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7/8 | 2012

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EnergieForum Im Hinblick

EnergieForum Im Hinblick auf den Klimaschutz haben Kernkraftwerke etwa 2,50 Mrd. t Kohlendioxidemissionenin2011 vermieden. Die durch Kernenergie vermiedenen Emissionen entsprechen rund 8% der derzeit jährlichen weltweiten Emissionen von rund 30 Mrd. tCO 2 .Dies ist eine Menge, die deutlich höher liegt, als die in den vorliegenden internationalen Protokollen und Vereinbarungen zum Klimaschutz (Kyoto-Protokoll) vereinbarten weltweiten Reduktionsziele für den Zielzeitraum 2008 bis 2012. Kernenergie in Deutschland Nukleare Stromerzeugung in TWh/a 180 160 140 120 100 80 60 40 20 0 Bis 2011 kumulierte nukleare Bruttostromerzeugung: 4 755 TWh Dadurch vermiedene CO 2-Emissionen: ≈ 4,7 Mrd. t CO 2 1970 1980 1990 2000 Der Betrieb der Kernkraftwerke (Tabelle 4,Bild 2) inDeutschland sowie die friedliche Nutzung der Kernenergie in Deutschland insgesamt waren im Jahr 2011 wesentlich von politischen Diskussionen und Beschlüssen geprägt. Mit dem imRahmen eines ausgearbeiteten Gesamt-Energiekonzeptes gefassten Beschluss des Deutschen Bundestages vom 28. Oktober 2010 waren die 2000/02 gesetzlich festgeschriebenen Laufzeiten der 17 Kernkraftwerke von rund 32 Betriebsjahren – geregelt über lieferbare Strommengen –neu festgelegt worden, und zwar erstmals zeitlich begrenzt – das bis dahin gültige Atomgesetz sah unbefristete Laufzeiten, an der Anlagensicherheit orientiert, vor. Politisch wurde die Kernenergie als „Übergangsenergie“ angesehen, und die neu festgelegten längeren Betriebszeiten sollten den Wechsel zuneuen Energieressourcensozial verträglich, ökonomisch belastbar und ökologisch nachteilsfrei gestaltbar machen. Im Detail wurden mit Unterschrift durch den Bundespräsidenten mit der 11. Novelle des Atomgesetzes die Betriebszeiten der vor 1980 in Betrieb genommenen sieben Anlagen um acht Jahre verlängert und die der zehn übrigen Kernkraftwerke um 14 Jahre. Verbunden waren damit insgesamt vier Gesetze des Energie- und Klimapaketes, die auch eine neue Kernbrennstoffsteuer und den Milliardenfonds zum Ausbau dererneuerbaren Energien beinhalteten. Mit der Atomgesetznovelle ergaben sich etwa 40 bis 44 Betriebsjahre für die Reaktoren. International sind bei entsprechender Instandhaltung der Anlage und Nachrüstungen, die sich amStand der technischen Weiterentwicklungen orientieren, bis zu 60 Betriebsjahre heute anerkannte Praxis. Zum Beispiel ist für 74 (Stand: Anfang 2012) von 104 Kernkraftwerken in den USA bis Ende 2011 die Betriebsgenehmigung von 40auf 60 Betriebsjahre erweitert worden und weitere Anträge befinden sich in der Prüfung.80Jahre Laufzeit werden insbesondere für Neuanlagen diskutiert. Das schwere Erdbeben mit folgendem Tsunami in Japan am 11. März 2011 und die dadurch ausgelösten schweren Beschädigungen und Zerstörungen an vier Kernkraftwerken am Standort Fukushima Daiichi führten inder deutschen Politik zu einem abrupten Paradigmenwechsel. Die Deutsche Bundesregierungverfügte wenige Tage nach dem Erdbeben mit folgendem Tsunami in Japan am 11. März 2011 und den darauf folgenden schweren Reaktorunfällen in Fukushima Daiichi ein dreimonatiges Produktionsmoratorium für acht Anlagen. Technisch belastbare, auf Analysen aus Fukushima beruhende Erkenntnisse wurden dazu nicht angeführt. Im Sommer 2011 folgte dann eine weitere Änderung des Atomgesetzes (AtG) durch die 13. Novelle. Die Kernkraftwerke Biblis A (DWR, 1225 MW Brutto- und 1167 MW Nettoleistung), Biblis B(DWR, 1300 MW Brutto- und 1240 MW Nettoleistung), Brunsbüttel (DWR, 806 MW Brutto- und 771 MW Nettoleistung), Isar 1(DWR, 912 MW Brutto- und 878 MW Nettoleistung), Krümmel (DWR, 1402 MW Brutto- und 1346 MW Nettoleistung), Neckarwestheim I(DWR, 840 MW Brutto- und 785 MW Nettoleistung), Philippsburg 1 (DWR,926 MW Brutto- und 890 MW Nettoleistung) und Unterweser (DWR, 1410 MW Brutto- und 1325 MW Nettoleistung) befinden sich demgemäß seit dem 6. August 2011 im dauerhaften Nichtleistungsbetrieb. Die Gesamt-Bruttoleistung dieser Anlagen beträgt von 8821 MW und die Gesamt-Nettoleistung 8422 MW, das heißt, rund 40%der installierten Kernkraftwerkskapazität bzw. rund 8 % der in Deutschland verfügbaren Kraftwerkskapazität –imSinne verlässlich einplanbarer Leistung –wurden per Deutschland Bis 1990 einschließlich der nuklearen Stromerzeugung in der DDR Bild 2 Entwicklung der jährlichen nuklearen Stromerzeugung und dadurch vermiedener äquivalenter CO 2 - Emissionen in Deutschland. Gesetz entschädigungslos stillgelegt.Die Bundesregierung beruft sich dabei maßgeblich auf den Bericht der von ihr eingesetzten Ethik-Kommission „Sichere Energieversorgung“, spezifische und grundsätzliche sicherheitstechnische Gründe werden ausdrücklich weder im Allgemeinen noch im Speziellen angeführt oder genannt. Bundeskanzlerin Merkel sprach vor dem Deutschen Bundestag von einer Neubewertung des „Restrisikos“, obwohl die beauftragten Fachgremien keine entsprechende Feststellung trafen. Betreiber der betroffenen Kernkraftwerke klagen inzwischen auf verschiedensten nationalen und internationalen Wegen gegen dieses Gesetz, da sie unter anderem darin einen nicht verfassungskonformen Eingriff in ihre Eigentumsrechte sowie das Berufsund Gewerberecht sehen. Im Jahr 2011 lag die Bruttostromerzeugung der 17 deutschen Kernkraftwerke aufgrund des Produktionsmoratoriums und des folgenden dauerhaften Nichtleistungsbetriebs der betroffenen Blöcke mit 107,971 Mrd. kWh brutto deutlich um –23,2 %unter dem Vorjahresergebnis von 140,556 Mrd. kWh. Sechs Anlagen standen nur kurzfristig in den ersten Monaten des Jahres für die Stromerzeugung zur Verfügung; die Blöcke Brunsbüttel und Krümmel waren zum Zeitpunkt des Moratoriums aufgrund von längerfristigen Instandhaltungsarbeiten nicht am Netz. Die Produktionsergebnisse der weiteren neun Kraftwerke waren sehr gut. Vier der zehn weltweit besten Produktionsergebnisse wurden 2011 von deutschen Kernkraftwerken erzielt. Seit Jahrzehnten belegen deutsche Anlagen Spitzenplätze bei der Stromproduktion und beweisen so eindrucksvoll ihre Leistungsfähigkeit, Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit. Die Platzierung des Kernkraft- BWK Bd. 64 (2012) Nr. 7/8 35

EnergieForum Tabelle 3 Weltrangliste der Kernkraftwerke nach Jahresstromproduktion seit 1980. werks Isar 2 auf den ersten Platz der Top-Kernkraftwerke 2011 weltweit unterstreicht dies deutlich (Tabelle 2und 3). Auch 2011 war der Betrieb der deutschen Kernkraftwerke sicher und zuverlässig. Eswaren keine Ereignisse zuverzeichnen, die sowohl nach nationaler Meldeskala als auch der Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse –INES: International Nuclear Event Scale, siebenstufige Skala von INES 1(Störung: Abweichung von den zulässigen Bereichen für den sicheren Betrieb der Anlage) bis INES 7(katastrophaler Unfall: schwerste Freisetzung von Radionukliden, Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt in einem weiten Umfeld) sowie INES 0: Ereignis ohne sicherheitstechnische Bedeutung (Quelle: INES- Handbuch der International Atomic Energy Agency (IAEA)) –als Störfall einzuordnen waren. Alle nach nationalen Kriterien gemeldeten und nach INES eingeordneten Ereignisse waren der INES-Stufe 0 zugeordnet (Stand: Mai 2012). Die Sicherheit der deutschen Kernkraftwerke wurde in 2011 zudem erneut komplex geprüft. Nach den Ereignissen in Fukushima beauftragte die Bundesregierung die Reaktor-Sicherheitskommission (RSK) eine „umfassende Überprüfung der Sicherheitsbestimmungen für die deutschen Kernkraftwerke durchzuführen.“ Dazu wurde die RSK als unabhängige Expertenkommission beauftragt, eine neue Risikoanalyse aller deutschen Kernkraftwerke und kerntechnischen Anlagen unter Einbeziehung der vorliegenden Erkenntnisse über die Ereignisse inJapan –insbesondere auch mit Blick auf die Sicherheit der Kühlsysteme und der externen Infrastruktur – sowie anderer außergewöhnlicher Schadensszenarien vorzunehmen. Als Ergebnis dieser umfassenden Prüfung stellte die RSK für alle deutschen Kernkraftwerke sowohl gegenüber den auslösenden Ereignissen von Fukushima als auch den weit darüber hinaus gehenden Annahmen anderer möglicher Unfall auslösender Ereignisse (Naturereignisse, zivilisationsbedingte Ereignisse usw.) eine durchgehende „Robustheit“ fest. Dieses Ergebnis wurde für alle Anlagen, unabhängig vom Jahr der Inbetriebnahme (Alter) bzw. den Reaktortyp (Druck-, Siedewasserreaktor) festgestellt, dazum Beispiel Jahr 2007 12,36 TWh 2008 12,84 TWh 2009 12,24 TWh kontinuierlich durchgeführte Nachrüstmaßnahmen ein hohes Maß anVorsorge auch unabhängig von der Reaktorgeneration gewährleisten. Neben dieser nationalen Überprüfung wurden die deutschen Kernkraftwerke auch imRahmen des „EU-Stresstests“ für die 143 Kernkraftwerke in der Europäischen Union Top Ten der internationalen jährlichen Nuklearstromproduktion Weltmeisteranlage Nation Produktion 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 1980 9,81 TWh – – – – – 1981 9,54 TWh 1982 9,74 TWh 1983 9,96 TWh 1984 10,15 TWh 1985 11,48 TWh 1986 10,79 TWh 1987 10,21 TWh 1988 10,86 TWh 1989 10,86 TWh 1990 10,69 TWh 1991 10,83 TWh 1992 11,33 TWh 1993 11,40 TWh 1994 11,13 TWh 1995 11,36 TWh 1996 11,47 TWh 1997 12,53 TWh 1998 11,76 TWh 1999 12,27 TWh 2000 11,94 TWh 2001 12,40 TWh 2002 12,17 TWh 2003 12,32 TWh 2004 12,24 TWh 2005 11,98 TWh 2006 12,40 TWh 2010 12,29 TWh 2011 12,31 TWh Deutschland Frankreich Großbritannien Japan Litauen Schweiz Schweden USA Fett: Weltrekord Quelle: atw einer Prüfung unterzogen. Dazu hatten die vier deutschen Betreiber umfassende Berichte erstellt und fristgerecht bei den Länderaufsichtsbehörden eingereicht. Diese hatten die Berichte geprüft und ihre Bewertung an das Bundesumweltministerium als Bundesaufsichtsbehörde übergeben. Das BMU wie- 36 BWK Bd. 64 (2012) Nr. 7/8

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