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5 | 2016

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Energiewirtschaftliche

Energiewirtschaftliche Gesamtsituation O:\Bilder\BWK\2016_2016\BA9023 JÜ1 EW-Gasamtsituation_B1.xls Energienachfrage des Wärmemarktes deutlich nach unten. Legt man für die Ermittlung der Energienachfrage für den Wärmebedarf ein klimatisches Durchschnittsjahr zugrunde, wäre die Primärenergienachfrage um etwa 1,5 bis 2 % geringer ausgefallen als im Jahr 2014. Ein besonderer Effekt entsteht durch die bei der Erstellung der Energiebilanz verwendete Wirkungsgradmethode. Erneuerbare Energien, die keinen Heizwert besitzen, und der Stromaußenhandel werden in der Primärenergiebilanz mit einem definierten Wirkungsgrad von 100 % bewertet. Für den Primärenergieeinsatz bei der Kernenergie werden 33 % zugrunde gelegt. Dies bedeutet für die Stromerzeugung auf Kernenergiebasis einen dreimal höheren rechnerischen Primärenergieverbrauch als bei der Stromerzeugung auf Basis erneuerbarer Energien oder durch Stromimporte. Rein statistisch entsteht also ein erheblicher theoretischer Einspareffekt bei der Primärenergiebilanz, wenn die Kernenergienutzung reduziert und mehr Strom mit Hilfe erneuerbarer Energien erzeugt wird. Eine detaillierte Beschreibung dieses Effektes ist in Nr.10 / 2011 des Pressedienstes der AGEB nachzulesen. Die Struktur des Primärenergieaufkommens hinsichtlich der Anteile der einzelnen Energieträger veränderte sich 2015 nur geringfügig, jedoch ergaben sich leichte Verschiebungen im Energiemix. Mineralöl war trotz einem um – 0,5 %-Punkte gesunkenen Anteil von 33,8 % weiterhin deutlich der wichtigste Primärenergieträger in der deutschen Energieversorgung. An zweiter Stelle stand Erdgas, das mit einem Anstieg von + 0,6 %-Punkten jetzt 21,0 % der Primärenergienachfrage abdeckt. Der Anteil der Steinkohle ging um – 0,2 %-Punkte auf 12,7 % zurück, während der Anteil der Braunkohle mit 11,9 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum konstant blieb. Der Anteil von erneuerbaren Energieträgern in der Primärenergiebilanz konnte deutlich um + 0,9 %-Punkte auf nunmehr 12,6 % gesteigert werden. Die erneuerbaren Energien belegen damit nun den vierten Rang im Energiemix. Der Anteil der Kernenergie verringerte sich um – 0,6 %-Punkte auf 7,5 %. Die bekannt hohe Importabhängigkeit Deutschlands beim Primärenergieaufkommen blieb auch im Jahr 2015 erhalten, wobei der Importanteil gegenüber dem Vorjahr von 69,6 % leicht auf 69,0 % zurückging. Besonders hoch ist der Importanteil bei Mineralöl mit etwa 98 %. Primärenergieverbrauch [EJ/a] 16 14 12 10 8 6 4 2 0 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 Jahr Steinkohle Braunkohle Kernenergie Mineralöle Erdgas Wasser/Wind/PV Sonstige PEV/BIP Bild 1 Primärenergieverbrauch nach Energieträgern und Energieintensität in Deutschland. Der Inlandsanteil von Naturgasen ging 2015 weiter zurück und beträgt nunmehr etwa 10 % (etwa 13 % Eigenanteil in 2014). Der Importanteil von Steinkohlen ist um etwa 2 %-Punkte auf 89 % gestiegen. Der höchste Inlandsanteil konnte bei den erneuerbaren Energien verzeichnet werden, die in 2015 erstmals vor der Braunkohle lagen. Entwicklung der Rahmenbedingungen Durch die Lieferungen der wichtigsten Ölförderländer der Opec sowie der nach wie vor hohen Ölförderung in den USA durch die Erschließung von unkonventionellen Ölvorkommen und der Fracking-Anwendung ergab sich weltweit eine entspannte Versorgungssituation, und es entstanden keinerlei Lieferengpässe. Im Gegenteil: Trotz des rapiden Preisrückgangs hat die Opec, insbesondere unter der Führung Saudi Arabiens, bisher keine Kürzung der Fördermengen beschlossen. Auf der anderen Seite führte in 2015 das vergleichsweise schwache wirtschaftliche Wachstum einiger Schwellenländer, insbesondere China, zu einem leichten 100 Nachfragerückgang. Der Fracking-Boom in den USA wurde durch den Preisverfall zwar letztendlich gebremst, jedoch reagierte die Fracking-Industrie zunächst mit einer Erhöhung ihrer Produktion auf das niedrige Preisniveau, um den Konkurs zu vermeiden. So können sich die Vereinigten Staaten inzwischen weitgehend selbst versorgen, wodurch die Lagerbestände stetig angestiegen sind. Aufgrund der Diversifizierung der deutschen Ölimporte mit insgesamt 33 Lieferländern war die Situation für Deutschland bei der Versorgungssicherheit weitgehend entspannt. Die fünf Hauptlieferanten Russland, Norwegen, Großbritannien, Nigeria und Kasachstan stellten im Berichtszeitraum 2015 knapp drei Viertel der deutschen Rohölimporte. 24,5 % der gesamten Rohöleinfuhren stammten im Jahr 2015 aus britischen und norwegischen Nordseeölquellen und 18,9 % wurden aus Mitgliedsländern der Opec geliefert. Energieträger 2014 2015 1) Änderung 2015/2014 Mineralöle Erdgas Steinkohlen Braunkohlen Kernenergie Erneuerbare Energien Sonstige Stromaustauschsaldo 4 516 2 679 1 703 1 572 1 060 1 519 237 – 128 Tabelle 1 Primärenergieverbrauch der Bundesrepublik Deutschland 2014 und 2015, ermittelt nach der Wirkungsgradmethode. [PJ] [%] 4 511 2 812 1 691 1 567 1 001 1 669 242 – 186 95 90 85 80 75 70 65 60 – 0,1 + 5,0 – 0,7 – 0,3 – 5,5 + 9,9 + 2,1 – Insgesamt 13 157 13 306 + 1,1 1) vorläufig Entwicklung der Energieintensität [1990=100] 20 BWK Bd. 68 (2016) Nr. 5

Energiewirtschaftliche Gesamtsituation O:\Bilder\BWK\2016_2016\BA9023 JÜ1 EW-Gasamtsituation_B2.xls Rohölpreis (UK Brent) [US-$/bbl] 140 130 120 110 100 90 80 70 60 50 40 30 20 10 0 1973 1976 1979 1982 1985 1988 1991 1994 1997 2000 2003 2006 2009 2012 2015 Bild 2 Rohölpreise seit 1973. Bei den internationalen Preisentwicklungen für Rohöl setzte sich zunächst der – bereits im September letzten Jahres eingeleitete – rapide Rückgang der Ölpreise durch die Überversorgung der Märkte fort. Bei der für Europa maßgeblichen Rohölsorte UK-Brent konnte im Januar zunächst ein Tiefststand von etwa 45 US-$/bbl erreicht werden. Bis zur Jahresmitte stabilisierte sich der Rohölpreis auf einem Niveau von 55 bis 65 US-$/bbl, woraufhin ein erneuter stetiger Rückgang der Ölpreise zu verzeichnen war. So betrug der monatliche Durchschnittspreis im Dezember bei der Rohölsorte UK-Brent nur noch 38 US-$/bbl. Der verzeichnete Tages-Tiefststand in diesem Monat lag sogar bei etwa 35 US-$/bbl, was dem niedrigsten Stand seit dem Jahr 2004 entspricht (Bild 2). Gegenüber den Vorjahreshöchstwerten reduzierte sich der Durchschnittspreis somit um rund 66 %. Auf dem amerikanischen Markt lag das Ölpreisniveau immer unter dem für Europa maßgeblichen Preis. Der Abstand erreichte im März mit 8 US-$/bbl zunächst sein durchschnittliches monatliches Maximum. Gegen Ende des Jahres verringerte sich der Preisunterschied auf ein Niveau von 1 bis 2 US-$/bbl. Ausgehend von der Leitfunktion des Rohölpreises blieben auch die Grenzübergangswerte für Erdgas 2015 unter dem Niveau des Vorjahres, wobei die monatlichen Schwankungen systembedingt geringer ausfallen. Die Erdgasversorgung in Deutschland und weiteren EU-Ländern ist zu einem hohen Maße abhängig von vertraglich vereinbarten Gaslieferungen aus Russland. Daher führten die anhaltenden Konflikte in der Ukraine zu Sicherheitsbedenken hinsichtlich der Erdgasimporte. Bereits in der Vergangenheit hatte es wiederholt Unstimmigkeiten zwischen der Ukraine und Russland über Gasliefermengen und -preise gegeben, die mehrmals dazu führten, dass die Ukraine kurzzeitig Durchleitungen von Gaslieferungen aussetzte. Trotz der politisch sehr angespannten Situation ergab sich auf dem für Deutschland relevanten europäischen und russischen Erdgasmarkt insgesamt eine gesicherte Versorgung. Zur Sicherung der deutschen Gasversorgung wird dabei auch auf eine Erhöhung der Diversifikation der Bezugsquellen und Transportwege gesetzt, die zusätzlich durch ein begleitendes nationales Speichermanagement unterstützt wurde. Von zunehmender Bedeutung ist hierbei auch der Zugang zum internationalen Markt mit Flüssigerdgas (liquefied natural gas, LNG) über Beteiligungen der deutschen Versorger an LNG-Terminals in den deutschen Nachbarstaaten. Der weltweite Markt für Steinkohlen verzeichnete keine herausragenden Ereignisse, bei Bedarf waren für Nachfrager jederzeit die gewünschten Mengen verfügbar. Die Nachfrage nach Importkohle ging bei vielen Nachfrageländern zurück, wobei der Rückgang durch eine um 30 % geringere Nachfrage aus China dominiert wurde. Die Käufer fanden wie in den Vorjahren einen entspannten Markt mit fallenden Preisen und einem weltweiten Überangebot vor. Die konjunkturelle Lage in Deutschland war im Jahr 2015 gekennzeichnet durch ein solides und stetiges Wirtschaftswachstum. Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) war im Jahresdurchschnitt 2015 um 1,7 % höher als im Vorjahr. Im vorangegangenen Jahr war das BIP in ähnlicher Größenordnung gewachsen (+ 1,6 %), 2013 lediglich um 0,1 %. Eine längerfristigere Betrachtung zeigt, dass das Wirtschaftswachstum im Jahr 2015 wieder über dem Durchschnittswert der letzten zehn Jahre von + 1,3 % lag. Auf der Verwendungsseite des Bruttoinlandsprodukts war der Konsum wichtigster Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft: Die preisbereinigten privaten Konsumausgaben stiegen in Deutschland im Jahr 2015 um 1,9 % im Vergleich zum Vorjahr. Dies ist der stärkste Zuwachs seit dem Jahr 2000 (+ 2,1 %). Wesentliche Gründe für diesen deutlichen Anstieg liegen in der positiven Konsumneigung der privaten Haushalte sowie in der geringen Zunahme der Verbraucherpreise (2015: + 0,3 %). Gemessen in jeweiligen Preisen – also einschließlich Inflation – stiegen die privaten Konsumausgaben um 2,6 % auf 1,63 Billionen Euro. Die privaten Haushalte in Deutschland gaben im Jahr 2015 in jeweiligen Preisen insbesondere mehr Geld für Beherbergung und Gastronomie (+ 6,0 %) sowie Einrichtungsgegenstände und Geräte für den Haushalt (+ 3,4 %) aus. Die Konsumausgaben für Wohnung, Wasser, Strom, Gas und andere Brennstoffe erhöhten sich lediglich um 1,1 %. Dies ist primär auf die Preisrückgänge bei Heizöl zurückzuführen. Die Staatshaushalte waren im Jahr 2015 weiter auf Konsolidierungskurs: Der Staatssektor – dazu gehören Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen – beendete das Jahr nach vorläufigen Berechnungen mit einem Finanzierungsüberschuss in Höhe von 16,4 Mrd. €. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt in jeweiligen Preisen errechnet sich für den Staat im Jahr 2015 eine Überschussquote von + 0,5 %. Damit kann der Staat den neuesten Berechnungen zufolge das zweite Jahr in Folge mit einem Überschuss abschließen. Auf der Entstehungsseite des Bruttoinlandsprodukts trugen sowohl das Produzierende Gewerbe ohne Baugewerbe als auch die Dienstleistungsbereiche insgesamt zur wirtschaftlichen Belebung im Jahr 2015 bei. Das Produzierende Gewerbe, das ohne das Baugewerbe gut ein Viertel der gesamten Bruttowertschöpfung erwirtschaftet, konnte spürbar um 2,2 % zulegen. Daneben entwickelten sich auch die Dienstleistungsbereiche überwiegend positiv. Lediglich die Finanz- und Versicherungsdienstleister lagen 2015 preisbereinigt mit – 1,0 % im Minus. Daneben kam es im Baugewerbe im Jahr 2015 – trotz überwiegend milder Witterung in BWK Bd. 68 (2016) Nr. 5 21

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