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4 | 2014

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Energiewirtschaft Bild 3

Energiewirtschaft Bild 3 1990 = 100 140 135 130 125 120 115 110 105 100 95 90 85 80 75 BIP PEV StV 1980 1982 1984 1986 1988 1990 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 läufig waren. Auch die Zahl der Beamten (einschließlich Soldaten) ist gesunken. Insgesamt wuchs die Zahl der Arbeitnehmer im Jahresdurchschnitt 2013 um 298 000 Personen (+0,8%) auf 37,4 Millionen.Die Zahl der Selbstständigen einschließlich mithelfender Familienangehöriger sank dagegen –unter anderem infolge des Rückgangs der geförderten Selbstständigkeit –im selben Zeitraum um 65 000 Personen (–1,4%) auf rund 4,5 Millionen. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen –die Summe der von allen Erwerbstätigen geleisteten Jahresarbeitsstunden –erhöhte sich imJahr 2013 um +0,2% auf insgesamt rund 58,1 Milliarden Stunden. Die geringere relative Zunahme des Arbeitsvolumens im Vergleich zur Anzahl der Erwerbstätigen resultiert aus dem Rückgang der durchschnittlich jeErwerbstätigen geleisteten Arbeitsstunden um 0,4% auf 1388 Stunden. In absoluten Zahlen betrachtet arbeitete im Jahr 2013 jeder Erwerbstätige im Durchschnitt fünf Stunden weniger als im Jahr zuvor. Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität, gemessen als preisbereinigtes Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen, ist im abgelaufenen Jahr um –0,2% gesunken.JeErwerbstätigenstunde errechnet sich eine Erhöhung der Arbeitsproduktivität um +0,2%. Die unterschiedliche Entwicklung von Pro-Kopf- und Stundenproduktivitäten erklärt sich durch die mit dem Anstieg der Erwerbstätigenzahl (+0,6%) einhergehende Abnahme der durchschnittlichenArbeitsstunden (–0,4%). Die Reallöhne, das heißt die preisbereinigten Bruttomonatsverdienste, sanken in Deutschland im Jahr 2013 im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich –0,2%. Nach drei Jahren mit Reallohngewinnen ist dies der erste Rückgang der Reallöhne seit dem Krisenjahr Jahr 2009. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) auf der Grundlage vorläufiger Ergebnisse weiter mitteilt, lagen die Nominallöhne imJahr 2013 um +1,3% über dem Vorjahreswert. Die Verbraucherpreise erhöhten sich imselben Zeitraum um +1,5%. Eine Ursache für den Reallohnverlust im Jahr 2013 war der Rückgang der häufig erfolgsabhängigen Sonderzahlungen. Rechnet man die Sonderzahlungen aus der Verdienstentwicklung heraus, so läge der Anstieg mit +1,7% über der Entwicklung der Verbraucherpreise. Wie Bild 3 zeigt, war der geringfügige Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandsproduktes (+ 0,4%) mit einem gleichzeitigen deutlichen Anstieg des Primärenergieverbrauchs (+ 2,6%)sowie einem deutlichen Rückgang des Bruttostromverbrauchs (– 1,4%) verbunden. Dies zeigt wiederum den starken witterungs-, energiepreis- und konjunkturbedingten Einfluss auf die Höhe des Primärenergie- sowie des Bruttostromverbrauchs. Der Bruttostromverbrauch in Deutschland ist 2013 auf 599,6 Mrd. kWh gesunken (2012: 608,1 Mrd. kWh). Gründe dafür liegen nach Angaben des BDEW – Bundesverband der Energieund Wasserwirtschaft e.V. in der schwachen Produktionsentwicklung in der Industrie –insbesondere bei stromintensiven Produktionsprozessen –, aber auch am im Jahr 2013 fehlenden Schalttag sowie generellen Effizienzsteigerungen beim Stromverbrauch. Gemessen amWachstum des realen Bruttoinlandsprodukts ist damit auch die gesamtwirtschaftliche Stromintensität (Bruttostromverbrauch pro 1000 € Bruttoinlandsprodukt, BIP) wieder gesunken. Somit konnte in 2013 der seit 2004 mit wenigen Unterbrechungen anhaltende Trend einer sinkenden Stromintensität Bruttoinlandsprodukt (BIP), Primärenergieverbrauch (PEV) und Bruttostromverbrauch (StV) inDeutschland seit 1980. weiter fortgesetzt werden. ImVergleich zu 1990 wurden imvergangenen Jahr je Einheit realen Bruttoinlandsproduktes rund 19,8% weniger Strom verbraucht, was einem durchschnittlichen Rückgang um 0,95 %pro Jahr entspricht. Wurden 1990 in Deutschland 301,0 kWh pro 1000 € BIP (in Preisen von 2005) verbraucht, waren es 2013 nur noch 241,5kWh.ImVergleich ist auchdie Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Energieintensität (Primärenergieverbrauch (PEV) bezogen auf die wirtschaftliche Leistung, ausgedrückt in GJ je 1000 € BIP) in Deutschland seit vielen Jahren rückläufig (Bild 1). Legt man der Betrachtung effektive Verbrauchswerte zugrunde, ergibt sich für den Zeitraum 1990 bis 2013 eine Verbesserung dieses Energieverbrauchsindikators um 31%, das heißt im Durchschnitt um etwa 1,6% pro Jahr. Die größten Effizienzverbesserungen wurden in der Periode 1990 bis 1995 erzielt (2,4% pro Jahr). Im Zeitraum 1995 bis 2000 ging diese Kennziffer auf durchschnittlich 1,6% pro Jahr zurück und erreichte von 2000 bis 2013 einenWert von 1,3 %pro Jahr.Die Energieproduktivität ist der Kehrwert dieser Energieintensität. Sie ist eine statistische Kennziffer, die die Wirtschaftsleistung (BIP) angibt, die mit einer Einheit des Energieverbrauchs (PEV) erstellt worden ist. Die durchschnittliche Wachstumsrate der Energieproduktivität in Deutschland beträgt für den Zeitraum 1990 bis 2013 1,6 %pro Jahr.Während von 1990 bis 1995 ein Wert von 2,4 %pro Jahr zu verzeichnen war (Wiedervereinigungseffekt), ergibt sich für den Zeitraum 2000 bis 2013 nur ein Anstieg von 1,3 %pro Jahr.Vor diesem Hintergrund ist die Forderung nach einer Verdopplung der Energieproduktivität im Zeitraum von 1990 bis 2020 ausgesprochen ehrgeizig. Sie würde eine Steigerung des langjährigen Trends um rund 100 %und sogar fast eine Verdreifachung gegenüber der seit 2000 erzielten Produktivitätssteigerung bedeuten. Energiewendekonzept der Bundesregierung Im Juni 2011 wurde von der damaligen Regierungskoalition aus CDU/CSU und FDP die beschleunigte Energiewende ausgerufen. Bei der Umsetzung dieses Vorhabens, das letztlich auf einen kompletten Umbau des gesamten Systems der Energieversorgung abzielt, steht die Versorgung mit Elektrizität nach wie vor 28 BWK Bd. 66 (2014) Nr. 4

Energiewirtschaft im Mittelpunkt: Insbesondere soll die Stromerzeugung auf Basis erneuerbarer Energien spätestens im Jahr 2050 mit mindestens 80 % den dominierenden Anteil darstellen. Dieses Großprojekt wird derzeit ohne ein schlüssiges Gesamtkonzept umgesetzt. Die zentrale nationale Großbaustelle ist, neben dem erforderlichen Netzausbau und -umbau, die Frage, wie die Kosten des Zubaus erneuerbarer Energien minimiert und das zukünftige Strommarktdesign so definiert werden können, dass gleichermaßen der Kapazitätsaufbau und -erhalt konventioneller Kraftwerke sichergestellt werden kann und der subventionsfreie Aufbau erneuerbarer Energien ermöglicht wird. Die klimapolitische Zielsetzung der Energiewende ist im nationalen Rahmen ohnehin nicht erreichbar. Einzig im Bereich des Netzaus- und -umbaus wurden seit dem Sommer 2011 wichtige Weichenstellungen vorgenommen,die in der Lage sind,die bislang bestehenden Hemmnisse abzubauen und den zukünftigen Ausbau zu beschleunigen. So aktualisieren die vier Übertragungsnetzbetreiber im Netzentwicklungsplan ihre Pläne zum Netzausbau im Jahresrhythmus. Betrachtet wird jeweils ein Zehn-Jahres-Zeitraum. Grundlage sind Szenarien zum Ausbau der Erzeugungskapazität, zur Entwicklung des Stromverbrauchs und zum europäischen Strommarkt. Der Netzentwicklungsplan wird mit Bürgern und Fachleuten diskutiert, überarbeitet und abschließend von der Bundesnetzagentur genehmigt. Der gesamte Prozess ist innerhalb eines Jahres abzuschließen. Die Pläne zum Ausbau des Stromnetzes in Nord- und Ostsee werden in Offshore- Netzentwicklungsplänen ebenfalls jährlich aktualisiert. Sie betrachten den Anschluss von Offshore-Windparks an das Hochspannungsnetz auf dem Festland. Mindestens alle drei Jahre wird ein Bundesbedarfsplan zum Netzausbaubedarf für die kommenden zehn Jahre per Gesetz verabschiedet. Grundlage sind der genehmigte Netzentwicklungsplan und der Offshore-Netzentwicklungsplan. Im ersten Bundesbedarfsplangesetz vom Juli 2013 ergibt sich ein Bedarf von rund 2800 km an kompletten Neubautrassen und rund 2900 km an Optimierungs- und Verstärkungsmaßnahmen in bestehenden Trassen. Das Gesetz hat sämtliche Vorhaben des durch die Bundesnetzagentur bestätigten ersten Netzentwicklungsplans (NEP) übernommen. Die im NEP enthaltenen 51Maßnahmen wurden vom Gesetzgeber zu Vorhaben zusammengefasst, die jeweils einen gemeinsamen energiewirtschaftlichen Zweck haben. Das Bundesbedarfsplangesetz enthält insgesamt 36 Vorhaben. 16 von ihnen sind als länderübergreifend oder grenzüberschreitend gekennzeichnet. Für diese Vorhaben ist die Planungs- und Genehmigungsverantwortung gemäß der Planfeststellungszuweisungsverordnung (PlfZV) an die Bundesnetzagentur (BNetzA) übertragen worden. Mit dieser Verordnung, die am 7. Juni 2013 den Bundesrat passierte, übertragen die Bundesländer ihre Kompetenzen an die Bonner Behörde. Auf den weiteren Handlungsfeldern ist enttäuschend wenig bis gar nichts passiert. Das ist angesichts der zentralen Bedeutung der Energieversorgung für ein Industrieland wie Deutschland ein bedenklicher Umstand. Die Kosten der Förderung erneuerbarer Energien haben sich seit dem Jahr 2010 mehr als verdreifacht und stellen nunmehr einen der größten Subventionstatbestände in Deutschland dar. Entsprechend konzentriert sich die Diskussion umdas Erneuerbaren-Energien-Gesetz inden letzten Monaten neben der Höhe der Förderangaben auch auf die Lastenverteilung zwischen den Haushalts- und den Industriekunden. In ihrem Koalitionspapier haben Union und SPD vereinbart, „dass im Grundsatz die gesamte Eigenstromerzeugung an der EEG-Umlage beteiligt wird“. Damit soll verhindert werden, dass die EEG-Umlage einseitig die Kunden der allgemeinen Stromversorgung belastet und für größere Stromverbraucher den Anreiz erhöht, ihren Strombedarf zumindest teilweise mit Eigenerzeugung zu decken. Im Referentenentwurf zur EEG-Novelle vom Februar 2014 taucht aber die geplante Beteiligung der Eigenstromerzeuger an der EEG-Umlage überraschenderweise bislang nicht auf, obwohl sie auch noch ein zentraler Bestandteil der Eckpunkte zur Reform des EEG gewesen war, die das Bundeskabinett am 22. Januar 2014 gebilligt hatte. SAP FUR SIE Ebenso sind bislang keine grundlegenden Änderungen in der Fördersystematik erkennbar. Die vor allem auf wissenschaftlicher Ebene geführten Diskussionen der Änderung hin zu einem Quotenoder zu einem Ausschreibungsmodell finden sich derzeit nicht impolitischen Abwägungsprozess. Hier wird deutlich, dass es noch nicht gelungen ist, den politischen Widerstand der größten Profiteure des aktuellen Fördersystems zumWohle der Verbraucher zu überwinden. Dies ist jedoch zwingende Voraussetzung, umdie Energiewende auf nationaler Ebene zum Erfolg zu führen, was nur dann gelingen wird, wenn die gesamtwirtschaftlichen Kosten der Energiewende nicht aus dem Ruder laufen. Der Zeitplan für die EEG-Novelle sieht vor, dass die Bundesregierung den Gesetzentwurf am 9. April 2014 im Kabinett beschließen soll. Die erste Beratung im Bundesrat wird am23. Mai 2014 angestrebt. Im Bundestag soll der Gesetzentwurf im Mai und Juni beraten werden. Esist beabsichtigt, dass die Novelle vom Bundestag am26./27. Juni und vom Bundesrat am 11. Juli 2014 beschlossen wird. Dadurch kann die Novelle vor der parlamentarischen Sommerpause abgeschlossen werden.Das neue EEG soll am 1. August 2014 in Kraft treten. Im Zusammenhang mit der EEG-Novelle wurde seitens der Bundesregierung die so genannte Reservekraftwerksverordnung (ResKV) am 12. Juni 2013 verabschiedet. Sie nutzt damit eine der Ermächtigungen, die ihr durch das Ende 2012 beschlossene „Dritte Gesetz zur Neuregelung energiewirtschaftlicher Vorschriften“ eingeräumt wurden. Auf Basis der neu in das Energiewirtschaftsgesetz eingefügten §§ 13a und 13b untersagt die Verordnung die Stilllegung von Kraftwerken, die von der Bundesnetzagentur als „systemrelevant“ zur Aufrechterhaltung der Versorgungswww.cortility.de 07243 60591- 6135 PRAXIS-ERPROBT und marktgerecht LEICHT UMSETZBAR EDM, IDE, CRM, ... FÜR HEUTE UND MORGEN zukunftsfähig BWK Bd. 66(2014) Nr. 4

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