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11 | 2015

EnergieForum Bild 3

EnergieForum Bild 3 Visualisierung von Temperaturdifferenzen bei Uno- (links) und Duo-Leitungen. Bild 4 Standard - dämmung, einfach verstärkt (Plus) und zweifach verstärkt (Plus 2 ) am Beispiel Uno-Leitung d110 · 10. Maßnahmen verringern Wärmeverluste deutlich Die Wärmeverluste steigen mit sinkender Wärmebedarfsdichte überproportional an. Durch ein optimales Zusammenspiel von intelligenter Netzkonzeption und -planung und Verwendung von hochwertigen Systemkomponenten können deutlich weniger Wärmeverluste gegenüber einem Standardnetz erreicht werden (Bild 5). In Tabelle 2 sind die detaillierten Ergebnisse für drei Netze – ohne und mit Umsetzung der hier erläuterten Effizienzmaßnahmen – zusammengefasst. Bild 5 Wärmeverluste in Abhängigkeit der Wärmebedarfsdichte und Umsetzung von Optimierungsmaßnahmen. hochwertigen und langlebigen Dämmmaterialien vor hohen Wärmeverlusten schützen. Neben dem Material ist hier die Dämmstärke ausschlaggebend. Unter wirtschaftlichen Aspekten spielt die Verwendung einer stärkeren Dämmung eine immer größere Rolle. Bei dieser Maßnahme geht es nicht darum, Material- und Investitionskosten einzusparen, sondern um eine Mehrinvestition in eine einfach oder zweifach verstärkte Dämmung (Bild 4). Nach rund Netz 1 Netz 2 Netz 3 Anzahl der Wärmeabnehmer 39 18 20 Netzlänge m 1 155 810 1 260 Wärmebedarf kWh 1 735 000 810 000 630 000 Wärmebedarfsdichte kWh/(m · a) 1 500 1 000 500 Wärmeverluste Standard 1, 3) – absolut kW 22,8 15,4 23,9 Optimiert 2, 3) – absolut kW 9,6 6,7 10,6 Standard 1, 4) – prozentual % 10,4 14,3 25,0 Optimiert 2, 4) – prozentual % 4,6 6,7 12,8 Verlustminderung durch Optimierung % 58 57 56 1) Standard: VL-/RL-Temperatur 80/60, Spreizung 20 K, keine Gleichzeitigkeit, Uno-Leitungen, Nebenstränge nicht optimiert, Standarddämmung 2) Optimiert: VL-/RL-Temperatur 80/40, Spreizung 40 K, Gleichzeitigkeit berücksichtigt, Duo-Leitungen, Nebenstränge optimiert, zweifach verstärkte Dämmung 3) Angaben gemäß Technischer Information Rehau, Stand März 2014. Für eine konkrete ortsbezogene Planung ist Anhang C der DIN EN 15632 zu beachten. 4) Verhältnis von Wärmeverlust zu Wärmeerzeugung (Wärmeerzeugung = Wärmeverkauf + Wärmeverlust) Tabelle 2 Netzkenndaten und Wärmeverluste im Vergleich. zehn Jahren amortisiert sich diese in vielen Fällen bereits, so dass bei einer Wirtschaftlichkeitsberechnung des Nahwärmenetzes über 20 Jahre die Wärmegestehungskosten und der Wärmepreis trotz der höheren Investition niedriger ausfallen können. Fazit Effizientere Netze ermöglichen einen Netzausbau und das Erreichen der Klimaschutzziele. Nahwärmenetze können kostensparender und wirtschaftlicher betrieben werden, wenn deren Effizienzpotenziale bei der Konzeption, Planung und Umsetzung ausgeschöpft werden. Dabei gilt es, Überdimensionierungen zu vermeiden. Dies gelingt durch Umsetzung der in diesem Beitrag ausgeführten Maßnahmen: Netzrücklauftemperatur absenken, Temperaturspreizung erhöhen, Berücksichtigung der Gleichzeitigkeit, Optimierung der Nebenstränge, Verwendung von Duo-Rohrleitungen und Einsatz verstärkter Dämmung. Unter Berücksichtigung dieser Maßnahmen können Nahwärmenetze auch noch dort wirtschaftlich realisierbar sein, wo dies sonst nicht möglich wäre. Das Ausschöpfen aller Maßnahmen zur Netzeffizienz trägt so zu einem weiteren Neu- und Ausbau von Wärmenetzen bei, wie er von der Bundesregierung zur Erreichung der Klimaschutzziele gefordert und auch gefördert wird. Auch seitens der Bundesländer soll künftig der Auf- und Ausbau von Wärmenetzen noch gezielter gefördert werden. Das Umweltministerium des Landes Baden-Württemberg will dazu noch im Jahr 2015 eine entsprechende Förderrichtlinie veröffentlichen. Bei den Fördervoraussetzungen spielen Maßnahmen zur Steigerung der Netzeffizienz zukünftig eine noch größere Rolle. i Olaf Kruse, Projektleiter kommunale Wärmenetze, Rehau AG + Co, Erlangen; olaf.kruse@rehau.com www.rehau.de/kommunale-waermenetze 46 BWK Bd. 67 (2015) Nr. 11

EnergieForum Bild: Reinhard Marscha / fotolia.com Konstantin Graf zu den Herausforderungen des Kernenergie-Ausstiegs in Deutschland „Weitere Verzögerungen könnten zu einem Stillstand des Kernkraft-Rückbaus führen“ KERNENERGIE | Ganz Deutschland spricht über die Energiewende und die Krise der Energieversorger, doch wie steht es um den Atomausstieg, der ja schließlich Teil der Energiewende ist? Was passiert mit den deutschen Atomkraftwerken, die im Rahmen der Energiewende bis 2022 ab - geschaltet werden? Wie ist hierzulande der Stand beim Thema Rückbau? Nicht zuletzt stellt sich die Frage, wie hoch die Kosten ausfallen werden? Dazu eine Einschätzung von Konstantin Graf, Senior Consultant im Bereich Energy & Industry bei der Innovations- und Technologieberatung Altran. Herr Graf, der Ausstieg aus der Atomkraft und vor allem die damit verbundenen Rückbaukosten sorgten in den letzten Monaten für rege Resonanz in den deutschen Medien. Im Zentrum der Debatte steht nach wie vor die Frage, ob die Rückstellungen der Betreiber in Höhe von 36 Mrd. € für einen kompletten Rückbau überhaupt ausreichen. Wie schätzen Sie die Situation ein? Im Rahmen der Energiewende spielt natürlich nicht allein der Rückbau von Kernkraftwerken bis 2022 eine große Rolle, sondern auch der Aufbau von regenerativen Erzeugungskapazitäten – auch hier sind entsprechend hohe Kosten zu erwarten. Die Rückstellungen für den vollständigen Rückbau aller Anlagen stellen zudem nur einen Kostenaspekt dar. Da der Rückbau eines einzelnen Kraftwerkblocks ab 500 Mio. € aufwärts kostet, • Komplettanlagen und Engineering • Mobile Energiezentralen • Mietkessel • Kraft-Wärme-Kopplung • 24h-Rundum-Service • Fachhandel www.dampfkessel.com HAG-1010-15 AZ_Image_50x60_R2.indd 1 23.09.15 12:11 BWK Bd. 67 (2015) Nr. 11 47

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