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10-2019

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S P E C I A L K l i m a

S P E C I A L K l i m a s c h u t z Der Klimaschutz lässt sich nicht vertagen Der Klimawandel ist die größte Herausforderung der Menschheit. Gelingt es nicht, die Erderwärmung auf unter 2 °C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, sind die Folgen gravierend. Der Klimaschutzplan der Bundesregierung sieht vor, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2050 im Vergleich zu 1990 schrittweise um 80 bis 95 % zu vermindern. Anders als etwa die Landwirtschaft oder der Verkehrssektor liegt die Energiewirtschaft hierzulande aber bereits auf Kurs. Im Jahr 2020 werden die Emissionen unseres Sektors voraussichtlich 40 % unter denen des Jahres 1990 liegen. Für die gesamte Volkswirtschaft kann der Energiesektor alleine die Minderungsziele aber nicht ausgleichen. Zu unterschiedlich haben sich die Emissionen in den Sektoren und Wirtschaftszweigen entwickelt, zumal in jenen, die nicht vom europäischen Emissionshandel erfasst sind. Es ist daher sinnvoll, CO 2 - Emissionen sektoren - übergreifend zu bepreisen. Die Energiewende ist ohne eine umfassende Wärmewende nicht denkbar, dort liegt ein wesentlicher Schlüssel zum Klimaschutz. Bei dieser Wärmewende spielt die hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) eine entscheidende Rolle – vor allem in den wachsenden Ballungsräumen unseres Landes. Die RheinEnergie hat gegen den Trend kontinuierlich in den Ausbau dieser Technik investiert. Allein die neueste Gas-und-Dampfturbinen-Anlage „Niehl 3“ spart jährlich rund 500 000 t CO 2 ein – in der Summe vermeiden wir mit Leitungsenergie und KWK bis zu 1 Mio. t CO 2 pro Jahr. Langfristig ist es daher unsere Aufgabe, fossiles Erdgas durch synthetisches Gas zu ersetzen. Dazu wird es vor allem notwendig sein, die vorhandene Technik möglichst schnell auch wirtschaftlich zu machen. 300 Mio. € in diesem Bereich investiert. Insbesondere der Ausbau der Windkraft gestaltet sich allerdings zunehmend schwierig. Jahrelange Genehmigungsverfahren, verschärfte Abstandsregelungen und die Konkurrenz branchenfremder Investoren mit geringen Rendite-Erwartungen wirken dabei nachteilig. Im ersten Halbjahr 2019 ist der Zubau von Windenergieanlagen an Land gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 82 % zurückgegangen. So werden wir die Klimaziele kaum erreichen. Es ist an der Politik, jetzt gegenzusteuern. Denkbar sind Modelle, bei denen man die Risiken und Chancen des Ausbaus nicht durch Regulierung, sondern privatwirtschaftlich löst, das Erreichen von EE- Zielen durch Ausschreibungen und Direktvermarktung absichert und die Investitions- und Innovationskraft von „Prosumern“ und Markt besser nutzt. Erfolge beim EE-Zuwachs verpuffen aber, wenn es nicht gelingt, den Netzausbau trotz regionaler Widerstände zügig voranzutreiben. Denn andernfalls lässt sich das große Potenzial – insbesondere der Off- Shore-Windanlagen – nicht ausschöpfen. Die Verantwortung liegt aber nicht alleine bei der Politik. Alle gesellschaftlichen Akteure sind gefragt. Es muss allen klar sein, dass der Klimaschutz fester Bestandteil einer insgesamt nachhaltig agierenden Energiewirtschaft ist. • Bisher hat es die Politik versäumt, hier für Rechtssicherheit zu sorgen: etwa durch eine Entfristung des KWK-Gesetzes, eine Ausweitung der Fördersumme und des Ausbauziels. Damit ließen sich die Investitionen erheblich steigern, mit entsprechenden Effekten für die Treibhausgasreduktion und die Wirtschaftlichkeit. Ein weiterer wichtiger Baustein bleibt der konsequente Ausbau der erneuerbaren Energien (EE). RheinEnergie hat sich dieser Aufgabe längst verpflichtet. Wir haben in den vergangenen zehn Jahren rund D r . D i p l . - K f m . D i e t e r S t e i n k a m p Vorstandsvorsitzender der RheinEnergie AG, Köln Bild: RheinEnergie 12 BWK BD. 71 (2019) NR. 10

K l i m a s c h u t z S P E C I A L Wir begrüßen die aktuelle Debatte zur CO 2 -Bepreisung sehr, auch wenn sie aus unserer Sicht viel früher hätte einsetzen und geführt werden müssen. Es ist offensichtlich, dass die Energiewende zügig stattfinden muss, wenn wir den Kohleausstieg schaffen und Klimaschutzziele erreichen möchten. Grüne Gase wie Biomethan sind aufgrund ihrer Herstellungs- beziehungsweise Selbstkosten allerdings kostenintensiver als Erdgas. Deswegen benötigen insbesondere die großen Verbraucher wie Verkehr, Industrie, Wohnungswirtschaft oder Energieversorger Anreize, erneuerbare Energien einzusetzen. Eine CO 2 -Bepreisung, sei es als Kostenfaktor oder in Form einer Incentivierung, erachten wir hier durchaus als sinnvolle Maßnahme. Man könnte sich auch an der Treibhausgasminderungsquote aus dem Mobilitätssektor orientieren – nur geschehen muss es bald. M a t t h i a s K e r n e r Geschäftsführer der bmp greengas GmbH, München Bild: bmp greengas Die Vorteile Biomethans gegenüber fossilem Erdgas, Kohle und Erdöl liegen auf der Hand: Das CO 2 -Minderungs - potenzial ist enorm, es hat einen niedrigeren Primärenergiefaktor und ist quasi unendlich verfügbar, da es immer wieder hergestellt werden kann. Aktuell sind Biorest- oder Abfallstoffe sowie nachwachsende Rohstoffe dabei noch vorherrschend, doch mittel- und langfristig wird mit Power-to-Gas, der Elektrolyse von Energie in Wasserstoff sowie der anschließenden Methanisierung auch fluktuierende Solar- und Windenergie viel besser nutzbar. So kann zum einen der Wasserstoff je nach technischen Gegebenheiten direkt vor Ort genutzt aber auch eingespeist werden, um so biogenes oder synthetisches Biomethan über das bestehende Erdgasnetz den Verbrauchern zuzuführen. Die Infrastruktur für Transport und Speicherung ist mit 484 500 km Gasnetz allein in Deutschland gegeben. Darüber hinaus gibt es ein enormes Potenzial und diverse Möglichkeiten, CO 2 mittels grüner Gase zu reduzieren. Wir leisten hier bereits seit einigen Jahren Aufklärungsarbeit und stellen fest, dass besonders bei großen Unternehmen mit großem Energiebedarf ein Umdenken stattfindet. Sie könnten im Grunde morgen auf Biomethan umsteigen. Bedenkt man, dass viele große Unternehmen in der Industrie jeweils mehr Methan pro Jahr für Prozesswärme oder auch stoffliche Nutzung benötigen als bisher Biomethan in Deutschland in das Gasnetz eingespeist wird, kann hier eine riesige Lücke geschlossen werden. Aus unserer Sicht müssten zudem die Netzbetreiber stärker in den Diskurs mit den Regulierungsbehörden treten, um die Dekarbonisierung der Fernleitungs- und Verteilnetze über grünes Treib- und Verbrauchsgas weiter voranzutreiben. Dennoch offenbart ein Blick auf andere Branchen weitere Fortschritte: Der Mobilitätssektor erkennt LNG und damit zunehmend auch Bio- LNG als Alternative an und befasst sich mit Konzepten zur Umsetzung. Auch im Bereich der Wärme tut sich etwas: Stadtwerke und andere Anbieter müssen gemäß der neuen EU-Richtlinie für erneuerbare Energien (RED II) bald einen gewissen Prozentsatz ihrer Fernwärme mit grüner Energie erzeugen – und dies auch nachweisen. Grüne Gase sind in der Lage, die gestellten Bedingungen an die Dekarbonisierung in sämtlichen Sektoren zu erfüllen und insbesondere mit Biomethan schon heute positiv zur Energiewende beizutragen. Doch der Ausgangspunkt bleibt: Es müssen die Bedingungen dafür geschaffen werden. Hier sind alle Akteure gefordert, schnell zu handeln. • Enormes Potenzial für grüne Gase BWK BD. 71 (2019) NR. 10 13

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