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11 | 2015

Organgesellschaft

Organgesellschaft Aktualisierte Indikatoren bis erstes Halbjahr 2015 Erlösmöglichkeiten für Flexibilität am Strommarkt STROMMARKT | Eine Flexibilisierung von Angebot und Nachfrage auf dem Strommarkt liefert die Voraussetzung, um die tendenziell zunehmende Volatilität der Residuallast systemtechnisch zu beherrschen und konventionelle Kraftwerke unter den gegebenen Rahmenbedingungen – insbesondere der Förderung erneuerbarer Energien – möglichst effizient und kostengünstig zum Einsatz zu bringen. Vor diesem Hintergrund hat die Forschungsstelle für Energiewirtschaft mbH (FfE) in Zusammenarbeit mit der Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) im Rahmen des Projektes „Effiziente Energiesysteme“ historische Strommarktdaten ausgewertet und die zukünftige Entwicklung simuliert. Zeitliche Entwicklung des Flexibilitätsindex. Im Rahmen der Studie „Entwicklung der Erlösmöglichkeiten für Flexibilität auf dem Strommarkt“ [1] wurde 2014 in Zusammenarbeit mit der dena ein Index zur Beschreibung der Erlösmöglichkeiten für Flexibilität erarbeitet. Dieser umfasst zwölf auf Marktdaten basierende Indikatoren zur Beschreibung von Flexibilität an den Spotmärkten. Dabei werden die folgenden vier Aspekte von Flexibilität unterschieden: > Flexibilität zum Ausgleich von Preisunterschieden, > Flexibilität zur preisabhängigen Leistungsbereitstellung, > Flexibilität zur Bereitstellung von Leistungsgradienten, > Flexibilität zur kurzfristigen Bereitstellung von Leistung. Für diese vier verschiedenen Aspekte kann jeweils ein Maß für Angebot, Bedarf und Erlöspotenzial berechnet werden, und es ergeben sich somit zwölf Einzelindikatoren. Vier dieser Indikatoren werden ausgewählt und zu einem Index kombiniert, der die Erlösmöglichkeiten zusammenfassend abbildet. Die Indikatoren werden jeweils für den Zeitraum eines Halbjahres berechnet. Bei der Erstellung der Studie waren die zu Grunde liegenden Daten bis einschließlich des ersten Halbjahrs 2014 verfügbar. Es liegen inzwischen die Daten eines weiteren Jahres vor, die zur Berechnung der Kennzahlen genutzt werden können. Deshalb werden diese im Folgenden um das zweite Halbjahr 2014 (II/14) und das erste Halbjahr 2015 (I/15) ergänzt dargestellt. Der kombinierte Flexibilitätsindex, der die Aspekte des Erlösanreizes und des Bedarfs auf den Märkten Day-Ahead und Intraday zusammenfasst, ist im Bild dargestellt. In der bisherigen Auswertung bis zum ersten Halbjahr 2014 konnte ein starker Einbruch im letzten betrachteten Halbjahr festgestellt werden. Die erweiterte Auswertung zeigt, dass der kombinierte Index zwar wieder leicht angestiegen ist, aber auch weiterhin auf vergleichsweise niedrigem Niveau verbleibt. Das derzeitige Marktumfeld honoriert demnach Flexibilität seit etwa eineinhalb Jahren deutlich weniger als in der Vergangenheit. Die weitergeführte Entwicklung der einzelnen Indikatoren zur Bewertung der verschiedenen Aspekte von Flexibilität ist in einer Kurzveröffentlichung auf der Internetseite der FfE [2] dargestellt. Hinsichtlich des Ausgleichs von hohen und niedrigen Preisen bleiben alle Indikatoren in den beiden zusätzlich betrachteten Halbjahren etwa auf dem Niveau des ersten Halbjahres 2014. Auch der Erlösanreiz für preisabhängige flexible Leistung (Nutzen von hohen besonders hohen oder negativen Preisen) ist seitdem konstant niedrig. Das Angebot an Flexibilität steigt hingegen gemäß dem Trend der Vorjahre weiterhin an. Ebenso nimmt das Angebot an flexibler Leistung bei hohen Residuallast-Gradienten weiter zu. Allerdings kann immer noch kein eindeutiger Erlösanreiz für die Bereitstellung von Leistung bei hohen Residuallast-Gradienten festgestellt werden, weshalb dieser Aspekt auch weiterhin nicht im kombinierten Flexibilitätsindex berücksichtigt wird. Die mittlere Differenz zwischen Intraday- und Day-Ahead-Preis, die als Indikator für die Erlösmöglichkeiten durch kurzfristige Flexibilität herangezogen wird, ist in den letzten drei Halbjahren deutlich niedriger als im vorangehenden Zeitraum. Dass für die kurzfristige Leistungsbereitstellung im Intraday-Markt im Mittel kein wesentlicher Preisaufschlag durchgesetzt wird, konnte in einer weiterführenden Untersuchung [3] gezeigt werden. Eine verbesserte Prognose der Einspeisung der erneuerbaren Energien und eine erhöhte Liquidität im Intraday-Markt, zum Beispiel durch die Einführung der Intraday-Auktion [4], können mögliche Gründe für die geringeren Preisdifferenzen zwischen Day-Ahead- und Intraday-Markt sein. 52 BWK Bd. 67 (2015) Nr. 11

Organgesellschaft Kontakt Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) Am Blütenanger 71 80995 München info@ffe.de www.ffe.de Statusreport 2015 Regenerative Energien in Deutschland Insgesamt bestätigt die aktualisierte Auswertung zu den Erlösmöglichkeiten für Flexibilität am Strommarkt, dass der festgestellte Rückgang des Flexibilitätsindex im ersten Halbjahr 2014 kein Ausreißer nach unten ist, sondern auch in den folgenden beiden Halbjahren bestätigt wird. Dies zeigt, dass die Erlösmöglichkeiten für Flexibilität im Strommarkt seit etwa eineinhalb Jahren deutlich niedriger sind als in den drei Jahren zuvor. Die Annahmen und Auswertungen, die die Grundlage der hier veröffentlichten Indikatoren darstellen, können der Studie „Entwicklung der Erlösmöglichkeiten für Flexibilität auf dem Strommarkt“ [1] entnommen werden. i Literatur Michael Hinterstocker, Benedikt Eberl, Dr. Serafin von Roon, Forschungsstelle für Energiewirtschaft mbH, München SRoon@ffe.de [1] von Roon, S.; Hinterstocker, M.; Eberl, B.: Entwicklung der Erlösmöglichkeiten für Flexibilität auf dem Strommarkt. München: Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft mbH, 2014. www. ffegmbh.de/kompetenzen/system-marktanalysen/553-ffe-dena-flexmarktstudie. [2] Hinterstocker, M.: Erlösmöglichkeiten für Flexibilität am Strommarkt – Aktualisierte Indikatoren bis erstes Halbjahr 2015. München: Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft mbH, 2015, www.ffegmbh.de/aktuelles/veroeffentlichungenund-fachvortraege/578-flexmarktstudieaktualisierung-2015. [3] von Roon, S.; Eberl, B.; Hinterstocker, M.: Limitierte Gebote im Day-Ahead Handel als Maß für Liquidität und Preisaufschlag im Intraday-Markt. In: 9. Internationale Energiewirtschaftstagung (IEWT) 11.-13. Februar 2015 in Wien. München: Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft mbH, 2015. [4] 100 Tage Intraday-Auktion an der Epex Spot. München: Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft mbH, 2015, https://ffegmbh.de/presse/ pressemitteilungen/543-100-tage-intradayauktion-an-der-epex-spot. ERNEUERBARE ENERGIEN | Im Rahmen einer zukunftsfähigen Energieversorgung kommt den erneuerbaren Energien zwingend eine Schlüsselposition zu. Ihr Anteil im Wärmemarkt, bei der Stromerzeugung und im Verkehrsbereich wird steigen müssen, wenn die von der EU-Kommission und der Bundesregierung formulierten energie-, umwelt- und klimapolitischen Ziele – und damit die vielzitierte „Energiewende“ – erfolgreich erreicht werden sollen. Der neue Statusreport „Regenerative Energien in Deutschland“ der VDI-Gesellschaft Energie und Umwelt zeigt den aktuellen Stand der Technik und die sich abzeichnenden Tendenzen sowie die deutlich werdenden Herausforderungen auf. Die Nutzung regenerativer Energien hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Die Strombereitstellung aus erneuerbaren Energien lag 2014 bei etwa 160,6 TWh, das entspricht etwa 27,8 % des Bruttostromverbrauchs. Dabei trägt die Windenergie mit 56 TWh (34,8 %) bei, die Biomasse mit 31 %, Photovoltaik und Wasserkraft mit jeweils 22 %. Die Wärmebereitstellung lag bei 471 PJ, dies entspricht 9,9 % bezogen auf den Endenergieverbrauch (ohne Verkehr) an Brennstoffen. Dieser Beitrag wird nach wie vor überwiegend durch biogene Festbrennstoffe (87 %) abgedeckt, gefolgt von Wärmepumpen (34,6 PJ) und Solarthermie (25 PJ). Bild: Siemens AG Biogene Kraftstoffe haben einen Anteil von 5,5 % am Kraftstoffverbrauch. Die ambitionierten Ziele der Energiewende, die jüngst von der Bundesregierung bestätigt und fortgeschrieben wurden, sind unter anderem: > Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch auf 35 % bis 2020, auf 50 % bis 2030, auf 65 % bis 2040 und auf 80 % bis 2050. Wichtigste Grundlage dafür ist die seit Januar 2012 geltende Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). > Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien auf 14 % bis 2020 an der Wärmebereitstellung. BWK Bd. 67 (2015) Nr. 11 53

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