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E N E R G I E F O R U M

E N E R G I E F O R U M W ä r m e v e r s o r g u n g Luftbild mit Lehenhof-Talwerkstätten vorne links, mittig kleiner Schornstein der neuen Holzpellet-Heizzentrale, rechts im Hintergrund die ehemalige Ziegelei, heute ein Teil des Sonett-Betriebsgeländes. Bild: Lehenhof Contractor baut Nahwärmenetz für Gewerbegebiet Energiewende im Wärmesektor Für zwei benachbarte Betriebe wurde ein Nahwärmenetz auf der Grundlage von Holzpellets installiert. Contractor ist die Firma solarcomplex aus Singen. Sie plant, baut und betreibt die Heizungstechnik in eigener Verantwortung und verrechnet nur die gelieferten Wärmeeinheiten. Im Verbund erhalten die beiden angeschlossenen Betriebe günstige Einheitspreise. Die Energiewende hat viele Gesichter. Eines, in das man gerne schaut, ist das der Bürgerenergiegesellschaft solarcomplex AG aus Singen. Ihr Ziel ist seit der Gründung im Jahr 2000 die regionale Energiewende in der westlichen Bodenseeregion. Mit inzwischen 40 Mitarbeitern und einem Investitionsvolumen von 100 Mio. € entstanden nach und nach 16 Bioenergiedörfer und viele Nahwärmenetze. Neben Wärme aus Biomasse spielen dabei auch Sonnenenergie und Windkraft eine wesentliche Rolle. Das Land Baden-Württemberg fördert regenerative Wärmenetze, wie die in Bonndorf/Schwarzwald. Eberhard Ban- 42 BWK BD. 71 (2019) NR. 12

W ä r m e v e r s o r g u n g E N E R G I E F O R U M holzer, Leiter der Technikabteilung und einer der drei Vorstände bei solarcomplex: „Seit 2015 sind wir dort eigenverantwortlich tätig, haben allerdings die Unterstützung der Stadt. Wir haben einen Konzessionsvertrag für die Nutzung der Leitungswege, binden die ortsansässige Industrie mit ihrer Abwärme ein und versorgen unter anderem öffentliche Gebäude wie Rathaus, Schule und Stadthalle.“ Solarcomplex lieferte ein zeitgemäßes und ökologisch konsequentes Konzept. Banholzer hatte 2018 auch das industrielle Nahwärmenetz für die beiden Betriebe in Deggenhausen/Bodenseekreis realisiert: Sonett (Pionier für ökologische Wasch- und Reinigungsmittel) und Lehenhof Talwerkstätten (Teil der sozialtherapeutischen Camphill-Dorfgemeinschaft Lehenhof). Diese benötigen die Wärme für die Produktion und Raumheizung. Als Nachbarn teilen sie sich seit vielen Jahren schon eine Heizzentrale und waren gemeinsam auf der Suche nach einem Energie-Dienstleister, der für ihren Bedarf ein zeitgemäßes und ökologisch konsequentes Konzept planen und ausführen konnte – und als Contractor die Investition und den Betrieb der Anlage übernehmen wollte. Solarcomplex ist darauf spezialisiert. Banholzer gab hier dem Brennstoff Holzpellets den Vorzug. Der Grund dafür waren seine guten Erfahrungen im Hinblick auf Lager- und Entnahmetechnik, Versetzen des unterirdischen Pelletspeichers aus Betonfertigteilen, Fassungsvermögen 45 m 3 beziehungsweise 28 t, mit bauseitigem Autokran. Bild: Mall Pelletspeicher aus Betonfertigteilen, inklusive Entnahmesystem „Maulwurf“. Der Einstieg ist rechteckig, die Befüllöffnungen sind rund. Bild: Mall I N F O S Z U H O L Z P E L L E T L A G E R N • VDI-Richtlinie 3464: Lagerung von Holzpellets beim Verbraucher – Anforderungen an Lager sowie Herstellung und Anlieferung der Pellets unter Gesundheits- und Sicherheitsaspekten. Beuth Verlag, Berlin, www.beuth.de. • DIN EN ISO 20023:2019-04: Biogene Festbrennstoffe – Sicherheit von Pellets aus biogenen Festbrennstoffen – Sicherer Umgang und Lagerung von Holzpellets in häuslichen und anderen kleinen Feuerstätten. Beuth Verlag, Berlin, www.beuth.de. • DEPI-Broschüre: Lagerung von Holzpellets – ENplus-konforme Lagersysteme. Deutsches Pelletinstitut, Berlin, www.depi.de. • Planerhandbuch: Unterirdische Lagersysteme für Biomasse, Pellets und Wärme. Mall GmbH, Donaueschingen, www.mall.info. Lieferlogistik, Ascheanfall und störungs - armen Betrieb bei Verwendung der mit ENplus zertifizierten Pellets. Als Contractor ist solarcomplex Eigentümer der Heizungstechnik und verkauft die Wärme zum vertraglich vereinbarten Preis an die beiden Firmen. Das heißt, jede Betriebsunterbrechung oder zusätzliche Wartung mindert den Gewinn. Eine Kombination von verschiedenen Technologien sichert die Wärmeversorgung. Ausgewählt wurde ein Holzpellet- Kessel der KWB GmbH, Mertingen, der zwischen 40,5 und 135 kW modulierend läuft. Zusätzlich werden 5 bis 10 kW Abwärme ins Netz eingespeist. Quelle ist eine Kompressorenanlage für Drucklufterzeugung bei Sonett. Und für die Zukunft ist noch das Einbinden von Solarthermie vorgesehen. Den Spitzenbedarf hatte Banholzer mit 180 kW berechnet. Der aktuelle Jahreswärmebedarf beträgt 330 000 kWh, könnte sich durch Erweiterung der Betriebe allerdings auf 500 000 kWh erhöhen. Dann würde die Heiztechnik um einen zusätzlichen Pelletkessel ergänzt. Für Redundanz und Spitzenlast ist der Ölkessel Buderus Logano GE515 der Bosch Thermotechnik GmbH, Wetzlar, mit 240 kW installiert, versorgt aus einer schon vorhandenen Tankbatterie im Keller des Gebäudes. BWK BD. 71 (2019) NR. 12 43

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