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4 | 2014

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Energiewirtschaft

Energiewirtschaft Rohölpreis (Europe Brent) [USD/bbl] 140 130 120 110 100 90 80 70 60 50 40 30 20 10 0 1973 1976 1979 1982 1985 1988 1991 1994 1997 2000 2003 2006 2009 2012 gleitete Systemwechsel inwichtigen ölfördernden Ländern und angrenzenden Regionen mit dem besonderen Schwerpunkt im arabischen und afrikanischen Raum führten auch 2013 zu Irritationen auf den Weltmärkten für Energie. Invielen arabischen Ländern bestanden politische Unruhen, Bürgerkriegszustände und/oder vollzogen sich Systemwechsel mit teilweise chaotischen Zuständen, die dann Störungen oder Boykotte bei der Öl- und Gasförderung nach sich zogen. Betroffen von Konflikten waren und sind unter anderem Syrien, der Sudan, der Irak, Nigeria, Ägypten, Libyen und der Iran. Als neue Krisenregion kam Venezuela hinzu. Weitere Spannungsgebiete kristallisieren sich imSüden der Russischen Föderation bei ehemaligen Satellitenstaaten heraus, die eine höhere wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit von Russland anstreben. Durch die flexibel gehandhabte Förderung wichtiger Ölförderländer der Opec unter Führung Saudi Arabiens und der Emirate sowie der hohen Ölförderung im wichtigen Nachfrageland USA ergab sich insgesamt dennoch eine entspannte Versorgungssituation, und es entstanden keinerlei Lieferengpässe. Im Dezember 2013 beschloss die Opec die Beibehaltung ihrer Förderquoten mit dem Hinweis auf einen entspannten Ölmarkt, bei dem Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht sind.Der weltweit größte Ölproduzent Russland steigerte als Folge der hohen Brent-Preise und der Nachfrage aus China seine Produktion um +1,4 %. Aufgrund der Diversifizierung der deutschen Ölimporte aus 32 Ländern mit den weiter bestehenden Hauptlieferanten Russland, Norwegen und Großbritannien war die Situation für Deutschland bei der Versorgungssicherheit weitgehend entspannt. Aus Ländern mit instabilen Zuständen stammten 2013 immerhin 21% der Rohöleinfuhren. 700 650 600 550 500 450 400 350 300 250 200 150 100 50 Die Preisentwicklungen beim Rohöl wurden durch die kritischen politischen Spannungssituationen, aufgetretene instabile Verhältnisse und regionale Einflüsse geprägt. Für den amerikanischen Markt lag das Ölpreisniveau deutlich unter dem für Europa maßgeblichen Preis bei der Rohölsorte UK Brent, der Abstand betrug bis zu16US-$/bbl. Beim europäisch relevanten Rohölpreis wurde der bisherige Spitzenwert vom Juli des Jahres 2008 jedoch nicht erreicht. Der Durchschnittspreis für das Barrel Rohöl UK Brent lag im Januar 2013 bei 113 US-$, erreichte im März seinen Jahreshöchststand mit 116 US-$, verharrte zwischen April und Juni bei 102 US-$ und pendelte sich bis Dezember 2013 zwischen 108 und 111 US-$ ein. Die Preisentwicklung basierte auf der Haushaltskrise in den USA, der Verlangsamung des Wachstums in China, der Zuspitzung des Syrienkonflikts, der Entspannung im Iran-Streit um die Nutzung der Kernenergie und die Ablösung der Vorherrschaft der Muslimbruderschaft inÄgypten. Bild 2 zeigt die Entwicklung des monatlichen Rohölpreises UK Brent und die entsprechenden Werte für die deutschen Rohölgrenzübergangswerte, die sich anden Verlauf des Rohölpreises anlehnen und auf das Jahr bezogen unter den Höchst- und Durchschnittswerten von 2012 lagen.Dabei resultiert ein wesentlicher Teil des Preisrückgangs beim Grenzübergangswert auf dem günstigen stabilen Wechselkurs des Euro gegenüber dem Dollar, dadie weltweiten Ölgeschäfte auf Dollarbasis abgeschlossen werden. Ausgehend von der Leitfunktion des Rohölpreises blieben auch die Grenzübergangswerte für Erdgas 2013 unter dem Niveau des Vorjahres, und systembedingt fielen auch die monatlichen Schwankungen geringer aus. Der Steinkohlenpreis auf dem Weltmarkt ging trotz steigender Nachfrage (zum Beispiel 0 Grenzübergangswert [Euro/t] Bild 2 Rohölpreise seit 1973. einer 10 %-igen Importsteigerung allein in China) durch ein zu hohes Angebot weiter zurück und erreichte inder Mitte des Jahres einen historischen Tiefpunkt. Das anhaltend hohe Niveau des Weltrohölpreises (seit 2005 verdoppelt und seit 2003 vervierfacht) und seine Auswirkungen als Marktführer auf alle anderen Energieträgerpreise werden weiterhin als Belastung und Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung vieler Volkswirtschaften in der noch nicht als stabil geltenden Konjunkturlage angesehen und führen zu entsprechenden energiepolitischen Diskussionen und Maßnahmen invielen Staaten. Die deutsche Position mit dem Schwerpunkt auf einer Energiewende wird dabei von vielen Akteuren aufmerksam beobachtet. Eine entspannte Situation herrschte auf dem für Deutschland relevanten europäischen und russischen Erdgasmarkt. Für Europa ist Russland der weiterhin dominierende Partner beim Gasimport, obwohl Planungen vorsehen, die eigene Gasverwendung in Russland in naher Zukunft stark auszuweiten und neue Handelspartner durch den Bau von Pipelines nach China zu erschließen. Die Inbetriebnahme der seit 2010 gebauten neuen Nord- und Süd-Pipelines lässt eine steigende Sicherheit bei der Versorgung mit Importgas für die nächsten Jahre erwarten. Eine weitere Maßnahme für die Steigerung der Versorgungssicherheit und Diversität bei der nationalen Erdgasversorgung ist im Aufbau einer Import- und Integrationsstruktur von Flüssiggas in das bestehende Erdgassystem zusehen. Der weltweite Markt für Steinkohlen verzeichnete keine herausragenden Ereignisse, bei Bedarf waren für Nachfrager jederzeit die gewünschten Mengen verfügbar. Potenzielle Käufer fanden einen entspannten Markt mit fallenden Preisen durch ein weltweites Überangebot vor. Die konjunkturelle Lage in Deutschland hat sich nach der Schwächephase im vergangenen Winter im Laufe des Jahres 2013 verbessert. In einem schwierigen internationalen Umfeld hat die deutsche Wirtschaft zu einem moderaten Wachstumskurs zurückgefunden. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als umfassender Indikator für die gesamtwirtschaftliche Leistung ist gegenüber dem Vorjahr preisbereinigt um 0,4% gestiegen (kalenderbereinigt um 0,5 %) nach einem Zuwachs um 0,7% im Jahr 2012 (kalenderbereinigt 0,9 %) (Tabelle 2). Demgegenüber war der deutliche konjunkturelle Aufholprozess in den Jahren 2010 und 2011 (+ 4,0% beziehungsweise 26 BWK Bd. 66 (2014) Nr. 4

Energiewirtschaft Jahr 2013 3) 2012 3) 2011 3) 2010 2009 2008 2007 2006 2005 2004 2003 2002 2000 1998 1996 1994 1992 1990 BIP in Preisen von 2005 1) Veränderung gegen Vorjahr Primärenergieverbrauch 2) Veränderung gegen Vorjahr Bruttostromverbrauch Veränderung gegen Vorjahr 10 9 € % PJ % TWh % 2 482,4 2 471,8 2 454,8 2 376,9 2 284,5 2 407,9 2 382,1 2 306,7 2 224,4 2 209,3 2 183,9 2 192,1 2 159,2 2 056,7 1 984,6 1 936,6 1 909,0 1 829,5 + 0,4 + 0,7 + 3,3 + 4,0 – 5,1 + 1,1 + 3,3 + 3,7 + 0,7 + 1,2 – 0,4 0,0 + 3,1 + 1,9 + 0,8 + 2,5 + 1,9 14 002 13 645 13 599 14 217 13 531 14 380 14 197 14 837 14 558 14 591 14 600 14 427 14 401 14 384 14 669 14 185 14 319 14 905 1) berechnet auf der Grundlage des Kettenindizes (2005 = 100) des Statistischen Bundesamtes 2) ermittelt nach der Wirkungsgradmethode 3) vorläufig +3,3%) auch ein Reflex auf den massiven wirtschaftlichen Einbruch im Rahmen der großen Finanz- und Wirtschaftskrise (mit einem Rückgang von –5,1% imJahr 2009). Das war der stärkste wirtschaftliche Einbruch der Nachkriegszeit, der auch iminternationalen Vergleich relativ hoch ausgefallen war. Auf der Verwendungsseite des Bruttoinlandsprodukts war der Konsum wichtigster Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft: Die privaten Konsumausgaben stiegen preisbereinigt um +0,9%, die des Staates um +1,1%. Dagegen gingen die Investitionen zurück: Im Inland investierten Unternehmen und Staat zusammen –2,2% weniger in Maschinen und Geräte sowie Fahrzeuge als ein Jahr zuvor. Auch die preisbereinigten Bauinvestitionen gingen zurück, aber nur um –0,3%. Der sonst so robuste deutsche Außenhandel büßte im Jahresdurchschnitt 2013 angesichts eines weiterhin schwierigen außenwirtschaftlichen Umfelds an Dynamik ein: Deutschland exportierte preisbereinigt zwar insgesamt +0,6% mehr Waren und Dienstleistungen als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig stiegen die Importe aber um +1,3%. Die Differenz zwischen Exporten und Importen –der Außenbeitrag –bremste dadurch mit einem negativen Beitrag von –0,3%-Punkten das BIP-Wachstum 2013. Der Staatssektor – dazu gehören Bund,Länder,Gemeinden und Sozialversicherungen – beendete das Jahr nach noch vorläufigen Berechnungen mit einem geringfügigen Finanzierungsdefizit in Höhe von 1,7 Mrd. €. Dabei reduzierten sowohl der Bund als auch die Länder ihre Defizite imVergleich zum Vorjahr noch einmal deutlich, während sowohl die Gemeinden als auch die Sozialversicherungen wieder einen kräftigen Überschuss erwirtschafteten. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt in jeweiligen + 2,6 + 0,3 – 4,3 + 5,1 – 5,9 + 1,3 – 4,3 + 1,9 – 0,2 – 0,1 + 1,2 – 1,7 + 0,5 – 0,5 + 3,0 – 0,9 – 2,0 Preisen errechnet sich daraus für den Staat eine Defizitquote von –0,1%.Damit kann der Staat für 2013 einen nahezu ausgeglichenen Haushalt vorweisen. Auf der Entstehungsseite des Bruttoinlandsprodukts konnten die meisten Dienstleistungsbereiche ihre Wirtschaftsleistung 2013 steigern. Dabei waren die Unternehmensdienstleister der Wirtschaftsbereich mit einem besonders deutlichen Zuwachs (+ 3,4%). Im Baugewerbe ging die preisbereinigte Bruttowertschöpfung dagegen nochmals zurück, allerdings war der Rückgang 2013 mit –1,2% nur noch halb sostark wie 2012. Das Produzierende Gewerbe, das ohne das Baugewerbe gut ein Viertel der gesamten Bruttowertschöpfung ausmacht, konnte das Niveau des Vorjahres in etwa halten (–0,0 %). Insgesamt stieg die preisbereinigte Bruttowertschöpfung aller Wirtschaftsbereiche genau wie das BIP um0,4 %. Die Wirtschaftsleistung wurde im Jahresdurchschnitt 2013 von 41,8 Millionen Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Deutschland erbracht. Das waren 233 000 Personenoder 0,6%mehr alsein GANZ BEI IHNEN Tabelle 2 599,6 608,1 606,8 615,3 581,3 618,2 621,5 619,8 614,1 610,2 600,7 587,4 579,6 556,6 547,4 530,8 532,9 550,7 – 1,4 + 0,2 – 1,4 + 5,8 – 6,0 – 0,5 + 0,3 + 0,9 + 0,6 + 1,6 + 2,3 + 0,4 + 4,0 + 1,2 + 1,1 + 0,5 – 1,3 Das Bruttoinlandsprodukt (BIP), der Primärenergieverbrauch, der Bruttostromverbrauch und ihre Veränderungen in Deutschland. Jahr zuvor. Damit fiel der Anstieg der Erwerbstätigkeit im Jahr 2013 insgesamt nur noch etwa halb sohoch aus wie im Jahr 2012, als die Zahl der Erwerbstätigen noch um 456 000 Personen oder 1,1% gewachsen war. Gleichwohl ist auch das jüngste Jahresergebnis angesichts der relativ moderaten konjunkturellen Entwicklung sehr beachtlich. Die Zahl der Erwerbstätigen erreichte 2013 im siebten Jahr in Folge einen neuen Höchststand. Weit überdurchschnittlich gestiegen ist dabei –wie schon inden Vorjahren –die Zahl der voll sozialversicherungspflichtigen Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten, während marginale Beschäftigungsformen, zu denen die ausschließlich geringfügig entlohnte Beschäftigung (Minijobs), kurzfristige Beschäftigungen und Arbeitsgelegenheiten (Ein-Euro-Jobs) zählen, weiterhin rück- LÖSUNGEN wie Sie sie brauchen ADD-ONS die Ihr Geschäft erleichtern SAP-BERATER die Ihre Sprache sprechen KUNDEN IM BLICK! WIR MACHEN SAP CRM EFFIZIENT! BWK Bd. 66(2014) Nr. 4

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