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4 | 2014

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Stromnetze industrielle

Stromnetze industrielle Prozesse mechanisch verkoppelt und gesteuert. Heute geschieht das über autonome Anlagen auf elektrischer Ebene, die sich aber –wie schon beschrieben –über die Netze gegenseitig beeinflussen können. Solche Wechselwirkungen sind besonders ärgerlich, da dies bei der Planung industrieller Stromversorgungen berücksichtigt werden könnte. Im Gegensatz zu den privaten Investoren im öffentlichen Netz kennt man das industrielle Netz im Detail und hat die Planungsprozesse fest in der Hand. Bestsellerautor Marc Elsberg schreibt in seinem Roman „Blackout. Morgen ist es zu spät“ über einen großflächigen und langen Blackout. Welche Ausmaße könnten Blackouts inDeutschland realistischer Weise haben in Bezug auf räumliche Ausdehnung und Dauer? Das größte Gefährdungspotenzial für Netze sind weder Terrorismus noch Naturkatastrophen, sondern Netzdynamiken. Je nachAusprägung dieser Dynamiken sind unterschiedliche Szenarien vorstellbar. Eins der wesentlichen Kriterien liegt in der Ausprägung der Leitsysteme und der Darstellung und Abbildung der Netze. Kriterien zur Beobachtbarkeit und Steuerbarkeit der Netze sollten hier maßgeblich auch für den gestörten Fall ausgelegt sein. Es muss dabei unbedingt darauf geachtet werden, dass Teilsysteme abbildbar und führbar sind, dass Inseln erkennbar und steuerbar sind. Wenn man berücksichtigt, dass eine Vielzahl von Erzeugungsanlagen heute nicht mehr im Höchstspannungsbereich angesiedelt ist, sondern sich imMittelund Niederspannungsnetz befindet, muss man sowohl in der Netzführung als auch inder Netzplanung darauf reagieren. An Spekulationen über Ausdehnung und Dauer von Blackouts will ich mich nicht beteiligen. Vielleicht dazu so viel: Wir haben im Netz eine sehr große Anzahl autonomer Zustandsautomaten integriert, die bei einem Blackout in einen bestimmten Zustand übergehen.Die Beherrschung dieser Schutzgeräte, Messund Regeltechnik sowie Automaten im Störfall wird die Zeitdauer der Blackout- Behebung beeinflussen. Ein wesentlicher Faktor wird aber auch die Disziplin der Bevölkerung sein. Was empfehlen Sie Netzbetreibern als Maßnahmen zur Blackout-Prävention? Was muss man zukünftig anders machen? Netzbetreiber müssen sich darüber im Klaren sein, dass mit dem Umbau der Netze weitergehende Anforderungen entstehen. So konnte in der Vergangenheit dasNetznachrecht einfachenstatischen Kriterien geplant und betrieben werden. Das ist heute so nicht mehr möglich, hier sind Bewertungen der Netzdynamiken zu berücksichtigen. Glücklicherweise sind in einem Netz nicht immer alle Netzknoten betroffen, sondern zunächst nur wenige. Hier können Netzbetreiber lernen und Erfahrungen sammeln, wie man unter den jeweiligen Standortbedingungen mit Dynamiken umgeht. Aber auch die Lasten sind nicht zu vernachlässigen. Schon heute beeinflussen an einzelnen Standorten Rück- und Wechselwirkungen industrieller Anlagen Netze derart, dass durchaus auch Stabilitätskriterien betroffen sind. Die Entwicklung ist problematisch, da der Netzbetreiber hier bislang wenig oder keine Handhabe hat. Das muss sich ändern. Netzbetreiber müssen aber auch erkennen, dass diese Themen in ihrer Organisation abgebildet werden müssen. Das Personal muss geschult sein. Hier wartet ein stattliches Pensum an Hausaufgaben auf die Netzbetreiber. „Mit Hochdruck neue Grid-Codes etablieren“ Welche Empfehlungen haben Sie an die Große Koalition, um die Energiewende wieder auf Kurs zubringen? Viele der hier angesprochenen Probleme sind seit langem bekannt. Unter Führung der Entso-E sind neue europäische Grid-Codes entstanden, die genau diese Fragen adressieren. Der Politik sei empfohlen, mit Hochdruck dafür zu sorgen, dass diese Codes das europäische Parlament passieren und so schnell wie möglich inDeutschland in nationale Regeln gegossen werden. Diese neuen Spielregeln würden einen geeigneten Rahmen geben. Glücklicherweise wurde im neuen EEG-Entwurf die zunächst gestrichene Systemdienstleistungs-Verordnung Wind nach deutlichen Hinweisen aus der Fachwelt wieder aufgenommen. Photovoltaik und andere Techniken lehnen sich daran an, bedürfen aber einer eigenen Regelung. Das Hin und Her indieser Sache zeigt exemplarisch, dass in der Politik vielfach Fachwissen fehlt und der Einfluss von Lobbyisten groß ist. Die Koordinierung und Steuerung der Netze auf dezentraler Ebene stellt die Netzbetreiber vor neue Herausforderungen. Die Politik muss verstehen, dass in der Dezentralität eine große Chance liegt. Die Verantwortlichen sollten aber auch erkennen, dass die Energiewende nicht überall stattfindet, sondern maßgeblich inder Fläche und nicht in urban hochverdichteten Strukturen. Ganz wesentlich für den Erfolg der Energiewende werden der Aspekt des Energiesparens und die intelligente Kombination von Anlagen, Speichern und Nutzungsverhalten sein. Bisher hat die Politik Maßnahmen gefördert, die neue Anlagen (Wind, Photovoltaik usw.) in alte Strukturen integrieren lässt, ohne dabei selber inder Lage zu sein, neue Strukturen zu bedienen oder zu unterstützen. Jetzt müssen die neuen Strukturen sukzessive wie eine Evolution entwickelt werden und eine neue Generation von Erzeugungsanlagen auch netzbildend ausgeprägt sein. Bei der Novellierung des EEG sollte stets berücksichtigt werden, dass technische Infrastrukturen andere Lebensund Nutzungsdauern haben als Legislaturperioden. Bei allen Notwendigkeiten zurAnpassung muss betrachtet werden, dass ein solider Rahmen zur Entwicklung der Netze bleibt. Die Konzentration auf Vergütungsstrukturen wäre zu kurz gedacht. Wenn man die Ideen des Netzes als Sozialsystem, also als Enabler für Dienstleistungen, auffassen würde, käme man zu klar strukturierten Vorgehensweisen, die technologisch, wirtschaftlich und regulatorisch stringent wären – also nachhaltig zielorientiert Strukturen fördern würden. „Wir stehen an einem Scheidepunkt“ Wie fällt Ihr Fazit zur aktuellen Situation aus? Wir stehen vor einem Systemwandel fundamentaler Art und gegenwärtig an einem Scheidepunkt. Wir haben einen Weg eingeschlagen, der richtig ist. Wir müssen aber differenziert mit der Situation umgehen und die regionalen Bedingungen und Standortanforderungen und -möglichkeiten nutzen. Deutschland ist nach wie vor ein Industrieland und benötigt gesicherte Versorgungsstrukturen, zudenen selbstverständlich auch konventionelle Kraftwerke gehören. Nun aber müssen wir im Netz die nötigen Konsequenzen ziehen. Dabei ist die Einführung und Umsetzung des neue Entso-E-Grid-Code von fundamentaler Bedeutung. Für die Energiewende im Netz benötigen auf jeden Fall wir eine Menge an Investitionen und vor allen Dingen Innovationen. Herr Dr. Fette, vielen Dank für das Gespräch. 10 BWK Bd. 66 (2014) Nr. 4

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