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E N E R G I E F O R U M

E N E R G I E F O R U M A l t e r n a t i v e K r a f t s t o f f e Die Coop Genossenschaft in der Schweiz beschloss im Jahr 2008, bis 2023 CO 2 -neutral zu werden. Dieses Vorhaben sollte unter anderem durch die teilweise Umstellung des Fuhrparks auf Brennstoffzellenantrieb verwirklicht werden. Bild: Coop Power-to-Fuel Schweizer Unternehmen setzen auf „grünen“ Wasserstoff Dass die Schaffung eines flächendeckenden Wasserstoff-Tankstellennetzes keine unlösbare Aufgabe ist, zeigen einige Unternehmen aus der Schweiz. Dort hat sich ein Förderverein zum Ziel gesetzt, eine entsprechende Infrastruktur sukzessive auszubauen. Elektromobilität gilt vielerorts als Allheilmittel zur CO 2 - Reduzierung. Doch die geringe Reichweite und mehrstündigen Ladezeiten stellen ein Problem für privatwirtschaftliche Unternehmen dar. Eine sinnvolle Alternative besteht in der Nutzung von Wasserstoff (H 2 ) als Treibstoff bei Fahrzeugen mit Brennstoffzellen. Damit erreichen Kraftfahrzeuge ähnliche Reichweiten wie mittels herkömmlichem Treibstoff und lassen sich innerhalb weniger Minuten betanken. Doch um Wasserstoff effizient nutzen zu können, ist ein flächendeckendes Tankstellennetz notwendig. Dass das keine unlösbare Aufgabe ist, zeigt die Schweiz. Dort hat sich ein Förderverein, bestehend aus mehreren Unternehmen, zum Ziel gesetzt, die Wasserstofftankstellen-Infrastruktur sukzessive auszubauen. Parallel haben die teilnehmenden Betriebe bereits angefangen, ihre Fuhrparks auf H 2 -betriebene Fahrzeuge umzustellen, damit von Anfang an die Rentabilität der Tankstellen sichergestellt werden kann. Produziert wird der CO 2 -neutrale Wasserstoff in einem Wasserkraftwerk. 46 BWK BD. 71 (2019) NR. 12

A l t e r n a t i v e K r a f t s t o f f e E N E R G I E F O R U M Die Haas Engineering GmbH & Co. KG aus dem baden-württembergischen Gundelfingen war von Anfang an in dieses Vorhaben involviert und erbrachte alle zur Wasserstoff-Produktion notwendigen Ingenieurdienstleistungen. Geschäftsführer Friedrich Haas: „Viele Betriebe haben erkannt, dass Wasserstoff großes Potenzial für eine klimafreundliche Produktion bietet. So wird der Energieträger etwa in der Stahl- und Metallindustrie, bei der Glasherstellung oder bei der Siliziumproduktion genutzt.“ Während der Einsatz in der Industrie bereits zum Alltag gehört, wird er im Bereich der Mobilität noch skeptisch betrachtet. Ein Grund dafür ist unter anderem das lückenhafte Tankstellennetz, aufgrund dessen bisher noch keine flächendeckende Versorgung mit Wasserstoff gewährleistet ist. Ein weiteres, finanzielles Hindernis stellt die sogenannte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)-Umlage dar, die nach dem EEG bei der Herstellung von H 2 anfällt. Im Gegensatz dazu wird die batteriebetriebene Elektromobilität durch Kaufprämien subventioniert. Die ersten Schritte Auch in der Schweiz spielte die Nutzung von Wasserstoff in der Mobilität nur eine unbedeutende Rolle, bis die Coop Genossenschaft, ein dort ansässiger, europaweit tätiger Handelskonzern, im Jahr 2008 beschloss, bis spätestens 2023 CO 2 -neutral zu werden. Das Unternehmen integrierte zunächst sechs Lastkraftwagen mit Batterieantrieb in die betriebseigene Flotte. „Die Anforderungen an unsere Fahrzeuge waren sehr hoch: Sie mussten in der Lage sein, einen Diesel- Lkw mit Anhängerbetrieb der 34-Tonnen-Klasse und identischem Leistungsvermögen zu ersetzen, sprich: in erster Linie eine ähnliche Reichweite generieren“, erklärt Jörg Ackermann, der bei Coop für den energietechnischen Wandel mit verantwortlich ist. „Dies konnten gewöhnliche Elektrofahrzeuge bisher nicht leisten.“ Bei der Suche nach einer Alternative stieß Ackermann 2013 auf die Wasserstofftechnologie, die in der Schweiz bis dato kaum praxiserprobt war. Um gemeinsam den Aufbau eines flächendeckenden Wasserstoffnetzes voranzutreiben sowie in Kooperation mit den zuständigen Behörden die notwendigen regulatorischen Grundlagen zu erarbeiten, führte Coop verschiedene Partner und Forschungsanstalten zu- 2016 eröffnete Coop die erste Wasserstoff - tankstelle in der Schweiz. Bild: Coop Um die Auslastung der Tankstellen zu gewährleisten, arbeitete der Verein eng mit der H2 Energy AG zusammen, die wiederum eine Kooperation mit Hyundai Motor einging. Im Rahmen dieser Kooperation wird der südkoreanische Automobilhersteller bis 2023 rund 1 000 wasserstoffbetriebene Lkw an die Mitglieds - unternehmen in der Schweiz liefern. Bild: Coop Produziert wird der Wasserstoff CO 2 -neutral und ohne Schadstoffe in einem nahen Wasserkraftwerk mithilfe von Elektrolyseuren. Haas Engineering unterstützt Coop und Unternehmen im Umfeld des Fördervereins H2 Mobilität Schweiz seit 2015. Das Ingenieurbüro für Verfahrenstechnik führt unter anderem verschiedene Ingenieurdienstleistungen im Zuge der Planung und Realisierung der Wasserstoffproduktions - anlagen durch. Bild: Coop sammen. Aus diesen Bemühungen heraus entstand im November 2016 die erste Wasserstofftankstelle in der Schweiz, die von einem nahen, CO 2 -neutralen und schadstofffreien Wasserkraftwerk versorgt wird. 2018 folgte die Gründung des Fördervereins „H2 Mobilität Schweiz“ mit heute 17 Mitgliedsunternehmen, dem Ackermann als Präsident vorsteht. Zu den am Projekt beteiligten Unternehmen zählt auch Haas Engineering, das bereits vor 20 Jahren erste Pläne für H 2 -betriebene Industrie- und Mobilitätsanlagen erfolgreich umsetzte. „Wir unterstützen Coop und Unternehmen im Umfeld des neu gegründeten Fördervereins seit 2015 durch umfangreiche Ingenieursdienstleistungen“, erklärt Haas. „Dazu zählt zum Beispiel die Planung von Wasserstoffproduktionsanlagen. Die Herausforderung liegt hier vor allem darin, die Projektziele bereits zu Beginn klar zu definieren, um spätere Änderungen möglichst gering halten zu können.“ Für das Schweizer Projekt liegt eine ungewohnte Ausgangslage vor. Dies betrifft insbesondere die gesetzlichen Richtlinien und Genehmigungsverfahren für die Elektrolyseanlagen und Tankstellen. Ein flächendeckendes Tankstellennetz ist das Ziel Mit der Inbetriebnahme einer einzigen Tankstelle gab sich der Schweizer Förderverein jedoch nicht zufrieden: „Die Umrüstung des Fuhrparks auf wasserstoffbetriebene Fahrzeuge lohnt sich nur, wenn die Infrastruktur flächendeckend vorhanden ist“, erläutert Ackermann. „Damit sich ein solches Tankstellennetz jedoch rentiert und ausgelastet ist, müssen wiederum genügend Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs sein, die mit Wasserstoff betrieben werden.“ Der Förderverein hat es sich deshalb zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2023 ein flächendeckendes Wasserstofftankstellennetz in der Schweiz aufzubauen. Die aktuell 17 Mitgliedsunternehmen betreiben bis jetzt zusammen insgesamt 2 000 konventionelle Tankstellen und einen Fuhrpark mit rund 4 000 schweren Nutzfahrzeugen. Dadurch ist der Verein in der Lage, die notwendige Infrastruktur mit einem vergleichsweise moderaten Aufwand selbst zu etablieren und diese durch einen eigenen Fuhrpark auch wirtschaftlich zu nutzen. Auf diese Weise entsteht wiederum ein Anreiz für andere Unternehmen und Privatpersonen, ebenfalls BWK BD. 71 (2019) NR. 12 47

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