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11 | 2015

IT & Management

IT & Management Messdienstleister komplettiert Angebot als All-in-One-Anbieter für KMU Antwort auf die bislang offene Finanzierungsfrage SMART METERING | Der Messdienstleister co.met GmbH, Tochter des Stadtwerke-Saarbrücken-Konzerns, rundet sein Leistungsport - folio für den Rollout intelligenter Messsysteme und moderner Zähler systematisch ab und positioniert sich als Partner für kleine und mittelgroße Versorgungsunternehmen (KMU). Die jüngsten Stationen auf diesem Weg markieren die Kooperation mit der Wilken-Gruppe, das mit der Deutschen Leasing AG entwickelte Finanzierungsmodell und die Konzeption einer Beratungsdienstleistung mit dem hauseigenen Beratungshaus Stadtwerke Saarbrücken Consulting GmbH. Clemens Rösler (links) und Sascha Schlosser stellten auf den Metering Days 2015 das gemeinsam entwickelte Finanzierungsmodell für den Rollout intelligenter Messsysteme vor. Bild: ZVEI Die co.met GmbH hostet und betreibt im eigenen Rechenzentrum die Systemplattform Smart Energy Network (SEN). Dabei handelt es sich um eine modulare Komplettlösung, die alle Prozesse des Rollouts und Betriebs intelligenter Messsysteme für alle involvierten Marktteilnehmer regelkonform unterstützt. Zentraler Bestandteil der SEN-Plattform ist das Softwarepaket MyBusiness SmartEnergy von der Next Level Integration GmbH, mit der co.met seit 2009 eine Entwicklungs- und Systempartnerschaft betreibt. Die Plattform harmoniert mit allen marktgängigen Smart Meter Gateways (SMGW). Die Anbindung der SEN-System- und -Applikationsmodule (unter anderem GWA- und EMT- Modul, Zertifikatsmanagement, Work - force- und Rollout-Management, Marktkommunikation, Gerätemanagement) an die ERP-Systeme führender Anbieter ist über standardisierte Schnittstellen realisiert. Dadurch entfallen aufwendige Projekte zur Systemintegration und Datenmigration. Da SEN nach dem Software-as-a-Service- Prinzip funktioniert und multimandantenfähig ist, fallen die Investitionen beim Ausbau der eigenen IT-Infrastruktur und Systemadministration wesentlich geringer aus als bei einer „Stand-alone“- Lösung. In Pilotprojekten erprobt wird das Zusammenspiel der Systeme seit 2014 beispielsweise bei den Stadtwerken Konstanz (Wilken-Anwender), der Sömmerdaer Energieversorgung (SIV), den Stadtwerken Saarbrücken (SAP) und in Kürze auch bei den Stadtwerken Dreieich (Schleupen). Adressaten sind primär kleine und mittelgroße Stadtwerke Schon diese stark verkürzte Charakteristik lässt erkennen: Die co.met GmbH positioniert sich als All-in-one-Dienstleister für den 2017 startenden Rollout intelligenter Messsysteme und adressiert damit primär kleine und mittelgroße Stadtwerke. Die meisten können den mit erheblichen Investitionen verbundenen Eintritt in die Welt des smarten Messwesens allein nicht schultern. Mit ihrem flexibel anpassbaren Komplettangebot sorgt co.met als Partner dafür, dass die Unternehmen die Herausforderungen bewältigen und ihre Grundzuständigkeiten im Messstellenbetrieb behalten können. Bislang offene Flanken im Lösungs- und Leistungsangebot schließen die Saarländer konsequent. So bedeutet beispielsweise die Kooperation mit der Wilken-Gruppe (BWK berichtete) eine entscheidende Vergrößerung der potenziellen Anwenderbasis. Da sowohl Rollout-Kosten als auch Messentgelte vom Gesetzgeber gedeckelt sind, haben Skalierungseffekte für das Erreichen möglichst günstiger Stückkosten große Bedeutung. „Unsere Lösung und unsere Expertise einem erweiterten Anwenderkreis anbieten zu können, bringt beide Partner und vor allem auch unsere Kunden entscheidend weiter“, kommentiert co.met-Marketingleiter Sascha Schlosser die Kooperation. Neues Consulting-Angebot vom Schwesterunternehmen Ein anderes Beispiel zur Komplettierung des Lösungsangebots ist die Stadtwerke Saarbrücken Consulting GmbH. Das unter dem Konzerndach der Stadtwerke Saarbrücken GmbH umstrukturierte Beratungsunternehmen konzipiert und plant unter anderem Systeme zur Energieeinsparung, Energieeffizienzsteigerung und Nutzung erneuerbarer Energien. Im Bereich Smart Metering soll das Schwesterunternehmen der co.met GmbH verstärkt den Beratungsbedarf decken hel- 36 BWK Bd. 67 (2015) Nr. 11

IT & Management Peter Backes: „Einzelfakturierung nicht darstellbar“ Herr Backes, sehen Sie Nachbesserungsbedarf beim Entwurf des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende und beim neuen Messstellenbetriebsgesetz? Eindeutig ja! Neben einer Vielzahl von verbesserungswürdigen Inhalten halte ich einen Punkt für besonders kritisch und sogar geeignet, den gesamten Rollout zu gefährden. Und zwar die Vorgabe, dass Messstellenbetreiber künftig ihre jeweiligen Leistungen an modernen Messeinrichtungen und Messsystemen direkt per Einzelfakturen an die Anschlussnutzer berechnen sollen. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund der vorgegebenen Preisobergrenze faktisch nicht wirtschaftlich darstellbar. An dieser Stelle halte ich eine Anpassung für unabdingbar. Wie kompatibel sind die Gesetzesinhalte und das co.met-Angebot für den Rollout intelligenter Messsysteme? Das Lösungspaket der co.met GmbH beinhaltet sämtliche Funktionselemente für eine effiziente Bewirtschaftung von modernen Messeinrichtungen und Messsystemen im Sinne der geltenden Vorgaben. Unsere Lösung ist dabei grundsätzlich so ausgelegt, dass im Zuge ihrer Anbindung und Nutzung Änderungen an der vorhandenen IT-Systemlandschaft unserer Kunden möglichst vermieden oder zumindest auf ein Minimum beschränkt sind. Vor diesem Hintergrund ermöglicht unser Konzept, dass sämtliche neuen und zusätzlichen Prozesse im Zusammenhang mit dem „intelligenten Messstellenbetrieb“ (iMSB) parallel zum vorhandenen Abrechnungssystem vollständig auf unserer Lösungsplattform abgewickelt werden können. Somit ist das nun im Messstellenbetriebsgesetz gewollte kaufmännische Unbundling dieser neuen Funktionen und Prozesse vom bisherigen Betrieb quasi als Nebeneffekt von vorneherein umgesetzt. Dadurch wird eine seitens der BNetzA ohnehin sehr kritisch gesehene Abgrenzung von Kostenanteilen für iMSB- und MSB-Prozesse sicher vermieden. Herr Backes, vielen Dank für das Gespräch. fen, der durch den Rollout intelligenter Messsysteme in strategischer und technischer Hinsicht bei jedem Energieversorger entsteht. Ein besonders exponiertes Beispiel für Einfallsreichtum und Innovationskraft der Saarbrücker ist das gemeinsam mit der Deutschen Leasing AG entwickelte Finanzierungsmodell für den Rollout intelligenter Messsysteme. Das auf den Metering Days in Fulda vorgestellte Konzept erntete von vielen Seiten Lob und Anerkennung, weil es erstmals eine konkrete Antwort auf die Frage gibt, wie denn die Kosten zu stemmen sind. Clemens Rösler, Partner Manager Sales IT bei der Deutschen Leasing, erläutert: „Wir haben gemeinsam ein Finanzierungsmodell entwickelt, das es allen Messstellenbetreibern ermöglicht, die kommenden Investitionen aus dem Smart-Meter-Rollout ohne eigene Budgets zu schultern.“ Peter Backes, Geschäftsführer der co.met GmbH, warnt vor schwer abschätzbaren zusätzlichen Kosten durch die Nachrüstung alter Zählerschränke. Revolvierendes Leasing-System linearisiert Rollout-Kosten Und so funktioniert es: Die Finanzierung gliedert sich grundsätzlich in zwei aufeinander folgende Phasen, den Vorfinanzierungszeitraum und die Leasing- Laufzeit, deren Abfolge sich im zeitlichen Verlauf ständig wiederholt. Praktisch bedeutet dies: Wenn ein Messstellenbetreiber einen Vertrag mit der Deutschen Leasing abgeschlossen hat, übernimmt der Finanzdienstleister ein Jahr lang alle Kosten, die in diesem Zeitraum anfallen: zum Beispiel für den Kauf von Hard- und Software, für Beratung und Projektmanagement, für Installation und Inbetriebnahme der Messsysteme. Erst nach Ablauf des kostenneutralen Vorfinanzierungszeitraums, wenn der Messstellenbetreiber erste Erlöse mit den installierten Messsystemen erzielt, startet die auf acht Jahre (entspricht der Eichzeit) angelegte Finanzierung. In diesem Zeitraum können die fälligen Raten aus den laufenden Einnahmen bedient werden. Parallel beginnt die zweite kostenneutrale Vorfinanzierungsphase für das darauf folgende Jahr. Wieder übernimmt die Deutsche Leasing alle Investitionskosten, und auch für diese Tranche werden erst nach zwölf Monaten Leasing-Raten fällig. Dieses Prozedere wiederholt sich in den kommenden Jahren. „Durch dieses revolvierende System erreichen wir eine Linearisierung der Rollout-Kosten. Für den Messstellenbetreiber bedeutet dies, dass die Investitionskosten sich gleichmäßig über den gesamten Umstellungszeitraum verteilen“, so Rösler. Ansprechpartner für Interessenten ist co.met. „Jetzt können die Kunden sich auch wegen ihrer Smart-Metering-Finanzierung an uns wenden“, freut sich co.met-Geschäftsführer Thomas Hemmer über das komplettierte Angebot. „Sogar dieses Feld deckt co.met nun ab.“ Zusätzlicher Finanzbedarf durch Zählerschrankumrüstung Mit dem flexiblen Leasing-Modell lassen sich auch Überraschungen finanziell gut verdauen, die bislang schwer abzuschätzen sind, aber gleichwohl mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten werden. Denn für die Umstellung auf intelligente Messsysteme werden vielerorts Zählerschränke nachzurüsten sein, damit die neue Messtechnik überhaupt regelkonform installiert werden kann. Teilweise stammen die vorhandenen Zählerschränke aus den 1950er und 1960er Jahren. In Bezug auf Platzangebot, Ableitung der von den Messgeräten erzeugten Wärme und zeitgemäße technische Ausstattung entsprechen viele Zählerschränke nicht den Anforderungen. Diese technische Nachrüstung muss – anders als beim Erst - einbau – nicht der Immobilienbesitzer bezahlen, sondern die Messstellenbetreiber. „Die zusätzlichen Kosten können zwar über sehr lange Zeiträume abgeschrieben werden“, so co.met-Geschäftsführer Peter Backes, „aber sie müssen am Anfang einmal finanziert werden. Vor dem Hintergrund, dass in vielen Kommunen die Haushaltssituation angespannt ist und hohe, teils schwer kalkulierbare Kosten auf die Messstellenbetreiber zukommen, liegt in der Flexibilität unseres Finanzierungsmodells der ganz spezielle Charme. Denn so wird die Liquidität der Kommunen nicht belastet, die sie für andere Investitionen wie zum Beispiel Infrastrukturprojekte unabdingbar benötigen.“ i www.co-met.info BWK Bd. 67 (2015) Nr. 11 37

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