Aufrufe
vor 3 Jahren

11 | 2015

Special Die

Special Die Energieversorgung Deutschlands summierten Kosten für Investitionen (CapEx) und Betriebskosten (OpEx) des durch die Transformation bedingten Netzausbaus in der Verteilernetzebene anfallenden Bedarfes je nach zugrunde liegendem Szenario auf bis zu 30 Mrd. € geschätzt (Bild 1) [1]. Im Hinblick auf ein sich wandelndes Energieversorgungssystem spielt folglich neben den technischen Maßnahmen gleichermaßen die Kostenverteilung und Bild 1 Abschätzung der zukünftigen Entwicklung der Netzausbaukosten auf Verteilnetzebene in Deutschland [1]. „Bundesländer“: Prognose aus den kumulierten Zielen der einzelnen Bundesländer; „NEP“: Abschätzung der Übertragungsnetzbetreiber aus dem Szenario B des Netzentwicklungsplans 2013; „EEG2014“: Politische Ziele der Bundesregierung vom April 2014. somit der ordnungspolitische Standpunkt der Liberalisierung zur Schaffung eines effizienten EU-Strombinnenmarktes eine entscheidende Rolle. Im Zuge der Marktöffnung wurde zur Etablierung eines diskriminierungsfreien Wettbewerbs die Trennung von Unternehmensteilen beziehungsweise die Aufspaltung der vertikal integrierten Unternehmensstruktur als Voraussetzung erkannt. Neben der Entflechtung (Unbundling) der Wertschöpfungsstufen eines Energieversorgungsunternehmens (EVU) wurde darüber hinaus die Regulierung der monopolistisch geprägten Netzinfrastruktur umgesetzt, mit der die Netzentgelte staatlich reguliert werden. Welche direkten Implikationen dieser Aspekt auf die Handlungsweisen der beteiligten Akteure hat, ist Gegenstand umfassender Diskussionen. Es steht jedoch außer Frage, dass die Regulierung sowohl seitens der Netzbetreiber als auch von den Regulierungsbehörden vor dem Hintergrund der notwendigen Maßnahmen und zukünftigen Aufgaben im Rahmen der Systemumgestaltung berücksichtigt werden muss. Die Frage ist, inwieweit die landesspezifischen Ausgestaltungen der Regulierungskonzepte dem europaweiten Investitionsbedarf gerecht werden und wie die Konzepte das Investitions- und Planungsverhalten von Netzeigentümern und -betreibern beeinflussen. Darüber hinaus müssen im Rahmen der Konzeptumsetzung der Einfluss auf die Bereitstellung und Vorhaltung der Infrastruktur sowie den Betrieb des Netzes ebenso wie die Bedingungen für effiziente und innovative Technologien berücksichtigt werden. START: FRÜHJAHR 2016 NEUE PERSPEKTIVEN

Die Energieversorgung Deutschlands Special Bei der Implementierung einer effizienten Regulierung handelt es sich um einen stetigen Prozess, bei dem das Regulierungssystem sukzessiv an die sich ändernden, externen Gegebenheiten angepasst werden muss. Aufgrund des bevorstehenden Investitionsbedarfs werden in vielen europäischen Ländern deshalb die Regulierungssysteme auf ihre Zweckmäßigkeit hinsichtlich des energiewirtschaftlichen Umfelds überprüft und entsprechend angepasst. In Großbritannien resultierte dieser Anpassungs- und Weiterentwicklungsprozess 2013 beispielsweise in der Umsetzung des RIIO-Regulierungsmodells (Revenue = Incentives + Innovation + Outputs), bei dem die Erlösregulierung neben ausreichenden Investitionsanreizen zudem durch Innovationsprogramme und eine ausgeprägte Zielorientierung gekennzeichnet ist. Aktuell wird der Evaluierungsprozess auch in Deutschland durchlaufen. Anfang des Jahres hat die Bundesnetzagentur (BNetzA) einen Evaluierungsbericht veröffentlicht, der die Grundlage für die zukünftige Ausgestaltung des deutschen Regulierungskonzeptes darstellt. Der Evaluierungs- und Anpassungsbedarf des deutschen Regulierungskonzeptes ist durchaus gegeben: So Bild 2 Investitionen und Aufwendungen für die Netzinfrastruktur der Verteilnetzbetreiber im Kontext der Einführung der Anreizregulierung [3]. hat sich die installierte Leistung regenerativer und damit meist dezentraler Energieerzeugungsanlagen seit 2006 von knapp 33 GW auf etwa 85 GW in 2013 um beinahe 260 % erhöht und damit zu einem grundsätzlich divergenten energiewirtschaftlichen Umfeld geführt [2]. Regulierungsbedarf Die Kombination aus natürlichem Monopol und dem Vorliegen irreversibler Kosten bei der leitungsgebundenen Energieversorgung bildet einen so genannten monopolistischen Engpassbereich, der einen staatlichen Eingriff in Form einer Regulierung der Netzentgelte rechtfertigt, da anderweitig ein Markteintritt zu den Monopolbereichen nicht möglich und somit eine wesentliche Voraussetzung für die Etablierung eines Wettbewerbs in der elektrischen Energieversorgung nicht erfüllt ist. Grundsätzlich sollte eine Regulierung alle beteiligten Interessen berücksichtigen. Das bedeutet, dass die Regulierung auch den gesetzten Zielen der Energieversorgung genügen muss. Im Sinne des § 1 EnWG ist das eine sichere, preisgünstige, verbraucherfreundliche, effiziente und umweltverträgliche Versorgung. In der Folge kann eine Begrenzung der Monopolrenditen nicht das einzige Ziel im Rahmen der Regulierung sein. Darüber hinaus muss auch die Wirtschaftlichkeit der regulierten Unternehmen MESSEHAUS OST www.messe-neue-perspektiven.de

Ausgabenübersicht