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6 | 2015

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IT & Management Wie sich

IT & Management Wie sich ein SMGW-Hersteller auf den Rollout intelligenter Messsysteme vorbereitet Schwäbische Präzision für die Messdatenschaltzentrale SMART METER GATEWAYS | Der Weg zum Smart Metering ist lang und hindernisreich. Angesichts des immer wieder in die Zukunft verschobenen Rollouts benötigen nicht zuletzt die Hardware-Anbieter einen langen Atem. Auch Herstellern von Smart Meter Gateways (SMGW), deren Produkte höchste sicherheitstechnische Anforderungen erfüllen müssen, werden enorme Investitionen abverlangt. Für die Theben AG in Haigerloch ist dies nur möglich, weil sie über starke andere Produktbereiche verfügt. In bester schwäbischer Tradition hat sich das Unternehmen früh auf den neuen Aufgabenbereich konzentriert, technologisch führende Produkte entwickelt und sich damit zum Marktstart in eine gute Ausgangsposition manövriert. Bilder (2): Theben Smart Meter Gateways, die als Kommunikationseinheit elektronische Messeinrichtungen mit den verschiedenen Marktteilnehmern im Wide Area Network (WAN) und im Home Area Network (HAN) verbinden, sind Dreh- und Angelpunkte im smarten Energiesystem der Zukunft. Das SMGW hat zu gewährleisten, dass alle Kommunikationsverbindungen verschlüsselt werden und dass nur bekannten Teilnehmern und Geräten im Netz vertraut wird. Je nachdem, welches Rollout-Szenario man unterstellt, werden fünf bis zehn Millionen dieser Geräte zukünftig in Deutschland ihren Dienst tun, schätzen Experten. In diesem technisch hochanspruchsvollen Geschäft strebt die Theben AG eine maßgebliche Rolle an. Unter den Top-drei-Anbietern wolle man landen, sagt Ruwen Konzelmann, Key Account Manager des Unternehmens, das vor allem als Spezialist für zeit- und lichtgesteuerte Schalt- und Regeltechnik im Gebäudebereich bekannt ist. Erfahrung in Tarifschalttechnik und Gebäudesystemsteuerung Doch auch in der Versorgungswirtschaft ist Theben 1 ) seit langem zuhause. Schon 1932 entwickelte Firmengründer Paul Schwenk erste Tarifschaltuhren für Energieversorger. Heute ist das Familienunternehmen nach eigenen Angaben deutschland- und europaweiter Marktführer im Soll dabei helfen, Energie intelligent und effizient zu steuern: das Smart Meter Gateway Conexa 3.0. Bereich Tarifschaltuhren. Eingesetzt werden die Geräte als alternative Technologie zur Funkrundsteuerung, beispielsweise zur Steuerung von Straßenbeleuchtungen und Nachtspeicheröfen im Mehrtarifmodell. Ein hinterlegter Jahreskalender beinhaltet alle Steuerbefehle, der kleinste Schaltabstand beträgt eine Minute. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich Theben in diesem Produktbereich bei vielen Messstellenbetreibern in Deutschland einen exzellenten Ruf erworben und hat den Anspruch, diesen Erfolg im neu entstehenden SMGW-Marktsegment weiterzuführen. Die Wurzeln der SMGW-Entwicklung bei Theben reichen bis ins Jahr 2006 zurück. Für ein Unternehmen, das über Expertise sowohl in Energietechnik als auch Gebäudesystem- und Gebäudesteuerungstechnik verfügt, lag es nahe, beide Bereiche miteinander zu verbinden. In Workshops mit Stadtwerken wurde seinerzeit ein „Hausmanager“ konzipiert, der teilweise die gleichen Aufgaben erfüllen sollte, wie das heutige Smart Meter Gateway: Verbrauchswerte im Gebäude mit den Zählerwerten zusammenzubringen, damit die Steuerung und effiziente Nutzung von Geräten zu ermöglichen und dem Kunden einen Mehrwert zu bieten. Als 2008 Smart Metering auf der Tagesordnung auftauchte und ein Lastenheft des Forum Netztechnik/Netzbetrieb (FNN) im VDE zum Multi Utility Controller (MUC) erstellt wurde, begann Theben mit der Konzeption und Entwicklung eines ersten Smart Meter Gateways mit dem Ziel der PTB-Bauartzulassung nach 50.7-A. Dabei berücksichtigte man mit Blick auf Anforderungen in den Niederlanden – anders als vom FNN seinerzeit gefordert – bereits ein komplettes Datenschutz- und Datensicherheitskonzept. „Für unser völlig überzogenes Vorgehen wurden wir anfangs belächelt“, erinnert sich Konzelmann. „Doch dadurch haben wir früh sehr viel über Sicherheits- und Zertifikatsmanagement gelernt.“ Der Weg zur BSI-konformen SMGW-Generation 2013 startete Theben die Entwicklung eines BSI-konformen Gateways unter der heute bekannten Produktbezeichnung Conexa. Die Versionen 1.0 und 2.0 sind 1 ) Der Name leitet sich von der gleichlautenden altägyptischen Hauptstadt ab und soll die Verbindung zum ägyptischen Kalender von vor 3 500 Jahren herstellen, auf den unser heutiger Kalender mit seinen 365 Tagen zurückgeht. 34 BWK Bd. 67 (2015) Nr. 6

IT & Management Blick in einen Zählerschrank mit elektronischen Messgeräten und Smart Meter Gateway. funktional praktisch identisch, unterscheiden sich jedoch im Aufbau. Conexa 1.0 basiert auf dem elektronischen Stromzähler der Bielefelder EasyMeter GmbH und stellt eine anfangs vom BSI noch zugelassene One-Box-Solution dar. Das heißt, Zähler und Gateway waren über eine entsprechend ausgeführte Abdeckung, in einem Gehäuse vereint. Conexa 2.0 hingegen ist ein separates Gerät für Strom-, Gas-, Wasser- und Wärmemengen-Zähler sowie zur Steuerung von EEG- Anlagen. Installiert wird es per Drei- Punkt-Montage und funktioniert mit mehr als 140 Zählertypen verschiedenster Hersteller interoperabel. Darüber hinaus war die Version 2.0 auch schon mehrmandantenfähig. Weitere Entwicklungsschritte konzentrierten sich auf die Modularität und völlige Herstellerunabhängigkeit durch die Hutschienen-Montage. 2014 wurde das Gerät auf Basis der Technischen Richtlinie 03109, des FNN-Lastenheftes und den Vorgaben der PTB 50.8 unter dem Namen Conexa 3.0 nochmals komplett neu konzipiert und aufgebaut. Aktuell läuft für die neueste Gerätegeneration die BSI-Zertifizierung. Von Beginn legte Theben großen Wert auf das Sammeln von Praxiserfahrungen. „Wir begleiten den Markt in zahlreichen Pilotprojekten“, berichtet Konzelmann. Partner sind namhafte Energieversorger in ganz Deutschland, beispielsweise Trianel und Stadtwerke Heidelberg (Bahnstadt-Projekt), Stadtwerke Ulm, Allgäuer Überlandwerke, Städtische Werke Kassel, Stadtwerke Krefeld, Soluvia, EWE und RWE. In Pilotprojekten wurden bislang insgesamt mehrere Tausend Geräte der Typen Conexa 1.0 und 2.0 verbaut. Vom neuen Typ 3.0 hat Theben naturgemäß noch nicht so viele Exemplare im Feld, weil sich die Anwendung bei Versorgern aktuell auf das Labor beschränkt. Der Start größerer Feldtests zeichnet sich für Ende dieses Jahres ab. Man sei mit vielen Versorgern im Gespräch und beteilige sich intensiv an Ausschreibungen. Key-Account Manager Konzelmann darf optimistisch sein: „In den vergangenen fünf Jahren ist es uns gelungen, uns in diesem Markt gut zu positionieren. Im SMGW-Bereich werden wir heute als einer der führenden Anbieter wahrgenommen.“ Bild: Hager Kundenorientierung und Modularität im Fokus Zur guten Ausgangslage trage sicherlich auch die ausgeprägte Kundenorientierung bei. „Schon in der Laborphase versuchen wir, unsere Anwender bestmöglich mitzunehmen und zu unterstützen. „So haben wir ein eigenes Servicetechniker- Tool erstellt, mit dem der Kunde vor Ort am Gerät Updates durchführen kann. Das bringt für die Einführungsphase enorme Vorteile beim Handling, “ erläutert Konzelmann. Was Theben ferner von Wettbewerben unterscheide, seien der modulare Systemansatz und flexible Erweiterungsmöglichkeiten für viele Nutzergruppen. So biete Conexa 3.0 eine abnehmbare HAN- Schnittstelle. Da dieser Gerätebereich so konzipiert wurde, dass er nicht der BSI-Zertifizierung unterliege, könne man ihn für verschiedene Kunden und Nutzergruppen in vielen Varianten ausführen. „Auf der jüngsten E-world haben wir eine Entwicklungsstudie zur Vernetzung unseres Smart Meter Gateways mit dem weltweiten Marktstandard KNX für Gebäudesystemtechnik vorgestellt.“ Um den SMGW-Markt noch besser bedienen zu können, hat Theben die Aufgabenbereiche Vertrieb und Support personell deutlich verstärkt und sich auch organisatorisch neu aufgestellt. Seit Anfang April 2015 sind Software- und Hardware- Entwicklung, Testlabor, Produktmanagement, Support und Vertrieb in einer räumlich eigenständigen Business-Unit vereint. Alles in allem hat Theben laut Konzelmann bislang „sehr hohe Investitionen“ in die SMGW-Entwicklung getätigt. Das betreffe nicht nur die Produktentwicklung, sondern auch Gebäude, Infrastruktur, Sicherheitsmaßnahmen für die Fertigung sowie Zertifizierung durch das BSI nach Sicherheitslevel EAL4 +. Veränderungen gegenüber Eckpunktepapier zu erwarten Auch wenn Konzelmann die Ausarbeitung des aktuellen Eckpunktepapiers des Bundeswirtschaftsministeriums zum Roll out intelligenter Messsysteme zunächst kritisch beurteilt, sieht er darin grundsätzlich etwas Positives. „Wir sind froh, dass es einen Schritt weitergegangen ist und die Grundlage für eine Verordnung geschaffen wurde, die wir zeitnah erwarten dürfen.“ Inhaltlich könnte diese Verordnung in einigen wichtigen Details anders aussehen als das im Februar veröffentlichte Eckpunktepapier. „Gespräche innerhalb der Facharbeitsgruppen geben Anlass zur Hoffnung, dass die geplante Einbaugrenze von 20 000 kWh/a Stromverbrauch revidiert wird. Mit dem hohen Grenzwert verlieren wir vor allem die gewünschten Effekte der Netzdienlichkeit. Auch lassen sich die Geräte bei geringeren Stückzahlen nicht mehr kosteneffizient Ruwen Konzelmann, Key Account Manager der Theben AG: „In den vergangenen fünf Jahren ist es gelungen, uns im SMGW-Markt gut zu positionieren.“ herstellen und von Messstellenbetreibern einbauen.“ Andere Aspekte wie eine Modifizierung der Rollout-Termine und der Umgang mit EVU, die sich freiwillig ehrgeizigere Rollout-Ziele stecken, würden in Berlin ebenfalls diskutiert. i www.theben.de BWK Bd. 67 (2015) Nr. 6 35

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