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07-08 | 2015

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Special Erneuerbare

Special Erneuerbare Energien Errichtung des Windparks Meerwind Süd nördlich von Helgoland. Im Hintergrund ist eine Konverterstation zu sehen, die kurz zuvor vom Kranschiff „Thialf“ abgesetzt wurde. Bild: WindMW Status quo der Offshore-Windenergie in Deutschland im europäischen Vergleich In diesem Jahr werden die Früchte geerntet OFFSHORE-WINDENERGIE | Seit 2009 wurden 13 Windparks vor den deutschen Küsten errichtet. Davon befinden sich sieben in der Phase der schrittweisen Inbetriebnahme. Bis zum Jahresende 2015 wird die installierte Leistung voraussichtlich auf rund 3 GW steigen. In keinem anderen europäischen Land liefert die Windenergie mehr Strom als in Deutschland. Der Ausbau ging in den vergangenen 25 Jahren stetig voran, und mit einem Anteil von etwa einem Drittel der in Europa installierten Leistung behauptet Deutschland seit Jahren mit weitem Abstand die Führung. Autor Dr. Dipl.-Phys. Detlef Koenemann, Jahrgang 1955, Studium der Physik an der Universität Hannover. 1987 Promotion an der Technischen Universität Braunschweig. Ab 1988 Tätigkeit als Fachredakteur. Von 1992 bis 2008 Chefredakteur der Zeitschrift „Sonne, Wind, Wärme“. Seitdem als freier Fachautor im Bereich Energietechnik tätig. i info@detlef-koenemann.de Doch das gilt nur für die an Land errichteten Windenergieanlagen. Auf dem Meer waren die Fortschritte zunächst gering. Die vor 15 Jahren begonnene Planung von Offshore-Windparks verzögerte sich lange, so dass zunächst Dänemark und anschließend Großbritannien die Führung übernahmen. Doch in den Jahren 2013 und 2014 holte Deutschland auf, und in diesem Jahr werden die Inbetriebnahmen einen Höhepunkt erreichen. Wenn keine unvorhergesehenen Verzögerungen mehr eintreten, wird Ende 2015 die installierte Gesamtleistung der Offshore-Windparks etwas mehr als 3 GW erreichen. Bild 1 zeigt den Ausbau der Offshore- Windenergie in Belgien, Deutschland, Dänemark und Großbritannien (UK) in den Jahren 2004 bis 2014. Nicht dargestellt ist die erste Ausbauphase der dänischen Offshore-Windparks im Zeitraum von 1991 bis 2003, als 410 MW installiert wurden. Danach brachte ein Wechsel in der Energiepolitik den Ausbau in Dänemark für einige Jahre zum Stillstand. Inzwischen erlauben die politischen Rahmenbedingungen in den vier dargestellten Ländern einen relativ stetigen Ausbau der Offshore-Windenergie. In den Niederlanden und in Schweden gab es vielversprechende Planungen, doch beide Länder haben den Anschluss verloren (Tabelle 1). Stetiger Ausbau seit 2012 Weil es sich um große Projekte mit langer Vorlaufzeit handelt und Genehmigungsverfahren sowie politische Rahmenbedingungen eine große Rolle spielen, lässt sich ein stetiger Ausbau kaum gewährleisten – nicht einmal in Großbritannien, obwohl dort die politische Rückendeckung am stärksten ist. In 26 BWK Bd. 67 (2015) Nr. 7/8

Erneuerbare Energien Special Deutschland hat sich die Netzanbindung verzögert und dadurch die Planungen erschwert [1]. Aber wenn man die Offshore- Windenergie als „nordeuropäisches Projekt“ betrachtet und alle beteiligten Länder zusammenfasst, dann stellt sich heraus, dass in den Jahren 2012 bis 2014 ein nahezu gleichmäßiger Ausbau gelang. In diesem Jahr wird sich dieser Trend fortsetzen. Mehr als die Hälfte der vor Europas Küsten installierten Leistung steht in Großbritannien. Dänemark folgt mit großem Abstand, doch im Verhältnis zur Einwohnerzahl ist der Anteil der Offshore-Windenergie dort dreimal so hoch wie in Großbritannien. Unterdurchschnittlich ist das Ergebnis in Deutschland, Schweden und in den Niederlanden. In Frankreich und im Süden Europas wurden bisher keine Offshore-Windparks errichtet, so dass sich der Ausbau bisher auf die dargestellten sechs Länder konzentriert. Ende 2014 waren insgesamt knapp 8 GW installiert. Das ist etwas mehr als 6 % der auf dem europäischen Kontinent installierten Windenergieleistung. 1800 1600 1400 1200 1000 800 600 400 200 0 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 Installierte Leistung in MW in W/Einw. Großbritannien 4 504 75 Dänemark 1 271 235 Deutschland 1 044 13 Belgien 713 68 Niederlande 247 15 Schweden 216 24 Gesamt 7 995 43 Tabelle 1 Status der Offshore-Windenergie in Nordeuropa (Ende 2014). Die auf die Einwohnerzahl bezogene Leistung ist in Dänemark am größten [2]. Offshore-Windpark Anzahl Leistung in MW BE DE DK UK Bild 1 Ausbau der Offshore- Windenergie in Belgien, Deutschland, Dänemark und Groß - britannien im Zeitraum 2004 bis 2014 [2]. Pilotprojekte in Küstennähe Die deutschen Pilotprojekte entstanden ab 2004 in unmittelbarer Küstennähe. Es handelt sich um drei Einzelanlagen, die jeweils maximal einige hundert Meter von der Küste entfernt im flachen Wasser errichtet wurden und im wesentlichen der Erprobung von Gründungsstrukturen dienen. Sie stehen in Emden, Wilhelmshaven und Rostock und gelten als „Near - shore-Projekte“ – also nicht als eigentliche Offshore-Projekte. Auch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zieht eine klare Grenze und definiert als „Offshore- Windpark“ eine Anlage, die mindestens 3 Seemeilen (5,6 km) von der Küstenlinie entfernt errichtet wurde. Die Nearshore- Projekte spielen in Deutschland keine Rolle, denn die Leistung dieser drei Einzelanlagen summiert sich auf nur 13 MW. Das geschützte Wattenmeer lässt ohnehin nur wenige Projekte innerhalb der 12-Seemeilen-Zone der Nordsee zu. Ausnahmen sind die Windparks Riffgat und Nordergründe. In Großbritannien (328 MW), Dänemark (104 MW), Schweden (95 MW) und den Niederlanden (19 MW) ist der Anteil dieser küstennahen Windparks größer. Dazu zählen auch Windparks, die in Binnengewässern errichtet wurden, zum Beispiel im niederländischen Ijsselmeer und im schwedischen Vänersee. Aber das Potenzial der Nearshore-Projekte ist begrenzt, denn mit der Offshore-Windenergie ist das Versprechen verbunden, die Stromerzeugung möglichst außerhalb der Sichtweite der Bevölkerung sowie der Touristen zu installieren. Außerdem sind die Stromerträge in Küstennähe deutlich geringer als auf dem Meer. Im vergangenen Jahr sind in Deutschland insgesamt 141 Offshore-Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 523 MW ans Netz angeschlossen worden. Weitere 286 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 1 269 MW waren Ende 2014 bereits errichtet, aber noch ohne Netzanschluss [2]. Weil die Windparks meist schrittweise ans Netz angeschlossen werden, um möglichst früh Strom verkaufen zu können, ist in Tabelle 2 der Zeitpunkt der ersten Stromlieferung angegeben. Bei den meisten Windparks erstreckt sich die Inbetriebnahme über zwei Kalenderjahre. Wegen technischer und finanzieller Probleme waren es im Fall des Windparks Bard Offshore 1 sogar vier Kalenderjahre. Die ersten Anlagen dieses Parks lieferten schon im Dezember 2010 Strom, die letzten wurden erst im August 2013 ans Netz angeschlossen. Viel Geduld brauchte auch der Energieversorger EWE als Betreiber des Windparks Riffgat, obwohl der Aufbau problemlos gelang. Die 30 Windenergieanlagen dieses Parks waren schon Gesamt-Leistung in MW in Betrieb seit Alpha Ventus 12 5,0 60 2010 EnBW Baltic 1 21 2,3 48 2011 Bard Offshore 1 80 5,0 400 2011 Dan Tysk 80 3,6 288 2014 Global Tech I 80 5,0 400 2014 Meerwind Süd/Ost 80 3,6 288 2014 Innogy Nordsee Ost 48 6,2 295 2014 Riffgat 30 3,6 108 2014 Amrumbank West 80 3,6 288 2015 Borkum Riffgrund 1 78 4,0 312 2015 Butendiek 80 3,6 288 2015 EnBW Baltic 2 80 3,6 288 2015 Trianel Borkum Phase 1 40 5,0 200 2015 Nordergründe 18 6,2 111 2016 Summe 807 3 374 Tabelle 2 Offshore-Windparks in der deutschen Nord- und Ostsee. Angegeben sind Anzahl und Nennleistung der Windenergieanlagen sowie die Gesamtleistung der Windparks. Angegeben ist außerdem der Zeitpunkt der erstmaligen Stromerzeugung. Alle Windparks (mit Ausnahme von Nordergründe) werden voraussichtlich bis Ende 2015 vollständig ans Netz angeschlossen sein [2]. BWK Bd. 67 (2015) Nr. 7/8 27

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