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11 | 2015

Special Die

Special Die Energieversorgung Deutschlands Bezeichnung EFH MFH Klassifizierung Randbedingungen WP Anteil am Raumwärmebedarf 2010 [%] maximal möglicher Anteil WP am Gesamtanteil [%] maximal möglicher Anteil Sole-WP am WP-Potenzial [%] bis 1979 1979 bis 1994 1995 bis 2009 ab 2010 1979 1979 bis 1994 1995 bis 2009 47 % 11 % 7 % < 1 % 26 % 6 % 3 % 50 % 80 % 100 % 100 % 30 % 60 % 100 % 50 % 50 % 80 % 80 % 50 % 50 % 80 % Dämmstandard I JAZ-Luft [–] 1,80 2,20 2,80 3,50 1,80 2,10 2,80 JAZ-Sole [–] 2,70 3,20 3,80 4,50 2,80 3,00 3,80 Dämmstandard II JAZ-Luft [–] 2,50 2,80 3,10 3,50 2,40 2,70 3,00 JAZ-Sole [–] 3,20 3,50 4,30 4,70 3,00 3,20 4,30 Tabelle Annahmen für Wärmepumpen (WP) in Wohngebäuden für das Zielszenario 2050. Bild 5 Zusammensetzung der Stromkostenbestandteile. schen Bereitschaft zum Lastmanagement im Bestand sowie der verbesserten Systemeffizienz in Bestands- und Neubauten erwähnenswert. Fazit Zur Erreichung eines nachhaltigen Energiesystems ist eine verstärkte Interaktion der Sektoren Strom und Wärme notwendig. Strombasierte Technologien stellen eine kostengünstige und effiziente Möglichkeit zur CO 2 -Reduktion im Wärmesektor dar. In Hinblick auf den steigenden Strombedarf und dem damit zusammenhängenden zusätzlichen Flächenverbrauch für Wind- und Solarkapazitäten sind die Effizienz im Wärmesektor und Bild 4 Ergebnisse der Variantenrechnung mit zwei Dämm - niveaus. ein Fortschreiten der Gebäudesanierung bedeutende Hebel zur Erfüllung der gesteckten CO 2 -Ziele. Die dezentrale und zentrale Wärmepumpe für Haushalte, Gewerbe, in der Fernwärme sowie in der Industrie ist die Schlüsseltechnologie zur effizienten Erhöhung des EE-Anteils im Wärmesektor. Der Anteil der Wärmepumpen sollte kontinuierlich gesteigert werden. Unmittelbar bestimmt die energetische Sanierung und damit auch die Systemtemperaturen die Effizienz der Wärmepumpe. Weiter spielt auch die Flexibilisierung des Wärmesektors eine bedeutende Rolle; vermehrt sollten flexible bivalente Hybridsysteme wie beispielsweise KWK + PtH eingesetzt werden. Begrenzt verfügbare holzartige Biomasse sollte besonders dort eingesetzt werden, wo Temperaturen nicht weiter reduziert werden können, was in ländlich geprägten Altbauten als auch in der Industrie mit Temperaturen größer 100 °C der Fall ist. Schließlich ist auch eine Transformation der Fernwärmenetze zwingend nötig, denn nur bei geringen Netztemperaturen ist ein Einsatz von Groß-WP und Solarthermie möglich und sinnvoll, sie bleiben aber trotz hohen Kosten eine bedeutende Technologie zur Versorgung von Stadtteilen mit hoher Wärmedichte. Um diese Entwicklungen zu unterstützen, sollten strombasierte Anwendungen von einzelnen staatlich induzierten Stromkostenbestandteilen befreit [4] und die Stromsteuer im Rahmen der euro - päischen Vorgaben der Richtlinie 2003/96/EG reduziert werden. Die Einführung einer verfassungskonform ausgestaltbaren dynamischen EEG-Umlage sowie die Verlagerung der Stromsteuer auf die Energiesteuer für fossile Wärmeerzeuger könnten einen Beitrag dazu leisten, diese Ziele zu erreichen [5]. Die finanzielle und sonstige Förderung der effizienten Wärmetransformationstechnologien sollte intensiviert sowie generell die ungleiche Kostenbelastung zwischen Strom einerseits und Gas und Öl andererseits beseitigt werden. Dies könnte durch eine ebenfalls verfassungskonform ausgestaltbare sektorübergreifende CO 2 -Abgabe als Modifikation einer bestehenden Energiesteuer erreicht werden. Um eine erfolgreiche Wärmewende umsetzen zu können, müssen zeitnah Maßnahmen ergriffen werden, um die Marktdurchdringung von sektorgekoppelten Wärmeanwendungen voranzubringen. In [1] werden anhand einer Roadmap weitere Hemmnisse und mögliche Maßnahmen diskutiert. Literatur [1] IWES/IBP/IFEU/SUER: Abschlussbericht Projekt „Interaktion EE-Strom, Wärme und Verkehr“, 2015. http://publica.fraunhofer.de/dokumente/N-356297.html. [2] Heidrich, T.; Gerhardt, N.; Schumacher, P.: Hemmnisse für die Energiewende im Wärmemarkt. BWK - Das Energie-Fachmagazin 66 (2014), Nr. 7/8, S. 51-55. [3] Birkner, P.; Antoni, O.; Hilpert, J.: Rechtliche Rahmenbedingungen für den Einsatz von Power-to-Heat, Teil 2. EuroHeat&Power (2013), Nr. 12, S. 20-23. [4] IWES: Stellungnahme zum BMWi-Grünbuch – Pro effiziente Sektorkopplung – Wärmepumpen und Elektromobilität, 2015. [5] IWES/SUER/IFAM: Power-to-Heat zur Integration von ansonsten abgeregeltem Strom aus Erneuerbaren Energien, 2014. 16 BWK Bd. 67 (2015) Nr. 11

Die Energieversorgung Deutschlands Special Investitions- und Planungsstrategien für Elektrizitätsverteilnetze am Beispiel der Anreizregulierung Maximierung der Kosteneffizienz bei Gewährleistung der Systemsicherheit Autoren Julian Monscheidt, M.Sc., Jahrgang 1987, Berater für Netzplanung und Energiewirtschaft, Siemens AG, Energy Management Division, Power Technologies International (PTI), Erlangen. Ben Gemsjäger, M.Eng., Jahrgang 1984, Berater für Netzplanung und Energiewirtschaft, Siemens AG, Energy Management Division, Power Technologies International (PTI), Erlangen. Dr.-Ing. Carsten Böse, Jahrgang 1967, Siemens Principal Expert für Netzplanung und Leiter der Planungsabteilung für stationäre Systemstudien, Siemens AG, Energy Management Division, Power Technologies International (PTI), Erlangen. i carsten.boese@siemens.com Dr.-Ing. Marcus Stötzel, Jahrgang 1972, Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Leiter der Forschungsgruppe „Intelligente Netze und Systeme“ am Lehrstuhl für Elektrische Energieversorgungstechnik der Bergischen Universität Wuppertal. Prof. Dr.-Ing. Markus Zdrallek, Jahrgang 1971, Leiter des Lehrstuhls für Elektrische Energieversorgungstechnik der Bergischen Universität Wuppertal. i zdrallek@uni-wuppertal.de STROMNETZE | Die Regulierung der monopolistisch geprägten Netz - infrastruktur bildet aus ordnungspolitischer Sicht ein zentrales Element der elektrischen Energieversorgung, die sich in ihrer Ausgestaltung in Europa aufgrund länderspezifischer Rahmenbedingungen unterschiedlich entwickelt hat. In Deutschland unterliegt das derzeit angewendete Konzept der Anreizregulierung einem Evaluierungs- und Anpassungsprozess. Gerade vor dem Hintergrund der Energiewende und sich damit ändernder energiewirtschaftlicher Rahmenbedingungen sowie des bevorstehenden Investitionsbedarfs in die Netzinfrastruktur müssen die Auswirkungen der Ausgestaltung des Regulierungskonzeptes auf das Investitions- und Planungsverhalten von Verteilnetzbetreibern berücksichtigt werden. Der Beitrag weist darauf hin, dass bei der Anpassung an den zweckmäßigen Evolutionsprozess eines Regulierungssystems wie der deutschen Anreiz - regulierung neben den betriebswirtschaftlichen Handlungsmustern und Rahmenbedingungen einerseits, auch technische Planungs- und Betriebsgrundsätze betrachtet werden sollten. Sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene wird der Ausbau der dezentralen Energieerzeugung durch die Zielsetzungen der Energiepolitik stark vorangetrieben. Der Wandel von einem ehemals zentral und auf Großanlagen ausgelegten zu einem zukünftig hauptsächlich dezentral geprägten Erzeugungssystem führt zu vielfältigen Herausforderungen und zu grundlegend anderen Bedingungen sowie Anforderungen für die Netzinfrastruktur. Dies erfordert eine Umgestaltung der gesamten Energiewirtschaft. Allein in Deutschland werden die bis 2030 BWK Bd. 67 (2015) Nr. 11 17

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