Aufrufe
vor 4 Jahren

4 | 2014

  • Text
  • Deutschland
  • Anlagen
  • Energien
  • Leistung
  • Entwicklung
  • Bild
  • Strom
  • Erneuerbaren
  • Deutschen
  • Derzeit
  • Energiemarkt
  • Fokus

Energiewirtschaft

Energiewirtschaft sicherheit eingestuft werden, und regelt die Einzelheiten zur Vorhaltung einer entsprechenden „Netzreserve“. Ebenso wie die zugrunde liegenden Paragraphen des Energiewirtschaftsgesetzes ist die neue Verordnung nur als Notlösung zur Bewältigung der vordringlichsten Probleme bei der Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit gedacht und bis zum 31. Dezember 2017 befristet. In einer Mitteilung des Bundeswirtschaftsministeriums hieß es dazu: „Dieses Übergangsregime schafft Zeit für die über die Verordnung hinausgehenden anstehenden wichtigen Entscheidungen zum Strommarktdesign für den Bereich der konventionellen Stromerzeugung und für die untrennbar damit verbundene notwendige grundlegende EEG-Reform.“ Im Wesentlichen soll die Verordnung die Stilllegung von Gaskraftwerken verhindern, deren Rentabilität wegen der zunehmenden Einspeisung von Windund Solarstrom zu den Zeiten des höchsten Strombedarfs stark gesunken ist, die aber dennoch weiterhin bereitstehen müssen, um von Fall zuFall die fluktuierende Erzeugung aus erneuerbaren Stromquellen ausgleichen zu können. Der Konflikt zwischen dem privatwirtschaftlichem Kalkül der Kraftwerksbetreiber und dem übergeordneten Interesse der Allgemeinheit an einem sicheren Netzbetrieb hat sich vor allem in Süddeutschland zugespitzt. Schon im April 2013 kam es deshalb zwischen den Eigentümern des Gaskraftwerks Irsching, der Bundesnetzagentur und dem Netzbetreiber TenneT zu einer Sondervereinbarung, die den Weiterbetrieb dieser Anlage sicherte. Mit der Reservekraftwerksverordnung besteht nun im Prinzip die Möglichkeit, regionale Ungleichgewichte in der Kapazitätsbereitstellung gezielt zubeseitigen. Damit ist aber zunächst einmal keine Notwendigkeit für eine Änderung des Marktdesigns gegeben,einer Forderung, mit der vor allem die Kraftwerksbetreiber andie Politik herangetreten sind. Vielmehr gilt es, die Marktentwicklung genau zu beobachten, inwieweit die liberalisierten Strommärkte (Energy-Only-Märkte) in der Lage sind, Investitionsanreize für den Neubau von Kraftwerken zu generieren. Primärenergieverbrauch in Deutschland Nach den Erhebungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen weist die vorläufige Energiebilanz des Jahres 2013 gegenüber dem Vorjahr beim Primärenergieverbrauch einen merklichen Zuwachs von +2,6% (+11,9 Mio. tSKE) auf 477,7 Mio. tSKE aus. Die genaue Aufteilung des Primärenergieverbrauchs nach Energieträgern, die entsprechenden Mengenangaben und die Vergleichsdaten des Vorjahres sind in Tabelle 1zusammengestellt.Wie sich die Anteile der Energieträger am Primärenergieverbrauch seit 1990 veränderten, kann man Bild 1entnehmen. Nach dem Rückgang beim Mineralölverbrauch 2011 und 2012 kam esim Jahr 2013 wieder zueinem Anstieg um +2,2% auf 158,2 Mio. tSKE. Trotz dieser Entwicklung sank der Anteil am Gesamtenergieverbrauch leicht von 33,3 auf 33,1% ab, da der Primärenergieverbrauch insgesamt höher ausfiel. Die Rohölimportmenge sank 2013 gegenüber 2012 um –3,3% von 93,4 Mio. t auf 90,4 Mio. tabund erreichte damit wieder den Wert des Jahres 2011. Rohöl wurde aus insgesamt 32Ländern importiert, wobei imVergleich zum Vorjahr bei einigen ExporteurenVeränderungen eintraten, die zu einer leichten Verschiebung in der Importstruktur führten. Der größte Teil des Rohöls wurde 2013 mit 31,4 Mio. tweiterhin aus der Russischen Föderation importiert, das bedeutete einen Anteil an den Gesamtimporten von 34,8% gegenüber 37,1% im Jahr 2012. Norwegen trug mit 11,0 Mio. tmehr zur Bedarfsdeckung bei und erreichte einen Anteil von 12,2% an den Importen. Aus Großbritannien wurden 9,3 Mio. t(Anteil 10,3%)bezogen,40% weniger als im Vorjahr. AusNigeria kamen 7,3Mio.t(8,1 %), aus Kasachstan 7,1 Mio.t(7,8 %) und aus Libyen 6,7 Mio. t(7,4%)der Rohöleinfuhren. Damit wurden rund 60 %aller Rohölimporte aus Europa und Russland geliefert. Der Rest stammt aus 26 anderen Ölexportländern. Bei den Rohölimporten ist die Abhängigkeit von den Opec-Ländern mit einem Anteil von 24% gleichbleibend gering. Aus der Nordseeförderung stammen 22,5% des Rohöls und aus den Ländern der ehemaligen GUS- Staaten immerhin rund 47%.Der hohe Importanteil aus den ehemaligen GUS- Staaten macht die Bedeutung störungsfreier Transporte per Pipeline aus diesen Förderregionen für die Ölversorgung Deutschlands deutlich. Die gesamten Rohölimporte trugen mit etwa 73 %zur nationalen Ölversorgung bei. Die Inlandsförderung ist annähernd gleich geblieben, beträgt aber nur marginale 2,6 Mio. t. In Folge der gesunkenen Rohölimporte verringerte sich auch der Raffinerieausstoß (Rohöl- und Produkteneinsatz) im Jahre 2013 um –2,9% auf 101,4 Mio. t, wodurch die Raffinerieauslastung absank. Der Import von Mineralölprodukten belief sich 2013 auf 35,3 Mio. t,ein Anstieg gegenüber dem Jahr 2012 von +3,1 Mio. t. (+ 9,7%). Die Exporte von Ölprodukten wurden um +5,6 % auf 19,7 Mio. tausgeweitet, so dass der Außenhandelssaldo (Importüberschuss) auf 15,6 Mio. tanstieg. Die schnellen Reaktionen der volatilen Ölmärkte bei kleinsten Änderungen der Preis bestimmenden Faktoren und die Empfindlichkeit für Spekulationen und vage Vermutungen wirkten sich auch 2013 auf den Weltmarktpreis aus. Dies führte zu schwankenden Rohölpreisen auf dem hohen Niveau der vergangenen fünf Jahre. Die in Dollar notierten Preise wirken sich 2013 nicht negativ auf die deutschen Grenzübergangswerte (Bild 2) aus, da der Wechselkurs des Euro gegenüber dem Dollar günstig war. Dies bedeutete für die europäischen Rohölpreise zwar einen Rückgang der Preise, aber das hohe Preisniveau blieb bestehen. Die einzelnen Monatswerte lagen immer unter den Vorjahreswerten. So begann der Monatswert des nationalen Rohölgrenzübergangswerts im Januar 2013 bei 630 €/t, stieg im Februar auf 651 €/t an und sank bis Juni auf 588 €/t ab. Bis Ende des Jahres 2013 pendelte er sich dann mit Schwankungen bei ungefähr 600 €/t ein. Der durchschnittliche Rohölgrenzwert war mit 611 €/t im Jahr 2013 um –4,9% geringer als der Wert 2012. Die Jahresrohölimporte kosteten 2013 insgesamt 55,3 Mrd. € und waren damit rund –4,8 Mrd. € niedrigerals 2012.Zum Vergleich: 2001 lag der Grenzübergangswert bei 202 €/t, die vergleichbare Rohölmenge wäre mit 18,3 Mrd. € rund 37 Mrd. € günstiger ausgefallenals 2012. Der Verbrauch der einzelnen Mineralölprodukte entwickelte sich 2013 unterschiedlich. DerAbsatz an leichtem Heizöl erhöhte sich um +3,9% auf 19,4 Mio. t. Dies beruht im Wesentlichen auf der kühlen Witterung. DerAbsatz an Ottokraftstoffen ging gegenüber 2011 weiter um–0,4% auf 18,4 Mio. tzurück. Darin enthalten ist das beigemischte Bioethanol. Auslöser für diesen Rückgang sind, wie schon in den Vorjahren, die sich fortsetzenden Tendenzen beim Individualverkehr: der Rückgang des Pkw- Bestandes an Fahrzeugen mit Ottomotor, ein leicht sinkender spezifischer Benzinverbrauch bei der Neufahrzeugflotte, der Trend zukleineren Fahrzeugen, ein aktiver Tanktourismus in den relevanten Grenzregionen und verminderte Fahrleistungen pro Pkw bei Privatfahrten, ausgelöst durch das hohe Benzinpreisniveau. Der Rückgang bei Ottokraftstoffen hält seit nunmehr 13 Jahren unvermindert an. Beim Dieselabsatz ergibt sich inder Mineralölbilanz 2013,wie in den Vorjahren, eine Steigerung, diesmal um+1,5% auf 34,1 Mio. t, resultierend aus dem immer noch steigenden 30 BWK Bd. 66 (2014) Nr. 4

Anteil von Fahrzeugen mit Dieselmotor ander Gesamtflotte aller zugelassenen Fahrzeuge und der Zunahme der Wirtschaftsaktivitäten imVerlauf des Jahres. Der von 2009 bis 2012 festzustellende Rückgang bei dem Absatz von Flugkraftstoffen setzte sich imJahr 2013 nicht fort, es wurden mit 8,8 Mio. tFlugkraftstoff +0,8 %mehr abgesetzt. Beim Rohbenzin veränderte sich der Absatz um +2,8% auf 16,2 Mio. t. Der Primärenergieverbrauch anErdgas vergrößerte sich im Jahr 2013 auf 107,5 Mio. tSKE. Dies waren +6,7 Mio. t SKE mehr als im Jahr 2012 und bedeutet einen Anstieg um +6,7%. Der Anteil am Primärenergieaufkommen veränderte sich um+0,9%-Punkte auf 22,5%.Daein großer Teil des Erdgases im privaten, gewerblichen und öffentlichen Wärmemarkt zum Einsatz kommt, gibt es eine starkeTemperaturabhängigkeit bei der Nachfrage.Wie bereits eingangs erläutert, wirkte sich das Temperaturniveau des Jahres 2013 deshalb gegenüber 2012 verbrauchssteigernd aus. Ein gegenläufiger Effekt war der im Jahr 2013 zu beobachtende verminderte Gaseinsatz in Kraftwerken und Kraft-Wärme- Kopplungs-Anlagen. Strukturell steigernd auf die Erdgasnachfrage wirkte sich der Anstieg des Wohnungsbestandes mit einem weiterhin leicht steigenden Anteil (49,2%)von Gasheizungen bei der Heizungsstruktur des gesamten Wohnungsbestandes aus, obwohl der Anteil bei neuen Wohnungen weiter rückläufig war. Das gesamte Erdgasaufkommen war 2013 um +2,3% größer als 2012, wobei die inländische Förderung um –9,1 % zurückging und nur noch mit 9,4 %zum Gesamtaufkommen beitrug. Im Zusammenhang mit diesem geringen Eigenanteil der Inlandsgewinnung verstärkt sich inDeutschland die Diskussion um Chancen und Risiken einer möglichen Fracking-Anwendung. Die Erdgasimporte stiegen dagegen um +2,7% an. Der größte Teil der Importe kam wieder mit 38,7% (bezogen auf die Gesamtimporte) aus Russland (eine Steigerung um +2,4 %), gefolgt von den Importen aus Norwegen mit einem Anteil von 29,4% (15% weniger). Die Niederlande lieferten mit 26,1 % der Importe +18 % mehr als im Vorjahr. Der Bezug aus Dänemark, England und anderen Ländern führte zu einemAnteil von 5,8%. Damit stammen zwei Drittel des Erdgasaufkommens aus Westeuropa. 2013 betrug der Speichersaldo 32,6 PJ (das heißt, es wurde mehr entnommen als eingespeichert) und lag damit um26PJhöher als 2012. Der Export von Erdgas belief sich 2013 auf 815 PJ, ein Anstieg gegenüber 2012 um +6,0%. Der monatliche Grenzübergangswert für Erdgas startete im Januar 2013 mit 7918 €/TJ und fiel bis zum Juli des Jahres auf 7326 €/TJ ab. Bis zum Dezember 2013 stieg er dann wieder auf 7508 €/TJ an. Grund für diese Entwicklung ist die weiter bestehende weitgehende Preisbindung des Erdgaspreises anden Ölpreis, wobei sich der Gaspreis mit einer gewissen Verzögerung an die Ölpreisentwicklung anpasst. Der durchschnittliche Jahres-Grenzübergangspreis (ohne Erdgassteuer) reduzierte sich im Jahr 2013 gegenüber 2012 um rund 400 €/TJ auf 7656 €/TJ. Das entspricht einem Rückgang von –5,0%.Der Gesamtwert der Erdgasimporte belief sich imJahr 2013 auf 28,7 Mrd. €, das sind –1,4 Mrd. € weniger als 2012.DieserWert ist nicht exportbereinigt,da dazu keine geeigneten Daten vorlagen. Von den Importen wird ein Teil nach Frankreich und in die Schweiz weitergeleitet, wobei letztere bei Erdgas fast vollständig von einer Erdgasdurchleitung durch Deutschland abhängig ist. Seit 2010 steigt der Steinkohlenverbrauch wieder stetig an. Er erreichte imJahr 2013 einen Wert von 60,7 Mio.tSKE. Der Anstieg gegenüber 2012 betrug +2,4 Mio. tSKE und bedeutet eine Veränderung von +4,1%.Der Anteil ander Pri- BWK Bd. 66 (2014) Nr. 4

Ausgabenübersicht