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07-08 | 2015

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IT & Management Das

IT & Management Das betriebliche Energiemanagement nach DIN EN ISO 50001 folgt dem PDCA-Zyklus (Plan, Do, Check, Act). Dieser beschreibt einen Prozess, in dem ein Unternehmen seine Energieflüsse aufzeigt und relevante Verbrauchsfaktoren heraus arbeitet. Daraus werden Maßnahmen abgeleitet, deren Umsetzung systematisch kontrolliert wird, um wiederum neue Ziele und Maßnahmen zu definieren. > in Form qualifizierter Beratung zu Fördermöglichkeiten im investiven Bereich, zum Beispiel durch das BAFA oder die KfW bzw. mit Landesprogrammen, regionalen Förderprogrammen und stadtwerkseigenen Förderungen, > bei der Nutzung von Förderprogrammen für die Energieberatung (Antragsstellung, Durchführung der Energieberatung sowie ggf. Vermittlung von weiteren Experten). „Getrieben wird das Thema Energieeffizienz bei Kunden mit registrierender Leistungsmessung (RLM) im Augenblick vor allem durch die Normen DIN EN ISO 50001 für das Energiemanagement und DIN EN 16247-1 für das Energieaudit“, erläutert Schramm. „Bei der Einführung brauchen die Unternehmen in der Regel fachliche Unterstützung. Selbst bei Unternehmen, die das System ISO 50001 bereits eingeführt haben, besteht oft noch Bedarf an einem für die Norm notwendigen und maßgeschneiderten Messstellenkonzept und einem geeigneten technischen Energiemanagementsystem.“ Mobile Messtechnik bringt schnell erste Erkenntnisse Wie sieht das Angebot in der Praxis aus, und wie funktioniert es? IfE hat sich für ein technisches Energiemanagementsystem entschieden, das auf der Überwachung, Messung und Analyse von Energieverbrauchsstellen beruht. Das Ingenieurbüro setzt dafür mobile Messkoffer ein, die jeweils in der Lage sind, bis zu 24 Untermessungen parallel durchzuführen. Dieses Equipment, seine Implementierung, Messbetrieb und Auswertung stellt IfE im Paket oder modular kurzfristig zur Verfügung. Der Dienstleister kann je nach Wunsch des Stadtwerks komplett im Hintergrund agieren oder als Partner auftreten. In jedem Fall ist das Stadtwerk damit in der Lage, RLM-Kunden im Bereich Energiemanagement und Stromsteuer- Spitzenausgleich zu unterstützen. „Das Stadtwerk kann diesen Service dann aktiv bewerben, um Kompetenz zu vermitteln“, empfiehlt Schramm. Wenn ein Unternehmen angebissen hat, kann mit ihm zunächst der Mindestumfang einer mobilen Messung in der Niederspannungshauptverteilung geklärt werden. IfE schickt das notwendige Mess - equipment zum Stadtwerkekunden, wo es eingebaut wird. Dabei und bei den ersten Messungen sollte ein erfahrener IfE-Mitarbeiter zugegen sein. Nach dem Einbau der Messtechnik und der Inbetriebnahme des technischen Energiemanagementsystems sind mit der Freischaltung der Messungen sofort erste Daten über die Web - applikation des Systems zu sehen. Die Parametrierung der Messung kann bei der IfE GmbH im Back-Office erfolgen. Der qualifizierte Stadtwerke-Mitarbeiter hat einen Zugang zu den Daten, dem Kunden kann ein Gastzugang eingerichtet werden. „Die mobile Messung sollte mindestens vier Wochen dauern und möglichst parallel zum Kalendermonat laufen, damit ein kW 100 90 80 70 60 50 40 30 20 10 besserer Abgleich mit dem EVU-Lastgang des Kunden möglich ist“, rät Schramm. „Diese Messung können wir beobachten und auswerten. Die Ergebnisse sind Grundlage für ein qualifiziertes Gespräch zwischen Kunden, Stadtwerk und IfE. Zielstellung dieses Gespräches könnte sein, ein vorläufiges ISO-50001-konformes Messstellenkonzept zu erarbeiten. Wenn der Kunde dies wünscht, kann man ihm ein konkretes Angebot für ein ortsfestes technisches Energiemanagementsystem erarbeiten.“ Für Schramm steht fest: „Wer Zugang zum internen Messsystem des Industriekunden erhält, sichert sich einen wichtigen Vorsprung gegenüber Wettbewerbern, weil er damit einen engen Kontakt herstellt und den Kunden an sich bindet.“ Notwendige Nebenbedingung sei dabei sicherlich, dass man dem Kunden offen und fair begegnet. Einsparungen und Steuervorteile kompensieren rasch die Kosten Und wie sieht es mit den Kosten aus? Kundenseitig gibt ein aktuelles Beratungsprojekt bei einem thüringischen Kunststoffunternehmen Auskunft, das IfE aktuell direkt betreut. Sein Stromverbrauch lag bei rund 2 500 MWh/a, die Stromsteuer betrug insgesamt 51 250 €/a. Neben der 25 %-Stromsteuererstattung auf Antrag gemäß § 9b StromStG in Höhe von 12 812,50 € hat dieses Unternehmen in der Regel einen Spitzensteuerstromausgleich nach § 10 StromStG noch mal in 0 Mo Di Mi Do Fr Sa So Mo HV 1 Druckluft Maschine 17 Maschine 19 Mit Kundenreports auf Basis von Strom- und Gaslastgängen können Stadtwerke ihren Industriekunden veranschaulichen, wo es Ansatzpunkte für Energiekosteneinsparungen gibt. 44 BWK Bd. 67 (2015) Nr. 7/8

IT & Management Höhe von etwa 25 000 €/a erhalten. Nach intensiver Verbrauchs- und Schwachstellenanalyse wurden energierelevante Anlagen erneuert. Dabei können für Industriebtriebe interessante Beratungsförderprogramme sowie Investitionszuschüsse beispielsweise über das BAFA (30 % Kälteanlagenzuschuss) genutzt werden. So wurde unter anderem in eine Kälteanlage mit Wärmerückgewinnung, in eine Druckluftanlage mit Wärmerückgewinnung und ein technisches Energiema - nagementsystem investiert. Dadurch sowie durch organisatorische Maßnahmen konnten bereits 300 000 kWh/a (das entspricht rund 45 000 €/a) eingespart werden. Schramm: „Ich bin mir sicher, dass die Kosten, die einem Industrieunternehmen durch Beratung, Verbrauchs-Monitoring und Optimierungsmaßnahmen entstehen, durch die Erschließung weiterer Einsparpotenziale immer überkompensiert werden können, so dass das Unternehmen davon in jedem Fall nachhaltig profitiert.“ Für die Stadtwerke verringern sich durch die Energieeffizienzberatung zwar die Energieliefermengen, allerdings erzielen sie möglicherweise eine höhere Handelsmarge, wenn das Gesamtpaket für den Kunden stimmig und attraktiv ist. „Vor allem aber bleibt der Industriebetrieb Kunde des lokalen Versorgers, was dem eigenen Substanzverlust entgegenwirkt“, betont Schramm. Der IfE-Geschäftsführer rät dringend, beim Thema Effizienzberatung nicht die Schmalspurvariante zu fahren: „Wer seinem Kunden nur den Viertelstundenlastgang zusendet, schickt ihn damit praktisch zum Wettbewerber. Wer aber beim Kunden Messgeräte einsetzt und ihm anhand des Lastverlaufs zeigen kann, dass er am Wochenende Druckluft verbraucht, betreibt echte Kundenbindung.“ Drum prüfe, wer sich bindet … Da inzwischen zahlreiche unabhängige Energieberater Effizienzservices für Industriekunden anbieten, kommt es für Stadtwerke darauf an, mit solchen zu kooperieren, die keine anderweitigen Vertriebsziele verfolgen. Viele Berater haben einen starken Fokus auf Energielieferausschreibungen, was unmittelbar die Interessen der lokalen Stadtwerke torpediert. „Unternehmen, die als erste Maßnahme einen Lieferantenwechsel empfehlen, können für kleine und mittelgroße Stadtwerke keine Partner sein“, sagt IfE-Chef Schramm. „Eine langfristige Kooperation zwischen Energieberater und Stadtwerk kann nur funktionieren, wenn beide Seiten ihre Interessen gewahrt sehen und nicht gegeneinander arbeiten.“ i www.ifegmbh.de Digitalisierung der Energiewirtschaft Intelligente Zähler und Messsysteme vor dem Start SMART ENERGY | Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb (FNN) im VDE hat die technischen Spezifikationen des künftigen intelligenten Messsystems für die deutschen Stromnetze auf den Weg gebracht. Jetzt ist die Politik am Zuge, um möglichst rasch das Verordnungspaket „Intelligente Netzte“ zu verab - schieden. Dann könnte der geplante Rollout für intelligente Zähler tatsächlich ab 2017 erfolgen. Mit hoher Intensität wurde auf dem Fachkongress „ZMP Zählen – Messen – Prüfen“ in Leipzig, der mit über 800 Fachbesuchern aus dem In- und Ausland am 11. und 12. Mai in der sächsischen Metropole stattfand, das Thema „Einstieg in intelligente Messsysteme“ diskutiert. Nachdem das Bundeswirt- Das künftige intelligente Messsystem. schaftsministerium (BMWi) im Februar 2015 sein Eckpunktepapier zum schon lange erwarteten Verordnungspaket „Intelligente Netze“ veröffentlicht hatte (siehe BWK 4-2015), soll nun möglichst schnell der stufenweise Rollout von intelligenten Zählern und Messsystemen erfolgen. Dabei ist vorgesehen, dass An- BWK Bd. 67 (2015) Nr. 7/8 45

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