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Bild: Piro4D / pixabay.com Entscheider nehmen Stellung Klimaschutz ist machbar, aber wie? Das Thema Klimaschutz hat die Bevölkerung erreicht. Und das nicht erst seit Greta Thunberg. Jedoch haben die Diskussionen an Dynamik gewonnen. Für die einen geht alles nicht schnell genug, für andere wiederum viel zu schnell. Und für noch andere ist das alles Quatsch. Um die Klimaziele zu erreichen, ist eine Wende in der Klima- und Energiepolitik notwendig. Doch, wo stehen wir? Was kann/sollte die Energiewirtschaft tun? Welche Maßnahmen sind sinnvoll, um die Treibhausgasemissionen zu senken? Zu diesem Themenkomplex haben wir Entscheider aus der Energiebranche eingeladen, Stellung zu beziehen. 6 BWK BD. 71 (2019) NR. 10

K l i m a s c h u t z S P E C I A L Die Kosten für die Aufrechterhaltung einer sicheren Stromversorgung steuern in diesem Jahr auf neue Rekordwerte zu. Allein für den Zeitraum Januar bis März müssen die deutschen Stromkunden rund 364 Mio. € aufbringen, um für Strom zu bezahlen, der nie produziert wurde. Denn wegen drohender Netzüberlastungen können die Windenergieanlagen im Norden Deutschlands nicht einspeisen, die Betreiber werden entschädigt. Jahr für Jahr werden so Tausende Gigawatt an klimaneutral erzeugter Energie abgeregelt. Allein 2018 waren es 5 400 GWh. Und noch immer hat die Politik keine Möglichkeit geschaffen, den im Netz nicht benötigten Strom sinnvoll zu nutzen. Erschwerend kommt hinzu, dass die weltweiten CO 2 -Emissionen weiter steigen. Auch in Deutschland ist noch keine Trendwende gelungen. Verantwortlich dafür sind vor allem die Sektoren Gebäude – also die Erzeugung von Wärme und Kälte – und Verkehr. Allein der erstgenannte Bereich steht für rund 48 % des Energieverbrauchs, rund 30 % des Kohlendioxids in Deutschland werden emittiert. Hier wird der teuer abgeregelte Grünstrom dringend benötigt, aber es gibt keine Brücke. Wenn die Energiewende gelingen soll, müssen wir grünen Strom endlich anderen Sektoren zur Verfügung stellen. Die Technologie dafür liegt längst vor: Erneuerbare Energie kann in klimaneutralen Wasserstoff und weitere Kraftund Brennstoffe, sogenannte E-Fuels, umgewandelt und so in Industrie, Gebäuden oder Verkehr eingesetzt werden. Das Verfahren dazu heißt Power-to-X. Aber Deutschland tut sich traditionell schwer mit dem Umwandlungsgedanken: viel zu kostspielig, viel zu ineffizient, so das absurde Gegenargument. Zur Erinnerung: Die Kosten für die Nichterzeugung von Überschussstrom betrugen 364 Mio. €. Im ersten Jahresviertel. Dazu kommt: Die Weltwirtschaft braucht diese Technologie. Ohne klimaneutrale Brennund Kraftstoffe ist eine entkarbonisierte globale Ökonomie nicht erreichbar. Diese befreien all jene Sektoren von klimaschädlichen Emissionen, für die Batterien technisch nicht infrage kommen, wie zum Beispiel Schifffahrt oder Luftfahrt. Und: Auch Gasheizungen und die zur sicheren Energieversorgung notwendigen Gaskraftwerke brauchen mittelfristig eine Null-Emissions-Perspektive. Im Laufe des nächsten Jahrzehnts wird ein globaler Markt für klimaneutralen Wasserstoff und synthetische Kraft- und Brennstoffe entstehen. Ein neuer Weltmarkt mit wirtschaftlichen und industriepolitischen Perspektiven sowohl für Technologieexporteure wie den deutschen Maschinenbau als auch für Volkswirtschaften, die sich als künftige Hubs für die Erzeugung von E-Fuels etablieren. Wir brauchen eine Wasserstoff-Strategie D r . U w e L a u b e r Vorstandsvorsitzender der MAN Energy Solutions SE, Vorsitzender des VDMA Motoren und Systeme sowie Vorsitzender der VDMA Arbeitsgemeinschaft Powerto-X for Applications Bild: MAN Energy Solutions Stand heute hat der deutsche Anlagenbau eine weltweit führende Position. Soll das so bleiben, muss die Politik aktiv werden und eine Strategie für die wirtschaftliche Gewinnung von grünem Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen vorlegen. Konkret bedeutet das: Die Technologie muss – erstens – von ihren regulatorischen Ketten befreit werden. Powerto-X-Anlagen sind keine Strom-Endverbraucher. Soll der Betrieb von industriell skalierten Anlagen auch ohne Förderung rentabel werden, muss – zweitens – endlich ein CO 2 -Preis her. Volkswirtschaftliche Logik: Solange Emissionen keinen Preis haben, kann auch kein Markt für ihre Reduzierung entstehen. • BWK BD. 71 (2019) NR. 10 7

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