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4 | 2014

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Energiewirtschaft

Energiewirtschaft Braunkohleneinsatz inden Kraftwerken zurückging, stieg dennoch die Bruttostromerzeugung absolut an, da der Einsatz zum Teil in neueren Kraftwerken mit deutlich höheren Wirkungsgraden erfolgte und alte ineffiziente Anlagen abgeschaltet wurden. Die Herstellung von Braunkohleprodukten blieb auf dem niedrigen Niveau der Vorjahre und entwickelte sich bei den einzelnen Braunkohleprodukten unterschiedlich: Braunkohlenbriketts (+ 1,2%), Braunkohlenstaub (+ 3,6%) und Wirbelschichtkohle (+ 3,4%). Die Zahl der Beschäftigten in der Braunkohlenindustrie betrug 2012 rund 22 082 Personen, davon sind etwa 6000 Mitarbeiter direkt in den Kraftwerken beschäftigt. Bei den Gewinnungskosten für Braunkohle sind ausschließlich nationale Rahmenbedingungen maßgeblich. Da hier keine Änderungen auftraten, konnte das Niveau der Vorjahre gehalten werden. Beim Kernenergieeinsatz wirkte sich 2013 die politisch gewollte Energiewende noch nicht weiter aus. Dennoch kam es zu einem Rückgang des Kernenergieeinsatzes beim Primärenergieaufkommen um –0,9 Mio. tSKE (– 2,5%)auf 36,1 Mio. tSKE. Ursache für diesen Rückgang war eine geringere Arbeitsverfügbarkeit bei einzelnen Kraftwerksanlagen. Am gesamten Primärenergieeinsatz hat die Kernenergie jetzt noch einen Anteil von 7,6%,der gegenüber 2012 um –0,3% zurückging. Der Strom aus Kernenergie stammt aus Kraftwerken mit einer Nettoleistung von 12700 MW. Daraus resultierte eine Bruttostromerzeugung von 97,0 Mrd. kWh im Grundlastbereich, die immer noch einen Anteil von 15,4% an der Gesamterzeugung abdeckt. Die Energieträger Braunkohle, Steinkohle, Erdgas und Kernenergie decken derzeit noch 71,4% der Bruttostromerzeugung ab. Die erneuerbaren Energien trugen im Jahr 2013 insgesamt mit 56,4 Mio. tSKE zum Primärenergieangebot bei. Gegenüber dem Angebot 2012 mit 53,4 Mio. t SKE ist das eine Steigerung um +3,0 Mio. tSKE, was einen Anstieg von +5,6% bedeutet. Damit erhöhte sich wiederum der Anteil am Gesamtverbrauch von 11,5% auf 11,8 %. In diesen aggregierten Daten sind bei der Energiebilanz eine Vielzahl von verschiedenen erneuerbaren Energieträgern und Verwendungsarten zusammengefasst. Die Beiträge der wesentlichsten erneuerbaren Energieträger werden deshalb hier gesondert aufgeführt. Mit einem Anteil von rund 75 % amAngebot der Erneuerbaren ist die Biomasse der bedeutendste erneuerbarer Energieträger, davon wurden 66 % zur Strom- und Wärmegewinnung und 9% zur Kraftstofferzeugung eingesetzt. 2013 ging das Primärenergieaufkommärenergiebilanz ist um +0,5%-Punkte gestiegen und hat 12,7 % erreicht. Die Steinkohle hat damit weiter den dritten Platz in der Primärenergiebilanz besetzt, nachdem es2009 noch der fünfte Platz war. Diese Entwicklung basiert auf einem Anstieg der Nachfrage in der Elektrizitätswirtschaft und dem marginalen Wärmemarkt umetwa +7%,bei einem gleichzeitigen Rückgang (– 2%) des Absatzes in der Eisen- und Stahl-Industrie. Ursachen waren ein höherer Einsatz in Kohlekraftwerken und die rückläufige Produktion bei der Roheisen- und Rohstahlerzeugung in Folge der Wirtschaftsentwicklung. Das gesamte Steinkohlenaufkommen setzte sich 2013 aus 8Mio. tSKE deutscher Steinkohle- und Koksproduktion, rund 2Mio. tSKE Entnahme aus Lagerbeständen und den vorläufig geschätzten 50,3 Mio. t SKE Steinkohlen- und Koksimporten zusammen. Das Aufkommen deutscher Steinkohlen sank imVergleich zum Jahr 2012 um –3,4 Mio. tSKE, entsprechend –30%.Die Importe erhöhten sich dagegen voraussichtlich um +16%.Die wichtigsten Lieferländer waren in der Reihenfolge ihrer Anteile Russland (20%), die USA (18 %), Kolumbien (13 %), Polen (12 %), Australien (7 %) und Südafrika (4%). Die Weltmarktpreise für Kraftwerkskohlen fielen imLaufe des Jahres 2013 wieder in Folge eines Überangebots auf demWeltmarkt. So ergaben sich 2013 Grenzübergangspreise für Kraftwerkskohlen (Imported Steam Coal) zwischen 73 und 84 US-$/t, deutlich niedriger als 2012. Die Importe von Steinkohlenkoks kosteten 2013 durchschnittlich 150 US-$/t, ein Rückgang um etwa 100 US-$ gegenüber 2012. Durch diese Preisentwicklung war die Importkohle auf dem deutschen Energiemarkt im Wettbewerb sehr gut positioniert und konnte Marktanteile gewinnen. Die nationale Steinkohlenförderung konzentriert sich nach Beendigung der Förderung im Saarland Mitte 2012 und der Stilllegung der Anlage Bergwerk West in Kamp-Lintfort Ende 2012 auf drei Bergwerke, zwei imRuhrgebiet und eins in Ibbenbüren. Der Anpassungsund Schließungsablauf im traditionsreichen deutschen Steinkohlenbergbau wird damit nach der 2011 erfolgten Streichung der Revisionsklausel im Steinkohlefinanzierungsgesetz wie geplant fristgerecht fortgeführt und bedeutet nach heutiger Sicht das Ende der deutschen Steinkohlenförderung mit Ablauf des Jahres 2018. Die Förderung wurde im Jahr 2013 gegenüber dem Vorjahr umrund –3,2 Mio. tv.F.(Tonnen verwertbare Förderung) auf 7,6 Mio. tv. F. zurückgefahren, entsprechend –29,6%. Die Produktivitätsziffer des Bergbaus, die Abbauleistung je Mann und Schicht, hat im Jahr 2013 um –3,7 % auf 6624 kg v. F. abgenommen. Im Rahmen der geplanten Strukturmaßnahmen kam es zu weiteren vereinbarten Anpassungen bei der Belegschaft, die um 3100 Mitarbeiter auf 14 500 Personen verkleinert wurde. Das zwischen Bund und Steinkohlenbergbau 2007 national vereinbarte Steinkohlenfinanzierungsgesetz wird nach den 2011 erfolgreich abgeschlossen Verhandlungen mit der EU-Kommission, wie beschlossen, bis 2018 fortgeführt und gibt dem deutschen Steinkohlenbergbau und den betroffenen Regionen Planungssicherheit. In der Elektrizitätswirtschaft wurden 2013 mit 41,5 Mio. tSKE +6,7% mehr Steinkohle zur Stromerzeugung eingesetzt. Der Anteil der Steinkohle an der Bruttostromerzeugung belief sich im Jahr 2013 mit 124 TWh auf 19,7 %und ist dem Mittellastbereich zuzuordnen. Gegenüber 2012 verringerte sich der Steinkohleneinsatz inder Stahlindustrie um –2%auf 17,6 Mio. tSKE. Der Absatz im Wärmemarkt konnte leicht gesteigert werden, hat aber für die Steinkohlenwirtschaft mit einem Anteil von 2,6 % fast keine Bedeutung mehr. Beim Braunkohleabsatz wirkten sich 2013 die Strukturveränderungen in der Stromerzeugung durch die Inbetriebnahme neuer effizienter Kraftwerke und das Abschalten von ineffizienten Altanlagen verbrauchssenkend aus. Der Braunkohleneinsatz am Primärenergieverbrauch ging um –1,2% auf 55,4 Mio.t SKE zurück, der Anteil in der Primärenergiebilanz veränderte sich von 12,1 % (2012) auf 11,6% (2013). Damit bleibt die Braunkohle immer noch der wichtigste einheimische fossile Energieträger. Die Braunkohlenförderung erreichte mit 182,7 Mio. tein um –1,5% niedrigeres Niveau als 2012. In den einzelnen Revieren gab es wieder unterschiedliche Entwicklungen bei der Förderung. Der Anteil der Förderung imRheinland deckte 53,8% ab; mit 98,3 Mio. twurden hier –3,4% weniger gefördert. Das Revier in der Lausitz trug mit 63,6 Mio. tzu 34,8% zur Gesamtförderung bei und erhöhte seine Förderung um +1,9 %. Im Mitteldeutschen Revier wurden mit 19,6 Mio. t rund 10,7 %des Aufkommens abgebaut, ein Plus von +1,9%.Der wichtigste Abnehmer für Braunkohle ist produktbedingt die Strom- und Fernwärmeerzeugung der öffentlichen und industriellen Versorgung, hier wurden 89,7% der Braunkohlenförderung verwendet. Mit 163,8 Mio. twaren dies –1,5% weniger als im Jahr 2012. Der Anteil der Braunkohle an der Bruttostromerzeugung belief sich auf 25,8 %und ist dem Grundlastbereich zuzuordnen. Obwohl der 32 BWK Bd. 66 (2014) Nr. 4

Energiewirtschaft men durch Windkraft um –1,7% auf 6,1 Mio. tSKE zurück. Ein Hinweis auf die Abhängigkeit der Windstromerzeugung vom jeweiligen Jahresklima und den möglichen Angebotsschwankungen. Der Beitrag dieses Energieträgers amgesamten Primärenergieaufkommen hat bisher nur einen Anteil von 1,3%, obwohl sich die installierte Leistung aller Windenergiekonverter anLand im Laufe des Jahres 2013 durch neue Anlagen und Außerbetriebnahme alter Anlagen per Saldo um 2741 MW (+ 8,8%)auf nunmehr 33 730 MW bei mittlerweile 23 645 installierten Anlagen erhöhte. Dazu kommen 116 Offshore-Anlagen mit einer Leistung von 520 MW, weitere 103 Offshore-Anlagen mit 395 MW wurden 2013 fertig gestellt, konnten aber keinen Strom liefern, da noch kein Netzanschluss verfügbar war. Das geringere Aufkommen bei der Windstromerzeugung trotz Erhöhung der installierten Kapazitäten hat zwei Ursachen. Zum einen werden zunehmend Standorte mit schwächerem Windangebot integriert, da die besten Standorte bereits erschlossen wurden. Dies bedeutet ein Absinken der Volllaststunden bei den Anlagen und damit einen geringeren Stromertrag. Zum anderen war das Jahr 2013 ein windarmes Jahr. Die Windkraft hat mit 53,8 Mrd. kWh (Tabelle 3)einen Anteil von 8,5% ander Bruttostromerzeugung und von 9,0% am deutschen Bruttostromverbrauch. Die direkte Stromerzeugung aus Wasserkraft fiel 2013 im Vergleich zu2012 um –9,2% niedriger aus inFolge des geringeren Wasserangebots. Der Beitrag zum Primärenergieaufkommen erreichte 2,6 Mio. tSKE und weist damit einen stagnierenden Anteil von rund 0,5 %in der Primärenergiebilanz auf. Durch Wasserkraftwerke wurden mit 19,8 Mrd. kWh rund 3,1% der Bruttostromerzeugung bzw. 3,3% des Bruttostromverbrauchs abgedeckt. Aus der Verstromung von Biomasse (inklusive biogenem Müll) ergab sich eine Erzeugung von 47,1 Mrd. kWh. Dies bedeutet einen Anteil von 6,8% ander Bruttostromerzeugung bzw. von 7,4% am Bruttostromverbrauch. Die Stromerzeugung aus Photovoltaik lieferte im Berichtsjahr mit 30,9 Mrd. kWh rund 17,1 %mehr als 2012. Der Zuwachs 2013 resultiert zum einen aus dem Zubau von Neuanlagen und zum anderen aus der hohen Zahl von Sonnenstunden. Während in den Jahren 2009 bis 2012 ein boomender jährlicher Zubau in Höhe von rund 7000 MW (peak) zu verzeichnen war, wurden im Jahr 2013 nur 3300 MW (peak) zugebaut, die installierte Leistung der Photovoltaikanlagen stieg damit auf rund 35 700 MW (peak)und ist damit zum ersten Mal höher als die installierte Kapazität der Windkraftanlagen. Der Zubau wurde ausgelöst durch sinkende Modulpreise auf dem Weltmarkt, so dass die besondere finanzielle Förderung zur Markteinführung gezielt in Anspruch genommen wurde. Der Anteil der Photovoltaik an der Bruttostromerzeugung betrug 4,9%,amBruttostromverbrauch 5,1%. Insgesamt waren die erneuerbaren Energien 2013 mit 23,9% an der Bruttostromerzeugung beteiligt. Photovoltaik und Windenergie zusammen haben mittlerweile eine theoretische Stromerzeugungskapazität von rund 69 000 MW, decken damit jedoch nur 13,4% der Bruttostromerzeugung ab: Bei strahlend blauem Himmel und günstigem Windangebot kann diese Kapazität jedoch allein in Lage sein, die Stromnachfrage in Deutschland zu decken –in einer windstillen Nacht steht davon dann allerdings nichts zur Verfügung. Dies verdeutlicht drastisch die Herausforderungen im Hinblick auf einen notwendigen Umbau der Elektrizitätswirtschaft hinsichtlich Netzausbau, Netzbetrieb, Ausbau und Integration von Speichern, die Anpassung des bestehenden konventionellen Kraftwerkspark und die stärkere Integration indie europäische Elektrizitätsversorgung. Im Bereich der thermischen Nutzung der erneuerbaren Energien ergaben sich 2013 keine nennenswerten Veränderungen. Esdominiert die Biomasse mit 17,3 Mio. tSKE. Durch die Solarenergie wurden 0,7 Mio. tSKE und durch die Geothermie 1 Mio. t SKE Wärme bereitgestellt, was ihre derzeit marginale Bedeutung verdeutlicht. Der Beitrag der erneuerbaren Energien im Bereich Kraftstoffe war im Jahr 2013 mit 3,9 Mio. tSKE rückläufig. Dies bedeutet einen Marktanteil von 5,5% am Treibstoffmarkt. DerAußenhandelssaldo Strom war im Jahr 2013 positiv, das heißt, es wurden 33,0 Mrd. kWh mehr Strom exportiert (Gesamtexport 71,8 Mrd. kWh) als importiert (Gesamtimport 38,8 Mrd. kWh), wobei mehr Strom (+ 4,5 Mrd. kWh) exportiert wurde wie im Vorjahr und die Importe um –5,4 Mrd. kWh zurückgingen. Die Stromexporte und -importe werden beeinflusst durch die jeweiligen Rahmenbedingungen der nationalen Stromwirtschaften und dienen dazu, regionale und zeitliche Unterschiede zwischen Stromnachfrage und -angebot 3. bis 5. Juni 2014 KÖLNMESSE •Stand: 7N37 KÖTHEN Tel: +49(0)3496/66-402 Fax: -605 DUISBURG Tel: +49(0)203/51877-140 Fax: -938 BWK Bd. 66 (2014) Nr. 4 33

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