der Übertragungsnetzbetreiber eingesetzt und dürfen am Markt nicht teilnehmen. Etwa 2 309 MW (sieben Blöcke) der systemrelevanten Kraftwerke sind steinkohlegefeuerte Anlagen, wovon 1 400 MW zur vorläufigen Stilllegung angezeigt wurden. Im Gegensatz zu Anlagen, deren endgültige Stilllegung angezeigt wurde, könnten diese Anlagen theoretisch in den Markt zurückkehren [10]. Geplanter Zubau von fossil gefeuerten Kraftwerken Nach Angaben der BNetzA [12] befinden sich derzeit 15 Kraftwerksblöcke mit einer Gesamtleistung von etwa 2 079 MW im Bau oder Probebetrieb, deren Inbetriebnahme bis spätestens 2021 erwartet wird. Bis auf das Steinkohlekraftwerk Datteln (1 052 MW) handelt es sich fast ausschließlich um gasgefeuerte Kraftwerke. Öl Kernenergie Braunkohle Steinkohle Erdgas 1 ) vorläufig BWK Bd. 71 (2019) Nr. 6 51

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