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Bild: iStock / ConceptCafe Proaktive Steuerung von EVU Transparenz durch regelkreisbasiertes Monitoring Wie hoch ist der Umsatz tatsächlich? Und welche Risiken müssen in der Bilanz berücksichtigt werden? Energieversorgungsunternehmen (EVU) werden bei der Ermittlung von Kennzahlen mit einigen Unschärfen konfrontiert: Rollierende Ablesung, Preisrisiken aus Ausgleichsenergie und Mehr- und Mindermengen sowie der zeitliche Versatz bis zur Abrechnung von Mehr- und Mindermengen beispielsweise bergen Risiken. Transparenz schafft ein regelkreisbasiertes Monitoring. Damit lassen sich die voraussichtlichen Abweichungen von den Planzahlen mathematisch bestimmen und unangenehme Überraschungen vermeiden. 22 BWK BD. 71 (2019) NR. 12

C o n t r o l l i n g D I G I T A L F O R U M Die Einrichtung eines belastbaren Controlling- Systems für EVU ist sehr komplex. Ein Grund hierfür ist unter anderem die rollierende Jahresverbrauchsablesung bei Standardlastprofil (SLP)-Kunden. Das sieht vor, dass sämtliche SLP-Kunden eines Netzgebietes in „Ablese-Portionen“ unterteilt und die Stromverbräuche zu einem bestimmten Stichtag im Jahr abgelesen. Die Folge: Zum Zeitpunkt der Erstellung des Jahresabschlusses sind nur etwa 50 % der verbrauchten Energiemenge tatsächlich abgelesen – die andere Hälfte ist rechnerisch geschätzt. Auch unterjährig ist keine präzisere Aussage möglich. Die Bestimmung der Absatzmenge und der daraus resultierenden EEG-Umlage sowie Konzessionsabgabe ist daher mit einer Unsicherheit behaftet. Controlling-Instrumente von großer Bedeutung Eine genaue und realistische Planung ist der kritische Erfolgsfaktor bei der Energiebeschaffung und die entscheidende Grundlage für unter anderem die EEG- Meldung sowie die Abführung der Konzessionsabgabe. Auch wenn das EVU in der Marktrolle Lieferant eine belastbare Planung aufstellen kann, so besteht weiterhin ein Risiko in den Jahresverbrauchsprognosemeldungen der Netzbetreiber, die ebenfalls einer Kontrolle bedürfen. Wird dieses Risiko nicht hinreichend überwacht, führt dies dazu, dass die Planungsgüte externer Marktpartner die Grundlage für eigene interne Prozesse bildet. Folgen fehlender Planungsgüte sind Belastungen aus den Ausgleichsmechanismen zur Abrechnung der Mehr- und Mindermengen (MeMi) sowie der Ausgleichsenergie. Ein effektives Monitoring sollte bei einem EVU nicht auf einem, sondern auf mindestens drei Jahren Ablese-Historie basieren. Neben dem nicht beeinflussbaren Risiko des schwankenden regelzonenübergreifenden einheitlichen Bilanzausgleichsenergiepreises (reBAP) beziehungsweise MeMi- Preises stellt der zeitliche Versatz, mit dem die jeweilige Abrechnung erfolgt, ein systemimmanentes Risiko dar: Während die Ausgleichsenergie bereits im Folgemonat abgerechnet wird, können die marktlokationsscharfen MeMi – korrespondierend zum rollierenden Ableseverfahren – erst mit einem Versatz von etwa 13 Monaten abgerechnet werden (siehe Grafik). Dies verdeutlicht, weshalb ein effektives Monitoring bei einem EVU nicht auf einem, sondern auf mindestens drei Jahren Ablese-Historie basieren sollte. Der Zeithorizont von drei Jahren ergibt sich aus dem rollierenden Verfahren, in dessen Rahmen jedes Jahr nur einmal abgelesen wird und damit in der Regel drei Ablesezeitpunkte benötigt werden (zum Beispiel: 15. Juni 2017, 15. Juni 2018 und 15. Juni 2019), um ein Jahr – im vorliegenden Beispiel das Jahr 2018 – vollständig bestimmen zu können. Mehr Sicherheit über die Unsicherheit gewinnen Durch die Potenzierung der zeitversetzten Risiken stellt sich die Frage nach der Höhe der Unsicherheit in der Planung. Geeignete Controlling-Ansätze folgen daher dem Ansatz „Mehr Sicherheit in der Erkenntnis über die Unsicherheit“. Ein möglicher Lösungsansatz für das effektive Monitoring eines EVU sei anhand des Beispiels eines Wirtschaftsplans vorgestellt. Dessen Überwachung obliegt dem Controlling, das frühzeitig auf die Gefährdung geplanter Ziele hinweisen soll. In der Regel basieren Wirtschaftspläne bei EVU auf einer Extrapolation von historischen Daten. Diesen liegt jedoch kein Berechnungsmodell zugrunde, mit dem Einflussfaktoren wie Wetterentwicklung, Berücksichtigung der Güte der Verbrauchsdaten oder die Auswirkungen von Ausgleichsenergie sowie Mehr- und Mindermengen berücksichtigt werden. Diesem Gedanken folgend, gleicht die Planung dem Aufbau einer klassischen Steuerkette, bei der potenzielle Störgrößen, wie zum Beispiel fehlende Beschaffungsmengen, keine Berücksichtigung finden. Die Folge sind Mehrkosten aus der Mindermengenabrechnung. www.braunkohle.de DAS INFO-PORTAL ZUR BRAUNKOHLE IN DEUTSCHLAND Das Verhältnis der Menschen zur Braunkohle verändert sich. Arbeitsplätze, sichere Stromversorgung und Klimaschutz sind Koordinaten für unterschiedliche Meinungen und Überzeugungen. Das neue Web-Portal der deutschen Braunkohlenindustrie liefert die notwendigen Fakten: Übersichtlich, umfassend, aktuell und ausgewogen.

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