Aufrufe
vor 4 Jahren

4 | 2014

  • Text
  • Deutschland
  • Anlagen
  • Energien
  • Leistung
  • Entwicklung
  • Bild
  • Strom
  • Erneuerbaren
  • Deutschen
  • Derzeit
  • Energiemarkt
  • Fokus

Energiewirtschaft 2000

Energiewirtschaft 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 Steinkohle 27,7 26,4 26,1 21,7 19,7 18,1 17,0 15,6 16,1 16,2 16,2 15,7 13,6 14,5 Braunkohle 6,2 6,0 5,8 5,7 5,6 5,5 5,2 5,1 4,9 5,0 4,9 4,8 5,7 4,5 Mineralöl 1,1 1,3 1,5 1,7 1,9 2,0 2,4 2,4 1,9 1,3 1,3 1,3 1,3 1,0 Erdgas 13,9 16,7 20,7 29,7 32,0 37,6 43,6 43,2 44,8 47,4 47,7 47,6 51,1 48,3 Kernenergie 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 Biomasse/ Müll ern. Sonstige Gase nicht-em. Sonstige/ Müll nicht-em. 0,7 1,0 1,4 1,8 2,6 4,2 6,0 6,7 8,0 10,6 13,2 17,7 17,6 18,0 0,9 1,0 1,1 1,3 1,3 1,4 1,3 1,3 1,3 1,3 1,3 1,3 1,3 1,4 1,3 1,3 1,3 1,3 1,5 1,9 1,8 1,8 1,8 1,8 1,8 1,8 1,8 2,0 KWK-Strom 51,8 53,7 57,9 63,3 64,6 70,6 77,3 76,2 78,8 83,6 86,5 90,2 92,4 89,6 Tabelle 4 KWK-Stromerzeugung nach Energieträgern in Deutschland in TWh/a, ermittelt gemäß FW308. Einnahmen nun in einen Fonds fließen, der Klimaprojekte fördert. Kritik andem Kompromiss ließ nicht lange auf sich warten. So bemängelt etwa der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), dass die Industrie dadurch noch höhere Ausgaben stemmen müsste, obwohl die Energiepreise in diesem Jahr bereits deutlich angestiegen sind. Die Unternehmen könnten aufgrund dessen erwägen, den Wirtschaftsstandort Deutschland aufzugeben. Auch Herbert Reul, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Europaparlament, kritisierte die aktuelle Lösung. Die veranschlagte Zeitspanne, in der die Rechte verknappt werden würden, sei zu kurz, um die Preise langfristig zu stabilisieren. Abschließend hat nun aber am8.Januar 2014 der EU-Ministerrat diesem so genannten Backloading zugestimmt, mit dem 900 Millionen CO 2 -Zertifikate bis 2019 vom Markt genommen werden. Ob diese Entscheidung neuen Schwung in die Klimaschutzbemühungen bringt, ist jedoch mehr als fraglich. Hierzu fehlt auf internationaler Ebene die entsprechend breite Unterstützung. So endete auch am23. November 2013 die 19. UN-Klimakonferenz (COP) in der polnischen HauptstadtWarschau mit einem der üblichen Papiere, die vor allem kaschieren sollen, dass der ganze Aufwand kaum etwas gebracht hat. In diesem Falle einigten sich die Delegierten nach vier regulären Konferenz-Tagen und einer Verlängerung um 24 Stunden darauf, wirksame Maßnahmen gegen die Erderwärmung auf die 21. COP zu verschieben, die 2015 in Paris stattfindet. Dort sollen dann die teilnehmenden Staaten Vorschläge für einen Welt-Klimavertrag machen, der die CO 2 -Emissionen so begrenzt, dass die globale Erwärmung zwei Grad nicht überschreitet. Außerdem wiederholten die Industriestaaten in vager Form ihre vor vier Jahren auf der COP 15inKopenhagen gegebene Zusage, die Entwicklungsländer jährlich mit Milliardensummen finanziell zu unterstützen, um die Folgen des Klimawandels zu lindern. Aus Protest gegen die Ergebnislosigkeit der Verhandlungen verließen die meisten Nichtregierungsorganisationen am 21. November 2013 das Tagungszentrum. Der polnischen Tagungsleitung warfen sie vor, die UN-Klimakonferenz zu benutzen, um die Interessen der polnischen Kohleindustrie zu verteidigen. Und die EUund auch Deutschland hätten nahezu vollständig auf ihre frühere Vorbildfunktion verzichtet. Aber auch nach dem Auszug der rund 800 Vertreter von Umweltorganisationen und Gewerkschaften hat es auf der Weltklimakonferenz keine wesentlichen Fortschritte gegeben. Länder wie Japan, Australien und Kanada haben im Gegensatz ihre Klimaschutzziele gleich ganz reduziert oder beerdigt. So ließ kurz vor Beginn der COP 19 in Warschau die japanische Regierung am 15. November 2013 wissen, dass sie sich nicht mehr an das Klimaschutzziel gebunden fühle, das die Vorgängerregierung Ende 2009 verkündete: Anstatt die CO 2 -Emissionen bis 2020 um 25% unter denWert von 1990 zu senken, will sie bis dahin lediglich eine Minderung um 3,8% gegenüber 2005 erreichen. Faktisch würden die Emissionen dadurch gegenüber dem Kyoto-Basisjahr 1990 nicht geringer werden, sondern um rund 3% steigen. Ein Regierungssprecher begründete die Revision des Klimaschutzziels mit der Katastrophe von Fukushima, die das Land nötige, wieder verstärkt fossile Energieträger für die Stromerzeugung zu verwenden. Nach den USA imMärz 2001 und Kanada imDezember 2011 bekennt sich damit ein weiteres großes Mitglied der OECD offen zum Ausstieg aus den Klimaschutzbemühungen und zum weiteren Anstieg seiner CO 2 -Emissionen. Weltenergieverbrauch Im 62. jährlich erscheinenden BP- Statistical Review ofWorld Energy vom Juni 2013 wird für das Jahr 2012 ein Weltenergieverbrauch von 12 477 Mio. t OE (entspricht etwa 17824 Mio. t SKE oder 522 EJ) ausgewiesen. Dies bedeutet im Vergleich zu den bereinigten Verbrauchsdaten von 2011 einen moderaten Anstieg von +1,8% (Tabelle 6)und lag damit unter dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre, der +2,6% beträgt. Damit setzte sich die seit Jahrzehnten beobachtende Tendenz einer Steigerung des Weltenergieverbrauchs nach dem einmaligen Rückgang im Jahr 2009 weiter fort. Die Verbrauchsdaten des Jahres 2012 resultieren als Saldo aus der positiven Wirtschaftslage in bedeutenden Wirtschaftsregionen. 90 %der Steigerungsrate resultieren aus dem Anstieg der Energienachfrage aus China und Indien. Da die Entwicklung in den einzelnen Weltregionen unterschiedlich verlief, gab es auch unterschiedliche Ent- 1990 1995 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 3) 2012 3) 2013 3) Steinkohle 1) 197,4 194,2 185,4 181,6 177,7 185,0 179,1 172,1 185,0 193,0 177,4 150,1 175,0 167,7 171,3 175,1 Braunkohle 357,0 201,9 179,4 189,3 193,0 187,0 189,8 186,3 180,4 186,9 181,2 176,2 178,1 185,8 190,8 186,3 Mineralöl 311,8 332,6 308,8 316,8 302,4 296,1 285,6 278,2 276,3 241,7 262,0 249,0 251,5 238,8 242,6 246,7 Gase 2) 115,4 146,0 159,0 167,0 166,5 167,8 166,1 169,2 168,7 165,9 167,1 159,8 167,5 151,2 155,3 163,3 Insgesamt 981,6 874,6 832,7 854,6 839,6 835,9 820,6 805,8 810,4 787,6 787,6 735,1 772,0 743,4 760,0 771,4 1) einschließlich Festbrennstoffe 2) Naturgase sowie Kokerei-/Stadtgas 3) Vorläufige Werte Tabelle 5 Tatsächliche, nicht-temperaturbereinigte energiebedingte CO 2 -Emissionen nach Energieträgern in Deutschland inMio. t. 36 BWK Bd. 66 (2014) Nr. 4

Energiewirtschaft Energiebedingte CO 2 -Emissionen in Deutschland [Mill. t CO 2 /a] 1000 900 800 700 600 500 400 300 200 100 0 wicklungen beim regionalen Energieverbrauch. Im gesamten asiatischen Raum, bei den Staaten im Nahen Osten und in Afrika wurde ein signifikanter Anstieg der Energienachfrage inFolge wachsender Wirtschaftstätigkeit festgestellt. Moderate Steigerungsraten gab es in Südund Mittelamerika, und nur geringe Steigerungsraten wurden in Nordamerika registriert. In Europa und Eurasien sank dagegen die Energienachfrage in Folge von Wirtschaftswachstumsdellen in vielen Ländern ab. Die weltweite Energienachfrage wurde im Jahr 2012 weiterhin mit einem Anteil von 44,0% von den OECD-Staaten dominiert, wobei sich der Anteil zum vierten Mal seit fünf Jahren verringerte, gegenüber 2011 gab es eine Reduktion um –1,2%. Dagegen stieg der Anteil der Nicht-OECD-Länder um+4,2% auf 56 % an. Innerhalb der OECD-Ländergruppe hat Nordamerika mit 17,7 % weiterhin den größten Anteil, während die EU- 27-Staaten nur mit 13,4 %beteiligt sind. Die höchsten Steigerungsraten ergaben sich wie in den Vorjahren mit +4,7% in den Regionen Asien und Australien, die mittlerweile mit einemAnteil von 40,0% am Weltenergieverbrauch beteiligt sind. In Afrika wurde ebenfalls +4,7% mehr Energie nachgefragt und im Nahen Osten +4,5%, die Staaten in Mittel- und Südamerika verbrauchten +2,2% mehr Energie. Der Anteil dieser drei Regionen am Weltenergieverbrauch beträgt jedoch nur 14,6%.Inden Nachfolgestaa- Europa und Eurasia Nordamerika Süd- und Mittelamerika Afrika Naher Osten Asien und Australien 982 949 903 894 876 875 897 866 859 833 833 855 840 836 821 806 810 788 788 735 772 743 760 771 1990 1992 1994 Steinkohle Braunkohle Mineralöle Gase 1996 1998 ten der ehemaligen Sowjetunion wurde einRückgang um –0,4%festgestellt,und in der Gesamtregion Europa und Eurasien verringerte sich der Energieverbrauch um–0,5% auf einen Anteil von 23,5%, während es in Nordamerika zu einer Minderung der Energienachfrage um –2,0% kam. In der Europäischen Union (EU-27) ging die Nachfrage um –1,1% zurück. Bei der Energienachfrage der einzelnen Länder in den unterschiedlichen Regionen waren auch 2012 wieder als wesentliche Einflussgrößen die jeweilige Wirtschaftsentwicklung und die Auswirkungen der unterschiedlichen nationalen Energie- und Umweltpolitiken maßgeblich bestimmend. Daneben war das Jahr 2012 durch besondere Effekte geprägt, die sich signifikant auf einzelne Länder und ihre Energienachfrage auswirkten, im Wesentlichen Naturkatastrophen und politische Unruhen mit instabilen Verhältnissen. Die verheerenden Auswirkungen der Tsunami-Welle in Japan 2010 wirkte sich immer noch auf die Wirtschaftstätigkeit Japans aus. Die damit verbundenen Ereignisse inFukushima lösten darüber hinaus invielen Ländern ein Überdenken über den Einsatz der Kernenergie zur Stromerzeugung aus.Dies führte in Japan auch 2012 zu einem Rückgang der Energienachfrage von –0,9%.InFolge der verhaltenen Wirtschaftsentwicklung traten inwichtigen industriell hoch entwickelten Ländern ein Verbrauchsrückgang oder eine 2011 2012 Änderung 2012/2011 [%] 2 937 2 774 650 384 727 4 753 2 929 2 725 665 403 762 4 992 – 2,0 + 0,3 + 2,2 + 4,7 + 4,5 + 4,6 Anteil 2012 [%] 23,5 21,8 5,3 3,2 6,1 40,0 Welt insgesamt 12 225 12 275 + 1,8 100 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 Bild 4 Energiebedingte CO 2 -Emissionen in Deutschland nach Energieträgern. Stagnation der Energienachfrage auf, wie zum Beispiel in den USA (–2,8 %), in Italien (– 4,4%), Spanien (–0,8 %), inder Russischen Föderation (– 0,6%), in Kanada (– 0,2%)und Frankreich (0%). Die weiterhin positive wirtschaftliche Entwicklung in den großen so genannten Schwellenländern bewirkte dagegen Steigerungen bei der Nachfrage nach Energieträgern. Signifikant war 2012 wiederum der Anstieg in China mit +7,4% und in Indien mit +5,1 %. Dadurch erhöhte sich der Anteil Chinas am Weltenergieverbrauch auf mittlerweile 21,9 % und liegt jetzt deutlich vor den USA mit 17,7 %. Beide Länder zusammen haben einen Anteil von 39,6% am Weltenenergieverbrauch und damit einen markanten Einfluss auf die internationalen Rohstoff- und Energiemärkte. Die Staaten der Russischen Föderation besetzen mit einem Anteil von 5,6% den dritten Platz, gefolgt von Indien (4,5%), Japan (3,8%), Kanada (2,6 %) und Deutschland (2,5 %). Der in vielen Ländern inden arabischen, südamerikanischen und asiatisch-pazifischen Regionen anhaltende Trend einer stabil steigenden Wirtschaftsentwicklung lässt auch für die nähere Zukunft eine höhere Energienachfrage in diesen Staaten als sehr wahrscheinlich erscheinen. Bei der Nachfrage nach den einzelnen Energieträgern ergaben sich 2012 gegenüber dem Jahr 2011 folgende Veränderungen (die prozentualen Veränderungen beziehen sich auf die Basis des Vorjahresanteils): > Der Mineralölverbrauch stieg um +1,2 %, > der Erdgasverbrauch wuchs um +2,5 %, > der Kohleverbrauch legte um +2,8% zu, > die Energiegewinnung aus Wasserkraft wuchs um +4,6 %, > das Energieangebot aus Kernenergie sank um –6,7% und > die Nutzung sonstiger regenerativer Energien stieg um +15,5%. Durch diese Veränderungsraten traten kaum Verschiebungen bei den Anteilen der Energieträger am Gesamtverbrauch auf (Bild 5): > Der Mineralölanteil verharrte bei 33,1 %, > der Erdgasanteil betrug 23,9%, > der Anteil der Kohlen stieg auf 29,9 %, > der Kernenergieanteil reduzierte sich auf 4,5%, Tabelle 6 Primärenergieverbrauch der Welt 2011 und 2012 in 10 6 toil equivalent (OE). BWK Bd. 66 (2014) Nr. 4 37

Ausgabenübersicht