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07-08 | 2015

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IT & Management fang

IT & Management fang 2017 der Startschuss fällt und stufenweise intelligente Zähler und Messsysteme eingebaut werden. Bis 2021 sollen alle Netzbereiche erfasst sein. Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (FNN) begrüßt dieses Vorgehen nachdrücklich, wenn auch noch nicht alle Fragen geklärt sind: „Es ist sehr wichtig, dass von politischer Seite aus endlich Verbindlichkeit in das Thema kommt. Die Branche ist seit Jahren in Vorleistung gegangen und hat die technischen Spezifikationen für das neue Messsystem erarbeitet“, erklärt Dr. Stefan Küppers, Vorstandsvorsitzender des FNN und Geschäftsführer Technik der Westnetz GmbH. Deshalb erwartet das FNN, dass als erster Schritt eine entsprechende Kabinettsvorlage zum Verordnungspaket noch vor der parlamentarischen Sommerpause erstellt wird. Immerhin sieht das Expertengremium das intelligente Messsystem als fehlendes „Puzzlestück“ der Energiewende an. Mittlerweile sind rund 1,4 Millionen Erzeugungsanlagen auf der Niederspannungsebene installiert, die sich bisher kaum steuern lassen. Zudem steigt die Fluktuation der Einspeisung weiter, wenn auch langsa- Dr. Stefan Küppers, Vorstandsvorsitzender des FNN und Geschäftsführer Technik der Westnetz GmbH: „Die Flexibilisierung der Einspeisung bietet die größte Chancen für die Systemstabilität“. Peter Zayer, Vorsitzender des Lenkungskreises Zähl- und Messwesen beim FNN und Geschäftsführer der Voltaris GmbH: „Die beim FNN erstellten technischen Spezifikationen zum künftigen Messsystem sind auf der Zielgeraden“. bilisierung der Einspeisung bietet die größte Chancen für die Systemstabilität“, betont Küppers. Deshalb sollte es nun auch keine weiteren Verzögerungen bei der Einführung intelligenter Messsysteme und besonders der Steuerbox geben, anderenfalls wäre der Hauptnutzen beim Erzeugungsma - nagement gefährdet. Der Zählerplatz ist der Ort, an dem alle Komponenten des intelligenten Messsystems beim Kunden installiert sind. Diese Komponenten sind der intelligente Zähler, das Smart-Meter- Gateway sowie die Steuerbox. VDE/ FNN hat 2013 Lastenhefte für den Zähler erarbeitet, die die beiden gängigen Bauformen Stecktechnik und Drei- Punkt-Befestigung berücksichtigen. Die Lastenhefte bilden die Grundlage für interoperable, austauschbare und sichere Zähler. Das Smart-Meter-Gateway ist die Zentraleinheit des Messsystems und sorgt für alle Verbindungen nach innen und außen. Von außen erhalten fest definierte Marktteilnehmer wie Messstellenbetreiber, Stromlieferanten oder Verteilnetzbetreiber Zugriff auf das Gateway. Wer welchen Zugriff hat, ist streng nach den Vorgaben Bild: Voltaris GmbH mer als in den Jahren zwischen 2010 und 2012. Notwendige Speichersysteme, die diese Fluktuation wirkungsvoll abfedern könnten, werden auch noch länger nicht verfügbar sein. „Die Flexides Gesetzgebers sowie den technischen Regeln des Bundesamtes für Sicherheit in der Kommunikationstechnik (BSI) geregelt. VDE/FNN hat Konstruktion und Funktion des Gateways bereits 2014 in Lastenheften definiert. Testanwendungen sind in Vorbereitung. Die Steuerbox ermöglicht ein Last- und Erzeugungsmanagement, aber auch die Tarifschaltung. Zur Steuerbox fehlen bisher die Vorgaben des BSI, das Lastenheft ist beim FNN in Arbeit und soll bis Ende 2015 bzw. Anfang 2016 fertiggestellt sein. Prototypen der Steuerbox wurden in Leipzig präsentiert „Die beim FNN erstellten technischen Spezifikationen zum künftigen Messsystem sind also auf der Zielgeraden“, bestätigt Peter Zayer, Vorsitzender des Lenkungskreises Zähl- und Messwesen beim FNN und Geschäftsführer der Voltaris GmbH. Auf dem ZMP haben Hersteller erstmals intelligente Zähler und Smart-Meter-Gateways nach den FNN-Vorgaben vorgestellt. Die ersten intelligenten Zähler sind eichrechtlich zugelassen und verfügbar. Acht Smart-Meter-Gateways sind aktuell zur Zertifizierung beim BSI angemeldet, Prototypen der Box waren auf der ZMP in Leipzig bereits zu sehen. Nach Fertigstellung der Steuerbox – derzeit bewerten VDE/FNN aktuell in enger Abstimmung mit dem BSI ihre Sicherheitstechnik – sind alle Bausteine für ein intelligentes Messsystem vorhanden. Bereits im zweiten Halbjahr 2015 startet die vom FNN koordinierte Testphase: Über zwei Jahre hinweg erfolgen dabei umfassende Tests mit Geräten unterschiedlicher Hersteller: „Wir starten mit Labortests, danach folgen kleine und danach große Feldversuche“, so Zayer. Der Start zur Testphase erfolgte am 24. Juni 2015 in Berlin, die Ergebnisse sollen in die FNN-Lastenhefte einfließen. Unter Beachtung von Datenschutz und Datensicherheit wird mit dem intelligenten Zähler und Messsystem in Deutschland nicht nur die konsequente Digitalisierung der Energiewirtschaft eingeläutet, sondern auch ein bislang fehlender Baustein der Energiewende realisiert. Damit werden die Energieeffizienzziele erreicht und die Einbindung der vielen dezentralen Erzeugungsanlagen – wie zum Beispiel Photovoltaik- und Windkraftanlagen – sowie von Speichern ermöglicht. i klaus.jopp@wiwitech.de 46 BWK Bd. 67 (2015) Nr. 7/8

IT & Management Ovag Netz reorganisiert Serviceprozesse Lange Wege verlangen nach Optimierung WORKFORCE MANAGEMENT | So groß wie das Saarland ist das Netzgebiet der ovag Netz AG. Deswegen sind lange Wege eher die Regel, wenn sich die ovag-Techniker auf den Weg zum Einsatzort machen. Aber nicht nur zur Optimierung der Einsatzplanung hat ovag Netz ein Mobile-Workforce-Management (MWM)-System eingeführt. Ein wichtiges Ziel war auch, die Auskunftsbereitschaft intern und extern zu verbessern. Das Versorgungsgebiet der ovag Netz AG in Friedberg umfasst rund 2 860 km 2 und erstreckt sich im Wesentlichen über den Vogelsbergkreis, den Wetteraukreis und Teile des Landkreis Gießen. In dieser Region mit rund 450 000 Einwohnern liegen etwa 244 000 Entnahmestellen. Weiterhin sind fünf nachgelagerte Verteilnetzbetreiber, also Stadtwerke, an das Verteilnetz der ovag Netz angeschlossen. Es kommt häufig vor, dass die Techniker bis zu einer Stunde unterwegs sind, bevor sie ihren Einsatzort erreichen. Die Einsatzplanung ist für ovag Netz eine der zentralen Herausforderungen in den Bereichen Bau- und Netztechnik, Instandhaltung sowie im Zähl- und Messwesen. Papierbasierte Informationsflüsse waren wenig transparent Früher wurden die Mitarbeiter von den jeweiligen Meistern zum Einsatzort eingeteilt. Diese waren jeweils dezentral vor Ort verantwortlich. Das Hauptmedium für die Organisation der Einsätze und die Erfassung von Daten war Papier. Entsprechend wenig transparent gestalteten sich die Informationsflüsse. Wichtige Daten, wie etwa Arbeitszeiten oder verbrauchte Materialien, gelangten oft erst mit erheblicher Verzögerung in das zentrale SAP System, weil sie meist erst Tage, manchmal sogar Wochen später im SAP-System erfasst wurden. So verging viel Zeit, bis aussagekräftige Zahlen vorlagen. Die vollständige Integration in SAP mit dem Ziel, einen durchgängigen Datenfluss in alle betroffenen Module wie Lagerhaltung, Finanzbuchhaltung usw. zu gewährleisten, war deswegen eine der zentralen Vorgaben, als es um die Einführung eines MWM-Systems ging. Aber auch die erweiterte Unterstützung des Abwicklungsprozesses für Instandsetzungsleistungen, die Verbesserung der Auftragsplanung, eine übersichtliche Benutzerführung und – besonders wichtig für eine effiziente Einsatzplanung – eine transparente Nachweisführung gehörten zu den Projektzielen. Nach einem intensiven Auswahlprozess fiel die Entscheidung zugunsten der Neo Mobile Suite von Fritz & Macziol. Neben funktionalen Vorteilen war vor allem die Tatsache ausschlaggebend, dass das System vollständig auf der SAP-Plattform aufsetzt und damit für durchgängige Datenflüsse ohne Systembrüche sorgt. Das Umspannwerk auf dem Betriebsgelände „Bei der Warth“ in Bad Nauheim zählt zu den modernsten Anlagen im weitläufigen Versorgungsgebiet der ovag Netz AG. Eine elektronische Plantafel steuert Einsätze der Techniker Mit der Einführung des Systems wurde der komplette Prozess der Einsatzplanung bei ovag Netz neu organisiert. Statt wie bisher dezentral durch die Meister organisiert, sollte diese künftig weitgehend zentralisiert werden. Wegen der Größe des Netzgebiets wurden im Endeffekt jedoch drei an den vorhandenen Netzbezirken ausgerichtete Dispatcher-Bereiche gebildet, in denen die Einsätze der Techniker für Bau und Betrieb jeweils über eine elektronische Plantafel gesteuert werden. Dieses Instrument steht deswegen auch im Zentrum aller Abläufe. So werden die Aufträge in der Regel von den Meistern im SAP-System angelegt und mit allen dazu notwendigen Informationen, wie geplanten Zeiten oder benötigten Materialien, versehen. Diese Materialien können dann auch aus dem vorgelagerten Bauplanungssystem Felix in SAP übernommen und über eine Schnittstelle dort dem Auftrag zugeordnet werden. Die Daten zu den jeweiligen Hausanschlüssen und Zählern fließen elektronisch aus dem Zähl- und Messwesen in SAP IS-U in den Auftrag ein. Anschließend werden die Einsätze mit Hilfe der Plantafel disponiert und die dazugehörigen Daten (per Synchronisation durch den Monteur) auf die mobilen Rechner der Techniker überspielt. Weitergehende Informationen können zum Beispiel über Anhänge (.pdf, .jpg usw.) und Langtext im Auftrag an den Monteur weitergegeben werden. Künftig soll auch die Integration von Geo-Informationen und vor allem von Betriebsmitteln aus dem BIS (Betriebsmittelinformationssystem) umgesetzt werden, die derzeit in einem separaten Projekt vorbereitet wird. BWK Bd. 67 (2015) Nr. 7/8 47

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