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E N E R G I E F O R U M

E N E R G I E F O R U M W ä r m e v e r s o r g u n g Wärmezähler, mit dem der Contractor die gelieferte Wärmemenge feststellen und den belieferten Firmen berechnen kann. Bild: König Für Redundanz und Spitzenlast ist ein Ölkessel mit 240 kW installiert, versorgt aus einem schon vorhandenen Heizöllager. Bild: König D O P P E L T E R G E W I N N Holzpellets verbrennen nahezu CO 2 -neutral und sind in Deutschland regionaler heimischer Energieträger – ein Vorteil für das Klima. Wer sich für den Kauf einer Pelletheizung entscheidet, profitiert zudem von niedrigeren Brennstoffpreisen. Im Vergleich zu den Kosten für fossile Energieträger, die starken Schwankungen unterliegen, ist der Pelletpreis aufgrund der breiten regionalen Holzverfügbarkeit stabil. Er lag in den letzten zehn Jahren im Schnitt rund 30 % unter dem von Heizöl und Erdgas. Heizen mit Holzpellets wird außerdem staatlich bezuschusst: Für den Tausch einer alten Öl- oder Gasheizung gegen eine moderne Pelletheizung gibt es mindestens 4 200 € Förderung über das Marktanreizprogramm (MAP) und das Anreizprogramm Energieeffizienz (APEE) des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) (Quelle: Auszug aus einer Pressemitteilung des Deutschen Pelletinstituts (DEPI) vom 23. Mai 2019). Kostenminderung durch Fernüberwachung Eingebaute Wärmezähler ermöglichen jederzeit die unkomplizierte Abrechnung der genutzten Energie. Als Contractor möchte solarcomplex jedoch per WebLog/Internetverbindung sämtliche Daten der Anlage im 50 km entfernten Singen täglich auswerten und bei Bedarf die Heiztechnik optimieren. Die Brennstofflager für Holzpellets der Mall GmbH, Donaueschingen, mit 45 m 3 (28 t beziehungsweise 15 000 l Heizöläquivalent) und für Öl mit 7 000 l werden ebenfalls fernüberwacht, auch von den von solarcomplex ausgewählten Brennstofflieferanten. So sehen diese Vertragspartner den Füllstand permanent und legen selbst den für sie günstigen Liefertermin fest. Das bringt ihnen finanzielle Vorteile, von denen auch der Contractor profitiert. Brennstoffentnahme: Eine Pumpe vor dem Brenner des Ölkessels saugt das Heizöl aus dem Tank. Der Anstoß zum Betrieb der Ölpumpe wird über die Heizungsregelung gegeben – das ist nichts Neues. Ähnlich funktioniert es beim Holzpelletkessel mit dem hier installierten Entnahmesystem (auch Austragung genannt). Ein „Maulwurf“ als kleiner elektrisch angetriebener Roboter verhindert das Entstehen von Trichtern. Besteht Bedarf an Brennstoff, erhält die Saugturbine am Kessel den Steuerungsimpuls. Sie ist, einem Staubsauger ähnlich, mit dem „Maulwurf 6000-E3“ von Mall, einer Saugdüse, verbunden. Dieser sitzt im Speicher auf dem Pelletvorrat und bewegt sich als kleiner elektrisch angetriebener Roboter programmgesteuert über die Holzpellets, um das Entstehen eines Trichters zu vermeiden. Vom Maulwurf werden die knapp 40 mm langen Stifte aus gepresstem Sägemehl durch flexible Kunststoffleitungen mit 50 mm Durchmesser aus bis zu 10 m Entfernung vom Kessel angesaugt. Das Lager kann damit in der Höhe unabhängig und platzsparend, wie beim Nahwärmenetz in Deggenhausen realisiert, unterirdisch vor dem Heizraum liegen. Die mit den Pellets angesaugte Luft strömt vor dem Kessel aus der Saugturbine durch eine zweite Leitung in den Speicher zurück. Bewährt haben sich Installationen, bei denen die Kurven der Saugleitung mindestens einen Meter Radius haben. Damit wird mechanischer Abrieb durch die vorbei fliegenden Holzstifte vermieden. Anders beim flexiblen weichen Kunststoffschlauch zwischen Saugdüse „Maulwurf“ und Speicherinnenwand. Dieser wird wie ein Bremsbelag beim Fahrzeug rechtzeitig, das heißt nach etwa 100 t Pellets, ausgetauscht. • www.kwb.net, www.buderus.de, K l a u s W . K ö n i g freier Fachjournalist, Überlingen mail@klauswkoenig.com Bild: König www.mall.info 44 BWK BD. 71 (2019) NR. 12

W ä r m e v e r s o r g u n g E N E R G I E F O R U M Treibhausgase reduzieren Klimaneutral heizen mit Biogas Zur heimischen Wärmeversorgung wird in Österreich unter anderem Erdgas eingesetzt. Studien belegen, dass ungefähr die Hälfte davon alternativ mit Biogas abgedeckt werden kann. Dies wäre ein großer Schritt, um die Klimaziele zu erreichen. Bild: Pöttinger Fermenter Nach der letzten Erhebung im Jahre 2017 ist der Sektor „Energie und Industrie“ in Österreich mit rund 37 Mio. t CO 2 -Äquivalent der mit Abstand größte Verursacher von klimaschädlichen Treibhausgasen. Die Tendenz ist weiter steigend. Es folgen die Sektoren Verkehr mit 23,7 Mio. t, Gebäude mit 8,3 Mio. t, Landwirtschaft mit 8,2 Mio. t sowie die Abfallwirtschaft mit 2,9 Mio. t [1]. Um die Klimaziele zu erreichen, müssen praktikable Alternativen gefunden werden. Eine wichtige Rolle könnte in diesem Zusammenhang Biogas spielen. Aber sind auch genug Substrate zur Gewinnung von Biogas vorhanden? Wissenschaftler sagen ja. So schätzt eine Studie des Energieinstituts an der Johannes-Kepler-Universität Linz das Potenzial von Biogas bis 2050 auf 2 Mrd. m 3 [2]. Das Kompetenzzentrum BioEnergy2020+ (Comet-Programm) ist sogar noch optimistischer: Es weist für Österreich ein Biomethanpotenzial bis 2050 je nach Szenario von zumindest 4 Mrd. m 3 aus. Da sich der Erdgasverbrauch in Österreich im Jahr 2018 auf rund 8,5 Mrd. m 3 belief, vor allem für die Wärmeversorgung, könnte also gut die Hälfte der benötigten Wärme mit Biogas abgedeckt werden. Dieser Anteil würde sogar noch steigen. Denn das Umweltbundesamt schätzt den heimischen Erdgasverbrauch bis zum Jahr 2050 auf etwa 5 Mrd. m 3 /a (Mittelwert der Szenarien). Dies liegt vor allem an zukünftigen thermischen Sanierungsmaßnahmen. Eine zunehmende Substitution von Erdgas durch Biogas würde die Klimabilanz der Wärmeversorgung also drastisch senken. Um eine Konkurrenz zum Futter- und Nahrungsmittelanbau auszuschließen, sollte Biogas ausschließlich aus organischen Reststoffen gewonnen werden. Die Substrate beziehungsweise verwendeten Reststoffe sind beispielsweise kommunaler Biomüll, Grünschnitt, Mist aus landwirtschaftlicher Tierhaltung oder Abfälle aus der Lebensmittelindustrie. Als Technologie hat sich bereits die Trockenfermentation im geschlossenen Fermenter bewährt: Aufgrund des geschlossenen Systems entweichen keine Gase, sondern diese werden direkt aufgefangen und gesammelt. Zudem entsteht als Endprodukt neben Biogas auch wertvoller Rohkompost, der für den erneuten Bodenaufbau zur Verfügung steht. Dies ist ganz im Sinne einer Kreislaufwirtschaft und eines nachhaltigen Klimakonzepts. Für eine Substitution von Erdgas durch Biogas bestehen in Österreich gute Voraussetzungen. Allein im Jahr 2017 sammelten Haushalte und ähnliche Einrichtungen gut 1 Mio. t biogene Abfälle. Zusätzlich wurden im selben Jahr bundesweit schätzungsweise 1,5 Mio. t biogene Materialien über die Einzel- und Gemeinschaftskompostierung verwertet [3]. Und hierbei sind viele Reststoffe aus der Landwirtschaft und der Industrie noch nicht mitgezählt, die es gilt, zu identifizieren. Gleichzeitig würde ein entsprechendes Energiekonzept auch voraussetzen, dass die Infrastruktur an Biogasanlagen, insbesondere Anlagen zur Trockenvergärung in Fermentern, ausgebaut wird. Dass diese Verwertungstechnik nicht nur klimaschonend ist, sondern sich für Betreiber und Neu-Betreiber auch rechnet, ist ein zusätzliches Plus: Nach Angaben der Pöttinger Entsorgungstechnik GmbH & Co. KG aus Grieskirchen (Österreich) wurde in Abstimmung mit dem Umweltbundesamt errechnet, dass die Investitionskosten bei einer Umrüstung auf geschlossene Kompostierung sich bereits nach 5,3 Jahren amortisieren würden. Der Ersatz von Erdgas durch Biogas hätte also schon kurz- bis mittelfristig nur Vorteile. fermenter.poettinger-oneworld.at Kreislaufwirtschaft mit organischen Reststoffen L i t e r a t u r [1] Klimaschutzbericht 2017 der Umweltbundesamt GmbH, Wien, Österreich. https://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/publikationen/ REP0622.pdf [2] Papp, E. J.; et al.: Riesiges Potenzial an grünem Gas. Forum Gas Wasser Wärme 4/2017. http://www.energieinstitut-linz.at/v2/wp-content/ uploads/2017/09/FORUM_GAS_WASSER_W%C3%84RME_2017_04.pdf [3] Die Bestandsaufnahme der Abfallwirtschaft in Österreich, Statusbericht. Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus, 2019. BWK BD. 71 (2019) NR. 12 45

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