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4 | 2014

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Organgesellschaften

Organgesellschaften Lernende Energieeffizienz-Netzwerke Ein Erfolgsmodell breitet sich aus ENERGIEEFFIZIENZ | In der Industrie besteht ein erhebliches Potenzial zur Steigerung der Energieeffizienz. Daher entscheiden sich immer mehr Unternehmen und Betriebe dafür, an so genannten Lernenden Energieeffizienz-Netzwerken, kurz LEEN, teilzunehmen. Diese haben das Ziel, gemeinsam mit anderen Unternehmen den Energieverbrauch, die Energiekosten und gleichzeitig die CO 2 -Emissionen nachhaltig zureduzieren. te Laufzeit des jeweiligen Netzwerks tragen die teilnehmenden Betriebe überdurchschnittlich viel zur Energiekostensenkung und zur CO 2 -Minderung bei. Damit erreichen sie im Mittel eine mehr als doppelt so hohe Steigerung ihrer Energieeffizienz gegenüber dem Durchschnitt der Industrie (Tabelle). Das Projekt wurde seit Ende 2008 vom BMU im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert und durch das Fraunhofer ISI wissenschaftlich begleitet. Die Durchführung erfolgt hierbei nach dem so genannten LEEN-Managementsystem, das unter anderem durch das Fraunhofer ISI entwickeltet wurde Auswertung der Initialberatungsberichte aus den 30 Pilotnetzwerken in Deutschland* Ausgewertete Initialberatungsberichte Anzahl 323 Monetär bewertete Maßnahmen Anzahl 5 650 • davon wirtschaftlich (rentabel: > 12 % interne Verzinsung) Anzahl 3150 • Ø interne Verzinsung der wirtschaftlichen Maßnahmen (i > 12 %) % 31 • Ø statische Amortisationszeit der wirtschaftlichen Maßnahmen Jahre 3,2 • Ø Energieeinsparung pro Betrieb bei Realisierung aller rentablen Maßnahmen (i > 12 %) • Ø CO 2 -Minderung pro Betrieb bei Realisierung aller rentablen Maßnahmen MWh/a 2 780 t/a 960 • Ø Gesamtinvestition für rentable Maßnahmen pro Betrieb € 579 000 • Ø vermeidbare jährliche Energiekosten pro Betrieb (durch rentable Maßnahmen) *Stand: Auswertung von 29 der 30 Netzwerke €/a 179 000 Bild 1 Energieverbrauchsentwicklung des Netzwerks München Oberbayern. Auf der Abschlusskonferenz des Projekts „30 Pilot-Netzwerke“ hat Prof. Dr. Harald Bradke vom Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) am 19. Februar 2014 die in den vergangenen Jahren erzielten Ergebnisse eines Projektes vorgestellt, das in Deutschland bis dahin einzigartig war.Andem Projekt nahmen rund 360 Unternehmen in insgesamt 30 Lernenden Energieeffizienz-Netzwerken teil, um gemeinsam am effizienteren Einsatz von Energie innerhalb der Betriebe zu arbeiten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Mit durchschnittlich 10 %Energieeinsparung über die gesamund bestimmte Qualitätsstandards für die Umsetzung eines Netzwerkes garantiert. Ein weiterer Vorteil dieser Standards ist die Anerkennung hinsichtlich vieler gesetzlicher Anforderungen, wie zum Beispiel die Einführung der ISO 50001 oder Forderungen für den Erhalt des Spitzenausgleichs. Die Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft (FfE) begleitete im Rahmen des geförderten Projektes insgesamt drei Lernende Energieeffizienz-Netzwerke. In allen Netzwerken war die FfE für die energietechnische Beratung zuständig, in einzelnen Netzwerken wurden auch die Funktionen des Netzwerkträgers und des Moderators übernommen. Tabelle Auswertung der Initialberatungsberichte aus den 30 Pilotnetzwerken in Deutschland. 20 BWK Bd. 66 (2014) Nr. 4

Organgesellschaften Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) Am Blütenanger 71, 80995 München info@ffe.de, www.ffe.de Neben den derzeit noch erfolgreich laufenden Netzwerken „LEEN Chiemgau-Rupertiwinkel“ und „LEEN Südbayern“, konnte das Netzwerk „LEEN München-Oberbayern“ bereits mit einer erheblichen Effizienzsteigerung abgeschlossen werden (Bild 1). Der Erfolg überzeugte viele Unternehmen sosehr, dass bereits eine Fortführung über die eigentliche Projektlaufzeit hinaus über weitere drei Jahre gestartet wurde. Der Weg zuEnergieeffizienzsteigerungen Die notwendige Recherche für Energieeffizienzmaßnahmen erfordert inder Regel enorm hohe Such- und Entscheidungskosten, insbesondere für individuelle Lösungen in produzierenden Betrieben. Oftmals liegen innerhalb eines Unternehmens die Prioritäten auf den Produktionsprozessen, oder es fehlt schlichtweg die Zeit, um Maßnahmen zu identifizieren und erfolgreich umzusetzen. Genau hier setzen die Lernenden Energieeffizienz-Netzwerke an und vereinfachen den Wegzur Energieeffizienzsteigerung. Der Prozess beginnt mit einer Initialberatung, die in allen teilnehmenden Betrieben durchgeführt wird. Dabei wird der energetische Ist-Zustand jedes Betriebes erfasst. Darauf aufbauend werden gemeinsam mit den jeweiligen Energieverantwortlichen Maßnahmen zur Effizienzsteigerung und Energieeinsparung identifiziert und bewertet. Parallel dazu beginnen bereits regelmäßige Bild 2 Moderierter Erfahrungsaustausch im Rahmen eines Netzwerktreffens. Netzwerktreffen, die so genannten Energieeffizienztische. Dazu treffen sich alle am Netzwerk teilnehmenden Betriebe etwa alle drei Monate abwechselnd bei einem der Unternehmen des Netzwerks (Bild 2). Besonderes Merkmal der regelmäßigen Treffen ist der professionell moderierte Erfahrungsaustausch mit den anderen Unternehmen einschließlich eines Rundgangs imBetrieb des einladenden Unternehmens. Die Energieeffizienztische führen letztendlich dazu, dass die Energieverantwortlichen bei der Umsetzung der Maßnahmen voneinander lernen. Da der technische Schwerpunkt auf den Querschnittstechnologien (wie zum Beispiel Druckluft, Beleuchtung, Lüftung usw.) liegt, stehen die Energieverantwortlichen aller Unternehmen vor nahezu den gleichen Fragestellungen. Fehlschläge können –ebenso wie Erfolge – lehrreich für die anderen Teilnehmer sein. Darüber hinaus tragen externe Experten zujeweils einem zuvor von den Unternehmen festgelegten Schwerpunktthema bei den Energieeffizienztischen vor. Über eine Projektlaufzeit von etwa drei Jahren haben so die Betriebe die Möglichkeit, enorm hohe Energieeinsparungen zu erzielen, die in dieser Zeit ohne Netzwerkteilnahme nicht realisierbar wären. Die Zukunft des Projekts Die Verantwortlichen des Projekts sind überzeugt,dass bis zum Jahr 2020 bis zu 400 Lernende Energieeffizienz-Netzwerke nachdem LEEN-StandardinDeutschland entstehen können –bei veränderten energiepolitischen Rahmenbedingungen noch einige mehr. So begleitet die FfE außerhalb der 30Pilotnetzwerke derzeit bereits zwei weitere Netzwerke. Auch im Nachbarland Österreich konnte das erste Netzwerk in Zusammenarbeit mit der Vorarlberger Kraftwerke AGerfolgreich gegründet werden. Zwei weitere österreichische Netzwerke sind derzeit mit Unterstützung der FfE im Aufbau. Der Netzwerkgedanke verbreitet sich auch immer weiter international. So sind etwa in China und Japan weitere Netzwerke nach dem LEEN-Standard im Aufbau. Doch nicht nur eine geographische Ausbreitung dieserIdee istderzeitzubeobachten. Vergleichbare Netzwerk-Konzepte werden mittlerweile auch inersten Pilotprojekten für kleine und mittlere Unternehmen (KMUs mit Energiekosten von bis zu 500 000 €) erfolgreich getestet. Aktuell befinden sich fünf solcher so genannten Mari:e-Netzwerke (Mari:e steht für „Mach's richtig: energieeffizient“) deutschlandweit in der Startphase. Außerdem weitet sich der Netzwerk- Gedanke von Unternehmen hin auf ganze Kommunen bzw. Gemeinden aus. In einem so genannten LEEN-Kommunal arbeiten Städte, Gemeinden oder Kommunen mit maximal 2Mio. € Energiekosten gemeinsam an der Umsetzung von Effizienzmaßnahmen. Da die FfE derzeit sowohl klassische LEEN-Netzwerke begleitet, als auch eine Vielzahl an regionalen Energiekonzepten für Städte, Gemeinden und Kommunen erstellt, ist bereits für die nahe Zukunft die Initiierung von Kommunal- Netzwerken geplant. Informationen zuInhalten und Abläufen finden sie unter http://ffegmbh.de/ kompetenzen/energieeffizienz-betriebe/239- energieeffizienz-netzwerke. Weiterführende Auskünfte erteilen zudem Michael Kolb undAnna Gruber. i mkolb@ffe.de; agruber@ffe.de BWK Bd. 66 (2014) Nr. 4 21

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